Panama

WM-Vorschau Panama: Großer Abschied für die alte Garde

Als WM-Neuling und ohne große Ziele geht Panama die WM in Russland an. Jeder Punkt wäre ein gewaltiger Erfolg, das Achtelfinale eine kaum vorstellbare Sensation.

Nach über 15 Jahren im Nationalteam hatten Routiniers wie Torhüter Jaime Penedo (36) und Kapitän Felipe Baloy (37) innerlich wohl schon mit dem ganz großen Karrierehighlight abgeschlossen, doch nach der überraschenden WM-Qualifikation der Canaleros dürfen sie in Russland ihre lange Laufbahn mit dem ganz großen Highlight krönen. „Wir wollen diesen wunderbaren Traum genießen“ freut sich Baloy, der, ebenso wie die Angreifer Blas Pérez (37) und Luis Tejada (36), bereits angekündigt hat, nach der Endrunde zurückzutreten.

Der Weg nach Russland

13 Punkte und nur drei Siege aus zehn Spielen – Panama schleppte sich mit Minimalismus als Dritter zum direkten WM-Ticket, schließlich war es im 1996 eingeführten Hexagonal in der Qualifikation der CONCACAF noch keinem Land gelungen, mit derart schwacher Ausbeute das Ticket zu lösen. Im letzten Spiel gegen Costa Rica musste man zudem lange zittern, erst ein Phantomtor von Gabriel Torres in der 55. Minute, der späte Siegtreffer von Román Torres (88.) sowie die Niederlage der USA bei Trinidad & Tobago ebneten den Weg nach Russland.

Panamas WM-Geschichte

Nicht nur für die vielen Routiniers, für ganz Panama ist die WM Neuland: Noch nie hat man es unter die Teilnehmer geschafft, entsprechend sprach Landespräsident Juan Carlos Valera den 11. Oktober, den Tag nach der Qualifikation, zum landesweiten Feiertag aus

Die Mannschaft

Qualitativ gehört die Mannschaften zu den schwächsten im Feld, die Schlüsselspieler haben ihren Zenit schon weit überschritten, die folgende Generation rückt nur langsam nach und spielt in Russland daher nur eine untergeordnete Rolle. Torhüter Penedo ist ein verlässlicher Rückhalt, die Defensive im zuletzt häufiger praktizierten 5-4-1-System überzeugt durch Robustheit und großen Willen, hat bei hohem Tempo aber große Defizite. In der Abwehr sollen die jungen Michael Murillo und Fidel Escobar für etwas mehr Geschwindigkeit sorgen, Routiniers wie Baloy, Torres oder Adolfo Machado entsprechen eher der klassischen Verteidiger-Schule und haben ihre Stärken im Zweikampfverhalten. Das zentrale Mittelfeld ist mit MLS-Legionär Aníbal Godoy und Rekordnationalspieler Gabriel “Gavilán” Gómez läuferisch und physisch gut besetzt und gehört zu den besseren Mannschaftsteilen. Nach der Systemumstellung auf eine Fünferkette kam die offensive Produktion der Mannschaft nahezu komplett zum Erliegen. Trainer Hernán Darío Gómez hat es noch nicht geschafft, das Umschaltspiel bei tiefstehender Ausrichtung zu verbessern. Das zuvor über Jahre gespielte 4-4-2 offenbarte hingegen zu große Lücken in der Defensive, wenngleich es mit zwei Spitzen deutlich besser gelang, sich offensiv in Szene zu setzen.

Der Trainer

„Bolillo“ Gómez besitzt im Lager der Canaleros noch die größe WM-Erfahrung, als Trainer führte er 1998 sein Heimatland Kolumbien und 2002 Ecuador zu den WM-Endrunden in Frankreich sowie Japan und Südkorea, scheiterte aber jeweils in der Vorrunde. Seit 2014 verbesserte er das Nationalteam kontinuierlich, sodass selbst bei einem enttäuschenden Abschneiden in Russland davon auszugehen ist, dass er auch den folgenden Umbruch gestalten soll.

Der Schlüsselspieler

Von den zehn Feldspielern ragt niemand auf WM-Niveau heraus, die größten Hoffnungen auf ein gutes Turnier macht noch Torhüter Jaime Penedo. Der Weltenbummler wird im Land wie ein Heiliger verehrt und ist ein zuverlässiger Rückhalt mit starken Reaktionen. Nach Jahren in Guatemala, den USA und Costa Rica wechselte er 2016 überraschend noch einmal nach Europa und ist seitdem Stammtorhüter bei Dinamo Bukarest.

Das Talent

Rechtsverteidiger Michael Murillo setzte sich in der laufenden Saison bei den New York Red Bulls in der MLS durch und zog Gerüchten Zufolge bereits das Interesse europäischer Klubs auf sich. Der 22-Jährige, der auch innen verteidigen kann, hält seine Linie zuverlässig dicht und schaltet sich dank guter Ausdauer auch in die Offensive ein. Mit einer überzeugenden WM-Vorrunde könnte er den Weg für den Sprung über den großen Teich bereiten.

Die Chefutbol-Prognose

Panama geht beim WM-Debüt mit einer überalterten Mannschaft und begrenzter Qualität ins Rennen, in einer Gruppe mit Belgien, England und Tunesien ist das Achtelfinale daher praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Für viele Altstars ist das Turnier ein Abschied nach langen Jahren in Diensten des Nationalteams, die nachrückenden Jungen können das Turnier nutzen um wertvolle Erfahrung zu sammeln.