Costa Rica

WM-Vorschau Costa Rica: Gleiche Spieler, gleiche Geschichte?

Bei der WM 2014 trug Costa Rica mit großartigen sportlichen Leistungen und gewaltigem Optimismus das Landesmotto “Pura Vida” in die Welt hinaus, der Viertelfinaleinzug wurde für Spieler wie Keylor Navas zum Sprungbrett. Personell kaum verändert gehen die Ticos nun in Russland an den Start, wo schon das Achtelfinale ein weiterer Erfolg wäre.

Als die 13. Spielminute im WM-Test der costa-ricanischen Nationalmannschaft gegen Nordirland lief, erhoben sich die 35.000 Zuschauer im Nationalstadion von San José und klatschten anerkennend Beifall. Der Applaus galt Torhüter Keylor Navas, der acht Tage zuvor den 13. Champions-League-Titel mit Real Madrid geholt hatte und seiner Geschichte als Nationalheld damit ein weiteres Kapitel hinzufügte. Vor vier Jahren, als die „Sele“ mit ihm zwischen den Pfosten bis ins WM-Viertelfinale stürmte und dort erst im Halbfinale an den Niederlanden scheiterte, hatte seine Erfolgsgeschichte ihren Anfang genommen. Im Nationaltrikot brennen er sowie seine Teamkollegen nun darauf, den Erfolg von 2014 wiederaufleben zu lassen. Mit praktisch der gleichen Mannschaft geht Costa Rica die WM 2018 an und erneut hofft man, als Außenseiter für Schlagzeilen zu sorgen.

Der Weg nach Russland

Hinter Primus Mexiko qualifizierte sich Costa Rica erneut souverän für die Weltmeisterschaft und stand wie 2014 bereits vor dem letzten Spieltag als Teilnehmer fest. Die Ticos überzeugten mit zwei Siegen über die USA, einem Remis gegen Mexiko und nur acht Gegentreffern in zehn Partien. Eine von nur zwei Niederlagen gab es zudem am letzten Spieltag in Panama, als das WM-Ticket bereits gebucht war.

Costa Ricas WM-Geschichte

Auch wenn die Sele noch immer als Fußballzwerg wahrgenommen wird, sind die Eindrücke der bisherigen vier WM-Teilnahmen insgesamt durchaus beachtlich. Beim WM-Debüt 1990 ging es nach Siegen über Schottland und Schweden gleich bis ins Achtelfinale, wo dann gegen die Tschechoslowakei beim 1:4 kein Kraut gewachsen war. Nachdem es 2002 trotz vier Punkten in der Gruppenphase nicht zum Weiterkommen reichte, strich man 2006 in Deutschland nach drei Niederlagen chancenlos die Segel. Das beste Ergebnis gelang bei der historischen 2014er-Ausgabe in Brasilien, als nach Siegen über Uruguay und Italien das Achtelfinale vorzeitig erreicht wurde und es nach einem Sieg im Elfmeterschießen über Griechenland bis ins Viertelfinale gegen die Niederlande ging.

Die Mannschaft

Der Großteil der aktuellen Mannschaft gehörte auch 2014 zum Stamm, vereinzelt wurde dieser Kern in den letzten Jahren durch nachrückende Akteure ergänzt. So stehen Keylor Navas, Giancarlo González, Óscar Duarte und Cristian Gamboa weiterhin für einen gesicherten Defensivverbund, Celso Borges zieht im Mittelfeld die Fäden und vorne besitzen Bryan Ruiz sowie Joel Campbell alle Freiheiten. Bryan Oviedo, der in Brasilien verletzt gefehlt hatte, steht diesmal für den Stammplatz hinten links bereit, den letzten freien Platz in der Fünferkette machen Jhonny Acosta, Francisco Calvo und Kendall Waston unter sich aus. Im zentralen Mittelfeld ist David Guzmán fest eingeplant, auch wenn er bei den Portland Timbers in der MLS wegen einer Knieverletzung in den letzten Monaten kaum zu Einsätzen kam. Insgesamt besitzt die Elf eine ähnliche Qualität wie 2014. Spieler wie Campbell oder Ruiz hatten keine gute Saison auf Vereinsebene, sind im Vergleich aber reifer und erfahrener und daher nicht schwächer einzuschätzen als beim WM-Debüt. Und Keylor Navas hat in seinen Jahren bei Real Madrid noch einmal zugelegt und kann im Notfall auch ein Spiel alleine retten.

Convocatoria

news.co.cr

Der Trainer

Erfolgstrainer Jorge Luis Pinto verließ Costa Rica nach der WM 2014, nach einem Experiment mit Paulo Wanchope als Nationaltrainer übernahme ab August 2015 Ex-Nationalspieler Óscar Ramírez das Amt und führte die Mannschaft souverän nach Russland. Der 53-Jährige arbeitete als Trainer in zwei Etappen von 2010 bis 2015 erfolgreich bei LD Alajuelense, holte fünf Meistertitel und brachte sich so für den Posten als Nationalcoach in Stellung. Neben dem Großteil des Kaders hat Ramírez auch die Taktik seiner Vorgänger übernommen, Costa Rica setzt weiter fest auf ein 5-4-1-System mit einer schwer zu bespielenden Defensive und schnellem Umschaltspiel über die Außenbahnen. “Wenn wir eine Einheit bilden, können wir viel erreichen”, zeigt er sich durchaus Optimistisch im Hinblick auf die Möglichkeiten seiner Mannschaft in einer Gruppe mit Brasilien, der Schweiz und Serbien. Für Ramírez ist die WM zwar als Trainer Neuland, als Spieler war er aber bereits 1990 bei Costa Ricas Debüt dabei und stand in allen vier Spielen über 90 Minuten auf dem Platz.

Der Schlüsselspieler

Auch wenn Kapitän Bryan Ruiz als Kopf der Mannschaft auftritt, ist Keylor Navas die ganz große Erscheinung des Landes. Der 31-Jährige hat sich mit seinen Titeln und Auftritten für Real Madrid zu einer Legende entwickelt, der Ende des letzten Jahres gar ein eigener biographischer Kinofilm gewidmet wurde. Entsprechend schauen viele im Land zu ihrem Torhüter auf, der wie schon bei der vergangenen WM glänzen will, um mit dem Einzug in die K.o.-Runde die Erfolgsgeschichte zu wiederholen. “Wir wollen, dass die Geschichte Costa Ricas noch bedeutender wird, entsprechend wollen wir noch besser sein als bei der letzten WM”, setzt Navas sich und seinen Teamkollegen große Ziele und stellt gleichzeitig die optimistische Grundhaltung im Lager der Ticos unter Beweis.

Das Talent

Im ältesten Aufgebot des Turniers finden sich mit den Außenverteidigern Ronald Matarrita (23) und Ian Smith (20) gerade einmal zwei(!) Spieler unter 25 Jahren, die Suche nach dem großen Talent im Aufgebot ist daher deutlich eingeschränkt. Für Matarrita wird es auf links hinter Oviedo schwer zu Einsätzen zu kommen, gegen einen starken Gegner wie Brasilien könnte der Mann vom New York City FC aber auch auf der offensiveren Außenbahn zum Einsatz kommen. Smith, der seit Januar in Schweden für Norrköping spielt, debütierte erst im März im Nationalteam und dürfte auf rechts noch nicht an Cristian Gamboa vorbeikommen, auch wenn der in der abgelaufenen Saison bei Celtic Glasgow komplett außen vor blieb und zu lediglich drei Einsätzen kam.

Die Chefutbol-Prognose

Die Mannschaft des großen Erfolgs 2014 ist im Kern die gleiche, sie ist an einigen Stellen zwar etwas überaltert, hat dafür deutlich mehr Erfahrung als noch in Brasilien. Entsprechend ist das Leistungsvermögen der Sele ähnlich einzuschätzen wie vor vier Jahren, doch erneut würde es nur für die K.o.-Runde reichen, wenn die Ticos von ihren Gruppengegnern unterschätzt werden.