La Gorda Matosas
https://bolavip.com/__export/1510935964478/sites/bolavip/img/historico/gordamatosas60s.jpg_1693159006.jpg

La Gorda Matosas und La Raulito

Anlässlich des morgigen Superclásicos (0:45) zwischen River Plate und Boca Juniors um die Supercopa Argentina, stellen wir die beiden berühmtesten weiblichen Fans der zwei Vereine vor. Auf der Seite der Millonarios handelt es sich um La Gorda Matosas und auf der Seite der Xeneizes um La Raulito.

Wie alle großen Derbys auf der Welt lebt auch das Duell River-Boca von seiner Geschichte und seinen Anekdoten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Spieler hingegen sind austauschbare Elemente und bis auf wenige Legenden werden fast alle früher oder später in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund porträtieren wir zwei Persönlichkeiten die Teil des transzendenten Rahmens des Superclásicos sind, zwei Frauen über die in alle Ewigkeit gesprochen werden wird, und die jeweils Teil der Seelen der Klubs sind. Zwei Frauen, die eine schwere Kindheit eint, die beide gerne Bier tranken und viel rauchten, die wenig “damenhaft“ waren, und die sich in den männerdominierten Stadien der 60er und 70er Respekt erarbeiteten.

River – La Gorda Matosas (1933-1996)

Die auf den Namen Haydée Luján Martínez getaufte Frau kam 1933 im andalusischen Granada auf die Welt, doch als sie fast noch ein Säugling war, wanderten ihre Eltern nach Buenos Aires aus. Dort nahm sie ihr Vater schon in jungen Jahren mit ins Stadion von River Plate. Als Haydée fünf Jahre alte war, starben ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall, und sie lebte von da an bei ihrem Onkel, der sie zusammen mit seinen Söhnen weiter zu River mitnahm. Unter anderem zu einem Superclásico gegen Boca, wo sich das junge Mädchen in die Rot-Weißen verliebte, da ihr die Farben besser gefielen. Jedoch verstarb ihr Onkel nur acht Jahre später, woraufhin die 13-jährige in staatliche Obhut genommen wurde. Nachdem sie dem Richter der über ihr zukünftiges Sorgerecht entscheiden musste, drohte, dass sie das Waisenhaus verwüsten würde, falls man ihr verbieten würde sonntags zu River zu gehen, schickte er sie in eine Pflegefamilie.

https://ugc.kn3.net/i/origin/http://4.bp.blogspot.com/_Obsfun0tZDU/S9IvwgXp2gI/AAAAAAAASVY/s8VYulflJ6M/s1600/GordaMatosas.jpg

Als sie volljährig wurde, verließ sie diese Familie und stand kurz davor ihren Freund zu heiraten, der vorgab ihre Leidenschaft zu tolerieren. Doch nur wenige Tage vor der Hochzeit verließ sie ihn, da er ihr nach der Hochzeit verbieten wollte weiterhin ins Stadion zu gehen. Anschließend soll sie ihren berühmten Satz geäußert haben: “River es mi amigo, mi novio y mi amante y con esto tengo bastante” (River ist mein Kumpel, mein Freund und mein Liebhaber, und damit habe ich genug). Sie ging weiterhin ins Stadion, und reiste ihrem Herzensklub wann immer es ging bei Auswärtsspielen hinterher. Im Monumental saß sie für gewöhnlich hinter der Gästebank, von wo aus „die ordinäre Frau, die wenn man so will eine Beleidigung der Weiblichkeit war“, ihre Beleidigungssalven abfeuerte. Die Wände in ihrem Haus waren genauso wie ihre Fingernägel rot-weiß bemalt, und zusätzlich mit Wimpeln und Fotos ihrer Lieblingsspieler dekoriert.

Ihren Spitznamen “La Gorda Matosas“ (Die dicke Matosas) erhielt sie, als ihr eines Tages der uruguayische Verteidiger von River, Roberto Matosas, sein Trikot mit der Rückennummer 6 schenkte. Das Trikot sollte sie die nächsten 30 Jahre an mit Stolz tragen, und der Spieler Matosas äußerte später in einem Interview mit einer argentinischen Zeitung, dass die “dicke Matosas“ berühmter sei als er selbst.

Haydée verstarb wenige Tage bevor River zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte die Copa Libertadores gewinnen konnte. Aber ihr Geist lebt weiter im Estadio Monumental, da ihre Asche nach der Beerdigung über dem Rasen verstreut wurde. Bis heute ist sie jedem River-Fan ein Begriff und jeder versucht Boca so sehr zu hassen, wie es “La Gorda Matosas“ vorlebte.

Boca – La Raulito (1933-2008)

Das Gegenstück zur “Gorda Matosas“ war die glühende Boca-Anhängerin María Esther Duffau, alias “La Raulito“. Sie hatte augenscheinlich eine noch härtere Kindheit als ihr River-Äquivalent – ihr Vater war Alkoholiker und die Mutter starb an Tuberkulose –, weshalb sie mehr oder weniger auf der Straße aufwuchs. Zeitweise war sie in einem Erziehungsheim untergebracht, und später verbrachte sie sowohl Zeit im Gefängnis als auch in der Psychiatrie, aus der sie jedoch immer wieder ausbrach um als Zeitungsverkäuferin oder Schuhputzerin zu arbeiten. Um es auf der Straße leichter zu haben, kleidete sie sich als Junge, und schnitt sich die Haare ab, wodurch sie weniger Belästigungen ausgesetzt war, und es auch für die Polizei schwieriger war sie zu finden.

Berühmtheit erlangte sie zusätzlich dadurch, dass ihr Leben auf der Straße im Jahr 1975 auf die große Leinwand gebracht wurde. Der Film über ihre Kindheit „La Raulito“ gewann zahlreiche Prämien, und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme in Argentinien in den 1970ern.

Zudem spielte María gut Fußball, und ihre Gegenspieler kamen fast nie auf die Idee, dass sie eigentlich ein Mädchen war. Sie spielte sogar einmal bei der Jugendabteilung von Boca vor, woraufhin sie angeblich ein italienischer Geschäftsmann gleich nach Europa mitnehmen wollte. Doch aus diesem Traum konnte nichts werden, da sie ein Mädchen war. Kurz vor ihrem Tod erzählte sie, dass sie gerne als Junge geboren worden wäre, um mit Maradona in der ersten Mannschaft von Boca spielen zu können. Apropos Boca. Sie selbst entschied sich dazu Boca-Fan zu werden, da sie wusste, dass ihr diese Farben viel Freude machen sollten (“nadie me hizo de Boca, yo solita ya sabía que esos colores me iban a dar muchísimas alegrías”).

https://2.bp.blogspot.com/-cML0CjlYwzM/Vt57eYoVO3I/AAAAAAAAAL0/jZm1FboYDZM/s1600/Borrar003.jpg

Als sie ins Altersheim musste, schenkte ihr der Verein einen Rollstuhl in den Vereinsfarben, und einen Fernseher, damit sie die Xeneizes auch sehen konnte, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Stadion gehen konnte. “La Raulito“ hatte außerdem Zutritt zu allen Trainingseinheiten und wurde regelmäßig zu den Asados (Barbecues) der ersten Mannschaft eingeladen. Endgültigen Heldenstatus brachte ihr die Anekdote ein, dass sie für die Bluttransfusion, die schlussendlich die letzte ihres Lebens sein sollte, verlangte, dass sie von einem Boca-Fan stammte. Vor ihrer Beerdigung auf dem vereinseigenen Friedhof, wurde ihr Sarg im größten Raum in La Bombonera aufgebahrt und mit hunderten Blumenspenden geschmückt. Zudem spielte Boca beim nächsten Copa Libertadores Spiel gegen Cruzeiro mit Trauerflor, und ihr zu Ehren wurde vor Anpfiff eine Schweigeminute eingelegt.