Torneo Descentralizado 2017

Peru: Alianza Lima beendet das lange Warten

Elf lange Jahre des Wartens sind zu Ende, nun dürfen die Intimos feiern: Alianza Lima Campeón! Nach der Apertura gewannen die Weiß-Blauen nun auch die Clausura und ersparen sich so ein Entscheidungsspiel. Wir schauen auf das Torneo Descentralizado 2017 zurück.

Die Karriere des uruguayischen Stürmers Gabriel Leyes hat bisher wenige Höhepunkte gekannt: Ein Copa-Libertadores-Spiel mit Peñarol, kein Titel, ein paar Erstligatore in Uruguay, keine große persönliche Auszeichnung. Doch Pablo Bengoechea, der Coach von Alianza Lima, vertraute seinem Landsmann und lotste ihn im August nach Peru, auf dass er den Klub zum Titel schieße. Der Mittelstürmer jedoch traf in seinen ersten elf Spielen nur ein einziges mal und rutschte in der Stürmerhierarchie hinter den Kolumbianer Lionard Pajoy. Sein Team war dennoch auf Titelkurs, brauchte am Sonntag nur noch einen Sieg im letzten Heimspiel gegen Comerciantes Unidos. Leyes saß wieder auf der Bank und musste zuschauen, wie seine Kollegen keinen Weg durch die vielbeinige Abwehr der Aguilas fanden. Erst nach einer Stunde, beim Stand von 0:0, gab ihm Bengoechea das Signal zur Einwechslung. Fünf Minuten später war Gaby für immer in den Herzen der vielen Alianzistas des Landes: Nur Sekunden brauchte er für seinen Kopfballtreffer zum 1:0 nach der Flanke von Luis Aguiar, und kaum war der Jubel zumindest auf dem Rasen beendet – auf den Tribünen dagegen herrschte immer noch Ekstase – kam nach einem Freistoß erneut Leyes zum Kopfball. Torwart Rosales konnte nur nach vorn abwehren, und da stand: Gaby. Aus einem Meter schob er den Ball über die Linie und beendete alle Hoffnungen der Verfolger, Alianza doch noch abzufangen. Der Doppelpack bedeutete Alianzas Titelgewinn in der Clausura und gleichzeitig auch den nationalen Meistertitel 2017.

Der Saisonverlauf:

Schon die Apertura hatte Alianza Lima gewonnen. Damals war der Titelgewinn vom Punktabzug gegen Real Garcilaso geprägt, der kurioserweise eine Woche vor Ende der Clausura(!) zurückgenommen wurde. Nur die Tordifferenz ersparte der peruanischen Liga die Totalblamage, rückwirkend Garcilaso zum Sieger der Apertura erklären zu müssen. Die Clausura verlief in weiten Teilen ohne Überraschungen und Drama: Schon früh setzten sich Garcilaso und Alianza Lima an der Spitze etwas ab, letztlich gaben Alianzas starke Schlussphase (vier Siege in Serie) und Garcilasos Heimniederlage am 13. Spieltag gegen Huancayo den Ausschlag. Das Verfolgerfeld war wie schon in der Apertura zu unkonstant, wobei Melgar – als Sieger des Torneo de Verano schon lange für die Copa Libertadores qualifiziert und nach dem Abgang von Juan Reynoso etwas beständiger – und Universitario den Anschluss zumindest nie ganz abreißen ließen. In der Jahrestabelle, in die Torneo de Verano, Apertura und Clausura eingehen, ergab sich so ein signifikanter Vorsprung von Alianza und Garcilaso auf den Rest der Liga.

Noch wichtiger war die Jahrestabelle für die Teams dahinter. Selbst im Abstiegskampf, in dem kurz vor Ende noch fünf Teams zu stecken schienen, verlief die Entscheidung letztlich undramatisch: Durch das Sportgerichtsurteil zu Gunsten von Garcilaso verloren Alianza Atlético und Juan Aurich drei überlebenswichtige Punkte und standen schon vor dem vorletzten Spieltag als Absteiger fest. Wirklichen Nervenkitzel bot dagegen vor allem die Qualifikation für die Copa Libertadores: Universitarios überraschende Niederlage gegen Cantolao eröffnete UTC die Möglichkeit, noch auf Platz 4 der Jahrestabelle vorzurücken, doch am Ende fehlte dem Gavilán ein einziger Treffer für eine historische Platzierung. Gemeinsam mit Huancayo, Sport Rosario und Sporting Cristal dürfen die Cajamarquinos nächste Saison ihr Glück in der Copa Sudamericana versuchen. Bemerkenswert: Durch Alianzas doppelten Titelgewinn und den klaren Abstiegskampf gibt es erst zum dritten Mal in den letzten 20 Jahren keine Finals oder Entscheidungsspiele zum Saisonende.

Der Sieger:

Alianza Lima zeigte über das ganze Jahr ein Gesicht: Nie brillant, nie fehlerfrei, aber entschlossen und nervenstark. Das reichte für einen sehr guten Punkteschnitt und war mehr, als die weitgehend inkonstante Konkurrenz zu bieten hatte. Dazu kam das nötige Glück, in beiden Wettwerb einen Tick vor dem Verfolger Garcilaso zu landen. Die Intimos wurden dabei vom kundigen Coach Pablo Bengoechea angeleitet, der eine erfahrene Mannschaft intelligent führte und mit viel Rotation und dem Einsatz von Jungspunden genau die richtige Balance fand: Angetrieben wurde Alianza oft von den erfahrenen Leao Butron, Paolo de la Haza, Rinaldo Cruzado und Luis Ramírez, aber auch ohne die jungen Kevin Quevedo und Aldair Fuentes – wohl die Entdeckung der Saison – wäre der Titel nicht denkbar gewesen. Dabei hatte Alianza außer Torwart Butrón  keinen herausragenden Akteur, fand aber oft genug einen überraschenden Matchwinner, so wie Leyes im letzten Spiel gegen Comerciantes oder in der Hinrunde Gonzalo Godoy beim eminent wichtigen 3:2 über San Martín. Bester Scorer war ein Landsmann von Leyes, Godoy und Bengoechea: Luis Aguiar, der zentrale Mittelfeldspieler, traf 15 mal und legte acht weitere Tore auf. Auch dank ihm haben die Männer in blau-weiß Historisches geleistet: Ein elf Jahre alter „Fluch“ war den Intimos, die seit 2006 vergeblich dem Meistertitel nachjagten, schon angedichtet worden. Nun ist der Spuk zu Ende.

Die Überraschung: Über die drei Turniere war Sport Rosario vielleicht die größte Sensation. Der Aufsteiger aus der Copa Peru ging mit einem qualitativ guten, aber sehr kleinen Kader in die erste Profisaison seiner Geschichte. Viele Experten schoben den guten Saisonstart vor allem auf die Höhe von Huaraz, in der das Team einige überraschende Siege landete. Nach dem starken Beginn verlor der Canalla de los Andes jedoch mit dem Argentinier Gerardo Ameli seinen Erfolgscoach an Municipal, und die Leistungen des Teams ließen etwas nach. Spätestens mit dem Abgang des überragenden Pablo Lavandeira schienen die internationalen Träume dann ausgeträumt, doch Trainer Gustavo Onaindia riss das Ruder noch herum und spielte eine gute Clausura, die für die Copa Sudamericana reichte. Der wichtigste Leistungsträger der ausgeglichen besetzten und kampfstarken Mannschaft waren Ex-Nationalkeeper Salomón Libman, der sogar einen Kopfballtreffer erzielte, doch nach dem Abgang von Lavandeira sprang mit dem pfeilschnellen Christian Adrianzén und Stoßstürmer Janio Pósito sprangen auch zwei Offensivspieler in die Bresche, mit denen die wenigsten gerechnet hatten. Auch UTC, die an dieser Stelle im Torneo de Verano schon Erwähnung gefunden hatten, kann eine sensationelle Saison attestiert werden, auch wenn in der Clausura leichte Ermüdungserscheinungen sichtbar wurden.

Die Enttäuschung: Ohne Wenn und Aber Sporting Cristal. Der Titelverteidiger war mit größten Ambitionen gestartet, flog aber auf das Peinlichste aus der Copa Libertadores und blamierte sich auch auf heimischem Boden regelmäßig bis auf die Knochen. 15 Niederlagen setzte es für José del Solar und seinen Nachfolger Pablo Zegarra, die insbesondere die Defensive nie in den Griff bekamen: 60 Gegentore kassierten die Cerveceros, denen es in der Abwehr an Quantität und Qualität fehlte. Dabei war der Angriff meisterwürdig, die 76 Tore der Mannschaft aus Rímac überbot nur Garcilaso. So wurden Ray Sandoval und Irven Avila zwischendurch zum Traumangriffsduo der Liga, während sich in der Defensive mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Spieler wie Mauricio Viana oder Renzo Garcés in Slapstickeinlagen überboten. Am Ende stand der achte Platz und gerade noch so die Copa Sudamericana – viel zu wenig für den Klub, der vor der Saison als  Meisterschaftsfavorit gehandelt worden war.

Der Topscorer:

36 Scorerpunkte in 40 Spielen standen am Ende für Irven Avila zu Buche. Cholito war nach einem vollkommen missratenen Auslandsabenteuer in Ecuador zu Sporting Cristal zurückgekehrt und musste sich in der überladenen Offensive der Cerveceros zunächst hinten anstellen, verdrängte aber dann bald die Konkurrenz und wurde zum besten Angreifer der Liga. Der kleingewachsene Avila spielte dabei oft als falsche Neun und bereitete mit seinem Tempo, seinen intelligenten Wegen und seinem Torriecher mehr als einer Defensive schlaflose Nächte – und seinen Teamkollegen 14 Treffer vor, bei 22 eigenen Torschreien. Die Verantwortlichen des mexikanischen Erstligisten Lobos BUAP hat das überzeugt, und so wird er 2018 erneut sein Glück im Ausland versuchen. Falls es schief geht: Bei Sporting Cristal wird er immer einen Platz finden.

Überblick über die Entscheidungen:

Nationaler Meister: Alianza Lima
Sieger des Torneo de Verano: FBC Melgar
Qualifiziert für die Copa Libertadores: Alianza Lima, FBC Melgar, Real Garcilaso, Universitario de Deportes
Qualifiziert für die Copa Sudamericana: UTC Cajamarca, Sport Huancayo, Sport Rosario, Sporting Cristal
Absteiger: Juan Aurich, Alianza Atlético Sullana
Torschützenkönig: Irven Avila (22 Tore)
Topscorer: Irven Avila (36 Scorerpunkte)