Apertura
Twitter / Central Tigre

Saisonstart in Mexiko: Wer nimmt es mit Tigres auf?

In der Nacht auf Samstag geht das Torneo Apertura in eine neue Runde. Mit Rückkehrer Guido Pizarro stärkt Tigres seine Favoritenrolle weiter, Stadtrivale Monterrey ließ mit dem Transfer von Rodolfo Pizarro aufhorchen.

Das neue Fußballjahr startete gleich mit einer Machtdemonstration. Beim „Campeón de Campeones“, dem Duell zwischen Apertura- und Clausura-Meister, setzten sich die erfolgsverwöhnten Tigres mit einem satten 4:0 gegen Santos Laguna durch, das sich zwei Monate zuvor noch die Meisterschaft gesichert hatte. Doch bezeichnend waren nicht nur die 90 Minuten im StubHub Center in den USA, sondern auch der gegensätzliche Verlauf des Sommers. Während Tigres sein Starensemble beisammen hielt und Schlüsselspieler Guido Pizarro nach einem Jahr in Sevilla gar wieder nach Mexiko lotste, verlor Santos seinen Kapitän Carlos Izquierdoz, dessen Abwehrpartner Néstor Araujo sowie Torjäger Djaniny. Lediglich Innenverteidiger Martín Hugo Nervo aus Argentinien kam bislang als adäquater Ersatz.

Während Tigres seit Jahren für Konstanz und Titelgewinne steht, wechselt die Konkurrenz immer wieder durch, einen klaren Verfolger gibt es nicht. Santos genoss im vergangenen Halbjahr den kurzen Moment des Ruhms, dürfte mit dem aktuellen Kader aber zunächst einmal das Ziel haben, die Top-Acht und damit die Play-offs zu erreichen. Deutlich ambitionierter zeigte sich zumindest in personeller Hinsicht Tigres’ Stadtrivale Monterrey, der mit Rodolfo Pizarro für 14,5 Millionen Euro den mit Abstand teuersten Transfer des Sommers stemmte, hinzu kam mit Jesús Gallardo ein mexikanischer Nationalspieler und WM-Teilnehmer. Nach dem Abgang von Trainer Antonio Mohamed nach Spanien wechselte Diego Alonso von Pachuca in den Norden und soll nun das schaffen, was seinem Vorgänger bei zwei Vizemeisterschaften verwehrt blieb: Die erste Meisterschaft seit 2010.

Ambitionen in der Hauptstadt

Nach Erfolgen dürstet es auch die Hauptstadt mit den drei Traditionsklubs América, Pumas und Cruz Azul. Rekordmeister América hielt die Fahne des D.F. in den letzten Jahren nahezu im Alleingang hoch und gehörte stets zum Favoritenkreis um den Titel. Allerdings schlugen die vielen Transfers der Águilas in den letzten Jahren selten ein wie erhofft, vom absoluten Favoriten auf die Meisterschaft wurde man lediglich zu einem von vielen Kandidaten an der Spitze. Nach dem Halbfinal-Aus im letzten Jahr investierte man gezielt, holte Luis Reyes und Jorge Sánchez für die defensiven Außenbahnen und zahlte 8,5 Millionen Euro für 50 Prozent der Rechte von Königstransfer Roger Martínez im Sturm.

In großen Dimensionen investierte Cruz Azul, das nach dem Abriss seiner alten Heimstätte fortan ebenfalls im Estadio Azteca spielt und das erste Jahr im neuen Zuhause standesgemäß angeht. Mit Elías Hernández kam für 6 Millionen Euro einer der besten Vorlagengeber der letzten Jahre, Milton Caraglio, der für die gleiche Summe verpflichtet wurde, soll als Nutznießer der Assists fungieren. Auch Mittelfeldspieler Iván Marcone aus Lanús und die Abwehrspieler Pablo Aguilar und Igor Lichnovsky sind kluge Verstärkunen für die Mannschaft von Trainer Pedro Caixinha, der nach den verpassten Play-offs im Vorjahr bereits unter Druck steht.

Und auch die Pumas haben als Dritter im Bunde eine gute Transferperiode hinter sich, neben Angreifer Carlos González aus Necaxa holte man mit Victor Malcorra und Juan Iturbe sowie Felipe Mora und Martín Rodríguez zwar vermeintliche Restposten von Tijuana und Cruz Azul, dennoch besitzt das Quartett eine Menge Qualität, womit die Abgänge von Torjäger Nico Castillo und Jesús Gallardo aufgefangen werden sollen.

Der weitere Kreis

Weit weniger auffällig bewegten sich Vizemeister Deportivo Toluca, Tijuana, Pachuca und León auf dem Transfermarkt. Alle Vier haben grundsätzlich den Anspruch, sich unter den ersten Acht zu platzieren, hatten zuletzt aber immer wieder mit Schwankungen zu kämpfen. Auf ganz große Transfers verzichtete man jeweils, dafür konnten aber auch weite Teile der Mannschaft gehalten werden.

Spannend wird es etwas weiter unten, wo die für zwei Jahre ausgesetzt Abstiegsregelung auf offensiveren Fußball und mehr Mut zum Risiko hoffen lässt, schließlich gibt es im Hinblick auf die sportliche Zukunft erst einmal nichts zu befürchten. Klubs wie Puebla, Querétaro, Veracruz oder der letztjährige Aufsteiger Lobos könnten vermehrt auf Beständigkeit setzen und haben mit Beginn des Torneo Apertura die beinahe schon einmalige Chance, mit Geduld etwas Langfristiges zu entwickeln.