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“El Tigre” stillt seinen Torhunger – Falcao im Fürstentum mit zweitem Frühling

Nach zwei überaus schwierigen Jahren in England beim FC Chelsea und Manchester United kehrte Falcao 2016 ins Fürstentum Monaco zurück. Der Rekordtransfer der Monegassen konnte sich weder bei den “Blues” noch bei den “Red Devils” im Sturmzentrum etablieren, die Karriere des 60 Millionen-Manns schien bereits mit 30 vorüber zu sein. Doch in Frankreichs höchster Spielklasse konnte “El Tigre” an seine phänomenalen Leistungen beim FC Porto und den “Colchoneros” aus Madrids Süden anknüpfen und bescherte Monaco im vergangenen Jahr den französischen Meistertitel vor dem Starensemble aus Paris. Es scheint, als wäre aus der zwischenzeitlichen “Schmusekatze” wieder ein echter “Tiger” geworden. Und die Raubkatze ist hungrig..

Für ingesamt vier Jahre versetzte Radamel Falcao García Zárate zahlreiche Defensivabteilungen europäischer Spitzenvereine regelmäßig in Angst und Schrecken. Der Kolumbianer war nur schwer zu stoppen und im Strafraum nahezu aus jeder Lage tödlich, was ihm den Spitznamen “El Tigre” einbrachte. Nach einem enttäuschenden Aufenthalt auf der Insel schickt sich der Kolumbianer beim AS Monaco im Alter von 31 Jahren nun wieder an, seinem Spitznamen alle Ehre zu machen.

De Madrid al cielo?

Die Bewohner der spanischen Hauptstadt Madrid, unabhängig davon ob sie Fans der Blancos aus dem noblen Chamartín im Norden oder Anhänger der Colchoneros aus den Arbeitervierteln im Süden der Metropole sind, stimmen in sich in einer Angelegenheit zu. Dem madrilenischen Lebensmotto: “De Madrid al cielo”. Von Madrid in den Himmel. Meint soviel wie: Nur im Himmel ist es schöner als in unserem Madrid. Für Falcao, der insgesamt zwei Jahre in der 3,2 Mio.-Stadt verbrachte, sollte sich dieser Spruch in gewisser Weise bewahrheiten.

Für die stattliche Summe von 47 Mio. € eisten die Rojiblancos den kolumbianischen Stürmerstar im Sommer 2011 vom FC Porto los, wo er in 87 Spielen ganze 72 Tore erzielt hatte, eine fantastische Ausbeute.

Das zum damaligen Zeitpunkt saftige Investment sollte sich für Atlético Madrid mehr als bezahlt machen. Für die Colchoneros spielte Falcao von Beginn an wie entfesselt auf. In seiner ersten Spielzeit in der Primera División gewann Falcao mit “Atleti” die Europa League, die er im Vorjahr bereits mit dem FC Porto gewinnen konnte und schoss 12 Tore in den 15 Partien des Wettbewerbs. Auch in der Liga schlug “El Tigre” 24 Mal zu, nur die beiden Außerirdischen CR7 und Leo Messi konnten öfter einnetzen.

Zu Beginn seiner zweiten Saison machte Falcao genau da weiter, wo er im Vorjahr aufgehört hatte. Am zweiten Spieltag gegen Athletic Bilbao gelang dem Kolumbianer ein Hattrick, nur einige Wochen später gar ein Fünferpack gegen Deportivo La Coruna.

Am Ende der Temporada konnte Falcao seine Torausbeute im Vergleich zum Vorjahr sogar noch steigern, im Ligabetrieb gelangen ihm 28 Treffer. Zusätzlich bezwang Atlético den ewigen Rivalen Real Madrid im Finale der Copa del Rey, was eine bereits sehr gute Saison der Rojiblancos sogar noch krönte.

Wechsel ins Fürstentum und Beginn der Leidenszeit für Falcao

Im Sommer 2013 machte der finanzstarke Ligue 1- Aufsteiger AS Monaco dem torgefährlichen Kolumbianer ein Angebot wie in Francis Ford Copollas preisgekröntem Meisterwerk “Der Pate”. Ein Angebot, dass er nicht ablehnen konnte. Ein Jahressalär von 14 Mio. €, netto wohlgemerkt, und die Aussicht auf den Lebensstil der Reichen und Schönen an der Côte d’Azur.

Falcao zögerte nicht lange und nachdem Monaco die von Atlético geforderten 60 Mio. € auf den Tisch gelegt hatte, dem russischen Investor sei Dank, kehrte “El Tigre” der spanischen Hauptstadt den Rücken. In den Himmel ging es allerdings erstmal nicht.

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Zunächst sah es für die kolumbianische Raubkatze gar nicht schlecht aus. Neun Tore in den ersten 15 Spielen für den Aufsteiger standen zu Buche, es schien, als würde sich der Tiger auch in seinem neuen Lebensraum behaupten können. Doch in einem Pokalmatch im Januar 2014 erlitt Falcao einen Kreuzbandriss im linken Knie, was ihn für die gesamte Rückrunde der Saison 2013/14 als auch für die Weltmeisterschaft 2014 außer Gefecht setzte. Ein schwerer Schlag für den kolumbianischen Stürmerstar.

Falcao und das englische Missverständnis

Im August 2014, am Transfer Deadline Day, vollzog Falcao einen Wechsel zu Manchester United, die vom niederländischen General Louis van Gaal trainiert wurden, zunächst auf Leihbasis mit vereinbarter Kaufoption.

Lange Zeit war in Monaco nicht klar, inwiefern der russische Milliardär und Mäzen Dmitry Rybolovlev sein Investment aufrecht erhalten würde. Da Falcao einer der Topverdiener im Fürstentum war, entschloss man sich, den Kolumbianer vorübergehend in England bis zur endgültigen Klärung der Umstände zu “parken” und ihn somit von der Gehaltsliste zu streichen.

Falcao brauchte im regnerischen England einiges an Anlaufzeit, sowohl die Kultur, als auch die Sprache und Spielweise in der Liga waren etwas Neues für den sonnenverwöhnten Falcao.

Coach van Gaal verlor jedoch alsbald das Vertrauen in den hochdekorierten Stürmerstar, weshalb Falcao fortan immer öfter mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen musste oder in der Am Ende der Saison standen für “El Tigre” magere vier Törchen in 26 Spielen auf der Habenseite, eine gebrauchte Spielzeit.

Im darauffolgenden Jahr zog des Falcao in die englische Finanzmetropole und Hauptstadt London zum FC Chelsea. Bei den Blues lief es für Falcao allerdings noch schlechter. Insgesamt absolvierte der Kolumbianer nur zehn Spiele für den Klub aus dem Nobelstadteil Chelsea, dabei gelang ihm ein Treffer. Den Großteil der Spielzeit verbrachte er entweder verletzt oder auf der Bank.

Rückkehr ins Fürstentum – Zweiter Frühling

Es schien, als wäre die vielversprechende Karriere des kolumbianischen Mittelstürmers aufgrund der Verletzungen der letzten Jahre schon an ihrem unvermeidlichen Ende angelangt. Allerhöchstens in der katarischen Wüste oder in der geldüberfluteten chinesischen Liga könnte er noch einmal dick abkassieren. Allerdings kehrte Falcao zur Saison 2016/17 ins Fürstentum Monaco zurück und fand in Leonardo Jardim einen Trainer vor, der an die Fähigkeiten von “El Tigre” glaubte und ein Spielsystem etablierte, dass perfekt auf den Mittelstürmer zugeschnitten ist. Der Glaube des Trainers war Balsam für die geschundene Stürmerseele und Falcao sollte das in ihn gesetzte Vertrauen mit Toren zurückzahlen. Vielen Toren.

Falcao ist vom Spielertyp her ein klassischer Neuner, der versucht, Räume zwischen den gegnerischen Innenverteidigern zu finden und als Anspielstation im Sturmzentrum fungiert. Über Monacos schnelle Außenspieler wurden viele Angriffe rasch über die Flügel vorgetragen und Falcao stand oftmals schlicht und ergreifend goldrichtig. Gemeinsam mit dem Youngster Kylian Mbappé als Sturmpartner spielte Falcao eine überragende Saison und konnte all die Qualitäten zeigen, die ihn schon Jahre zuvor zu einem von Europas gefürchtetsten Angreifern gemacht hatten: Physisches Durchsetzungsvermögen, Killerinstinkt vor dem Tor, überragende Abschlussstärke und Schnelligkeit auf den ersten Metern. Ein Komplettpaket. Für Monaco erzielte “El Tigre” in der vergangene Saison in der Liga 21 Tore und bereitete fünf weitere vor, was mit ausschlaggebend für den Gewinn der Meisterschaft vor dem Rivalen aus der Haupstadt, PSG, bedeutete.

Auch auf Europas hellster Bühne, der Champions League, fand Falcao glücklicherweise zurück in die Spur. Mit den Monegassen erreichte er das Halbfinale der Königsklasse, musste sich allerdings dort der “alten Dame” Juventus Turin geschlagen geben. Nichtsdestotrotz gelangen dem Kolumbianer sieben Tore, wenn man die Qualifikationsrunde noch einrechnet. Kein schlechter Wert.

“El Tigre” wieder mit Zähnen

Auch in der aktuellen Saison läuft es trotz des Abgangs von Superstar Mbappé mehr als zufriedenstellend für Falcao. Nach sieben Spieltagen in der französischen Ligue 1 stehen bereits elf Saisontore für den kolumbianischen Ausnahmestürmer zu Buche, der mittlerweile auch Kapitän der jungen Mannschaft des AS Monaco ist. Damit stellt “El Tigre” einen Liga-Rekord auf. Zwar hat Paris St. Germain mit Neymar Jr. und Mbappé ein brandgefährliches Sturmduo gekauft und gemeinsam mit dem Uruguayer Edinson Cavani nun einen 466 Mio. Sturm, allerdings könnte der AS Monaco, auch dank Falcao, ein Wörtchen mitreden, wenn es um den Titelgewinn in Frankreichs höchster Spielklasse geht. Derzeit liegen die Monegassen mit 18 Punkten aus sieben Spielen nur einen Zähler hinter dem Hauptstadtklub.

De Madrid al… Monaco?

Es scheint, als habe der mittlerweile 31-jährige Stürmer aus Santa Marta in Monaco das ideale Umfeld gefunden. Ein Trainer, der jegliches Vertrauen in ihn setzt, eine junge Mannschaft, die der erfahrene Goalgetter anführen kann, und.. nunja, durchschnittlich 15 Grad Celsius und fast ebenso viel Millionen, die jährlich auf das Konto wandern.

Für den Madrilenen gibt es nichts höheres als seine Stadt, Madrid. Von dort aus kann es nur noch weiter in den Himmel gehen. Falcao allerdings hat seinen Himmel an der Côte d’Azur gefunden. Letztlich könnte man also sagen, dass sich die vom Schrifsteller Luis Quiñones de Benavente geprägte Redewendung “De Madrid al Cielo” auch für Falcao bewahrheitet hat. Ein Himmel mit Umwegen.