Torneo Descentralizado Apertura: Wieder jubelt Cristal

Wie viele andere lateinamerikanische Länder spielt auch Peru Kurzturniere aus. Der Titelträger des am Montag zu Ende gegangenen Torneo Apertura heißt Sporting Cristal. Damit wiederholen die Himmelblauen ihren Triumph aus dem Eröffnungsturnier Torneo de Verano und festigen ihren Ruf als Perus aktuell beste Vereinsmannschaft. Auch der beste Spieler der Halbserie spielt für Cristal.

Der Saisonverlauf: Die erste Hälfte der Apertura schien einen spannenden Titelkampf zu versprechen, denn kein Team konnte sich so richtig absetzen oder auch nur dauerhaft an der Spitze halten. Neben Sporting Cristal, das das Eröffnungsturnier Torneo de Verano gewonnen hatte, galten besonders Vorjahresmeister Alianza sowie das normalerweise recht konstante Melgar als Titelkandidaten, doch auch Überraschungsteams wie Sport Rosario oder Binacional hielten sich im Windschatten. So ging es acht Spieltage lang, ehe Cristal einen Gang höher schaltete: 3:0 gegen San Martin, 1:0 gegen Universitario, 4:0 gegen Cantolao, 1:0 gegen Ayacucho. Ein Zwischenspurt, mit dem die Cerveceros sieben Punkte zwischen sich und das Verfolgerfeld brachten – genug für den Titel, denn die anderen Kandidaten waren reichlich inkonstant. Als hätte es hierfür noch eines Beweises bedurft, verlor der letzte echte Verfolger, Alianza, sein vorletztes Spiel mit 0:1 gegen UTC, und Sporting Cristal durfte auf dem heimischen Sofa den Titel feiern. Die Intimos liefen letztlich mit fünf Punkten Rückstand als Vizemeister ein, waren aber immer noch best of the rest. Dahinter folgte ein breites Mittelfeld, in dem vor allem der späte Absturz von Sport Rosario (Zweiter nach neun Spielen, Zwölfter am Ende) und die Aufwärtstrends bei Garcilaso, UTC und Union Comercio erwähnenswert erscheinen. Die extrem populären Teams von Sport Boys und Universitario punkteten etwas besser als im Torneo de Verano, müssen aber weiter mit Abstiegskampf rechnen. Am Ende der Apertura-Tabelle stehen derweil die fußballerisch starke, aber ineffiziente Universidad San Martín, das auch von Mario Viera nicht stabilisierte Ayacucho und vor allem die sieglosen Comerciantes Unidos.

Der Meister: Viel hat sich im Spiel von Sporting Cristal seit dem überzeugenden Sieg im Torneo de Verano nicht getan: Von vorne bis hinten sind die Himmelblauen Perus beste Mannschaft. Noch mehr als die 27 Tore der starken Offensive um Gabriel Costa und Emanuel Herrera überzeugten in der Apertura aber die nur sieben Gegentreffer. Mario Salas‘ präzise taktische Vorgaben und die Verpflichtung des argentinisch-chilenischen Abwehrchefs Omar Merlo stabilisierten die im Vorjahr noch chaotische Defensive, in der sich selbst ein Wackelkandidat wie Renzo Revoredo deutlich verbesserte. Auch Torwart Patricio Alvarez und der junge Linksverteidiger Marcos López machten einen Sprung nach vorne, der mit ihrer Nominierung für die Nationalmannschaft belohnt wurde. Nur bei der Niederlage gegen Alianza Lima (1:2) musste Alvarez zweimal hinter sich greifen, doch dieses Spiel sollte die einzige Pleite bleiben. Somit stehen die Cerveceros schon sicher im Finale um den Jahrestitel gegen den Sieger der Clausura – mit einer Einschränkung: Momentan erscheint es realistisch, dass Comandante Salas und sein Team auch diesen Titel einfahren werden, womit ein Finalspiel natürlich überflüssig würde. Der neunzehnte Titel für Cristal wäre auch ein verdientes Karriereende für einen der besten peruanischen Fußballer des letzten Jahrzehnts: Carlos Lobatón. Der mittlerweile 38-jährige Loba ist in der Kabine der unangefochtene Leader der Cerveceros und wird von Mario Salas so dosiert und intelligent eingesetzt, so dass er auch in seinem letzten Karrierejahr noch einige tolle Momente hat – wie beispielsweise bei seinem Golazo gegen Cantolao.

Die Überraschung: Eine klassische Überraschung gab es nicht, tatsächlich spielten fast alle Teams im Rahmen ihrer Erwartungen. Doch vor einer kleinen Formdelle am Ende (drei Spiele, ein Punkt) hatte Binacional überraschend tatsächlich noch Titelchancen. Der Aufsteiger aus der Copa Perú blieb das gesamte Turnier über bei Heimspielen (die diesmal in Moquegua ausgetragen wurden) unbesiegt und war auch auswärts stets ein unangenehmer Gegner. Dabei war Organisation Trumpf – die kompakte Defensive erlaubte Torwart Sotillo viele Zu-Null-Spiele und dem mit Abstand besten Fußballer der Mannschaft, dem Zehner Milton Benítez, einige Freiheiten. Dazu kamen einige Glücksgriffe von Coach Luis Puchito Flores, dessen Joker mehrmals Punkte retteten. Dank der ebenfalls mehr als soliden Leistung im Torneo de Verano scheint Binacional bereits praktisch gerettet und hat auf Rang 8 der Jahrestabelle alle Chancen auf die Copa Sudamericana.

Die Enttäuschung: Wie schon erwähnt stellt die Tabellenposition der meisten Klubs keine große Überraschung dar – weder positiv noch negativ. Am weitesten hinken nominell wohl Melgar (Sechster) und Huancayo (Zehnter) hinter den eigenen Ansprüchen her, doch fehlten zu einer besseren Tabellenposition jeweils nur ein paar Pünktchen. Viel schlimmer ist die Lage bei den Comerciantes Unidos, deren letzter Tabellenplatz vielleicht sogar erwartbar war – nicht aber mit nur vier Zählern aus 15 Spielen. Tragischerweise gewann die Mannschaft sogar ein Spiel, doch ausgerechnet da war der gelbgesperrte Junior Aguirre zum Einsatz gekommen, und die drei Punkte wurden wieder aberkannt. In den ersten beiden Erstligajahren hatten die Aguilas eigentlich einen guten Eindruck hinterlassen, doch seit sie ihre Heimspiele wegen des dort furchtbaren Kunstrasens (dessen Verbot auch die in diesem Jahr auffällig weniger heimstarken Ayacucho, UTC und Municipal zum Umzug zwang) nicht mehr im heimischen Cutervo, sondern im einige Stunden entfernten Guadalupe austragen muss, spielt die Mannschaft desolat. Die miserable Kaderplanung hat da ihren Anteil, denn dass beispielsweise das völlige Fehlen eines Keepers auf Erstliganiveau einige Punkte kosten würde, war auch keine große Überraschung. So setzte es üble 31 Gegentore, insbesondere die Niederlagen gegen Alianza (1:5), Cantolao (0:4) und Universitario (3:4) schmerzten. Bei nun 13 Punkten Rückstand auf Universitario brauchen die Aguilas nun ein echtes Wunder für den Klassenerhalt, doch mit den offensiven Mittelfeldspielern Jeremias Bogado und Junior Aguirre drohen jetzt auch noch die beiden besten Fußballer der Mannschaft mit dem Abgang – keine guten Aussichten für Coach Juan Pajuelo, auf dessen dauerhaften Verbleib wohl niemand einen Pfifferling setzt.

Der Topscorer: Nach einem von Auf und Abs geprägten Vorjahr spielte Sporting Cristals Gabriel Costa schon eine wesentlich konstantere Rolle im Torneo de Verano, in dem er trotz zehn Scorerpunkten etwas im Schatten von Sturmpartner Emanuel Herrera stand. In der Apertura drehte sich das Blatt nun: Gabriel Costa war nicht nur mit sechs Assists (wie Alianzas Alejandro Hohberg) bester Vorbereiter der Liga, sondern verwies mit satten zwölf Treffern in 14 Spielen auch Herrera auf Platz zwei der Torjägerliste (mit Cantolaos Fabián González und Comercios William Mimbela). Und die Zahlen lügen nicht: Costa war der wichtigste Spieler des Meisters, hatte fast immer eine zündende Idee parat und zeigte als hängende Spitze oder Rechtsaußen auch die von Mario Salas geforderte Flexibilität. Dabei zeigte Costa die Abgezocktheit eines echten Stürmers, traf aus allen Lagen und mit beiden Füßen – der Doppelpack im Meister-Schaulaufen gegen Rosario war der passende Saisonabschluss: Einmal antizipierte er mit einem entschlossenen diagonalen Lauf eine durchrutschende Hereingabe von Lopez, dann ließ er in der Schlussminute zwei Gegenspieler stehen und traf mit links per Innenrist ins lange Eck. Ob Nationaltrainer Ricardo Gareca wohl zugeschaut hat? Der gebürtige Uruguayer Costa hat auf jeden Fall schon seit Dezember den peruanischen Pass und tat kürzlich kund, eine mögliche Nominierung für die Blanquirroja wohl zu akzeptieren.