Uruguay
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Schafft es Uruguay wieder nach ganz oben bei der WM 2018?

Ein Land mit knapp über drei Millionen Einwohnern sorgt in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften für Furore. Als zweimaliger Weltmeister übertraf Uruguay bereits in der Vergangenheit sämtliche Erwartungen. Ist mit Spielern wie Luis Suárez, Edinson Cavani und Co. nochmals der große Wurf möglich?

Erster Weltmeister der Fußballgeschichte

Als 1930 die erste Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, war ein kleines südamerikanisches Land der Gastgeber: Uruguay. Gerade einmal 13 Nationen nahmen an der ersten Ausgabe des Weltturniers teil, vielen vor allem europäischen Staaten war der beschwerliche Schiffsweg über den Atlantik zu weit. Ein Fest wurde es letzten Endes dennoch, vor allem dank der riesigen Euphorie für den Sport unter den uruguayischen Bürgern und den Stadien, die noch heute die Massen in ihren Bann ziehen.

Da wäre zum Beispiel das Nationalstadion Centenario, in dem Uruguay noch heute all seine Heimspiele austrägt. Der Gran Parque Central, wo damals das erste WM-Spiel überhaupt zwischen den USA und Belgien (3:0) stattfand, ist ebenfalls noch immer in Betrieb und wird von Rekordmeister Nacional genutzt. Lediglich das Ausweichstadion Pocitos, 1930 für zwei Vorrundenpartien genutzt, existiert seit dem Abriss 1940 nicht mehr. Peñarol spielte seine Partien für 12 Jahre zwischen 1921 und 1933 im 15.000 Zuschauer fassenden Stadion. Das Centenario war es schließlich, das Zeuge des Endspiels zwischen dem amtierenden Doppel-Olympiasieger Uruguay und Nachbar Argentinien wurde. Der Gastgeber ging früh in Führung, musste zur Halbzeit jedoch einen Rückstand verdauen. Pedro Cea, Santos Iriarte und Héctor Castro schließlich sind die Namen, die in Uruguay noch heute jeder kennt. Sie machten aus dem 1:2 ein 4:2 und ihr Heimatland zum ersten Weltmeister.

Uruguay boykottiert die darauffolgenden Weltmeisterschaften

Doch ein lateinamerikanisches Land hat auch immer seinen Stolz und davon nicht zu wenig. Aus Protest gegen die meisten abwesenden europäischen Staaten beim eigenen Turnier boykottierte Uruguay die folgenden zwei Weltmeisterschaften in Italien und Frankreich. Deshalb verpasste die Celeste zugleich die Titelverteidigung. Bei der zweiten Teilnahme 1950 folgte das Unglaubliche, nachzulesen bei der Sportschau. In Brasilien feierte Uruguay gegen den favorisierten Gastgeber im viel zitierten Maracanaço einen der größten Triumphe der WM-Geschichte. Das Turnier wurde ohne Endspiel ausgetragen, weshalb das letzte Spiel der Finalrunde über den Titelträger entscheiden musste. Friaça brachte den Gastgeber in der 47. Minute Führung, die von den Heimfans bereits als Vorentscheidung angesehen wurde. Fälschlicherweise, wie sich wenig später herausstellte. Juan Schiaffino und Alcides Ghiggia drehten das Spiel in 13 Minuten und brachten das große Rund mit 200.000 Zuschauern zum betretenen Schweigen.

Weiteres Titelsammeln trotz WM-Erfolglosigkeit

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Weiter als bis zum dreimaligen 4. Platz ging es seit den Triumphen zu Beginn nicht mehr. Zuletzt verlor die Mannschaft vor acht Jahren das Spiel um Platz 3 gegen Deutschland in Südafrika. Doch selbst wenn es bei Weltmeisterschaften nicht mehr für den großen Ruhm reichte, so gab es über die Jahre hinweg dennoch ausreichend zu feiern. Schließlich handelt es sich bei den Himmelblauen zugleich um den Rekordsieger der Copa América, vor Argentinien und Brasilien. 15 Mal konnte die Nationalmannschaft den Kontinentaltitel gewinnen, zuletzt 2011 mit dem großen Team um Diego Lugano, Luis Suárez und Diego Forlán. Warum sollte Uruguay also nicht auch bei der kommenden Weltmeisterschaft überzeugen, bei der Betway das Team mit einer Quote von 34,00 recht weit vorne sieht (Stand 10. April). Vor allem die Gruppe kommt Uruguay entgegen, da sie mit Russland zwar den Gastgeber enthält, der jedoch neben Saudi-Arabien und Ägypten eine ebenso lösbare Aufgabe darstellt.

Sobald erst einmal die K.o.-Runde erreicht ist, wird ohnehin vieles von der Tagesform abhängen. Die größte Stärke des zweimaligen Weltmeisters liegt im Zweiersturm Suárez/Cavani, der an einem guten Tag jeden Gegner alleine eliminieren kann. Über die letzten Jahre hinweg fand sich besonders im offensiven Mittelfeld ein kreatives Vakuum im Team, das nunmehr durch die endlich nominierten jungen Kräfte geschlossen wurde. Giorgian De Arrascaeta zeigt bei Cruzeiro regelmäßig starke Leistungen, während ein Gastón Pereiro mittlerweile sehr gut in Eindhoven angekommen ist. Somit bleibt vor allem die Frage hängen, ob die Defensive abermals eine solch solide Vorstellung zeigen kann, wie es bei den letzten Erfolgen der Fall war. Chef Diego Godín führt Atlético Madrid zumindest zu diesem Zeitpunkt zur besten Defensive La Ligas. Dieser Fakt darf nach Problemen zu Beginn der Saison von Trainer Óscar Tabárez durchaus positiv aufgenommen werden.

Der Start der Weltmeisterschaft sollte für Uruguay positiv und ohne größere Probleme verlaufen. Mit dem Erreichen des Achtelfinals kann schon früh ein Gegner wie Spanien warten und das Turnier beenden. Dennoch besitzt die Mannschaft das Potential, zumindest ins Viertelfinale einzuziehen. Ob dann noch mehr möglich ist, bleibt in einem sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeld bis zu den späteren Spielen offen.