Peru
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Saisonvorschau Peru: Das peruanische Descentralizado

Die Titelkandidaten

Am heutigen Samstag um 19:00 deutscher Zeit startet die peruanische Liga mit dem Eröffnungsspiel zwischen der Universidad San Martín und Alianza Atlético aus Sullana.

Mehr als für überbordende fußballerische Klasse ist die erste peruanische Liga aktuell für ständig wechselnde Turniermodi bekannt. Auf Grund eines Fernsehvertrags muss jeder Erstligaverein am Saisonende auf mindestens 44 Spiele kommen. Diese werden aber unterschiedlich arrangiert. In der Saison 2017 findet beispielsweise vom 5. Februar bis 30. April zunächst das sogenannte Torneo de Verano statt. Für dieses wurden zwei Gruppen ausgelost. Die jeweiligen Gruppenersten stehen sich dann in einem Finale gegenüber und tragen unter einander den Sieger des Turniers aus. Dieser Titel ist durchaus begehrt, denn er berechtigt zur Teilnahme an der Copa Libertadores.

Für die meisten Teams wird es allerdings eher darum gehen, sich für die Saison einzuspielen, denn die Punkttabelle wird erst ab dem Torneo Apertura (Mai-Juli) geführt. In der Apertura spielt jeder einmal gegen jeden. Der Punktbeste ist der Sieger der Apertura, erhält ebenfalls ein Ticket zur Copa Libertadores und qualifiziert sich zudem für das nationale Finale gegen den Sieger des Torneo Clausura (falls ein Team beide Bewerbe gewinnt, ist es automatisch Meister). Die Clausura (von August bis November) stellt de facto die Rückrunde dar, und der Clausura-Meister tritt ebenfalls in der Copa Libertadores an. In Hin- und Rückspiel und gegebenenfalls Entscheidungsspiel wird dann der Jahresmeister ausgespielt. Die Punkte aus Apertura und Clausura werden für die anderen Entscheidungen addiert: Die vier bestplatzierten Nicht-Meister qualifizieren sich für die Copa Sudamericana (der beste von ihnen sogar für die Copa Libertadores, falls ein Team zwei Wettbewerbe gewinnen kann). Die punktschlechtesten Teams müssen dagegen den Gang in die Segunda División antreten.

Der bescheidene Zustand der peruanischen Nationalmannschaft hat die Liga motiviert, zuletzt einige Regelungen zur Förderung einheimischer und insbesondere junger Spieler voranzutreiben. Bereits zum dritten Mal wird die sogenannte Bolsa de Minutos zum Einsatz kommen. In dieser wird festgelegt, dass in jedem Klub insgesamt 3500 Minuten einheimische Spieler aus den Jahrgängen 1996 oder jünger und zusätzlich 500 Minuten Akteure aus den Jahrgängen 1997 oder jünger eingesetzt werden müssen. Klubs, die die Bolsa nicht erfüllen, müssen mit Punktabzügen rechnen. Punktgutschriften gibt es hingegen für den Meister (zwei Punkte) und Vizemeister (einen Punkt) der Reserveliga. Darüber hinaus wurde neu festgelegt, dass nur noch drei Ausländer gleichzeitig auf dem Feld stehen dürfen (im Vorjahr waren es vier), während weiterhin insgesamt fünf ausländische Spieler pro Verein registriert werden dürfen.

Im Folgenden stellen wir die Teams und ihre Kader kurz vor und wagen eine Prognose.

Sporting Cristal

Der Verein: Sporting Cristal stammt aus dem Stadtviertel Rímac in Lima. Der Klub, der nach der Biermarke Cristal benannt ist, gilt als einer der größten des Landes, steht aber dennoch medial etwas im Schatten der populäreren Klubs Alianza und Universitario. Dabei holen die Cerveceros aber insbesondere sportlich immer mehr auf: Seit 2012 stehen drei Titel und eine Vizemeisterschaft in fünf Jahren zu Buche, weitaus mehr als jeder andere Klub vorzuweisen hat. Auch in der vergangenen Saison ging der Titel nach Rímac. Sporting Cristal profitiert dabei von einer seriösen, unaufgeregten Arbeit an der Klubspitze, geordneten Finanzen und einer hervorragenden Jugendarbeit. Das ermöglicht es den Himmelblauen, den Kader meist zusammenzuhalten und auch international gelegentlich ein Ausrufezeichen zu setzen, selbst wenn es für große Erfolge bislang nicht reichte.

Transfers: Das Meisterteam des Vorjahres blieb weitgehend beisammen. Lediglich Trainer Mariano Soso, Stammtorwart Diego Penny und die Kaderspieler Santiago Silva und Alfredo Ramúa verließen den Klub. Dagegen landete man mit dem chilenischen Torwart Mauricio Viana, dem offensiven Mittelfeldspieler Joel Sánchez und dem Außenstürmer und Rückkehrer Irven Ávila drei Krachtertransfers. Ebenfalls sehr bemerkenswert ist die Verpflichtung des jungen Renzo Garcés, der zu den talentiertesten und reifesten Defensivtalenten Perus zählt.

 Oldie but Goldie: Carlos Lobatón

Stärken & Schwächen: Insgesamt hat der Kader eine gute Mischung aus jung und alt vorzuweisen: Die unangefochtenen Leader sind Carlos Lobatón, 36, und der unverwüstliche Jorge Cazulo, 34 Lenzen alt. Auch Jair Céspedes, Renzo Revoredo und Josepmir Ballón sind sehr erfahrene Kräfte. Neben Spielern im besten Alter stehen auch einige vielversprechende Jungspunde bereit: Innenverteidiger Luis Abram und Sechser Pedro Aquino waren Stützen des Meisterteams, und Defensivallrounder Renzo Garcés war unangefochtener Stammspieler bei der Universidad San Martín. Auch von den Youngstern Ray Sandoval, Alexis Rojas oder den erst 17-jährigen Fernando Pacheco und Gerard Távara kann man sich sehr viel versprechen.

In der letzten Saison war der größte Schwachpunkt Cristals eine seltsame Inkonstanz, die zu peinlichen Resultaten wie einem Heim-2:5 gegen Absteiger La Bocana führte. Als weiterer möglicher Schwachpunkt könnten sich fehlende Kaderbreite in der Defensive und gelegentlich fehlende Nervenstärke im Abschluss erweisen. Hinzu kommt die Ablenkung durch die Copa Libertadores.

Der Schlüsselspieler: Spielmacher Carlos Lobatón ist sicher der genialste Fußballer der letzten Jahre in Peru. Unvergessen sind seine zahlreichen Distanzschusstore. Seinem Körper merkt man allerdings seine 36 Jahre an, hinzu kamen in letzter Zeit familiäre Probleme, so dass Lobatón nur noch dosiert eingesetzt werden kann.

So könnten sie spielen

Das Talent: Fernando Pacheco ist erst 17 Jahre alt, kam aber in der letzten Saison auf einige Startelfeinsätze und schaffte es in den Kader der U20-Nationalmannschaft. Der kräftige, dribbelstarke und torgefährliche Außenstürmer gehört zu den größten Juwelen des peruanischen Fußballs.

Der Trainer: José Chemo del Solar wurde bereits 2005 mit den Cerveceros Meister. Er ersetzt den Argentinier Mariano Soso, der trotz des Titels freiwillig seinen Platz auf der Bank räumte. Del Solar steht für schnellen, technisch anspruchsvollen Fußball, den er letzte Saison bei der Universidad San Martín zeigen konnte, steckte aber lange im Abstiegskampf, da der Ertrag in keinem Verhältnis zum Aufwand stand. Bei Sporting Cristal hofft der Ex-Nationaltrainer auf mehr Effizienz.

Die Chefutbol-Prognose: Die ersten 15 Spieler Cristals sind die stärksten der Liga. Insbesondere in der Phase der Doppelbelastung mit der Copa Libertadores ist allerdings die Kaderbreite vielleicht nicht ganz ausreichend, zudem muss man sich den den fußballerisch anspruchsvollen Stil des neuen Trainers del Solar erst gewöhnen. Im Torneo de Verano könnte es daher noch etwas hapern, aber für Torneo Apertura und Clausura sind die Rimenses vollkommen zu Recht favorisiert.

FBC Melgar

Der Verein: Punktbestes Team 2014, Meister 2015, Vizemeister 2016: Melgar, das nach dem peruanischen Dichter Mariano Melgar benannt ist, durchlebt eine der stärksten Phasen der Vereinsgeschichte. Als das rot-schwarze Team 2015 ausgerechnet im Jahr des hundertjährigen Bestehens nach langer Abstinenz den Titel holte, explodierte Arequipa, die zweitgrößte Stadt Perus. Untrennbar verknüpft ist der Aufschwung mit Trainer Juan Máximo Reynoso, der aus einem Durchschnittsteam die zusammen mit Cristal dominierende Mannschaft der letzten Jahre formte. Ein wichtiger Faktor für die Heimstärke Melgars ist neben den heißblütigen Fans auch die Höhe, denn Arequipa liegt auf rund 2300 Metern im südlichen Hochland Perus.

Transfers: Besonders vermissen werden die Fans den früheren Vizekapitän Bernardo Cuesta. Der argentinische Stürmer war einer der Fixpunkte im Spiel Reynosos und erzielte 2015 den entscheidenden Treffer zur Meisterschaft, verabschiedete sich aber nun zu Junior Barranquilla nach Kolumbien. Ebenfalls Stammspieler waren in der letzten Rückrunde der mexikanische Defensivspieler Rogelio Chávez und der Innenverteidiger Alberto Rodríguez, die den Klub nach nur einem halben Jahr wieder verließen. Im Hinblick auf die Copa Libertadores hat Melgar seinen Kader dafür in der Spitze und Breite deutlich verbessert: Torwart Diego Penny, Innenverteidiger Carlos Ascues – zur Leihe aus Wolfsburg –, Rechtsverteidiger Pedro Requena und Mittelstürmer Emanuel Herrera sollten es auf Anhieb in die Startformation schaffen. Auch der talentierte Spielmacher Victor Cedrón wechselte nach einer exzellenten Saison für Juan Aurich nach Arequipa. Luis García, Daniel Chávez und Wilmer Aguirre sind ebenfalls sehr bekannte Namen im peruanischen Fußball und dürften unter dem für seine Rotation bekannten Reynoso auch auf zahlreiche Minuten kommen.

 Dieser Abgang schmerzt: Bernardo Cuesta (links)

Stärken & Schwächen: Der Kader ist breit aufgestellt und taktisch höchst flexibel. Letzte Saison begann Melgar nicht selten mit vier gelernten Mittelfeldspielern in der Abwehr und probierte auch ambitionierte Systeme wie ein fluides 3-4-3 aus. Defensive Kompaktheit und hohe Arbeitsmoral zeichnen das Team in jedem Fall aus, dazu spielt man für peruanische Verhältnisse einen relativ gepflegten Ball. Mit den fußballerisch starken Arias, Barrientos, Cedrón, Garcia oder Omar Fernández dürfte das erneut primäre Marschroute sein. Doch die Offensive ist auch für Flügelspiel oder Langholz zu haben: Mit José Carlos Fernández steht zum Beispiel ein exzellenter Role Player für lange Bälle bereit. Auch mit dem Einbau junger Talente hatte man zuletzt selten Probleme.

Ein richtiger Führungsspieler in der Abwehr fehlt nach dem Abgang von Alberto Rodríguez. Die Copa Libertadores könnte zudem in Torneo de Verano und Torneo Apertura einige Konzentration rauben. In den vergangenen Jahren lag Melgars Stärke zudem immer in einer hohen Punktzahl in der Jahrestabelle, doch aufgrund des Veranstaltungsmodus‘ ist es wichtiger, eine gute Halbserie zu spielen als über das Jahr hinweg stark zu punkten.

Der Leistungsträger: Außenstürmer Omar Fernández ist nach dem Abgang von Cuesta der wichtigste Offensivakteur. Der Kolumbianer ist schnell, beidfüßig und kombinationsstark, verfügt aber auch über einen ausgeprägten Torriecher. So konnte der 23-Jährige in den letzten Jahren ebenso viele Assists sammeln wie Tore erzielen.

So könnten sie spielen

Das Talent: Sebastián Bravo stammt aus der Talentschule Esther Grande de Bentín und stand auch schon bei Universitario unter Vertrag. Er hat seinen außergewöhnlichen Torriecher auf allen Jugendebenen unter Beweis gestellt und darf erwarten, von Trainer Reynoso häufiger das Vertrauen ausgesprochen zu bekommen.

Der Trainer: Als Juan Máximo Reynoso Anfang 2014 zu Melgar wechselte, taumelte der Klub meist durchs untere Tabellenmittelfeld. Mit viel Disziplin, Fantasie und taktischem wie menschlichem Geschick zählen die Rojinegros nun ligaweit zu den Favoriten und haben über die letzten drei Jahre die meisten Punkte aller Teams gesammelt. Zudem hat er es geschafft, zahlreiche Talente weiterzuentwickeln. Mehr Anerkennung als Reynoso kann man nicht verdienen.

Die Chefutbol-Prognose: Melgar hat es sich zur Angewohnheit gemacht, nach Anfangsproblemen im Saisonverlauf immer stärker zu werden. Die praktische Irrelevanz des Torneo de Verano kommt dem Klub also wohl eher entgegen, wobei man sich dort in einer relativ leichten Gruppe wiederfindet. Spätestens wenn die Copa Libertadores beendet ist, wird man wieder aufdrehen. Vermutlich findet sich Melgar in mindestens einem Titelkampf und unter den punktbesten drei wieder. Man darf nicht vergessen, dass Melgar eigentlich nicht so gute Voraussetzungen hat wie die großen Teams aus Lima. Verpasst man einen Titel knapp, spielt aber oben mit, kann das kein Grund zur Klage sein.

Universitario de Deportes

Der Verein: Universitario hat eine riesige Fanbasis, ist mit 25 Titeln Rekordmeister und führt die ewige Tabelle des Descentralizado an. Anders gesagt: Die Cremas haben den vielleicht größten Namen des peruanischen Vereinsfußballs. Leider ist die insititutionelle Qualität dem nicht gewachsen – bereits mehrfach stand man zuletzt vor der Pleite und muss bei jedem Transfer strikte Auflagen erfüllen. Das schlägt sich auch im Sportlichen nieder: Im letzten Jahr begann man furios, doch die beiden stärksten Spieler, Raúl Ruidiaz und Edison Flores, musste man aus finanziellen Gründen während der Saison abgeben. Ohne die besten Offensivspieler und mit einer etwas wackligen Defensive fiel man dann immer mehr zurück und konnte sich letztlich „nur“ auf Platz 3 für die Copa Libertadores qualifizieren.

Transfers: Der frühere Florentiner Juan Manuel Vargas ist einer der größten Namen, die zuletzt in der peruanischen Liga aufgeschlagen haben. Mit einem Vertrag über zunächst nur ein halbes Jahr versucht der Loco, sich bei seinem Stammverein wieder in Form zu bringen und sich für ausländische Klubs zu empfehlen. Auch zwei andere Neuzugänge sind schon etwas in die Jahre gekommen, aber namentlich echte Kracher: Alberto Rodríguez und Luis Tejada gehören in Innenverteidigung bzw. Angriff zu den stärksten Spielern, die die peruanische Liga in den letzten Jahren gesehen hat. Ebenfalls wichtige Neuzugänge sind der peruanische Nationalspieler Aldo Corzo sowie der venezolanische Seleccionado Arquimedes Figuera. Auf Seiten der Abgänge fallen vor Allem Miguel Trauco, letzte Rückrunde stärkster Spieler Universitarios, und Andy Polo, ein wieselflinker Außenstürmer, ins Gewicht. Beide wagten den Wechsel ins Ausland, wie sich Universitario zuletzt ohnehin als gutes Sprungbrett erwiesen hat.

Stärken & Schwächen: Die Mannschaft ist defensiv stark besetzt. Neben den schon erwähnten Corzo, Vargas und Rodríguez tummeln sich dort der souveräne Nationaltorwart Carlos Cáceda und der talentierte Horacio Benincasa oder der erfahrene John Galliquio. In der Offensive hat man individuell herausragende Spieler und mit der ist die schieren Wucht der kopfballstarken Stürmer Tejada, Hernán Rengifo und Adrián Ugarriza auch einen guten Plan B. Talentiert ist auf jeden Fall die offensive Ersatzbank: Mit Roberto Siucho, Adrián Ugarriza und Raúl Tito sind die besten Offensiven der U20-Nationalmannschaft bei Universitario unter Vertrag.

Die Offensivspieler sind zwar individuell gut, aber kombinativ können nur Diego Guastavino und Luis Tejada wirklich überzeugen. Vor Allem aber ist es der U In der Vergangenheit oft schwergefallen, eine sinnvolle Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Momentan sieht es so aus, als käme der starke, aber taktisch undisziplinierte Juan Manuel Vargas auf der Acht zum Einsatz. Dann hängt alle Defensivarbeit an Arquimedes Figuera, der damit schnell überfordert sein könnte.

 Alberto Rodríguez (hier gegen Argentiniens Agüuero) soll die Defensive stabilisieren

Der Leistungsträger: Von Alberto Mudo Rodríguez verspricht man sich, dass er fast im Alleingang die Defensive stabilisiert. Er kam neu von Melgar und war zu seinen besten Zeiten einer der stärksten Innenverteidiger der portugiesischen Liga. Heute ist er immer noch ein herausragender Mann, wenn sein Körper mitspielt. Er zeichnet sich durch enorme physische Präsenz, gutes Kopfballspiel und starke Antizipation aus.

So könnten sie spielen

Das Talent: Raúl Tito galt als Wunderkind des peruanischen Fußballs, als er mit 16 Jahren für Sport Boys in der zweiten Liga debütierte. Seitdem stehen zwei ordentliche Erstligasaisons für Cienciano und Universitario zu Buche, doch konnte er sich nie ganz in der Startelf festbeißen. Er ist ein begnadeter Dribbler und Solist, aber dank seiner Geschwindigkeit auch ein guter Konterspieler.

Der Trainer: Alles an Roberto Chale ist ein Anachronismus: Seine fußballerischen Grundüberzeugungen – sehr stark definierte Mannschaftsteile, eine Präferenz für erfahrene Spieler, wenig taktische Finessen –, sein Kleidungsstil, seine Art zu sprechen. Doch der Mann, der wie ein Fußballopa wirkt, hat erstaunliche Ergebnisse vorzuweisen: Aus einer der tiefsten fußballerischen Krisen der jüngeren Vereinsgeschichte führte er die U 2015 noch in die Copa Sudamericana, und 2016 schaffte er es sogar, die Copa Libertadores zu erreichen, obwohl seine besten Spieler im Laufe der Saison verkauft wurden.

Die Chefutbol-Prognose: Für das Torneo de Verano hängt viel davon ab, ob man es in die Gruppenphase der Copa Libertadores schafft. Wenn ja, wird man das recht belanglose Turnier wohl opfern. Von der U erwartet man auf jeden Fall einen Titel. Der Kader ist dabei gut, aber nicht ganz so breit wie der von Cristal oder Melgar. Unter Trainer Chale hat man einen Hang dazu gezeigt, positive oder negative Serien zu abzuliefern. Ein solcher Run könnte schon einen Halbserientitel bedeuten.

Alianza Lima

Der Verein: Alianza teilt sich mit Universitario den Ruf als beliebteste Mannschaft Perus und hat mit 22 nationalen Titeln eine ruhmreiche Geschichte vorzuweisen. Die Blanquiazules gelten traditionell als Klub der Unterschicht und als Hort des schönen Spiels sowie der guten Jugendarbeit – mit Teófilo El Nene Cubillas stammt einer der größten Spieler der peruanischen Geschichte ebenso aus dem Nachwuchs Alianzas wie die aus der Bundesliga bekannten Claudio Pizarro und Jefferson Farfán. Daher liegt auf Alianza immer ein großer öffentlicher Erfolgsdruck. In den letzten Jahren hat die Reputation der Klubs allerdings deutlich gelitten: Der letzte Titel datiert aus dem Jahre 2006, und schon ist von einem Fluch, der auf den Blanquiazules läge, die Rede. Immerhin waren Mannschaft und Trainer meistens besser besetzt, als es das Endergebnis aussagte.

Transfers: Nach einem sehr enttäuschenden letzten Jahr wurden die Verträge mit zahlreichen Alteingesessenen, darunter Torwart George Forsyth, Kapitän Wálter Ibañez, die Verteidiger Koichi Aparicio und Luis Trujillo sowie die Mittelfeldspieler Julio Landauri, Josimar Atoche und Reimond Manco, nicht verlängert. Unter den Neuzugängen befinden sich mit den Uruguayern Luis Aguiar und Gonzalo Godoy sowie den Rückkehrern Paolo de la Haza und Rinaldo Cruzado erfahrene Akteure, die das Führungsvakuum füllen sollen. Die zuletzt schwächelnde Offensive sollen vor Allem Nationalspieler Alejandro Hohberg und der Argentinier Germán Pacheco in Schwung bringen. Darüber hinaus hat Alianza auch einige junge Akteure verpflichtet, wie etwa Linksverteidiger Cossio, die Stürmer Gonzales-Vigil und Quevedo, Torwart Campos und Rechtsverteidiger Li. Von ihnen dürfte Cossio die größten Chancen auf die Startelf haben.

Stärken & Schwächen: Im zentralen Mittelfeld tummeln sich mit Luis Cachito Ramírez, Oscar Vílchez, Luis Aguiar und Rinaldo Cruzado tummeln sich erfahrene und qualitativ hochwertige Akteure, die dem Spiel Alianzas ihren Stempel aufdrücken können. Leistungsträger dürften auch Torwart Leao Butrón, Verteidiger Gonzalo Godoy und Stürmer Lionard Pajoy sein.

Selbst der jüngste der genannten zentralen Mittelfeldspieler, Aguiar, ist schon 31 Jahre alt, so dass es an Tempo und Frische in der Rückwärtsbewegung mangeln dürfte. Als besserer Ballgewinner steht nur der junge José Cotrina bereit. Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der mangelnden Breite in der Offensive, wo eigentlich nur unerfahrene Talente als Ersatz bereitstehen.

 Kopf und Leistungsträger bei Alianza: Oscar Vilchez

Der Leistungsträger: Oscar Neka Vílchez wird mit den Jahren immer besser und stellt auch in der Nationalmannschaft Ricardo Garecas eine feste Größe dar. Er vereint alle Qualitäten eines zentralen Mittelfeldspielers: Ein begnadeter Techniker und Passspieler, enorm laufstark, defensiv aufmerksam und durchaus antrittsschnell. Er kann auf der Sechs, der Acht, der Zehn oder sogar auf dem Flügel eingesetzt werden. Zum Leidwesen Alianzas hatte er zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen.

So könnten sie spielen

Das Talent: In der leicht sensationalistischen peruanischen Medienlandschaft kann die richtige Vereinszugehörigkeit und ein schöner Treffer viel verändern. Das durfte Alianzas Mittelfeldspieler José Cotrina erfahren, der in der letzten Saison zu einigen Einsätzen kam und nach einem Traumtor gegen UTC plötzlich zum gehypten Mann wurde. Tatsächlich ist er ein begabter, taktisch guter junger Spieler, dem in dieser Saison vor allem Defensivaufgaben zuteil werden dürften.

Der Trainer: Der Uruguayer Pablo Bengoechea kennt den Erfolgsdruck von seiner Arbeit bei Peñarol und die gelegentlich schwierigen Arbeitsbedingungen in Peru von seiner Station als Co- und Cheftrainer der Blanquirroja. Mit seiner Ausstrahlung von Ruhe und Gelassenheit bringt er etwas Lebensnotwendiges für den Job bei Alianza mit. Fußballerisch neigt Bengoechea zu einem etwas langsamen und pragmatischen Fußball, dem es unter Umständen schwer fallen könnte, tiefstehende Gegner zu knacken. Die Schlüsselrolle werden dabei die zentralen Mittelfeldakteure einnehmen.

Die Chefutbol-Prognose: Für die Meisterschaft fehlt es an Mentalität und Breite im Kader. Dennoch sollte die Verpflichtung von Pablo Bengoechea ein Schritt in die richtige Richtung sein. Mit etwas Glück könnte Alianza um einen Titel mitspielen und am Ende an die Qualifikation zur Copa Libertadores anklopfen. Das wäre ein guter Erfolg.