Torneo Uruguayo: Die Grandes an der Spitze

Ein kurzer Zwischenstand aus dem Torneo Uruguayo: In der Apertura 2018 stehen nach den Siegen vom Wochenende die Favoriten Peñarol und Nacional an der Spitze, während Verfolger Danubio die erste Niederlage kassierte. Unschöne Schlagzeilen schrieben die Fans von Fénix.

Es gibt wenig Ligen weltweit, die so polarisiert sind wie das Torneo Uruguayo: Die beiden Grandes, Peñarol und Nacional, vereinigen eine weit überwiegende Mehrheit der Fans und der Titel auf sich. Dementsprechend haben die Klubs auch die besten finanziellen Mittel zur Verfügung, und fast jeder uruguayische Spieler würde am liebsten für eines der beiden Teams auflaufen. In der Summe ergibt das einen fast erdrückenden Favoritenstatus für die Albos und die Manyas, während dahinter kleinere Teams auf eine starke Saison und Ausrutscher der Großen hoffen.

An den ersten sechs Spieltagen des Torneo Apertura 2018 deutet sich an, dass Peñarol – Titelträger 2017 und 2015/16 – und Nacional – Sieger des Kurzturniers 2016 – mal wieder vorne dabei sein werden. Mit 16 Punkten trohnen die noch ungeschlagenen Carboneros an der Spitze, nur einen Punkt dahinter folgt der Erzrivale Nacional. Dabei kann Peñarol auf das Fundament des Vorjahres und eine eingespielte Mannschaft unter Leo Ramos vertrauen. Wichtigster Mann: Cristian Rodríguez. Der Kapitän erzielte auch am Wochenende beim 2:1 über Boston River einen Doppelpack und ist Spielmacher, Torschütze und Leader in einem. Nacional dagegen musste nach dem schwachen Vorjahr einiges verändern, der neue Coach Alexander Medina scheint jedoch an den richtigen Stellschrauben gedreht zu haben: Das überzeugende 2:0 gegen Defensor – der einzige Verein, der den Grandes öfter Paroli bieten kann war der fünfte Sieg im sechsten Spiel, dazu haben es die Albos durch die schwere Copa-Qualifikation geschafft. Medina zeigt ein glückliches Händchen beim Rotieren und kann auf die Tore des argentinischen Oldies Gonzalo Bergessio (schon sieben Treffer) bauen, der auch gegen Defensor traf. Sein Sturmkollege Gonzalo Bueno blüht ebenfalls auf und kann seit Samstag drei Tore und fünf Torvorlagen verbuchen. Eine Reihe weiter hinten macht der talentierte Mittelfeldspieler Christian Oliva von sich reden, der 21-Jährige überragte auch gegen Defensor.

Eine erste und gleich deutliche Niederlage setzte es derweil für Danubio, das nach mäßigen Jahren gerne mal wieder um einen Titel mitspielen würde: Nach 13 Punkten aus fünf Spielen kassierte La Franja zu Hause ein sattes 0:3 gegen Liverpool. Dennoch hinterlässt das Team unter Pablo Peirano bislang einen guten Eindruck und darf mit Defensor im Verfolgerfeld erwartet werden. Ob das für die Gäste auch gilt, scheint noch unklar, doch elf Punkte aus sechs Spielen sind eine gute Bilanz für den ehrgeizigen Pablo Pezzolano und seine Mannschaft. Besser wäre es für La Cuchilla, denn aus den letzten eineinhalb Jahren schleppt man eine Hypothek in der Abstiegstabelle mit sich herum und muss dieses Jahr deutlich besser punkten, um den Abstieg zu vermeiden. Ebenfalls im gehobenen Mittelfeld sind bislang Aufsteiger Progreso, der schon zehn Punkte eingefahren hat, am Wochenende aber zu Hause mit 0:1 gegen Cerro unterlag, und die Montevideo Wanderers, die mit 2:1 beim mäßig gestarteten Aufsteiger Torque siegten.

Ein anderer Aufsteiger, Atenas, bekam den Sieg gegen El Tanque gutgeschrieben – das Team musste aus finanziellen Gründen vor der Saison passen, wird aber noch administrativ geführt und liefert so jedes Wochenende kampflos drei Punkte ab (unter anderem auch schon gegen Peñarol). In den verbleibenden Spielen besiegte River Plate den Tabellenletzten Rampla mit 2:1 – die Picapiedras hatten unter der Woche einen spektakulären Sieg in der Copa Sudamericana gefeiert, kommen in der Apertura aber noch nicht in die Gänge. Immerhin hat man aus der sehr starken letzten Saison noch einen Puffer für die Abstiegstabelle. Für Fénix und Racing, die ebenfalls im Abstiegskampf erwartet werden dürfen, gilt das nicht. Das direkte Aufeinandertreffen im Clásico del Oeste endete am Wochenende mit 1:0 für Racing, kurz vor Schluss traf Nicolás Sosa zum Gästesieg. Unschöne Randnotiz: Fénix-Fans brachten grünweiß gefärbte Hühner mit ins Stadion und warfen sie aufs Spielfeld, um die Gäste zu verspotten. Weil einigen Vereinsverantwortlichen dann auch nichts Intelligenteres einfiel, als diese mit Fußtritten vom Platz zu befördern, muss Fénix mit so harscher wie verdienter Kritik leben und darf sich vermutlich auch auf eine Strafe durch den Fußballverband AUF gefasst machen.