Ganso
By Alexandre Giesbrecht (via Wikimedia Commons)

Ganso wird 28 – wohin führt der Weg des Edeltechnikers?

Brasilianisches Wunderkind oder nächster Europa-Flop? Nach über einer Saison beim FC Sevilla ist es immer noch schwierig, die Leistungen von Paulo Henrique Ganso beim andalusischen Erfolgsklub richtig einzuordnen. Anlässlich des 28. Geburtstags des feinen Technikers aus Ananindeua beleuchtet Chefutbol die aktuelle sportliche Situation des Offensivspielers.

Enttäuschende erste Spielzeit in Europa

Ganso und der FC Sevilla, das schien ein großes Missverständnis zu werden. Eigentlich ist Sevilla bekannt für die gute Einbindung von sensiblen Spielern mit hohen fußballerischen Qualitäten. Bei Banega, Nasri und Jovetic hatte dies in den letzten Jahren gut bis hervorragend funktioniert. Bei Ganso lag der Fall in der abgelaufenen Saison 16/17 jedoch anders – sieht man einmal von den wenigen starken Auftritten im April ab. Kaum einmal konnte sich er über mehrere Spiele in Szene setzen, stand einen Großteil der Saison nicht einmal im Kader. Lag dies an Gansos fehlender Qualität oder machte ihm die Eingewöhnung in Europa zu schaffen? Viele Sevilla-Anhänger vermuteten, dass Gansos Blockade etwas mit dem als perfektionistisch geltenden Trainer Sampaoli zu tun haben könnte. Dieser gab wiederholt taktische Gründe für Gansos Nichtberücksichtigung an. Sampaoli trainiert mittlerweile die argentinische Nationalelf und hat die Albiceleste am letzten Spieltag der Qualifikation gerade noch zur WM geführt. Eduardo Berizzo übernahm die Andalusier im Sommer 2017. Wie also würde sich der Brasilainer unter Sevillas neuem Trainer schlagen?

Alte Probleme nach neuem Start?

Zu Beginn der aktuellen Spielzeit legte Ganso einen furiosen Start hin. Zum Auftakt gegen Espanyol zu Hause sowie in Getafe spielte er jeweils 90 Minuten durch, erzielte im Madrider Vorort gar das goldene Tor zum 1:0-Sieg.

An den Spieltagen drei bis sechs stand Ganso jeweils mehr als 60 Minuten auf dem Feld. Abgesichert vom starken N’Zonzi konnte Ganso in der Offensive seine Stärken entfalten. Grund genug für Ganso, im September vom Comeback in der brasilianischen Nationalelf zu träumen. „Ich hoffe, dass Tite meine Leistungen verfolgt“, richtete Ganso offensive Worte an den brasilianischen Nationaltrainer. Bei der 0:2-Auswärtsniederlage bei Atlético am 23. September (6. Spieltag) stand Ganso jedoch gar nicht im Kader der Andalusier. Sicher auch, weil die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld mit Banega und Vázquez stark ist. Den 2:0-Heimerfolg gegen den FC Málaga am siebten Spieltag verfolgte er jedoch ebenfalls nur von der Tribüne aus. Das jähe Ende eines kurzen Aufschwungs? Der kommende Spieltag in der Primera División wird darüber Aufschluss geben. Dort wartet mit der Auswärtsfahrt nach Bilbao am Samstag um 13 Uhr eine wahre Mammutaufgabe auf Berizzos Team. Da Gansos Konkurrent auf der Kreativposition, der Argeninier Éver Banega, mit der argentinischen Nationalelf auf Reisen war, dürften Gansos Chancen nicht schlecht stehen. Die Sevilla-Anhänger wünschen sich jedenfalls, dass sich der Brasilianer nachträglich zu seinem 28. Geburtstag in Form von Toren und Vorlagen selbst beschenkt.

Die bisherige Laufbahn von Ganso

Die Karriere von Ganso begann beim legendären Pelé-Klub FC Santos. Dort debütierte der Edeltechniker bereits mit 17 Jahren im Profiteam. 2010 führte Ganso das Team als Regisseur zum Triumph im brasilianischen Pokal und ein Jahr später gewann das Team die Copa Libertadores. Es waren Gansos beste Jahre, zu jener Zeit lief der Offensivspieler insgesamt achtmal für die Selecao auf. Im September 2012 wechselte er für rund 10 Millionen Euro Ablöse zum FC Sao Paolo, wo er 2013 mit seinen Teamkollegen die Copa Sudamericana erringen konnte. Im Sommer 2025 schließlich entschied sich Ganso für den Wechsel nach Europa zum FC Sevilla.