Vecino
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Matías Vecino: Führt er Inter wieder nach oben?

Bei Inter Mailand werden sie sich vor der Verpflichtung von Matías Vecino vor allem an ein Spiel erinnert haben: Ende April siegte der AC Florenz in einem kuriosen Spiel mit 5:4 über die einmal mehr konfus auftretenden Lombarden.

Hauptdarsteller war mit zwei Treffern und einer Torvorlage der Nationalspieler Uruguays. Und allen voran bei den beiden Toren bewies er jene Flexibilität, die ihn als Spieler auszeichnet. Einmal verwerte Vecino im gegnerischen Strafraum eine flache Hereingabe mit dem linken Fuß, dann kombinierte er sich gemeinsam mit Borja Valero zunächst durch das Inter-Mittelfeld, ehe er sich den Ball schnappte, Richtung Tor marschierte und mit einem Flachschuss außerhalb des Strafraums vollstreckte.

Zwar sind Tore nicht unbedingt das Markenzeichen, mit dem der 26-Jährige in seiner Karriere bislang von sich reden machte – in der vergangenen Serie-A-Saison kam nämlich zu den beiden Treffern gegen Inter nur ein weiterer im letzten Saisonspiel gegen Absteiger Delfino Pescara hinzu. An der Art und Weise wie Vecino sie eingeleitet hat, lässt sich jedoch ablesen, dass er sich still und heimlich zu einem der komplettesten Mittelfeldspieler in Italien gemausert hat. Vecino kann mit Tempo durch das Mittelfeld an seinen Gegenspielern vorbei marschieren, auf engem Raum Lösungen finden und sich auch – am liebsten mit Borja Valero, mit dem er nun auch bei Inter wieder eine harmonische Mittelfeldachse bildet – mit wenigen Kontakten durch das Zentrum kombinieren.

Vecino einer wie Matuidi?

Auch Stefano Pioli, der letzte Saison noch Trainer bei den Mailändern war und zur neuen Spielzeit den Job bei der Fiorentina übernahm, sprach von einer „großartigen Verpflichtung“ seines ehemaligen Klubs. Der Italiener hätte Vecino, den er in der Vorbereitung eben auch besser kennenlernte, nur zu gerne behalten. „Er ist ein kompletter Mittelfeldspieler, auf demselben Niveau wie Blaise Matuidi“, fügte Pioli an. Und tatsächlich haben der französische Nationalspieler, der viele Jahre ein Fixpunkt bei Paris St. Germain war und nun auch bei Juventus Turin zu den Stammkräften zählt, und der Uruguayer so einiges gemeinsam. Zwar ist Vecino bei einer Körpergröße von 1,87 etwa zwölf Zentimeter größer als sein Pendant vom Erzrivalen, beide Mittelfeldakteure zeichnet aber neben ihren fußballerischen Vorzügen auch aus, dass sie in jeder Partie ein enormes Pensum betreiben, den Platz über die gesamte Spieldauer rauf und runter beackern, um entweder den ballführenden Gegner direkt und dynamisch zu attackieren, oder aber Räume und Passwege gekonnt zustellen.

Napoli-Trainer Sarri prägte Vecino

Vecino ist ein Spieler ohne Eitelkeiten, der einer unharmonischen Mannschaft, wie sie Inter in den letzten Jahren immer wieder war, helfen kann, wieder ein funktionierendes Kollektiv zu werden. Dass Vecino sich überhaupt zu dem kompletten Spieler entwickeln konnte, der er jetzt ist, hat auch viel mit Napoli-Trainer Maurizio Sarri zu tun. Sie arbeiteten gemeinsam beim FC Empoli, und Sarri, der aus den Neapolitanern die wohl mittlerweile am attraktivsten aufspielende Mannschaft Italiens geformt hat, hinterließ auch beim Uruguayer seine Handschrift. „Ohne Zweifel war er der prägendste Trainer in meiner Karriere“, erzählt Vecino. „Und das natürlich in positiver Hinsicht.“

Sarri formte während der Leihe nach Empoli aus einem lange Zeit unbeachteten Spieler einen selbstbewussten und geradlinigen Mittelfeldakteur, der sich peu á peu an die internationale Klasse herangearbeitet hat. Auch in der Nationalmannschaft Uruguays ist Vecino seit geraumer Zeit Stammspieler und Leistungsträger im zentralen Mittelfeld. Die 24 Millionen Euro – so hoch war seine festgeschriebene Ausstiegsklausel beim AC Florenz – die Inter in diesem Transfersommer für Vecino zahlte, könnten sich bei den Summen, die heutzutage auf dem Markt kursieren, noch als echtes Schnäppchen erweisen.