Torneo Uruguayo: Apertura geht an Nacional

Keine großen Überraschungen in Uruguay: Die Favoriten Nacional und Peñarol kämpften bis zuletzt um den Titel der Apertura. Am Ende hatten die Tricolores die Nase vorn, mussten am letzten Spieltag aber gewaltig zittern. Unsere Rückschau auf den Kampf um die Meisterschaft.

Bekanntermaßen teilt sich das uruguayische Kalenderjahr in mehrere Phasen auf: Die Apertura, das Torneo Intermedio und die Clausura. Besonders wichtig sind die Kurzturniere Apertura und Clausura für den Kampf um die Meisterschaft, denn der Sieg in einem der beiden Wettbewerbe qualifiziert mindestens fürs Halbfinale am Jahresende. Dazu spielt auch noch die Jahrestabelle eine gewichtige Rolle, während der Abstieg durch einen Koeffizienten über einen längeren Zeitraum ermittelt wird. Besonders wichtig war die abgelaufene Apertura also für die Titelkandidaten – in Uruguay heißt das immer zuallererst: Nacional und Peñarol.

Tatsächlich lieferten sich beide Granden ein heißes Rennen: Bis zum letzten Spieltag hatten beide kaum Punkte gelassen, ein umkämpftes direktes Aufeinandertreffen hatte 1:1 geendet. Nacional, das den etwas stärkeren Eindruck hinterlassen hatte und dank der klugen Rotation von Coach Alexander Medina physisch ausgeruhter war, ging mit zwei Punkten Vorsprung in die letzte Runde. Es stand aber eines der schwersten Spiele an: Bei Danubio, im Jardines de Hipodromo, hatten die Tricolores zuletzt nur drei von zehn Spielen gewinnen können. Dazu spielte La Franja als Dritter eine gute Saison. Für den sicheren Titelgewinn brauchte Nacional einen Sieg, ein Remis würde mindestens ein Entscheidungsspiel sicherstellen, bei einer Niederlage musste man sich auf einen Patzer Peñarols verlassen. Immerhin: Auch Peñarols Aufgabe war nicht wirklich einfach – Defensor Sporting hieß der Gegner der Manyas. Die Violetas waren Vierter und sind immer ein unangenehmer Gegner.

Beide Teams überwinden Rückstände

Der erste Torschrei kam aus dem Campeón del Siglo, und er schien eine Überraschung anzudeuten: Ayrton Cougo, Defensors linker Schienenspieler, brachte die Gäste nach Facundo Castros Flanke in Front (17.). Bahn frei für Nacional? Keinesfalls, es folgte eine Minute, die schicksalhaft hätte sein können: Rodrigo Rojo traf nach Chaos in Defensors Hintermannschaft zum Ausgleich für die Carboneros (34.), und nur Sekunden später ließ David Terans Nacionals Hintermannschaft ganz alt aussehen und schoss zu seinem zehnten Saisontor ein – das 1:0 für Danubio (35.)! Das Tor war etwas überraschend, denn Danubio hatte in der ersten Halbzeit nur einen Torschuss zu verzeichnen und Nacional durchaus kein schlechtes Spiel gemacht. So ging es aber in beiden Stadien mit der Aussicht auf eine dramatische Schlussphase in die Kabine.

Das Gefühl schien sich zu bestätigen, und Hauptverantwortlicher war Cristian Palacios. Der Peñarol-Stürmer brauchte nach seiner Einwechslung keine zehn Minuten, um einen Doppelpack zu schnüren (60., 63.)– 3:1 und die Tabellenführung für Peñarol. Nacional verzweifelte derweil an Danubios Schlussmann Federico Cristoforo, der seine wacklige Hintermannschaft ein ums andere Mal rettete. Doch auch Cristoforo war letztlich nicht genug: Nur kurz nach Peñarols 3:1 glich Nacional durch Gonzalo Bergessio aus (64.), und der Schwung der Tricolores ließ nicht nach. Angetrieben von Kapitän Diego Polenta schnürte Medinas Team Danubio regelrecht ein, scheiterte mehrfach nur knapp – und durfte dann doch noch jubeln: Alfonso Espino brach links zum wiederholten Male durch, flankte in die Mitte und fand Sebastián Papelito Fernandez, der die Kugel aus kurzer Distanz im Tor unterbrachte (82.). Der Sieg sollte nicht mehr in Gefahr geraten, so dass auch Peñarols 4:1 durch Fabricio Formiliano (86.) letztlich irrelevant wurde.

Ein verdienter Sieger – dank Medina

Wie schon über die ganze Apertura, zeigte Nacional auch am letzten Spieltage eine bemerkenswerte mentale Stärke und konnte so auf Rückschläge reagieren – beispielsweise beim Sieg über Danubio oder beim 1:1 im Clásico gegen Peñarol. 35 Punkte aus 14 Spielen sind eine hervorragende Ausbeute und zeugen von einem verdienten Champion. Umso mehr, wenn man berücksichtigt, dass Coach Medina seine erste Profisaison angeht und der Kader durch die Copa-Teilnahme doppelt gefordert wurde. Die Doppelbelastung moderierte Medina jedoch hervorragend und nutzte zudem regelmäßig die Bank perfekt – dass beispielsweise Siegtorschütze Fernández als Joker gekommen war, war kein Zufall. Auch Youngstern schenkte Medina das Vertrauen: Zwei ganz entscheidende Figuren waren Innenverteidiger Guzmán Corujo und der zum besten Spieler der Apertura gewählte zentrale Mittelfeldspieler Christian Oliva, beide vor der Saison nur Insidern bekannte. Der Titelgewinn bedeutet dem Verein umso mehr, als dass das Turnier einem der legendärsten Spieler der Vereinsgeschichte gewidmet ist: Dem vor 100 Jahren verstorbenen Abdón Porte (die Widmung von Turnieren gehört zu den schönen Details des uruguayischen Fußballs. So lief die Apertura offiziell unter dem Namen “Torneo Apertura Sr. Abdón Porte”, die Clausura ist dem kürzlich verschiedenen früheren Danubio-Präsidenten Hugo Sebastiani gewidmet).

Im Gegensatz dazu schwächelte bei Peñarol die Ersatzbank oft, außerdem weigerte sich Coach Ramos, mehr zu rotieren. Eine Weigerung, die nun zu zahlreichen Verletzten geführt hat und den Klub auch das Weiterkommen in der Copa Libertadores kosten dürfte. Für das Torneo Uruguayo immerhin ist noch nichts verloren: In der wichtigeren Jahrestabelle liegt man nur einen Punkt hinter dem Erzrivalen, bei noch 22 ausstehenden Spielen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag man zeitweise zwölf Punkte zurück, holte aber noch die Jahrestabelle und letztlich auch den Titel. Bereits am heutigen Mittwoch beginnt nun das Torneo Intermedio, ein Zwischenturnier mit sieben Spieltagen, in dem natürlich Nacional und Peñarol Favorit ihrer Gruppen sind.