Cristal

Torneo de Verano: Cristal siegt verdient

In Peru heißt der Titelträger des Eröffnungsturniers Torneo de Verano Sporting Cristal. Das Team von Mario Salas war klar das beste der Liga und schlug in den Finals Sport Huancayo. Damit steht das Team aus Lima bereits als Libertadores-Teilnehmer 2019 fest. Gegensätzlich ist die Entwicklung bei den Traditionsteams Alianza Lima und Universitario.

Der Saisonverlauf:
Zwei Gruppen, zwei ganz unterschiedliche Bilder: In der Gruppe A schaffte Cristal einen Start-Ziel-Sieg. 33 Zähler aus 14 Spielen stehen für die Himmelblauen zu Buche – unfassbare dreizehn Punkte vor den Verfolgern Sport Rosario und UTC in einer sonst sehr ausgeglichenen Gruppe. So stand der Gruppensieg schon früh fest, und Mario Salas konnte etwas rotieren. In der Gruppe B sah es dagegen lange nach einem Fotofinish aus, ehe sich Huancayo und Melgar doch noch etwas absetzen konnten. Dem Rojo Matador reichte im direkten Aufeinandertreffen am letzten Spieltag dann ein 1:1 für die Finalqualifikation. Im Finalhinspiel in Huancayo holte Cristal ein wichtiges 1:1, und Renzo Revoredos 1:0-Siegtreffer in Lima bedeutete dann den Titelgewinn für die Cerveceros.

Der Sieger:
Ein desaströses Jahr lag hinter Sporting Cristal, das sich 2017 mit Ach und Krach in die Copa Sudamericana geschleppt hatte. Dennoch wurden am Kader nur ein paar Korrekturen vorgenommen: Außer Torwart Patricio Alvarez, Innenverteidiger Omar Merlo und Mittelstürmer Emanuel Herrera standen die meisten Spieler der Rimenses schon im letzten Jahr im Kader. Am wichtigsten war aber wohl der Wechsel auf der Bank: Pablo Zegarra wurde durch den Chilenen Mario Salas, dem früheren Erfolgscoach der Universidad Católica, beerbt. Salas brachte ein stabiles taktisches Gerüst mit, und auch dank Alvarez und Merlo stand die Abwehr viel besser als im Vorjahr. So wurde die Schießbude Cristal geschlossen – und vorne blieb man brandgefährlich: Rechtsaußen Gabriel Costa blühte auf, der zentrale Angreifer Herrera verwandelte die Vorlagen traumwandlerisch sicher. Auch die Mittelfeldspieler Horacio Calcaterra und Josepmir Ballón fanden zu alter Kontinuität und überwanden ihre Verletzungsprobleme, zudem setzten Youngster wie Flavio Gómez und Fernando Pacheco einige Highlights. So marschierte man mit 42 Toren in 14 Spielen durch die Gruppe, und in den Finals gegen Huancayo spielten die Rimenses abgezockt und ohne unnötiges Risiko. In Summe zeigte Cristal eine herausragende Runde und wird so auch der große Favorit für Apertura und Clausura sein. Zudem ist man bereits fix für die Copa Libertadores 2019 qualifiziert.

Die Überraschung:
Sport Huancayo war in den letzten Jahren meist ein sicherer Kandidat für die Copa Sudamericana, aber nicht für den Titelkampf. Der Rojo Matador galt dementsprechend in Gruppe B hinter Garcilaso und Melgar auch eher als Außenseiter, gewann diese aber verdient. In der Hochlandstadt Huancayo holte die Mannschaft 17 von 21 möglichen Punkten, aber auch auswärts war man mit elf Zählern eine der besseren Mannschaften. Die besondere Stärke von Chilaverts Mannschaft lag in der Offensive, wo sich der paraguayische Sturmtank Carlos Neumann mit 13 Toren als Volltreffer erwies. Gefüttert wurde er meist vom dribbelstarken Zehner Marcos Lliuya oder von Luis Trujillo – der Ex-Aliancista überzeugte vor allem mit starken Standards. So schaffte es der Rojo Matador das erste Mal überhaupt in ein Finale der ersten Liga, unterlag dort jedoch so knapp wie verdient Sporting Cristal. Ehrenhalber sei auch Aufsteiger Binacional erwähnt, der die schwierige Gruppe B auf einem hervorragenden dritten Platz abschloss.

Die Enttäuschung:
Alianza Lima hatte 2017 eine schwierige Dekade hinter sich gelassen – nach zehn Jahren gelang den Intimos mal wieder ein Meistertitel, eine Ewigkeit für Perus vielleicht populärsten Klub. Doch mittlerweile ist dem Klub die Feierlaune vergangen: Nur 19 Punkte und klägliche 16 Tore gab es in der Gruppe A für Pablo Bengoecheas Mannschaft zu holen. Der amtierende Meister hatte mit Lionard Pajoy und Luis Aguiar Klasse in der schon im Meisterjahr nur durchschnittlichen Offensive verloren und mit Mario Velarde und Janio Posito nur unzureichend nachgebessert. Dementsprechend unansehlich ist das Spiel der Blanquiazules oft; die weiterhin meist sichere Defensive hilft gegen abwartende Gegner da auch nur wenig. Lediglich Alejandro Hohberg ließ seine Klasse öfter aufblitzen, unter anderem bei einem Doppelpack gegen Universitario. Damit wären wir bei einer weiteren Enttäuschung: La U landete sechs Punkte hinter Alianza auf dem letzten Rang und bekleidet so aktuell einen Abstiegsplatz. Ganz überraschend ist das allerdings nicht, denn die Cremas hatten vor der Saison eine Transfersperre verhängt bekommen und treten daher oft mit einer blutjungen Mannschaft an. Nun wird es am ehemaligen Reservecoach Javier Chirinos liegen, den Super-GAU Abstieg zu verhindern.

Der Topscorer:
13 Spiele, 17 Tore, eine Vorlage – mehr als Emanuel Herrera bei Sporting Cristal kann man nicht einschlagen. Die Cerveceros hatten den 31-jährigen argentinischen Angreifer von den mexikanischen Lobos BUAP losgeeist und genau aufs richtige Pferd gesetzt. Im 4-3-3 oder 4-2-3-1 von den Außen Costa und Gomez gefüttert, traf Herrera quasi nach Belieben – einmal erzielte er gar binnen sieben Tagen ebenso viele Pflichtspieltreffer, darunter ein Hattrick zum 3:0 gegen den Erzrivalen Alianza. Herrera ist dabei ein klassischer Abschlussspieler und hat mit einem guten Antritt, starkem Kopfballspiel und hervorragendem Torriecher alle notwendigen Attribute. Zudem ist er Spezialist für das Torneo de Verano – schon 2017 hatte er seinen Ex-Klub Melgar zum Titel geschossen.