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Tigres gewinnen im Clásico und krönen sich zum Meister

Im Clásico Regiomontano um die mexikanische Meisterschaft hat sich Tigres UANL gegen Erzrivale Rayados durchgesetzt und seinen sechsten nationalen Titel gefeiert. Nach einem 1:1 im Hinspiel ging das Rückspiel in Monterrey mit 2:1 an den Universitätsklub.

Als Avilés Hurtado seinem Elfmeter hinterherschaute, verriet sein Blick viel über die Gefühlslage von Monterrey im Final-Rückspiel gegen Lokalrivale Tigres am gestrigen Abend. Beim Stand von 1:2 hatte der Kolumbianer, nach der regulären Saison zum Spieler des Jahres gewählt, in der 83. Minute die große Chance, mit einem Foulelfmeter zum 2:2 auszugleichen und seine Rayados in die Verlängerung zu retten. Doch Hurtado versagten die Nerven, er feuerte den Ball um Zentimeter am rechten Winkel vorbei und schien zehn Minuten vor dem Ende alle Hoffnung verloren zu haben. Tatsächlich gelang es den Gastgebern in einer aufregenden Schlussphase nicht mehr, zumindest noch auszugleichen und damit das vorzeitige Ende abzuwenden. So feierte am Ende einmal mehr der Lokalrivale aus dem Norden der Stadt, der seinen Status als erfolgreichster mexikanischer Klub der letzten Jahre erneut bestätigte und seinen dritten Apertura-Titel in Serie feierte. „Ich habe nun so viel gefeiert wie mir zusteht und jetzt denke ich an die nächste Saison“, scherzte Erfolgstrainer Ricardo Ferretti wenige Minuten nach der Pokalübergabe mit einem verschmitzten Grinsen.

Vier entscheidende Minuten

Dabei hätte die Partie im heimischen Estadio BBVA Bancomer für Monterrey zunächst nicht besser beginnen können, schon nach zwei Minuten traf Dorlan Pabón auf Vorlage von Sturmkollege Rogelio Funes Mori zur 1:0-Führung. Einmal mehr bewährte sich das Erfolgsrezept eines langen Balles aus der aufbaustarken Abwehr, den diesmal Nationalspieler César Montes präzise auf die Brust des Argentiniers geflankt hatte. Doch anders als in den vorigen Play-off-Heimspielen machte Monterrey nicht direkt stürmisch weiter, vielmehr wollte man die Offensive dosieren und nahm entsprechend schnell den Druck raus. Zwar blieb die Mannschaft von Trainer Antonio Mohamed feldüberlegen, doch die hohe Intensität und das aggressive Pressing, die in Viertel- und Halbfinale zu bereits deutlichen Halbzeitführungen geführt hatten, kamen nicht zum Einsatz.

So konnten sich die Tigres nach und nach entfalten und nach einer halben Stunde mit einem Doppelschlag binnen 248 Sekunden aus dem 0:1-Rückstand eine 2:1-Führung machen. In der 31. Minute war es zunächst Eduardo Vargas, der einen Flachschuss aus 16 Metern im Tor unterbrachte und dabei davon profitierte, dass der Ball auf dem holprigen Rasen noch einmal vor Torhüter Hugo González aufsprang und ihn so unangenehm überraschte. Vier Minuten später führte eine Ecke zum Erfolg, Rafael Carioca flankte nach kurzer Ausführung an den Fünfmeterraum, wo sich Francisco Meza im Luftkampf durchsetzte und einen Kopfball aus fünf Metern in die Maschen wuchtete. „Ich will nicht den Eindruck entstehen lassen, dass wir zu genügsam sind. Aber die Mannschaft spielt immer dann am besten, wenn es wirklich drauf ankommt“, erklärte Ferretti das Erfolgsrezept seines Teams. Wie sehr es in der Mannschaft stimmt, bewies Kapitän Juninho vor der Pokalübergabe. Er reichte die Binde an Damián Álvarez weiter, der die Stiefel zum Jahresende an den Nagel hängt und zum Abschluss den Pokal in die Höhe recken durfte. Schon beim Abschlusstraining im heimischen Stadion war der Argentinier von den 36.000 anwesenden Zuschauern mit Sprechchören gefeiert worden.

Monterrey unter seinen Möglichkeiten

Trotz der Erfolge der vergangenen Jahre hatten viele den Universitätsklub vor dem Finale nur in der Außenseiterrolle gesehen, zu stark waren die Eindrücke, die der Lokalrivale über die gesamte Saison hinterlassen hatte. Doch in den Finalspielen halfen Monterrey weder die beste Defensive noch die beste Offensive der regulären Saison. Im Hinspiel war die Pandilla mit dem 1:1-Unentschieden bereits gut bedient, im Rückspiel entstand zu keiner Zeit der gefürchtete Offensivwirbel, mit dem man Tigres noch vor drei Wochen am letzten Spieltag der Hauptrunde souverän mit 2:0 besiegt hatte. So gab es nach zuvor zehn Siegen und einem Remis die erste Heimniederlage der Saison, zum ersten Mal musste man zwei Gegentore in einer Partie hinnehmen und konnte darauf bis zuletzt nicht reagieren.

Erst im zweiten Durchgang erhöhte der Superlíder den Druck und kam zu mehreren guten Chancen, doch spielerisch wirkte der Auftritt weiterhin deutlich weniger geschliffen als üblich. Und wenn es doch einmal bis in den Strafraum ging, war in aller Regel Gäste-Verteidiger Meza zur Stelle, der neben seinem Treffer zum 2:1 zahlreiche brenzlige Situationen in letzter Sekunde klärte und als Vertreter des gesperrten Hugo Ayala zum Held des Abends aufstieg. „Ich wusste, dass das mein Moment sein würde, diese Chance konnte ich nicht verstreichen lassen“, beschrieb er seine Gedanken in den Sekunden vor dem Kopfball zum Siegtreffer.

Ein letztes Mal zittern mussten die Gäste beim Elfmeter rund zehn Minuten vor dem Ende, nachdem André-Pierre Gignac im eigenen Strafraum den Fuß von Gegenspieler Jorge Benítez getroffen hatte. Doch der folgende Fehlschuss von Hurtado nahm Monterrey die Hoffnung. Mit verzweifelten langen Bällen versuchte man es bis zum Schluss, doch die leidenschaftlich verteidigenden Tigres konnten den Sieg letztlich über die Zeit retten.

Ferretti bei Tigres auf dem Weg zur Legende

Mit seinem insgesamt sechsten Meistertitel, vier davon beim aktuellen Arbeitgeber, schob sich der Brasilianer in der Riege der erfolgreichsten Trainer der mexikanischen Geschichte bereits auf Platz zwei vor, den er sich mit dem im letzten Jahr verstorbenen Raúl Cárdenas teilt. Nur noch eine Meisterschaft entfernt liegt der legendäre Nacho Trellez, mit sieben Titel alleiniger Rekordhalter und mit inzwischen 101 Jahren eine der größten noch lebenden Institutionen des nationalen Fußballs. Auch in der Kategorie der Trainer mit den meisten Spielen wandelt Ferretti auf den Spuren von „Don Nacho“, der mit 1083 Partien nur noch 37 Spiele vor seinem ärgsten Verfolger liegt. Traditionell zeigte dieser sich schon beim Verlassen des Stadions ohne den charakteristischen Schnauzbart, den ihm seine Spieler wie üblich während der Siegesfeier abrasierten.

Deutlich stiller war es um seinen Gegenüber Antonio Mohamed, der nach seiner zweiten Finalniederlage mit Monterrey die Öffentlichkeit komplett mied und keine Stellungnahme abgab. Der Argentinier muss seine Truppe nun schnell wieder aufrichten, in zehn Tagen steht zum Jahresabschluss noch das Pokalfinale gegen Pachuca an, das Mexiko derzeit bei der Klub-WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten vertritt. Immerhin blieb ihm und seiner Mannschaft nach der historischen Niederlage der Spott des Gegners erspart, der sich als würdiger Gewinner präsentierte. Javier Aquino zog es vor, den Titel auszukosten, statt sich mit Seitenhieben auf den Konkurrenten abzulenken und Gignac freute sich vielmehr über die Strahlkraft des Lokalduells im Kampf um den nationalen Titel: „Heute hat Monterrey gewonnen, die gesamte Stadt. Wir haben eine wunderschöne Stadt voller Leidenschaft für den Fußball.“