Kapitalismus regiert – auch im Fußball

Egal ob gelegentlicher Beobachter oder ob leidenschaftlicher Fußballfan, ein jeder wird in der Regel, die Frage, wo der beste Fußball der Welt gespielt wird, mit Europa beantworten. Zu dominant und medial präsent sind die Schwergewichte wie Real Madrid, F.C. Barcelona oder Manchester United. Fragt man nach Nationalmannschaften, wird man vermutlich Namen wie Deutschland, Frankreich und Spanien zu hören bekommen.

Allerdings sind auch südamerikanische Nationalteams wie Brasilien und Argentinien seit Ewigkeiten als sehr gute Mannschaften bekannt. Und das zurecht. Legenden des Sports wie Pele und Maradona oder die Helden der Neuzeit wie Messi und Neymar sind ein Synonym für Erfolg und unglaubliche individuelle Klasse. Dennoch ist es schwierig gegen die Europäischen Nationalmannschaften und für Teams wie Argentinien und Brasilien zu argumentieren, wenn man über die Besten der Besten spricht. Das aus gutem Grund: Europäische Teams haben die letzten vier Weltmeisterschaften gewonnen. Mit Argentinien stand nur einmal ein südamerikanisches Team in einem Finale der letzten 16 Jahre. 

Brasilien dominierte den Weltfußball

Das war aber selbstverständlich nicht immer der Fall. Es ist noch nicht lange her, dass Brasilien seines Zeichens die wohl beste Mannschaft der Welt war und in jedes Turnier als Favorit ging. Dies resultierte in drei Weltmeisterschaftstitel in vier Turnieren, von 1958 bis 1970, unter der Führung von Pele und dann wiederum in zwei von drei Möglichen Weltmeisterschaften von 1994 bis 2002. Ähnlich sieht es mit Argentinien aus, das von 1978 bis 1990 in vier Weltmeisterschaften dreimal im Finale stand und zweimal den Titel für sich verbuchen konnte.

Die aktuelle Entwicklung, wirft die Frage auf, was mit der südamerikanischen Fußballdominanz passiert ist. Klar ist, Brasilien und Argentinien haben nicht plötzlich aufgehört Weltklasse Talente zu produzieren, denn dies kann wöchentlich live verfolgt werden. Allerdings nicht in Südamerika, sondern in Europa! Und genau hier liegt das Problem. Das heimische Produkt schwächelt, weil die besten Spieler in jungen Jahren nach Europa gehen. Die südamerikanischen Vereine, die die Erstausbildung der jungen Talente leisten, schauen in die Röhre und müssen weiter ausbilden – mit dem gleichen Endresultat und das während die Spieler in Europa zu Superstars werden und ihren neuen Vereinen zu Siegen verhelfen. Das wird besonders ersichtlich, wenn man sich die Online-Wettquoten verschiedener Wettanbieter für europäische Vereine, wie Real Madrid oder FC Bayern München ansieht.  

Talente werden “europäisiert”

Europäischen Vereine werfen mit Geld um sich und haben dementsprechend Möglichkeiten, die südamerikanische Vereine nicht haben. So werden die besten Talente teilweise schon im Kindesalter rekrutiert und in Europa in ein Fußballinternat gesteckt, denn Geld spielt hier keine Rolle. Für viele dieser jungen Talente, ist mit Europa noch immer der Traum  von einem finanziell besseren Leben verbunden. Somit werden diese Talente aber auch „europäisiert“ und sind nicht lange genug in Argentinien oder Brasilien vor Ort, um eine „nationale Identität“ zu entwickeln bzw. um ihren Heimatvereinen zu Erfolgen zu verhelfen. 

Die finanzielle Übermacht der europäischen Vereine ist so erdrückend, dass Südamerika zwar nicht die Talente ausgehen, aber die meisten fluchtartig das Land verlassen. Das mag ein Segen für die Europäischen Vereine und Nationalmannschaften sein, die nun über einen unendlichen Talentpool verfügen, aber für die internationale Wettkampfstärke ist dies offensichtlich negativ, wie die letzten Ergebnisse südamerikanischer Vereine zeigten. In der modernen Welt des Fußballkapitalismus zählt nur das Geld und solange Europa mehr zahlen kann als südamerikanische Vereine, wird sich an den Zuständen nichts ändern.