Ricardo Gareca
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Ein Ricardo Gareca bezahlt seine Schulden

Das ausgerechnet Ricardo Gareca die peruanische Nationalmannschaft nach 36 Jahren WM-Abstinenz zur Weltmeisterschaft führen sollte, ist wieder einmal ein Beweis, dass es einen Fußballgott geben muss. Denn es war Gareca’s Tor für Argentinien in der Qualifikation 1985, dass die Peruaner um die Teilnahme an der WM in Mexiko brachte.

30. Juni 1985: Argentinien – Peru

Zu dem Titel bei der WM 1986 in Mexiko, dem letzten der Albiceleste, und dem Titel der Messi noch fehlt, um endgültig auf einer Stufe mit Diego Maradona zu stehen, wäre es ohne Ricardo “El Tigre“ Gareca unter Umständen nie gekommen. Denn jener Gareca war es, der am 30. Juni 1985 den Ball im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Peru, in der 80. Minute über die Linie drückte. Die Argentinier waren als Gruppenerster mit acht Punkten in das letzte Spiel der Gruppe 1 gegangen, und trafen auf den direkten Verfolger aus Peru mit sieben Punkten auf dem Konto.

Das Estadio Monumental von River Plate war der Austragungsort des Gruppenendspiels in dem darüber entschieden wurde wer sich direkt für die WM qualifizieren sollte und wer in die Relegation musste (Die WM 1986 hatte nur 24 Teilnehmer, davon 4 aus Südamerika).

Das Spiel

Pedro Pablo Pasculli brachte die Gauchos in der 12. Minute in Führung, doch Juan José Velásquez (23.) und Gerónimo Barbadillo (39.) konnten das Spiel noch vor der Pause zu Gunsten des Außenseiters drehen. Mit diesem Spielstand hätte sich Peru direkt qualifiziert und die Heimelf von Coach Bilardo hätte in die Relegation gemusst. Doch in der 80. Spielminute setzte sich Daniel Pasarella auf der rechten Seite im Strafraum durch, und zog aus spitzem Winkel ab. Der Ball streifte Keeper Eusebio Acasuzo, ging an den Innenpfosten und kullerte auf der Linie entlang, wo Gareca vor Verteidiger Chirinos die Fußspitze an den Ball brachte, und ihn zum vielumjubelten 2:2 ins Tor stocherte. Dies sollte auch gleichzeitig der Endstand, und somit Argentiniens WM-Ticket sein. Peru musste in die Relegation, in der es mit 2:4 und 0:1 an Chile scheiterte, und den großen Traum begraben musste. Tragischerweise durfte Ricardo Gareca trotz seines entscheidenden Treffers, dem wichtigsten Tor seiner Karriere wie er sagt, nicht mit zur WM fahren, und musste vor dem Fernseher sitzend zusehen wie seine Mannschaftskameraden den Weltmeister-Titel holten.

Trainerstationen von Gareca

Im März 2015 wurde Ricardo Gareca als neuer peruanischer Trainer vorgestellt, nachdem Marcelo „El Loco“ (Der Verrückte) Bielsa das Amt zuvor abgelehnt hatte. Der Ex-Stürmer verbrachte seine erfolgreichste Zeit als Trainer bei Vélez Sarsfield. Den Verein aus Buenos Aires führte er 2013 zur argentinischen Meisterschaft. Seine weiteren Trainerstationen waren Talleres de Córdoba mit denen er 1999 die Copa Comnebol (Vorläufer der Sudamericana) gewinnen konnte und Universitario de Deportes aus Lima. Mit dem peruanischen Verein konnte, er 2008 das Torneo Apertura gewinnen.

Auch wenn sein Tor nicht rückgängig machen konnte, und ihn die Geschichte seit seiner ersten Pressekonferenz verfolgt, hat er mit der ersten erfolgreichen WM-Teilnahme seit 36 Jahren einen Platz im Herzen der Peruaner sicher. Inzwischen trägt er auch ein Armbändchen auf dem “Todos somos Perú” (Wir alle sind Peru), das ihm ein Fan vor dem Playoff-Hinspiel in Neuseeland schenkte.

Fun Fact:

Der brasilianischen Legende Didí gelang dasselbe Kunststück wie Gareca: Nachdem er mit einem Freistoßtor (sog. Folha seca) im Maracanã vor 120.000 Zuschauern Perus Hoffnungen auf die Teilnahme an der WM 1958 in Schweden begrub, führte er die „Incas“ 1970 als Trainer zur WM.

Folha seca: Freistoß, der mit viel Effet geschossen wird, damit der Ball kurz vor dem Tor für den Torwart unberechenbar – wie ein Blatt von einem Baum im Oktober – herunterfällt.