Universitario de Deportes

Saisonvorschau Torneo Descentralizado 2019: Drei Favoriten aus Lima

Das peruanische Torneo Descentralizado ist in der Nacht von Freitag auf Samstag in die neue Saison gestartet. Alianza Lima setzte sich im ersten Match klar mit 3:0 gegen die Sport Boys durch. Einen eindeutigen Favoriten gibt es nicht, weil Titelverteidiger Sporting Cristal eine turbulente Transferperiode erlebte. Die weiteren Großen, Alianza und Universitario, lauern im Windschatten. Unsere Saisonvorschau blickt auf alle 18 Teams.

Das Format

Das Torneo Descentralizado weist 2019 einige Neuerungen auf: Dieses Jahr sind es 18 Teams, die in zwei Runden Torneo Apertura und Clausura ausspielen. In den anschließenden Playoffs zwischen den besten vier Teams der Liga – darunter auf jeden Fall auch die Sieger von Apertura und Clausura – wird der Jahresmeister ermittelt. Hinzu kommt ein Pokal mit Teams aus den ersten beiden Ligen. Gegenüber dem kräftezehrenden Modellder letzten Jahre mit 16 Teams und 44 Spieltagen sollten diese Neuerungen einen Fortschritt darstellen. Kritischer zu beurteilen ist allerdings, dass diese Saison sogar vier Teams den Sprung in die erste Liga schafften: Die Aufsteiger aus Copa Perú und Segunda División stehen oft auf einer institutionell schwachen Basis und haben mit Finanzproblemen zu kämpfen.

Die Meisterkandidaten

Nach dem hochverdienten Titel 2018 müsste eigentlich Sporting Cristal als klarer Favorit ins Rennen gehen. Die Cerveceros aus Limas Stadtteil RImac waren das klar beste Team 2018 und verfügten in Gabriel Costa und Emanuel Herrera auch über die beiden besten Spieler. Doch Costa packte ebenso wie Erfolgscoach Mario Salas die Koffer und wechselte nach Chile zu Colo-Colo. Auch der Verlust von Mittelfeldmann Josepmir Ballón und Flügelspieler Marcos López schmerzt, während der Rest des Erfolgsteams zusammengehalten wurde. Die Neuzugänge Cristian Palacios, Christofer Gonzáles und Patricio Arce sind zwar gute Spieler, die den individuell wohl stärksten Kader der Liga ergänzen, doch scheiterte der neue Trainer Alexis Mendoza daran, aus den unterschiedlichen Charakteristiken ein klares fußballerisches Konzept zu entwickeln. Er wurde noch vor Saisonbeginn entlassen und durch Claudio Vivas ersetzt – auch er eine Unbekannte. Ein weiterer Schwachpunkt ist die fehlende Breite im Kader. So ist Cristal zwar ein Titelkandidat, aber nicht unbedingt klar über der Konkurrenz angesiedelt. Der letztjährige Vizemeister, Alianza Lima, möchte beispielsweise ein Wörtchen um den Titel mitreden. Mit Pedro Gallese und Leao Butrón verfügen die Intimos über zwei der besten Keeper der Liga, mit Wilder Cartagena und Aldair Fuentes über zwei vielversprechende Sechser, mit Mauricio Affonso über einen starken Angreifer. Doch ansonsten muss der argentinische Trainer Miguel Angel Russo auch mit einigen eher durchschnittlichen Mannschaftsteilen klarkommen – insbesondere auf den defensiven Außenbahnen hatten die Violetten zuletzt ihre Probleme, und im zentralen Mittelfeld fehlt es an Tempo. In den letzten beiden Jahren war Alianzas Erfolgsrezept die Stabilität, die den Titel 2017 und das Finale 2018 ermöglichte. Konstanter zu sein als die Konkurrenz bleibt Alianzas größte Chance. Stichwort Konstanz: Universitario de Deportes fehlte diese zuletzt völlig. Die finanziell gebeutelten Cremas legten 2017 und 2018 jeweils einen sehr schwachen Saisonstart hin, verbesserten sich aber im Lauf des Jahres. Mit Trainer Nicolás Córdova wollen sie diesmal von Beginn an um den Titel mitspielen. Eine erfahrene Mannschaft um WM-Fahrer Alberto Rodriguez und den argentinischen Sturmtank Germán Denis hat zumindest theoretisch das Potential dafür. Verglichen mit dem Vorjahr sollte vor allem die Defensive besser stehen, während in der Offensive hinter großen Namen eine dünn besetzte Bank wartet.

Die Verfolger

Melgar gewann zuletzt die Clausura und punktete in den letzten Jahren sehr konstant, andererseits muss man finanziell den Gürtel etwas enger schnallen. Besonders der Abgang von Patricio Arce schmerzt, auf der Habenseite steht dagegen mit Keeper Carlos Cáceda nur ein unumstrittener Topspieler. Viel hängt sicher an Trainer Jorge Pautasso. Der Argentinier war einst Co-Trainer von Gerardo Martino bei Barcelona und der argentinischen Nationalmannschaft und verficht einen pressingintensiven, eher offensiven Stil. Kann er ihn entsprechend vermitteln, ist auch Melgar ein Titelkandidat, doch individuell bleibt der Kader etwas hinter den drei großen Teams aus Lima zurück und dürfte daher eher um die Copa Libertadores kämpfen. Auch Real Garcilaso ist in den letzten Jahren ein notorischer Verfolger der Großen geworden und hat sich auch 2018 für die Copa Libertadores qualifiziert, wobei man in der Qualifikation schon ausgeschieden ist – gegen La Guaira scheiterte man spät und dramatisch am Auswärtstor der Venezolaner. Der Erfolg des Teams aus Cusco ist meist eher einem starken Budget als guter Planung geschuldet. Auch 2019 begann in dieser Tradition, als man einige Spieler unter Vertrag nehmen, davon aber bald nichts mehr wissen wollte – Klagen sind noch anhängig. Unabhängig davon haben die Himmelblauen einige gute Argumente auf ihrer Seite: Danilo Carando und Alfredo Ramúa gehören zu den besten Offensivspielern der Liga, und die Heimspiele in der Höhe von Cusco sind gefürchtet. Weil der Umbruch aber mal wieder zu groß war und die Defensive nicht eben furchteinflößend ist, dürfte es für den Titelkampf dennoch nicht ganz reichen. Auch der chilenische Trainer Héctor Tapia war zuletzt selten erfolgreich – wenige würden wohl auf seinen dauerhaften Verbleib wetten. Sport Huancayo ist nicht ganz so prominent besetzt, landete zuletzt aber immer in der Copa Sudamericana und kann auf einen soliden Kader zählen, der weitgehend zusammengehalten wurde. Der paraguayische Goalgetter Carlos Neumann und der dribbelstarke Zehner Marcos Lliuya dürften auch dieses Jahr wieder eine funktionsfähige Offensive garantieren, während man in der Defensive über eine grundsolide Truppe verfügt, die Torwart Salomon Libmán nochmal deutlich verstärkt. Municipal hat sich ebenfalls im oberen Tabellenmittelfeld etabliert. Das Team von Victor Rivera verlor mit José Manzaneda, Alfredo Alfageme, Rodrigo Cuba und Hector Salazar allerdings vier echte Säulen, während von den Neuzugängen nur der frühere uruguayische Nationalspieler Egidio Arévalo Rios und der Paraguayer Jeremías Bogado gehobene Klasse verkörpern. Daher erscheint es unwahrscheinlich, dass Muni in den Titelkampf eingreifen kann, doch für die Copa Sudamericana könnte es reichen. Ein Problem für die Ediles ist, dass das Heimstadion in Villa El Salvador nicht erstligatauglich ist – dort konnte Municipal immer auf starke Unterstützung zählen, während sich letzte Saison meist nur wenige Leute ins Exil nach Callao verirrten und die Heimbilanz deutlich litt. Vermutlich wird man seine Heimspiele nun in Huacho austragen. Die Universidad César Vallejo aus Trujillo ist derweil vermutlich der stärkste Aufsteiger und strebt ebenfalls eine internationale Qualifikation an. Der Verein hat zwar keine große Tradition, hatte sich aber vor dem überraschenden Abstieg 2016 in der oberen Tabellenhälfte etabliert, verfügt über relativ viel institutionelle Konstanz, ein ordentliches Budget und in José del Solar über einen guten Trainer. In Santiago Silva und Germán Pacheco hat man sich zwei Offensivspieler geschnappt, die zwar zuletzt nirgends lang Station gemacht, ihre Klasse in der peruanischen Liga aber schon lange nachgewiesen haben. Mit Raúl Fernández kommt dazu ein Ex-Nationaltorwart,und mit Alexis Rojas, Renzo Garcés und Erinson Ramírez konnte man sich ein junges und dennoch schon erstligaerfahrenes Trio sichern. Schlagen die Neuen wie erwartet ein, ist die Copa Sudamericana drin.

Das Mittelfeld

Union Comercio halt gegen die Übermacht der Teams von der Küste und aus dem Hochland die Flagge des Regenwalds hoch: Der Klub aus Nueva Cajamarca hält sich schon seit neun Jahren in der ersten Liga, meist allerdings in der zweiten Tabellenhälfte. 2018 hing man lang im Abstiegskampf fest, ehe der neue Trainer Marcelo Vivas das Team wieder flott bekam und eine gute Clausura spielte. Er blieb ebenso wie die meisten Leistungsträger an Bord, darunter der wichtigste Spieler, Offensivallrounder Willyan Mimbela. Erwartbar ist ein Platz in der zweiten Tabellenhälfte, aber ohne ernsthafte Abstiegsgefahr. Auch bei Ayacucho ist der Trainer ein gewichtiges Argument. Die Zorros spielten unter Mario Viera in der Clausura sogar lange um den Titel mit, nachdem sie sich lange in Abstiegsgefahr befanden hatten. Mit der Rückkehr ins renovierte Estadio Ciudad de Cumaná von Ayacucho setzte der früher als Inti Gas bekannte Klub neue Energien frei und gewann seine Heimstärke zurück. Mit den starken Routiniers Robert Ardiles und Mauricio Montes in der Offensive sollte Ayacucho gut genug sein, dieses Mal die Abstiegssorgen weitgehend fernzuhalten. Etwas kritischer ist die Universidad San Martín de Porres zu beurteilen. In den letzten Jahren spielten die Albos zwar stets guten, aber auch eher ineffizienten Fußball und landeten so nur in der unteren Tabellenhälfte. In den Ivorern Kofi Dakoi und Aké Arnaud Loba verlor der Klub seine beiden stärksten Spieler, dazu gingen mit Jesús Chávez, Gary Correa und Keeper Erick Delgado die wenigen Routiniers im Kader. Doch es sprechen auch einige Argumente für San Martin: Delgado wurde durch Diego Penny mehr als ersetzt, die vielen Youngster haben ein hervorragendes technisches Niveau und nun ein Jahr mehr Erstligaerfahrung, und erstmals spielt man in einem echten Heimstadion am Campus der Universidad San Martin. Cantolao ist in gewissem Sinne ein Schwesterklub der San Martin: Auch der Klub aus Callao verfügt über eine gute Jugendarbeit, technisch gut ausgebildete Spieler und mehr Ruhe als die meisten anderen Vereine. Allerdings spielt der Delfin, der in seinen ersten beiden Jahren in der ersten Liga jeweils auf Rang 12 landete, weiterhin im Estadio Alberto Gallardo von Callao, in das sich meist nur wenige Zuschauer verirren. Alles hängt bei den Gelben am Sturmzentrum: Dort explodierte 2018 der Kolumbianer Fabián González regelrecht und wurde zu einem der besten Angreifer der Liga. Mit seiner Geschwindigkeit und Dribbelstärke kompensierte er die fehlende Durchschlagskraft seiner Kollegen, die 2019 sicher mehr gefordert sein dürften. Denn der neue Mann im Sturmzentrum heißt Daniel Chávez und hat mehrere Seuchenjahre hinter sich. Findet er nicht schnell in die Spur, wird sich Cantolao nach unten orientieren müssen. Immerhin blieb der Rest der Mannschaft, insbesondere die ordentliche Defensive, weitgehend beisammen. Gar kein Stein auf dem anderen blieb hingegen bei UTC: Trotz der Qualifikation für die Copa Sudamericana verließen die elf Spieler mit den meisten Einsatzminuten allesamt den Verein. Insbesondere die Abgänge von Zehner Donald Millán und Torwart José Carvallo schmerzen. Immerhin blieb der Verantwortliche, Trainer Franco Navarro. Und der Ex-Nationalspieler hat in den letzten Jahren schon bewiesen, dass er mit den geringen Mitteln bei UTC gut zurecht kommt – zwei Mal in Folge qualifizierten sich die Cremas für die Copa Sudamericana. Dieses Mal wird die Aufgabe allerdings besonders schwer, selbst wenn die Rückkehr nach Cajamarca vermutlich ein paar Punkte in Heimspielen bescheren wird. Binacional, Sieger der Copa Peru 2017, hat ebenfalls eine neue Heimspielstätte: Juliaca, auf 3825 Metern in der Nähe des Titicacasees gelegen – ein Spielort, der auch den an Höhe gewöhnten Teams des peruanischen Fußballs einiges an Respekt abgewinnen dürfte. Das Team qualifizierte sich im Vorjahr mit diszipliniertem Fußball und einer guten Heimbilanz für die Copa Sudamericana. Mit Donald Millan und Juan Pablo Vergara ergänzen zwei feine Fußballer eine Offensive, die im letzten Jahr zu wenig durchschlagskräftig war. Die Defensive ist ordentlich, aber nicht überragend. Die größte Herausforderung für den Klub dürfte also institutioneller Natur sein: Im abgelaufenen Jahr gab es Irritationen um die wechselnden Heimstadien und späte Gehaltszahlungen. Geht alles gut, ist ein sicherer Mittelfeldplatz drin – falls nicht, ist ein ähnlich katastrophaler Absturz wie im letzten Jahr bei Sport Rosario (Copa-Perú-Sieger 2016, Copa Sudamericana-Qualifikant 2017, beinaheinsolventer Absteiger 2018) nicht undenkbar.

Die Abstiegskandidaten

Molinos El Pirata trägt den unerwünschten Titel des Abstiegsfavoriten. Das Team aus Lambayeque, Meister der Copa Perú 2018, geht in seine erste professionelle Saison und hat weite Teile des Aufstiegsteams ausgetauscht. Doch die Verstärkungen haben noch nicht die gewünschte Klasse – lediglich Luis Tejada, der mittlerweile auch schon 36-jährige Panamaer, garantiert Erstliganiveau. Auch die institutionellen Bedingungen des Teams mit Jack Sparrow im Logo scheinen wacklig, das Geld fehlt hinten und vorne, eine Heimspielstätte steht noch nicht fest. An derartigen Fragezeichen sind zuletzt die meisten Absteiger gescheitert. Seriöser wirkt das Projekt von Alianza Universidad, das zwar in der Finalísima der Copa Perú hinter den Piraten landete, sich dann über die Aufstiegsrunde für das Descentralizado qualifizierte. Das Team aus Huánuco kann auf eine solide Basis der Vorjahre bauen und hat sich mit Julio Landauri, Oscar Vilchez, Gianmarco Gambetta und Robinson Aponzá exzellent verstärkt. Zwar wird das Zusammenspiel der Aufstiegshelden mit den etablierten Erstligaspielern eine Unbekannte, aber der Kader hat ausreichend Potential, sich im Abstiegskampf zu behaupten. Angelo Mannucci ist ein weiterer Aufsteiger, der sich durchaus sinnvoll positioniert. Der beliebtere und traditionsreichere Klub von Trujillo kehrt nach 25 Jahren in die erste Liga zurück und dürfte sich mit Lokalrivale César Vallejo heiße Duelle liefern. Man konnte sich gut verstärken, schnappte sich etwa den starken Rechtsverteidiger Roberto Villamarin von Alianza Lima und den Sechser Jean Pierre Fuentes von Melgar. Doch weil größere Teile des Kaders zuletzt in der zweiten Liga spielten, gibt es auch einige Fragezeichen im Team von Coach José Soto – insbesondere in der Defensive, wo Manuel Heredia, Pedro Diaz, Ricardo Lagos und Joaquin Lencinas aus verschiedenen Gründen als Wackelkandidaten gelten müssen. Von ihnen hängt es ab, ob sich Mannucci etablieren kann. Der Vorjahresaufsteiger Sport Boys aus Callao rettete sich in der letzten Saison vor der schwächelnden Konkurrenz ins Ziel, dürften aber auch dieses Jahr wieder im unteren Drittel zu finden sein. Unter Ex-Reservetrainer Jesús Álvarez debütierten zuletzt einige Youngster, wobei die Rosados von der geographischen Nähe zum Talentreservoir Lima profitieren. Doch die Spieler mit der ganz großen Klasse fehlen, die größten Namen wie Jhonnier Montano, Joazhino Arroé und Luis Tejada verließen den Klub. Von den Neuzugängen ist nur Jesús Chávez eine etablierte Hausnummer in der ersten Liga, auch wenn man von Keeper Jonathan Medina ebenfalls gute Leistungen erwarten darf. So sieht es erneut nach Abstiegskampf aus.