Uruguay vor dem Achtelfinale: Zittern um Giménez

Neun Punkte, kein Gegentor: Uruguays Gruppenphase lief nahezu perfekt. Im Achtelfinale trifft man allerdings auf eine andere Hausnummer, nämlich Cristiano Ronaldos Portugiesen.

Die Vorrunde: Souverän und doch mit Luft nach oben

1:0, 1:0, 3:0 – die Ergebnisse der Gruppenphase sprechen für Uruguay. Allerdings hatte man gegen die Außenseiter aus Ägypten und Saudi-Arabien gewaltige Mühe. Bemerkenswert war die Passivität, mit der die Celeste gegnerische Angriffe begleitete – oft war erst die überragende Innenverteidigung um Godín und Giménez Endstation für die Gegner. Auch offensiv sprühten die Himmelblauen nicht gerade vor Gefahr, denn die übliche Kontertaktik wurde gegen die selbst eher abwartenden Gegner durch ein wenig inspiriertes Ballgeschiebe ersetzt. Lediglich die Standardsituationen brachten zuverlässig Gefahr, so dass die aus zwei Kopfballtoren resultierenden sechs Punkte etwas über eigentlich enttäuschende Leistungen hinwegtäuschten. Erst im letzten Gruppenspiel gegen Russland schien sich die Celeste in allen Mannschaftsteilen gefunden zu haben: Guillermo Varela musste auf der Bank Platz nehmen, Martin Cáceres rückte von links nach rechts hinten, Diego Laxalt übernahm die linke Bahn und Nahitán Nández sorgte gemeinsam mit Torreira, Bentancur und Vecino für eine Art Raute, die sich oft durch Nández‘ Herauskippen zum 3-5-2 verschob. Gemeinsam mit etwas Fortune sorgte das für Uruguays besten WM-Auftritt und einen klaren 3:0-Sieg. Als einziges von 32 Teams überstand Uruguay die Gruppenphase so ohne Gegentor und ohne Punktverlust – eine Premiere für die Himmelblauen.

Das Achtelfinale: Wird Gimenez fit?

Im Achtelfinale trifft das Team von Oscar Tabárez nun auf den amtierenden Europameister Portugal. Trotz einer mittelmäßigen Vorrunde gehen die Lusitaner wohl leicht favorisiert in das Match, vor allem dank des vierfachen Torschützen Cristiano Ronaldo. Auch Uruguay wird defensiv alle Hände voll zu tun haben, den Weltstar unter Kontrolle zu halten. Dementsprechend zittert man aktuell um den Einsatz von Innenverteidiger José María Giménez – der Mann von Atlético Madrid kennt CR7 aus der Primera División bestens und bildet mit Godín in aller Regel eine fast unüberwindbare Abwehr. Allerdings hatte Giménez das Spiel gegen Russland verletzt verpasst, gegen Portugal entscheidet sich sein Einsatz erst in letzter Minute. Sein Vertreter wäre Sebastián Coates, der gegen Russland ein gutes WM-Debüt feierte. Ansonsten steht Uruguays Aufstellung so gut wie fest: Muslera – Cáceres, Giménez (Coates), Godín, Laxalt – Nández, Torreira, Vecino – Bentancur – Suárez, Cavani.

Gegen Portugal dürfte Uruguay vor allem auf Konter und lange Bälle setzen, was dem Charakter der Mannschaft mehr entgegen kommt als die dominante Rolle gegen Ägypten und Saudi-Arabien. Die Stärke der Uruguayer liegt dabei sicherlich in der Defensive, wo neben Godin und Giménez auch Torwart Muslera – mittlerweile Uruguays Rekord-WM-Spieler –  eine gute Weltmeisterschaft absolviert. Wichtig wird die Abstimmung auf der linken Seite: Dort läuft Diego Laxalt auf, der nur wenig Erfahrung als Linksverteidiger vorweisen kann und seine Stärken eher in der Offensive hat. Daher wird auf den linken Halbspieler Matías Vecino von Inter Mailand eine Menge Defensivarbeit zukommen. Vecino gilt wie seine mehrheitlich Serie-A-Erfahrenen Mittelfeldkollegen als diszipliniert und kampfstark, doch insgesamt fehlt es dem uruguayischen Mittelfeld etwas an Torgefahr und Kreativität. Daher werden die Angreifer Suárez und Cavani gegen Pepe und José Fonte Schwerstarbeit verrichten müssen, doch ihre überragende Kampfstärke und individuelle Klasse dürfte den Himmelblauen ein paar Chancen garantieren. Nutzt man sie, hat man keine schlechten Karten auf das Viertelfinale.