Legendäre Spieler – chefutbol http://www.chefutbol.com football news from Latin America and elsewhere Tue, 23 Apr 2019 16:57:56 +0000 en-GB hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.2 http://www.chefutbol.com/content/uploads/2025/06/twitter_400x400_v3-75x75.jpg Legendäre Spieler – chefutbol http://www.chefutbol.com 32 32 Tomás “El Trinche“ Carlovich – Der Maradona rosarino http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/tomas-el-trinche-carlovich-747598 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/tomas-el-trinche-carlovich-747598#respond Tue, 23 Apr 2019 16:57:33 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=4455 Es gibt vermutlich keinen anderen Spieler, von dem so viele Argentinier so ehrfurchtsvoll berichten, und von dem nur eine Filmaufnahme existiert, wie Tomás “El Trinche“ Carlovich. Ein Porträt über einen Mann der keine große Karriere hinlegte, aber trotzdem zur Legende wurde....

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Es gibt vermutlich keinen anderen Spieler, von dem so viele Argentinier so ehrfurchtsvoll berichten, und von dem nur eine Filmaufnahme existiert, wie Tomás “El Trinche“ Carlovich. Ein Porträt über einen Mann der keine große Karriere hinlegte, aber trotzdem zur Legende wurde. Ein Mann „der lieber nur Fußball spielte als Profi zu sein“.

Tomás kam am 20. April 1949 als jüngstes von sieben Kindern einer jugoslawischen Einwandererfamilie in Rosario zur Welt. Von Kindesbeinen an spielte er barfuß, mit einem selbst aus Lumpen zusammengenähten Ball, auf dem Bolzplatz seines Viertels. Der “Potrero” (Bolzplatz) der bekanntermaßen die Fußballer hervorbringt an die sich die Welt einmal erinnert, formte auch den jungen Tomás. Zu dieser Zeit bekam er seinen Spitznamen “El Trinche“ (Die Gabel) verpasst, dessen Herkunft und Bedeutung wie so vieles bei ihm aber unbekannt sind.

So wenig über seine fußballerische Karriere bekannt ist, umso weniger ist über seine Kindheit und Jugend bekannt. Sicher ist jedoch, dass er sehr an seinem Viertel, Belgrano, hing, und nie große Lust verspürte seine Heimat zu verlassen. Sein großes Talent blieb in der fußballverrückten Stadt jedoch nicht lange unentdeckt, und Tomás spielte schon in jungen Jahren in den Jugendmannschaften von Rosario Central. Mit 20 Jahren debütierte er schließlich in der ersten Mannschaft.

Zu dieser Zeit war Miguel Ignomiriello der Trainer von Central, der später als Co-Trainer von Osvaldo Zubeldía bei Estudiantes de la Plata und als Trainer der Selección Fantasma berühmt wurde. Er war ein Coach der sehr viel Wert auf Disziplin und Fitness legte. Daher war es keine große Überraschung, dass es nicht lange gut gehen konnte, mit dem jungen Mann, für den Fußball nur Freude und keine Verpflichtung darstellte. Für Carlovich war deshalb schon nach zwei Spielen Schluss bei den Canallas, welche die einzigen beiden Erstligaspiele seiner Karriere bleiben sollten, danach sollte er nur noch in der 2. und 3. Liga auflaufen. Im Nachhinein sagte man, dass “El Trinche“ zur falschen Zeit geboren wurde, da in dieser Epoche des Fußballs das Physische das Wichtigste war. Laut Jorge Valdano, war er dagegen „das Symbol dieses romantischen Fußballs, der schon nicht mehr existiert“.

“El Trinche“ kam im Anschluss bei Córdoba Central unter, dem dritten Verein in Rosario, wo er sofort zum Liebling der Fans avancierte. Die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, Córdoba Central wurde auch für ihn zu seinem Herzensclub. Für Central aufzulaufen, war das Größte für ihn, es war sein „persönliches Real Madrid“, mit dem er zwei Zweitliga-Titel holte. Aus dem Stadtteil Tablada begann sich seine fußballerische Extraklasse zu verbreiten. Er verzauberte die Fans so sehr, dass man auf der Straße nicht mehr sagte „heute spielt Central“, sondern „heute spielt El Trinche“, und die Fans von Newell’s und Rosario Central gingen gemeinsam zu den Charrúas ins Stadion um ihn zu sehen. Sogar Marcelo „el loco“ Bielsa ging fast vier Jahre ununterbrochen jeden Samstag ins Estadio Gabino Sosa um ihm zuzuschauen.

Die Spielweise des Trinche

Der Mythos des „Trinche“ entstand in erster Linie durch seine einzigartige Spielweise, in der er zahlreiche Attribute und Stile vereinigte. Angefangen von dem oben erwähnten „romantischen Spielstil“, verkörperte er noch den „Estilo rosarino“, der als etwas langsamer und technisch anspruchsvoller gilt. Hinzu gesellten sich Frechheit, Dreistigkeit und ein magischer linker Fuß, mit dem er perfekte Pässe schlug. Der schnellste war er laut seinen Mitspielern nicht, doch er wusste schon bevor er angespielt wurde, wohin er passen würde. Zudem hatte er eine unglaubliche Ruhe am Ball, und verlor ihn so gut wie nie, weshalb ihn ein Mitspieler mit Gott verglich, „denn sobald man ihm den Ball zuspielte war man gerettet“. José Pékerman beschrieb ihn „als eine Mischung aus Fernando Redondo – sogar noch eine Spur eleganter – und Román Riquelme“.

Die Spezialität von Carlovich war der „caño de ida y vuelta“, der Trick bedeutet den Gegner zu tunneln, warten bis dieser sich gedreht hat, und diesen gleich noch einmal zu tunneln. Angeblich begann er einmal damit, nachdem ihn ein Fan auf der Tribüne dazu gebeten hatte, und bei Central Córdoba soll eine Prämie für jeden caño gezahlt worden sein. Viele Persönlichkeiten des argentinischen Fußballs sowie seine ehemaligen Mitspieler sind sich einig, dass Carlovich alle Voraussetzungen mitbrachte um ein Weltstar zu werden.

El Trinche auf dem Platz

Das seine Fähigkeiten über aller Zweifel erhaben sind bewies “El Trinche“ bei einem Spiel der argentinischen Nationalmannschaft gegen eine Stadtauswahl aus Rosario. Die Stadtauswahl bestand aus jeweils fünf Spielern von Central und Newell’s, sowie dem „eingeladenen Künstler“ Carlovich, dem einzigen Spieler der in der 2. Liga spielte. Das Spiel endete mit 3:1 für die Rosario-Auswahl, und Carlovich war in aller Munde. An jenem Abend gelang ihm alles, und er zeigte es allen Zweiflern, dass er nur nicht in der 1. Liga spielte, weil er es nicht wollte. Zur Halbzeit stand es bereits 3:0 für die Heimelf und der Nationaltrainer Vladislao Cap soll gefragt haben, wer dieser Spieler denn sei, und gebeten haben ihn zur Halbzeit auszuwechseln, da er mit Carlovich auf dem Feld eine höhere Blamage befürchtete. Schließlich verließ “El Trinche“ in der 65. Minute unter den Ovationen der Zuschauer das Feld. Einer seiner Gegenspieler, Aldo Poy, erzählte Jahre später, dass nachdem der Trinche in der Kabine verschwunden war, auch viele Zuschauer das Stadion verließen. Angeblich war es das einzige Spiel in der Geschichte bei dem sich Fans von Newell’s und Central umarmten. Nach dem Spiel wäre er fast zu Cosmos New York oder nach Frankreich gewechselt, doch beide Wechsel zerschlugen sich.

Während seiner Zeit bei Independiente Rivadavia (Mendoza) spielte er mit einer Stadtauswahl gegen den AC Mailand. Das Spiel gewannen die Argentinier mit 4:1 und auch in diesem Spiel war Carlovich der überragende Mann auf dem Platz. Er schoss zwar kein Tor, „aber vergnügte sich ein bisschen“, sodass die Italiener angeblich so gereizt waren, dass sie ihn verletzen wollten. In einem Spielbericht stand geschrieben, dass es Carlovich war, „der das Spielfeld mit Fußball füllte“.

El Trinche neben dem Platz

Doch auch das ganze Talent verhalf ihm nicht zur großen Karriere, da er die Professionalität vermissen ließ, denn Fußball war für ihn Freude und keine Verpflichtung. Demnach genoss das Training für ihn keine Priorität, sodass er oft lustlos wirkte, oder einfach gar nicht auftauchte. Anstalten sich irgendwie anzupassen machte Carlovich auch keine, und alle die ihn kennen sagen, dass er viel mehr aus sich machen hätte können, wenn er sich mehr angestrengt hätte. Der Vergleich mit Mágico González liegt nahe, da beide Spieler mit herausragenden Fähigkeiten gesegnet waren, den Fußball aber nicht zu 100% als Beruf sehen konnten oder wollten. Auf der anderen Seite aber liebten ihn die Menschen auch für genau diesen anti-systemischen Charakter und diese (Nicht-)Einstellung. Zu seiner Zeit bei Independiente Rivadavia gaben ihm die Fans den Spitznamen “el Gitano“ (Der Zigeuner), weil er angeblich auf dem Boden schlief und sich in Bächen badete, wobei sie diesen nach einer Galavorstellung und einem 5:1 Sieg in einem Lokalderby in „Rey“ (König) umänderten.

Weshalb der Mythos immer weiterwuchs, liegt vor allem daran, dass von “El Trinche“ nur eine einzige Videoaufnahme existiert die ihn in Aktion zeigt, da die 2. Liga damals nicht gefilmt wurde. Selbst Zeitungsartikel von ihm sind rar, und auch im Archiv von El Gráfico haben sie nur eine Mappe über ihn, jedoch sind es genug Berichte um zweifelsfrei zu beweisen, dass er wirklich existierte. Man weiß weitaus mehr über ihn durch Erzählungen als durch Bilder, und aus diesem Grund wurde die Legende immer weitergesponnen, da bekanntlich bei mündlichen Überlieferungen gerne Kleinigkeiten hinzugefügt werden. An einigen Anekdoten sei etwas dran an einigen nicht sagt Carlovich. Die Geschichte, dass er einmal lieber Angeln gegangen sei, anstatt einer Einladung zur Nationalmannschaft von Menotti zu folgen, hat er selbst verneint. Aber was er stattdessen gemacht hatte verriet er auch nicht. Dagegen gibt er zu, dass er sich manchmal während dem Spiel einfach auf den Ball setzte, doch nicht um zu provozieren, sondern weil er ein bisschen müde war.

Während seiner Zeit in Mendoza, wo er bei Independiente Rivadavia, Colón de Santa Fe und Deportivo Maipú spielte, lief es sportlich ebenfalls gut für ihn, doch er zeigte dort dieselben unprofessionellen Verhaltensweisen. Zudem war die Liebe zu seiner Heimatstadt immer größer. In einem Spiel soll er sich absichtlich in der 1. Halbzeit eine rote Karte abgeholt haben, schnell geduscht haben und zum Busbahnhof gerannt sein, um noch den letzten Bus nach Rosario zu bekommen. Außerdem soll er vor einer Vertragsunterschrift ein Auto als Prämie gefordert haben, das er vom Verein schließlich auch bekam. Mit dem Auto soll er dann nach Rosario gefahren sein und nie mehr zurückgekommen sein, Carlovich bestreitet dies aber und sagt er hätte es selber bezahlt.

Konsequenzen des Mythos

Aus dem Mangel an Fernsehbildern und den sagenhaften Erzählungen die ihm vorauseilten, waren die Fans bei Auswärtsspielen immer besonders auf “El Trinche“ gespannt, um zu sehen ob an den Geschichten etwas dran war. In einem Spiel für Córdoba Central sah Carlovich nach einem Zusammenstoß mit einem Gegenspieler früh die rote Karte. Doch die Heimfans, die hauptsächlich ins Stadion gekommen waren, um Carlovich zu sehen, zwangen den Schiedsrichter dazu die Entscheidung zurückzunehmen, sodass er das Spiel zu Ende spielen konnte.

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Er wurde im Nachhinein bekannt als der Maradona aus Rosario, und sogar Diego selbst war sich der Bedeutung des “Trinche“ bewusst. Als er 1993 bei Newell’s vorgestellt wurde und ein Journalist ihm erzählte wie stolz man doch sei, den besten Fußballspieler aller Zeiten empfangen zu dürfen, antwortete Maradona, „der beste der Welt hat bereits in Rosario gespielt, und es war ein Mann mit dem Namen Carlovich“.

“El Trinche“ beendete seine Karriere 1986 und wohnt heute immer noch in seinem Viertel in Rosario, wo er immer wieder Besuch von Journalisten bekommt, die wissen wollen welche Anekdoten wahr sind und welche nicht. Sicher ist, solch eine Persönlichkeit wird es im Fußball nicht mehr geben, und auch dieser Artikel lässt den Mythos wachsen, in der Hoffnung nur über die echten Anekdoten geschrieben zu haben.

Dokumentation auf Spanisch über “El Trinche“:

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Esteban Cambiasso – Arbeiter, Dirigent und Ballvirtuose http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/esteban-cambiasso-arbeiter-328945 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/esteban-cambiasso-arbeiter-328945#respond Sat, 18 Aug 2018 09:00:27 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=5571 Zu Beginn seiner Karriere stand er bei Real Madrid im Schatten der „galaktischen“ Offensive um Figo, Zidane, Raúl oder Ronaldo. Später entwickelte er sich in Italien bei Inter zu einem der komplettesten defensiven Mittelfeldspieler der Welt. Chefutbol widmet Esteban Matías...

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Zu Beginn seiner Karriere stand er bei Real Madrid im Schatten der „galaktischen“ Offensive um Figo, Zidane, Raúl oder Ronaldo. Später entwickelte er sich in Italien bei Inter zu einem der komplettesten defensiven Mittelfeldspieler der Welt. Chefutbol widmet Esteban Matías Cambiasso anlässlich seines 38. Geburtstags ein Porträt.

Cambiasso, in San Fernando geboren und bei den Arentinos Juniors ausgebildet, wechselte im Sommer 1996 mit nicht einmal 16 Jahren als verheißungsvolles Talent über den Atlantik nach Europa zu Real Madrid. Nach zwei Jahren in Madrids Jugendmannschaft fehlte jedoch die Perspektive bei den Profis. Daher erfolgte zunächst der Schritt zurück nach Argentinien für eine dreijährige Leihe zu Independiente. Im Anschluss wurde Cambiasso ein weiteres Jahr bei River Plate geparkt, bevor er seine Karriere bei Real Madrid endlich richtig beginnen durfte und sich zu Beginn der Saison 2002/03 einen Stammplatz im Starensemble erkämpfte. Von September bis Ende November spielte er sowohl in der Liga als auch in der Champions League durchgehend, erst danach wurden seine Einsätze weniger.  In der Folgesaison 2003/04 reduzierten sich seine Einsätze weiter, in der Liga stand er lediglich 17 Mal auf dem Feld.

Entwicklung zum Stamm- und Führungsspieler bei Inter

Cambiasso zog einen Schlussstrich unter sein Kapitel bei den Königlichen, ließ seinen Vertrag auslaufen und wollte seine Karriere in einem anderen europäischen Land wieder auf Kurs bringen. Inter Mailand war nach einer chaotischen Saison 2003/04 auf der Suche nach Stabilität im Zentrum, mit Roberto Mancini übernahm im Sommer 2004 ein Coach, in dessen 4-4-2-System Cambiassos Profil gefragt war. Zuerst kritisch beäugt, spielte sich der unscheinbare Argentinier schnell in Herzen der Tifosi. Als kongenialer Partner seines Landsmannes Juan Sebastian Verón im zentralen Mittelfeld machte sich Cambiasso schnell unverzichtbar und lief gleich in seiner Debütsaison 30 mal für Inter in der Serie A auf. Erste Titelgewinne in der Coppa Italia (2005, 2006) sowie dem italienischen Supercup (2005, 2006) folgten rasch. Auf internationaler Bühne jedoch lief es durchwachsen für den Strategen aus dem defensiven Mittelfeld. Mit Inter Mailand schied er jeweils früh in den K.O.-Phasen der Champions League aus. Zu wenig für den ambitionierten Kader der Nerazzurri um Klubpatron Massimo Moratti. Und auch in der Nationalmannschaft lief es für Cambiasso unglücklich. Trotz begeisterndem Fußball bei der WM 2006 und Cambiassos Traumtor gegen Serbien schied die Albiceleste im Viertelfinale gegen Deutschland nach Elfmeterschießen aus. Tragischer Fehlschütze auf Seiten der Argentinier: Esteban Cambiasso.

Schritt in die Weltklasse und Triple-Gewinn 2010

Cambiasso ging jedoch gestärkt aus seinen Erlebnissen bei der WM in Deutschland hervor. Bei Inter wurde er immer stärker und avancierte nach dem Abgang von Verón endgültig zum unangefochtenen Dirigenten im zentralen Mittelfeld. Zudem machte er sich in der Serie A einen Namen als torgefährlicher Mittelfeldspieler. In der Saison 2007/08 schoss er wettbewerbsübergreifend 8 Tore in 44 Spielen. Cambiasso konnte das Spiel wie kaum ein Zweiter aus der Tiefe heraus lenken, besaß zudem noch herausragende Stärken im Zweikampf. Seine Antizipationsfähigkeit gehörte ebenfalls zu seinem Markenzeichen wie seine oftmals unterschätze Technik und Ballfertigkeit. Zwischen 2006 und 2009 errang Inter unter der Regie Cambiassos vier Meisterschaften in Serie. Doch auch unter dem neuen Coach José Mourinho wollte es international zunächst nicht klappen. 2009 schied man gegen Manchester United im Achtelfinale der Champions League aus. Was folgen sollte, war jedoch nichts Geringeres als die erfolgreichste Saison der Klubgeschichte. Das mit Spielern wie Eto’o oder Sneijder gespickte Team wurde von einer „Gaucho-Connection“ um Zanetti, Cambiasso, Milito und Samuel zum Triple-Gewinn 2010 geführt. Es war die Krönung auf Cambiassos starke Jahre, die er seit seinem Wechsel von Real Madrid zu Inter erlebte. Kurios: Das Champions League Finale 2010 fand ausgerechnet dort statt, wo sich Cambiasso zunächst nicht durchsetzen konnte: Im Bernabéu-Stadion.

Cambiasso im Herbst der Karriere: Leicester City und Olympiakos Piräus

Nach dem Pokalsieg 2011 ging es bei Inter Mailand steil bergab. Das Management verpasste es, den Kader zu verjüngen. Verstärkungen schlugen nicht wie gewünscht ein. Im Sommer 2014, zehn Jahre nach seiner Ankunft, verließ Cambiasso den italienischen Traditionsklub und erfüllte sich den Traum von der Premier League. Dort trug er wesentlich zum Klassenerhalt von Leicester City bei, wurde von den Fans zum Spieler der Saison gewählt. Anschließend schnürte Cambiasso seine Kickstiefel für den griechischen Serienmeister Olympiakos Piräus und verpasste so das „Wunder von Leicester“, obwohl ihn Coach Claudio Ranieri im Sommer 2015 noch zum Bleiben überreden wollte. 2017 lief Cambiassos Vertrag bei Piräus aus, wo er längst nicht mehr alle Spiele bestritt. Noch ist unklar, bei welchem Verein es für Cambiasso weitergeht. Anfang August verbreitete sich ein Tweet, der Cambiasso mitsamt Foto als Neuzugang bei den Argentinos Juniors ankündigte. Die Freude der Fans währte jedoch nur kurz: Der Account wurde gehackt. Falls Cambiasso wirklich schon in diesem Sommer die Schuhe an den Nagel hängen sollte, käme zukünftig auch eine Anstellung als Trainer in Betracht. Im Juni 2017 jedenfalls wurde bekannt, dass Cambiasso an einem Trainerlehrgang im italienischen Stützpunkt Coverciano teilnimmt. Vermutlich dauert es nicht mehr lange und „El Cuchu“ schwingt am Spielfeldrand den Taktstock.

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Vom Strafraum in die elterliche Backstube: Das außergewöhnliche Leben des Salvador Cabanas http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/das-leben-des-salvador-cabanas http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/das-leben-des-salvador-cabanas#respond Sun, 05 Aug 2018 08:54:32 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=6340 „Jeder hier in Paraguay kennt die Geschichte von Cabanas. Er ist einer der besten Spieler, die dieses Land jemals hervorgebracht hat.“ Das sind die Worte von Nelson Valdez, der in der Bundesliga unter anderem für Werder Bremen seine Stiefel schnürte...

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„Jeder hier in Paraguay kennt die Geschichte von Cabanas. Er ist einer der besten Spieler, die dieses Land jemals hervorgebracht hat.“ Das sind die Worte von Nelson Valdez, der in der Bundesliga unter anderem für Werder Bremen seine Stiefel schnürte und in Paraguays Nationalmannschaft Seite an Seite mit Cabanas auflief. Dann aber erfuhr die verheißungsvolle Karriere des paraguayischen Stürmerstars in den frühen Morgenstunden des 25. Januar 2010 in einer Bar im Süden der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-City ein jähes und grausames Ende. Doch eines nach dem anderen.

Von Asuncion an die Westküste Südamerikas – Salvador Cabanas wurde am 5. August 1980 in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der spätere Torschützenkönig der Copa Libertadores in Itaugua, etwa 30 km außerhalb von Asuncion, wo er bereits im Alter von 18 Jahren für die erste Mannschaft des örtlichen Vereins, Club 12 de Octubre, auflief.

„Das Stadion des Klubs war nur ein paar Minuten von unserem Haus entfernt, deswegen kam meine Familie fast zu jeder Partie, um mich spielen zu sehen“, blickt Cabanas wehmütig auf die Anfänge seiner schillernden Karriere zurück. Doch die Fußläufigkeit des Stadions sollte sowohl für ihn als auch seine Familie nur eine vorrübergehende Annehmlichkeit bleiben.

Schnell sprachen sich die Leistungen des jungen Salvador nicht nur in Paraguay, sondern in ganz Lateinamerika herum. Nach drei Jahren in Paraguays höchster Spielklasse und insgesamt 18 Toren in 46 Spielen sowohl für Club 12 de Octubre als auch für Club Guarani, die Cabanas 1999 für eine Spielzeit ausliehen, kehrte „Chava“ seiner Heimat im Jahr 2001 den Rücken. Audax Italiano, einem Verein aus der chilenischen Hauptstadt Santiago, waren die Leistungen der paraguayischen Nachwuchshoffnung nicht entgangen, sodass Cabanas mit einem lachenden, jedoch auch mit einem weinenden Auge das elterliche Haus verließ und sein Glück fernab der Heimat im Andenstaat Chile suchte.

Durchbruch in Mexiko

Audax Italiano sollte allerdings noch nicht das Ende der Fahnenstange für Cabanas sein. Nach zweieinhalb vortrefflichen Jahren mit 29 Toren in 53 Spielen verabschiedete er sich aus der Hauptstadt Chiles, es folgte der Wechsel nach Mexiko. Knapp 400.000 € ließen sich die Chiapas Jaguares die Dienste des damals 23-jährigen Angreifers kosten. Eine Investition, die satte Rendite abwerfen sollte.

Denn in Mexiko ging der Stern des Salvador Cabanas erst richtig auf. Mit 1,73 m Größe ist Cabanas vergleichsweise klein gewachsen, jedoch mit sensationellem Talent gesegnet. Ein ums andere Mal stand der Mittelstürmer bei den Zuspielen seiner Teamkameraden in den Strafraum goldrichtig. Und war der paraguayische Stürmerstar erst einmal in aussichtsreicher Position, ließ er sich meist nicht zweimal bitten.

Neben Cabanas grandioser Übersicht und dem daraus folgenden ausgezeichneten Positionspiel war vor allem die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss die große Stärke von „Chava“. Hinzu kam, dass er es vermochte, auf artistischste Art und Weise zum Torerfolg zu kommen. Selbst zu hoch angesetzte Flanken pflückte Cabanas mit einer Selbstverständlichkeit aus der Luft, als wäre es die einfachste Sache auf der Welt. Annehmen, abtropfen lassen, Schuss, Golazo. Ganze 20 Mal konnte der junge Salvador in seiner ersten Saison 2003/04 einnetzen. Bei 38 Spielen ergibt dies eine Quote von 0,53 Toren pro Spiel. Eine alles andere als schlechte Bilanz. Nach zwei weiteren Spielzeiten und 39 zusätzlichen Toren in Mexikos Primera Division wurde der Branchenprimus, Club America, auf den mittlerweile 25-jährigen Stürmer aufmerksam und verpflichtete den Goalgetter kurzerhand für kolpotierte vier Millionen €.

„Im Azteca-Stadion zu spielen ist etwas ganz Besonderes. Das Feld ist gigantisch, man kann kaum seine eigenen Mitspieler erkennen. Wenn ich auf dem Platz stand, dachte ich oft, dass es doch eigentlich unmöglich sei, als Paraguayer, als Ausländer, einem solchem Team anzugehören“, gab Cabanas in einem Interview mit der FIFA im September dieses Jahres zu Protokoll. Noch heute, nach 115 Spielen für CF America, schwingt Ehrfurcht in der Stimme Cabanas mit, wenn er über seine Zeit beim erfolgreichsten Klub Mexikos spricht. Es sollte auch seine erfolgreichste Zeit als Spieler gewesen sein.

Torschützenkönig und Südamerikas Fußballer des Jahres

Cabanas schlug bei Club America auf Anhieb voll ein. In seiner Zeit bei den „Azulcremas“ von 2006 bis 2010 erzielte er 66 Tore in 115 wettbewerbsübergreifenden Spielen. In seiner Premierensaison, der Clausura 2006, wurde er als erster Nicht-Mexikaner Torschützenkönig für CF America mit elf Toren. Doch der Höhepunkt seiner Karriere sollte noch folgen.

Nämlich bereits ein Jahr später, 2007. In Südamerikas Pendant zur Champions League, der Copa Libertadores, schoss Cabanas alles in Grund und Boden, ganze zehn Tore gelangen ihm im bedeutendsten Wettbewerb des Kontinents. Darunter ein Hattrick gegen Sporting Cristal aus Peru, ein Doppelpack gegen Banfield aus Argentinien und ein fulminantes Distanzschusstor aus 40 Metern gegen den chilenischen Rekordmeister Colo Colo. Da kein anderer Spieler öfter als Cabanas die gegnerischen Torhüter überwinden konnte, gewann dieser den goldenen Schuh der Copa Libertadores 2007, das Ausscheiden CF Americas gegen den FC Santos im Viertelfinale konnte Cabanas trotzdem nicht verhindern.

Die großartigen Leistungen in der Copa Libertadores führten letztlich auch dazu, dass Salvador Cabanas 2007 die begehrte Auszeichnung „Südamerikas Fußballer des Jahres“ erhielt. Vor ihm wurde diese Ehre erst drei anderen Spielern aus Paraguay, nämlich Julio Romero, Jose Chilavert und Jose Cardozo, zuteil.

Von der Copa Libertadores über die elterliche Backstube in die brasilianische Provinz

Das Jahr 2010 sollte sich für Cabanas als bedeutsamstes Jahr seiner Karriere herausstellen, jedoch nicht nur in positiver Hinsicht. Sportlich befand er sich in herausragender Verfassung. War er zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland noch gegenüber Roque Santa Cruz und Nelson Valdez ins Hintertreffen geraten, war Cabanas im Vorlauf der WM 2010 in Südafrika maßgeblich an der Qualifikation Paraguays beteiligt. Mit seinen sechs Qualifikationstoren sorgte der Stürmer mit dem charakteristischen Stirnband, das die wallenden schwarzen Locken zurückhielt, dafür, dass Paraguay sogar vor der argentinischen Albiceleste das begehrte Ticket für die WM 2010 lösen konnte.

Angesprochen auf seine formidablen Leistungen im Trikot der Guaranis entgegnete Cabanas nur schüchtern: „Das gesamte Team war außerordentlich stark, vermutlich eines der besten in der Geschichte des Landes. Wir haben alle überragend gespielt, nicht nur ich.“

Doch trat Cabanas die Reise nach Südafrika leider niemals an. Im Januar des WM-Jahres kam es zu einem folgenschweren nächtlichen Zwischenfall. In einer Bar der mexikanischen Metropole Mexiko-City traf Cabanas auf den in der Stadt berüchtigten Drogenkriminellen Jose Jorge Balderas, genannt „J.J.“

„Cabanas, du spielst scheiße, du beklaust uns Mexikaner, heute ist dein letzter Tag!“ waren die Worte des Angreifers, ehe er seine Handfeuerwaffe in Richtung Cabanas entlud. Nur wenige Momente später sackt der zum damaligen Zeitpunkt 29-jährige Stürmer durch einen Kopfschuss niedergestreckt zu Boden. Wie durch ein Wunder überlebt er den Hinterhalt. Doch kann die Kugel nicht aus seinem Schädel entfernt werden. Schlimmer noch, das Projektil drückt auf Cabanas Sehnerv, sodass dieser auf dem linken Auge die Hälfte seiner Sehkraft einbüßt.

„Die Tragödie passierte, als ich für Dortmund spielte. Mein Vater rief mich um fünf Uhr morgens an, und ich wusste sofort, dass es keine guten Neuigkeiten sein würden. Als er mir sagte, dass Cabanas einen Kopfschuss erlitten hatte, dachte ich im ersten Moment, er müsse tot sein. Doch dann sagte mein Vater, dass er sich im Koma befinde, also haben ich und meine Familie für Salvador gebetet, dass er nicht sterben möge“, schilderte Nelson Valdez sichtlich bewegt in einem Interview mit der FIFA, wie er die Schreckensnacht erlebte.

Und seine Gebete sollten erhört werden. Cabanas überlebt. Und auch die Karriere als Fußballer will er nicht so einfach aufgeben. Er kämpft sich durch die Reha und gibt am 11. August 2011 für seinen alten Klub CF América sein Comeback in einem Benefizspiel gegen die Nationalelf Paraguays. Für beide Mannschaften spielt er je neun Minuten, von längeren Einsätzen raten ihm die Ärzte ab.

Doch Cabanas gibt seinen Traum vom Profi-Fußball nicht auf. Er kehrt dorthin zurück, wo einst alles begann. In das kleine Städtchen Itaugua, zu Club 12 de Octubre. Er läuft als Kapitän für seinen Jugendklub in der dritten Liga Paraguays auf und schafft den Aufstieg, seine Verletzung verhindert jedoch eine Rückkehr auf das höchste Spielniveau und auch eine langfristige Weiterbeschäftigung. In der Apertura 2014 gehört Cabanas aufgrund seines schlechten Fitnesszustands nicht mehr zum Aufgebot von Club 12 de Octubre.

Finanziell sieht es ebenso alles andere als rosig aus. Seine Ex-Frau und sein ehemaliger Berater hatten sich mit dem gesamten Vermögen Cabanas aus dem Staub gemacht, während er im Koma lag und um sein Überleben kämpfte. Nun ist er auf die Mitarbeit in der elterlichen Bäckerei angewiesen. Statt voller Stadien und der schimmernden Bühne des Profifußballs heißt es für Cabanas nun Brötchen ausfahren vor Sonnenaufgang. An Tragik kaum zu überbieten.

Als ein paraguayischer TV-Sender dem Werdegang der einstigen Sturmhoffnung eine Reportage widmet, gehört auch der Brasilianer Irineu Alves zum Publikum. Ihm gehört der brasilianische Drittligaklub Tanabi Esporte Clube aus dem weiteren Umland der Millionenstadt Sao Paulo.

Er handelt im Mai 2014 mit Cabanas einen Vertrag für zunächst drei Spiele aus, bereits am Ende des Monats gibt dieser sein Karriereende bekannt.

Eine Legende sagt Adios

Im September 2017 kehrt Cabanas im Alter von 37 Jahren noch einmal auf den Fußballplatz zurück. In einem Benefizspiel für die Opfer des schweren Erdbebens in Mexiko-City läuft er für die Legendenauswahl der Chiapas Jaguares auf, Gegner ist eine Jahrhundertelf Mexikos. Nun soll allerdings Schluss mit dem Fußball sein. „Ich möchte jetzt ein für alle Mal mit dem aktiven Fußball aufhören. In meinen Profi-Jahren habe ich meine Familie nur an Weihnachten oder Neujahr gesehen, jetzt möchte ich ihnen mehr Zeit widmen“, verkündet er nach Abpfiff der Partie.

„Ich bin glücklich und zufrieden, nur wenige Menschen überleben so einen gefährlichen Angriff. Ich möchte mein Wissen nun an die nächste Generation weitergeben. Deswegen arbeite ich in einer Fußballakademie in einer kleinen Stadt nicht weit von hier, um das, was ich in all den Jahren gelernt habe, anderen beizubringen.“

Cabanas lebt heute fernab seiner ehemaligen Wahlheimat Mexiko wieder im kleinen Städtchen Itaugua, von wo aus einst seine Karriere ihren Lauf nehmen sollte. Dort hat er seinen Frieden gefunden, sowohl mit sich als auch dem tragischen Ende seiner Fußballkarriere. Viele würden in einer solchen Situation mit Depressionen kämpfen, wütend ob der Ungerechtigkeit werden, den Schützen verfluchen. Doch wer wie Cabanas dem Tod von der Schippe gesprungen ist, sieht Vieles aus einem anderen Blickwinkel. Die kleinen Dinge im Leben gewinnen wieder an Wert, denn von einem Augenblick auf den anderen kann auf einmal alles vorbei sein. In Anbetracht dessen erscheint auch Brötchen ausliefern um 4 Uhr morgens als gar nicht mal so übel.

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Democracia Corinthiana: Doktor Sócrates und sein Kampf gegen die Militärdiktatur http://www.chefutbol.com/neben-dem-feld/democracia-corinthiana-socrates-569842 http://www.chefutbol.com/neben-dem-feld/democracia-corinthiana-socrates-569842#respond Mon, 16 Apr 2018 14:03:54 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=9842 Wir schreiben das Jahr 1960: Jânia Quadros wird zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt. Er möchte den desaströsen Haushalt seines Landes auf Vordermann bringen und sich von der Abhängigkeit der USA lösen. Als er merkt, dass dieses Unterfangen kläglich scheitern wird,...

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Wir schreiben das Jahr 1960: Jânia Quadros wird zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt. Er möchte den desaströsen Haushalt seines Landes auf Vordermann bringen und sich von der Abhängigkeit der USA lösen. Als er merkt, dass dieses Unterfangen kläglich scheitern wird, tritt er nach wenigen Monaten schon zurück. Der bisherige Vize-Präsident João Goulart wird zum Nachfolger ernannt. Seine Präsidentschaft verläuft ebenso mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Bis 1964 sollte dies so weitergehen, dann putschte das Militär unter Humberto Castelo Branco und das Elend nahm seinen Lauf.

Die Phase ab 1964 sollte eine schwarze und zugleich schwierige Zeit für das brasilianische Volk werden. Unterdrückungen, Zensuren, ja auch Morde standen an der Tagesordnung. Alles was sich dem Regime quer stellte, wurde in irgendeiner Weise aus dem Weg geräumt. Der Unterdrückungsapparat des Staates funktionierte dahingehend „blendend“ – somit schien die Situation, die wahrlich sehr wild war, nach Außen hin recht ruhig. Die Politik des Militärs bot dem Volk aber keine Anhaltspunkte als Identifikation. Worauf können die Brasilianer stolz sein? Wie kann das Militärregime die Gesellschaft vereinen? Die Antwort war schnell gefunden. Wenn sich das brasilianische Volk in einer Sache einig ist und war, dann ist es der Fußball.

Die WM 1970 als Propaganda-Maschine

Gesagt, getan. Das Militär rüstete für die kommende WM 1970 ordentlich nach. Man nahm viel Geld in die Hand und benutzte auch die Medien optimal. Auch innerhalb des Nationalteams wurde viel rumgepfuscht. Beispielsweise ersetzte der damalige Diktator Emílio Médici den Nationaltrainer João Saldanha durch Mário Zagallo. Der Grund für diese Intervention war, dass Saldanha Dario José dos Santos, kurz Dadá, nicht nominierte, der Médicis Lieblingsspieler war. Außerdem war Saldanha Kommunist – was wäre denn das für ein Unding, wenn die Militärdiktatur den WM-Titel mit einem kommunistischen Nationaltrainer hätte teilen müssen? Wie dem auch sei, Brasilien wurde 1970 Weltmeister, Saldanha war nicht dabei und die diktatorische Regierung wurde gefeiert: Besser hätte es also nicht laufen können. Dieser Titel löste viel Euphorie und Hoffnung innerhalb der Gesellschaft aus. Diktator Médici hatte es also geschafft – Das Volk war vereint und auf seiner Seite.

Erfolglose Jahre bis in die 80er Jahre

Die kommenden Jahre waren gekrönt von Erfolgslosigkeit. Bei der WM 1974 belegte die Nationalmannschaft lediglich den 4. Platz. Vier Jahre darauf wurde man immerhin noch Dritter. Mehr und mehr spürte man die Unzufriedenheit innerhalb des Volks. Nicht ausschließlich aufgrund des Abschneidens der Nationalmannschaft. Die Zeit war geprägt von Repressionen und Unterdrückungen.

Eine Mannschaft aus São Paulo hat eine Idee

Wir sind mittlerweile im Jahr 1981 angekommen. João Figueiredo ist mittlerweile seit zwei Jahren der neue Präsident im militär-diktatorischen System und in São Paulo soll in den kommenden Jahren etwas Unglaubliches passieren. Der Sport Club Corinthians Paulista, im deutschsprachigen Raum auch als Corinthians São Paulo bekannt, spielte 1981 eine schwache Runde in der Liga (damals Taça de Ouro) und bei den Staatsmeisterschaften von São Paulo, sodass die Unzufriedenheit innerhalb des Vereins wuchs. Etwas Neues musste her. Als dann im darauffolgenden Jahr die Präsidentschaft des autoritären Clubchefs Vicente Matheus – übrigens war er ein erklärter Freund der Militärdiktatur – endete, war der Weg für ein neues Corinthians frei. Waldemar Pires wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Der installierte den Soziologen Adílson Alves als neuen Sportdirektor, der wiederum mit den Spielern über die Zukunft des Vereins diskutierte und sie in Entscheidungen miteinbezog. In Verbindung mit politisch interessierten und engagierten Spielern wie Wladimir, Casagrande und allen voran o doutor, der Doktor, Sócrates erfolgte die Umwälzung des Vereins. Fortan wurden Entscheidungen gemeinsam und demokratisch getroffen.

Sócrates sagte Jahre später noch dazu: „Wir haben jede Entscheidung kollektiv getroffen und uns an der gesamten Clubführung beteiligt. […] Der einfachste Angestellte hatte das gleiche Gewicht wie der Repräsentant des Unternehmens, seine Stimme hatte den gleichen Wert. Es war alles sehr demokratisch. Diese Zeit war wunderbar und hat uns alle verändert.“ Sócrates war der Inbegriff des Rebells des Fußballs. Ein Rockstar im Weltfußball, mit einer wahrlich hohen Intelligenz. Er rauchte täglich 20 Zigaretten, hatte ein Revoluzzergen wie keiner Anderer, und verpasste die WM 1978, aufgrund seines Medizinstudiums. Ein Mensch mit zahlreichen Facetten wurde das Aushängeschild der Utopie.

Deutlich wurde es auch, als die Spieler ihren Kollegen Zé Maria, 1983, als neuen Trainer vorschlugen. Es wurde demokratisch abgestimmt und Zé Maria war fortan der neue Coach der Corinthians.

Die erste Mannschaft mit Trikotwerbung

Die verrückte Geschichte um die Corinthians blieb natürlich nicht im Verborgenen. Ein wichtiger Fixpunkt wurde der damals junge Werbetexter Washington Olivetto, der von der Aktion des Vereins hörte. Ihm wird der Ausdruck „Democracia Corinthiana“ zugeschrieben. Fortan trugen die Spieler von Corinthians politische Botschaften auf den Trikots. Diretas já (Dikrektwahlen jetzt!) oder Eu quero votar para presidente (Ich will meinen Präsidenten wählen) wurden nun die Ausrufe des Vereins – und des Volkes. Das Motto der Spieler um den Anführer Sócrates lautete: Ganhar ou perder, mas sempre com democracia (Gewinnen oder verlieren – aber immer demokratisch). Dieser Satz sagt eigentlich alles aus. Vielen bleibt das Bild von Wladimir und Sócrates in den Gedächtnissen, als sie mit einem riesen Transparent ins Stadion liefen und das Motto, die Philosophie, des Vereins zeigten.

Der Umschwung trägt Früchte

Sócrates

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die demokratische Mannschaft von Corinthians holte sich schon in den Jahren 1982 und 1983 die Staatsmeisterschaft von São Paulo zurück. Zum gesamtbrasilianischen Titel reichte es im Nachhinein nicht, jedoch hatten die Paulistas die Masse, die Gesellschaft im ganzen Land erreicht. Der Verein kam seinem Ziel immer näher. Erfolg war hierbei eher zweitrangig. Auch der doutor betonte dies in gewohnt revolutionärer Manier: „Die Meisterschaft ist nur ein Detail.“ Das Volk wurde allmählich mobilisiert und zeigte seinen Unmut über die politische Lage des Landes deutlich. So kam es im Jahr 1984 zu einem Referendum, die sogenannte Emenda Constitucional Dante de Oliveira, das eine Direktwahl (diretas) des brasilianischen Präsidenten ermöglicht hätte.  Zuvor hatte Sócrates bei einer Kundgebung auf dem Platz der Kathedrale in São Paulo vor zwei Millionen Menschen bekannt gegeben, dass er nicht nach Italien wechselt, falls die Gesetzesänderung in Kraft treten würde. Das Referendum scheiterte an 22 Stimmen und Sócrates wechselte infolgedessen zum AC Florenz nach Italien. Ein Jahr darauf folgte aber die erste freie Wahl des Präsidenten und der oppositionelle Tancredo Neves setzte sich durch. Somit ging João Figueiredo als letzter Präsident der 21-jährigen Militärdiktatur Brasiliens in die Geschichte ein. (Neves verstarb aber noch vor Amtsantritt.)

Die letzten Jahre der „Democracia Corinthiana“

Die Verfassungsänderung scheiterte, Sócrates war nicht mehr in Brasilien, Neves starb noch vor Amtsantritt – Die Corinthians hatten trotzdem das Land bewegt. Die Militärdiktatur war passé und der demokratische Weg, den der Verein einschlug, sollte nun weitergehen. Es dauerte keine zehn Jahre und die Sache mit der Demokratie war bei den Corinthians wieder vergessen. Alberto Dualib wurde 1993 zum neuen Präsidenten des Clubs ernannt und sollte bis 2007 an der Spitze stehen. Während seiner Regentschaft schloss er mit der Investmentgruppe MSI einen Vertrag ab. Der Verein wurde somit Eigentum der Investmentgruppe – bis 2007. Da griff die brasilianische Justiz durch und beendete die Kooperation mit MSI aufgrund von Korruption. Mit MSI verschwand auch der Präsident Alberto Dualib.

Der letzte Weg von Sócrates

Sócrates

Ein besseres Drehbuch für eine Tragödie hätte man nicht schreiben können. O Doutor war im August 2011 aufgrund von Magenblutungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden und verbrachte einige Tage auf der Intensivstation. Dann kam der 4. Dezember 2011: Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, wie er bürgerlich hieß, schloss zum letzten Mal und für immer die Augen. Der einstige Revolutionsführer starb in São Paulo. An jenem Tag, als seine große Liebe Corinthians wenige Stunden nach seinem Tod die 5. Meisterschaft klarmachte – und das ausgerechnet gegen den Stadtrivalen Palmeiras. Vor Anpfiff gedachten alle Beteiligten der Corinthians-Legende und streckten in Nachahmung von Sócrates‘ Geste die Fäuste in die Luft. Sócrates war es zusammen mit seinem Verein Corinthians gelungen einen utopischen Mikrokosmos zu schaffen – inmitten einer Militärdiktatur.

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Zum Tod von René Houseman: Der Mann, der fliegen konnte http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/tod-rene-houseman-171854 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/tod-rene-houseman-171854#respond Sun, 25 Mar 2018 15:39:50 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=8323 Für viele Argentinier war René Houseman so wichtig wie Diego Maradona. Der rechte Flügelläufer galt als einer der begnadetsten Dribbler der Welt und als Mann des Volkes. Am Donnerstag verstarb El Loco Houseman im Alter von 64 Jahren. Wo ist...

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Für viele Argentinier war René Houseman so wichtig wie Diego Maradona. Der rechte Flügelläufer galt als einer der begnadetsten Dribbler der Welt und als Mann des Volkes. Am Donnerstag verstarb El Loco Houseman im Alter von 64 Jahren.

Wo ist Houseman? In der argentinischen Nationalmannschaft der Siebziger Jahre war das eine wichtige Frage, und als Houseman im Teamhotel einmal partout nicht aufzufinden war, wurde der Trainer César Luis Menotti unruhig. „Für uns war das, als würde Messi fehlen“, sagte Menotti. Doch anders als der stets fokussierte Barcelona-Profi war Houseman ein Verrückter, ein Improvisator, ein Held des Lebens und doch vom Hauch des Scheiterns umweht. Weil ihm der Alkohol zu sehr schmeckte und das Leben zu gut gefiel, brauchte René Orlando Houseman selbst zu seinen besten Zeiten immer Geld. Und womit sollte man Geld verdienen, wenn man ein wahnwitziger Dribbelkünstler war und in Las Villas, den Armutsvierteln von Buenos Aires, viele Freunde hatte? Man ließ sich für Geld anheuern, Matches im Viertel zu spielen. Und Houseman ließ dafür auch mal ein Training der Nationalmannschaft sausen. Weil er so wichtig war, suchte ihn Menotti und fand ihn beim Kick auf einem Bolzplatz von La Villa – auf der Bank. „René, was machst du da?“ „Wie, was ich hier mache? Schau dir den Rechtsaußen an, der ist ein Phänomen“. Es ist eine Anekdote, die viel über René Houseman aussagt: Ein Hang zum Wahnsinn, seine Geldprobleme, seine Verwurzelung im Viertel, aber auch die Wichtigkeit, die er dank seiner Klasse für die argentinische Nationalmannschaft, mit der er 1978 Weltmeister werden sollte, hatte.

In jenen Jahren, die die glücklichsten in der Karriere des René Houseman waren, lief El Loco hauptberuflich für Huracán auf. El Globo, der Ballon, nennen die Fans den legendären Klub aus Parque Patricios, und tatsächlich lernte der Verein in jenen Jahren das Fliegen. Unter César Luis Menotti spielte Huracán oft rauschhaften Fußball, stellte die beste Offensive der Liga und gewann das Campeonato Metropolitano 1973. Und es war der rechte Flügelstürmer, el wing derecho, der für die Höhenflüge von El Globo verantwortlich war: René Houseman. Und auch Houseman selbst schien nicht wie Normalsterbliche mit dem Boden verhaftet: So schnell wie El Loco die Linie auf und ab wetzte, konnten ihn seine kurzen Beine eigentlich gar nicht tragen, und seine blitzschnellen Richtungswechsel konnte niemand mitgehen. 109 Tore erzielte René Houseman in neun Jahren für die Quemeros. Doch viel wichtiger als Statistiken sind bei Huracán, dem die tragische Niederlage immer näher stand als der heroische Sieg, die Erinnerungen. Und es gab keinen Spieler in jenen Jahren, der mehr Erinnerungen produzierte als René Houseman: Er war einer dieser Spieler, von deren Finten und Anekdoten sich Generationen an Fans erzählen, an die Zeitgenossen mit glänzenden Augen zurückdenken und deren Namen auch die pickligen Teenager aus der Kurve kennen, aus den immer schwärmerischer werdenden Erzählungen der Alten. Sogar Künstler inspirierte Houseman (ihm ist das Lied „Sobre la Hora“ von Ariel Prat gewidmet). Dieser Außenstürmer, keine 1,65 Meter groß, mit den immer herunterhängenden Stutzen und dem wehenden Haar war ein Romantiker des Spiels, ein Kind im besten Sinne, voller Freude am Überraschenden, mit unglaublichem Spielwitz und brillanter Technik. Es gibt ein berühmtes Tor, wo Houseman drei Mal den Kasten vor Augen hat, drei Mal verzögert, dann scheinbar abdreht – und den Ball aus der Drehung über den sich streckenden Verteidiger in den Winkel chippt, eine flüssige und vollkommen unvorhersehbare Bewegung. Ein anderes Tor, das zu Housemans Berühmtheit beitrug, erzielte er 1977: Bis weit in den Morgen hinein hatte El Hombre Casa zu Hause gefeiert, setzte vor dem Teamhotel sein Auto gegen einen Pfeiler, kreuzte noch betrunken bei seinen Mitspielern auf – und wollte dennoch spielen. Team und Trainer ließen sich darauf ein, und der Torschütze zum 1:0 gegen River Plate hieß: René Houseman.

Wie großartig Houseman seinen Zeitgenossen und insbesondere den Fans von Huracán erschien, unterstreicht ein Zitat von Carlos Babington, einst Teamkollege von Houseman und eine Institution bei El Globo. Vom Journalisten Cherquis Bialo befragt, wer denn nun der beste argentinischen Fußballer aller Zeiten gewesen sei, antwortete Babington: „Der beste Spieler in der Geschichte des argentinischen Fußballs ist René Houseman“. Die andere Seite der Medaille steuerte der Trainer Alfio Coco Basile bei, der Babington erwiderte: „Du musst die ganze Karriere betrachten, du kannst Houseman nicht mit Diego vergleichen oder mit Messi. Das Licht von René Houseman war wie ein Streichholz: Es flammte kurz auf, und weg war es“. Für die unbestreitbare Klasse, die „der beste Rechtsaußen der Geschichte“ (Mitspieler Daniel Valencia) hatte, wirkt seine Karriere tatsächlich trotz des Weltmeistertitels von 1978 unvollendet. Daran hatte Houseman selbst großen Anteil: Der Alkohol wurde immer wichtiger, der Körper immer kaputter, dazu plagten ihn Geldsorgen, mit Huracán stritt er sich um Prämien. Und so endete Housemans Karriere mit einer Tingelei durch die Weltgeschichte: Bei Colo-Colo, AmaZulu, Independiente blieb er stets nur kurz und war ein Schatten des alten Loco, ehe er im Alter von nur 32 Jahren zu den Excursionistas wechselte. Es war die Erfüllung eines Traums, sein Leben lang war Houseman fanatischer Anhänger des für den Rest der Menschheit quasi bedeutungslosen unterklassigen Vereins gewesen. Doch es war zu spät, der Körper machte nicht mehr mit: Nach nur einem Einsatz musste er die Schuhe an den Nagel hängen.

Auch nach seinem Karriereende fand Houseman nicht mehr zu sich selbst: Mehrmals musste er auf Entzug, sein Körper war gezeichnet vom Alkohol und den Tritten der Gegenspieler, Geld hatte er nie. Doch Houseman hatte vielleicht viele Probleme, aber er hatte auch eine Heimat: Bajo Belgrano, das Unterschichtsviertel, in dem sich Houseman immer wohler fühlte als irgendwo sonst. Sein Solidaritätsgedanke war so stark, dass er seinen ersten Lohn bei Huracán mit seinen Freunden aus der Villa brüderlich teilte, und den Bolzplatz von La Villa gab er sowieso nicht auf, solange der Körper einigermaßen mitspielte. Für Houseman war diese Verankerung sehr wichtig, und wenn er mal wieder Hilfe brauchte, konnte er oft auch auf die Unterstützung von Huracán und den Excursionistas zählen – schließlich war Houseman nicht nur der beste Fußballer der Geschichte beider Vereine, sondern auch einer der beliebtesten Menschen. Am Donnerstag erschütterte eine traurige Nachricht den argentinischen Fußball: René Houseman verstarb im Alter von 64 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs. Hunderte Fans begleiteten am Freitag die Trauerzeremonie von Huracáns Stadion über den Sitz der Excursionistas bis zum Friedhof Chacarita, wo René Houseman seine letzte Ruhe finden soll. Seine Legende wird ihn überleben.

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Cádiz CF: Mágico González – Die Legende aus El Salvador http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/cadiz-cf-magico-gonzalez-legende-el-salvador-571831 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/cadiz-cf-magico-gonzalez-legende-el-salvador-571831#comments Mon, 12 Mar 2018 23:21:10 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=2100 Jorge “Mágico” González war mit Talent aber auch einer ungeheuren Lebenslust gesegnet. Ein Porträt der salvadorianischen Legende des Cádiz CF. Wenn man einen Gaditano (so werden die Einwohner Cádiz’ genannt) auf den größten Spieler der Vergangenheit des örtlichen Fußballvereins Cádiz...

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Jorge “Mágico” González war mit Talent aber auch einer ungeheuren Lebenslust gesegnet. Ein Porträt der salvadorianischen Legende des Cádiz CF.

Wenn man einen Gaditano (so werden die Einwohner Cádiz’ genannt) auf den größten Spieler der Vergangenheit des örtlichen Fußballvereins Cádiz CF anspricht, weiten sich die Augen des Gegenübers, ein Lächeln macht sich im Gesicht breit und ein gewisser Stolz macht sich im Gesichtsausdruck bemerkbar, während er die folgenden Worte sagt: „Mágico González!” Jorge Alberto González Barillas war und ist das Idol des kleinen andalusischen Klubs an der Atlantik-Küste. Sucht man mittlerweile im, mit stromlinienförmigen und von Medienberatern geschulten Profis à la Phillipe Lahm überschwemmten, modernen Fußball vergeblich nach Profis mit Ecken und Kanten, kann man eines sicher sagen: Mágico González hatte seine Ecken und Kanten, und das gewiss nicht zu wenige.

„Ich gebe ja zu, dass ich kein Heiliger bin, dass mir das Nachtleben gefällt, und, dass nicht einmal meine Mutter, mir die Lust einen draufzumachen, austreiben könnte. Ich weiß, dass ich unverantwortlich und kein guter Profi bin, und es kann sein, dass ich die Gelegenheit meines Lebens wegwerfe. Ich weiß es, aber ich habe einfach diese dumme Einstellung: Ich mag den Fußball nicht als Arbeit ansehen. Wenn ich das machen würde, wäre ich nicht mehr ich selbst. Ich spiele nur um Spaß zu haben.“

Jorge Alberto González Barillas wurde 1958 in San Salvador (El Salvador) geboren. Im Jahre 1975 feierte er im Alter von 17 Jahren sein Debüt in der Salvadorianischen Liga. Fünf Jahre lang verzauberte er die Fans in seiner Heimat, Höhepunkt war die Qualifikation für die WM 1982 in Spanien. Das zweite und letzte Mal bis heute, dass sich das keine Land für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Im entscheidenden Spiel gegen Mexiko startete González ein unwiderstehliches Solo in der eigenen Hälfte, seinen Schuss konnte Mexikos Torwart nur abprallen lassen, Ever Hernández staubte zum Siegtreffer ab. El Salvador war bei der WM dabei.

Die WM 1982 als Sprungbrett für Mágico González

El Salvador hat jedoch wenig Glück bei der Auslosung und muss nach den Spielen gegen Ungarn, Belgien und Argentinien (mit dem 21-jährigen Diego Armando Maradona) mit null Punkten und einem Torverhältnis von 1:15 die Heimreise antreten. Doch ein dünner 24-jähriger Junge mit schwarzem langem und gelocktem Haar, der in seiner Heimat El Salvador bei Club Deportivo FAS spielt und dem sie dort den Spitznamen “El Mago” gegeben haben, sticht heraus. Er überrascht alle mit seinen unglaublichen Finten, schnellen Haken und seiner Geschwindigkeit: Es ist Mágico González. Er wird trotz der desaströsen Bilanz seines Teams in die Elf der WM gewählt. Einige europäische Klubs werden so auf ihn aufmerksam.

Unter anderem Paris Saint-Germain, mit denen bereits ein Vertrag ausgehandelt worden war und nur noch die Unterschrift fehlte. Der Führungsstab des französischen Vereins und eine Menge Fotografen erwarteten Mágico in einem Hotel in Paris zur Vertragsunterschrift. Doch der kam einfach nicht. Gerüchten zufolge, verschlief er, und hatte auch keine Lust nach Paris zu ziehen. “Was soll ich in Paris? Ich kann die Sprache nicht, die Stadt ist riesig. Wie soll ich hier leben können?” Überraschenderweise wechselte El Salvadors Nummer 11 dann in die zweite spanische Liga nach Cádiz. Cádiz steht für Fröhlichkeit, Spaß, für die Leichtigkeit des Seins. Eben genau das, wofür auch Mágico González stand.

Mágicos Verpflichtung sorgt kaum für Aufruhr

Facebook / Jorge “Mágico” González

In Cádiz nimmt man die Verpflichtung des salvadorianischen Ausnahmefußballers zwar wahr, aber mehr auch nicht. Großes Interesse oder gar Euphorie? Suchte man vergebens. Doch das sollte sich schnell ändern, denn “El Mago” sollte bald zum absoluten Publikumsliebling der Gaditanos werden. Aber der Reihe nach.

Anekdote #1

Kaum jemand erinnert sich an sein Debüt für den Cádiz CF. Es war Ende August 1982, als “el submarino amarillo” im 7.000-Einwohner-Dorf Trebujena zu einem Vorbereitungsspiel antrat. Nach dem Spiel gab es ein vom Gastgeberverein organisiertes Essen, gemeinsam saßen die beiden Teams zu Tisch. Zufälligerweise saß González mit seinem direkten Gegenspieler Rafael am Tisch, dem er zuvor reihenweise Knoten in die Beine gespielt hatte. Trainer von Cádiz war der Jugoslawe Dragoljub Milosevic. Er wollte, dass seine Spieler weder zu viel aßen noch, dass sie Alkohol tranken. Also wies er seinen Co-Trainer David Vidal an, das ganze zu überwachen. Kurz nachdem das Essen los ging, fragte Mágico, der sich bewusst war, dass Vidal ihn nicht aus den Augen ließ, seinen Tischnachbarn Rafael:

M:”Was trinkst du, amigo?”

R:”Coca-cola.”

M:”Nein, du trinkst Wein!”

R:”Hä, was? Nein, ich trinke Coca-cola, siehst du doch.”

M:”Ja, schon klar. Aber ab jetzt bestellst du Wein. Du trinkst meine Coca-cola und ich trinke deinen Wein.”

Das war Mágico González.

Anekdote #2

Mágico war endgültig auf andalusischen Boden angekommen. In der weiteren Vorbereitung beeindruckte er seine Teamkollegen auch mit seiner Physis. Sein Ex-Mitspieler Hugo Vaca erzählte: “In der Vorbereitung mussten wir immer am Strand joggen. Während wir schon kaum mehr Luft bekamen, lief er immer noch rückwärts und erzählte uns irgendwelche Geschichten. Er hatte eine wahnsinnige Physis, die es ihm erlaubte, nicht so viel wie die anderen machen zu müssen.”

Anekdote #3

Facebook / Jorge “Mágico” González

Allerdings merkten sie in Cádiz auch schnell, dass dieser exzellente Fußballer genauso gern Feiern geht wie er Fußball spielt. Somit beauftragten die Klubdirigenten seinen Teamkollegen Pepe Mejías, ihn vor jedem Training oder Spiel zu wecken. Mejías: “Ich hatte die Schlüssel seiner Wohnung. Anfangs bin ich jeden Morgen gekommen, um ihn zu wecken, damit er nicht zu spät zum Training kam. Dieser Typ lebte nachts und schlief tagsüber. Er kam zu spät zum Training, oder manchmal auch gar nicht…Aber man verzieh es ihm, weil er in den Spielen die Kohlen für uns aus dem Feuer holte. Die Fans liebten ihn und somit mussten sowohl der Verein als auch die Trainer diese Disziplinlosigkeiten durchgehen lassen. Es blieb uns ja nichts anderes übrig.”

Mejías war möglicherweise einer der Teamkollegen, die González am meisten respektierte. Öfters nach dem Training war er bei Mejías und seiner Frau zum Essen. Nach dem Aufstieg in die Primera División 1982/1983 sagte Mágico zu seinem Teamkollegen: “Pepe, ich muss dich jetzt mal zum Essen einladen. Als Dank dafür, wie gut du dich um mich kümmerst und auch um den Aufstieg zu feiern.” Eines Tages lud ihn González dann wirklich in seine Wohnung ein, wo er zwar alleine wohnte, aber in Wirklichkeit selten eine Nacht ohne weibliche Begleitung verbrachte. Mejías fragte schließlich in der Wohnung angekommen:

Mejías:”Und was werden wir essen, Jorgito?”

Mágico:”Schau mal in den Schrank, was es gibt!”

Das einzige was Mejías dort fand war eine Packung Nudelsuppe. “Wir haben dann Wasser heiß gemacht, die Nudelsuppe gemacht und sie gegessen. So war Jorge einfach. Man musste ihn mögen, auch wenn er manchmal einfach mit seinem Kopf in den Wolken war.”

Anekdote #4

Legenden gibt es viele über Mágico. Eine gibt es, die besonders magisch und mysteriös ist. Es geht um ein Spiel im Halbfinale um die „Trofeo Carranza“, ein Turnier, das jeden Sommer in Cádiz ausgetragen wird. Dort wartete der FC Barcelona auf die Heimmannschaft aus Cádiz. Mágico González kam – wie so oft – sichtbar betrunken und zu spät zum Spiel. Die erste Halbzeit verschlief er komplett in der Kabine, wo er schließlich vom Zeugwart aufgeweckt wurde. 3:0 stand es da bereits für die Katalanen. Die Legende spricht von einer atemberaubenden Vorstellung von Mágico González in der zweiten Hälfte, seine zwei Tore und zwei Torvorlagen ließen Cádiz das Spiel drehen und mit 4:3 gewinnen. Angeblich führte diese Leistung Mágicos dazu, dass ihm der FC Barcelona eine Chance gab, die Vorbereitung bei ihnen mitzumachen. Es gibt keine Videos von diesem magischen Spiel, auch sucht man das Ergebnis vergeblich in den Almanachen des spanischen Fußballs. Aber in Cádiz behaupten sie fest, dass es stattfand. Imagination oder einfach nur pure Magie?

Anekdote #5

Mágico González

Mágico und Diego Maradona

Und in Wirklichkeit machte Mágico die Vorbereitung der Katalanen im Sommer 1984 mit, als das Team mit Diego Armando Maradona auf dem Spielfeld und César Luis Menotti auf der Bank sich auf eine USA-Reise begab. Der Salvadorianer machte auch zwei Spiele vor amerikanischem Publikum für die Katalanen und zeigte sich von seiner besten Seite, schoss sogar zwei Tore. Wäre da nicht ein Feueralarm gewesen, wer weiß wie die Karriere Mágicos verlaufen wäre. Man erzählt sich, dass der Testspieler aus Cádiz sich mit einer Bekanntschaft im Zimmer des Hotels in Kalifornien vergnügte, als plötzlich der Feueralarm losging. Alle Spieler verließen ihre Zimmer, nur einer fehlte: Mágico. Auf den Vorfall angesprochen, sagte er nur: „Wenn ich etwas anfange, bringe ich es auch zu Ende.“ Menotti, der ihn eigentlich fest verpflichten wollte, überlegte es sich doch anders. Neben Diego Maradona konnte er kein weiteres „Enfant Terrible“ gebrauchen.

Das ausufernde Nachtleben wirkt sich auf Mágicos Leistung aus

Im ersten Jahr in Cádiz schoss González 15 Tore in 33 Spielen und sein Team damit zum Aufstieg. 1983/1984 waren es in der Primera División dann 14 Tore in 31 Spielen. Im dritten Jahr machte sich sein ausschweifendes Nachtleben aber immer mehr bemerkbar: Er absolvierte nur 11 Spiele und erzielte nur ein kümmerliches Tor. Daraufhin wurde er an Valladolid verkauft, wo er aber überhaupt nicht glücklich wurde. Zu viele Auflagen machte ihm der Klub, zu wenig frei fühlte sich Mágico. Somit kehrte er zur Saison 86/87 in sein geliebtes Cádiz zurück, wo sie ihn allerdings nur noch pro Spiel bezahlten. Auch musste er Strafen zahlen, wenn er nicht zum Training erschien oder zu spät zu den Spielen kam. Da ihm Geld aber nicht sonderlich wichtig war und er auch das Nachtleben nicht aufgeben wollte, bekam er am Monatsende fast immer weniger Geld als seine Teamkollegen.

Doch die Nachmittage ließen seine Nächte vergessen. In seinem zweiten Abschnitt bei Cádiz sah man wohl den besten Mágico aller Zeiten. Soweit, dass Atlanta Bergamo ihn mit einem astronomischen Gehalt nach Italien locken wollte. Doch González entschied in seinem geliebten Cádiz zu bleiben, wo er bis 1991 spielte und dann einen unrühmlichen Abschied hatte: Er wurde zusammen mit seinem Teamkollegen Quevedo wegen versuchter Vergewaltigung von zwei Frauen angezeigt. Einer Haftstrafe entging er aufgrund der Zahlung einer hohen Entschädigung. Bis zum Jahr 2000 spielte “El Mago” González dann noch bei seinem früheren Verein Deportivo FAS, wo er schließlich im Alter von 42 Jahren seine Karriere beendete.

Traumtor #1, 1984 vs. FC Barcelona:

Traumtor #2, 1986 vs. Racing Santander:

Mágico González war ein außergewöhnlicher Fußballer mit Licht- und Schattenseiten, der in Cádiz das perfekte Ökosystem für sich fand. Dort fühlte er sich verstanden und von den Leuten geliebt, und konnte seine besten Leistungen abrufen. Er war ein Künstler. Er hätte der König des Fußballs sein können, aber er wollte nicht. Die Nostalgie schwingt bei jedem Satz mit, den man über Mágico spricht. Die Erinnerungen an einen herausragenden Fußballer bleiben, der mit mehr Disziplin nun vielleicht in einer Riege mit Maradona, Pelé und Co. genannt werden würde. Doch Jorge González zeigte auch Schwächen, war menschlich. Und genau deshalb liebten und lieben ihn die Gaditanos wohl so sehr.

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Pelé und Garrincha – Brasiliens ungleiches Traumpaar http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/pele-garrincha-brasilien-642187 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/pele-garrincha-brasilien-642187#respond Fri, 02 Mar 2018 23:01:11 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=8032 Pelé und Garrincha waren das erste unschlagbare Sturmduo in einer langen Historie von kongenialen Angriffspartnern in der Seleçao. So erfolgreich wie die beiden in ihrer gemeinsamen Schaffenszeit, war kein weiteres Duo mehr. Chefutbol.com wirft einen Blick auf das ungleiche Pärchen,...

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Pelé und Garrincha waren das erste unschlagbare Sturmduo in einer langen Historie von kongenialen Angriffspartnern in der Seleçao. So erfolgreich wie die beiden in ihrer gemeinsamen Schaffenszeit, war kein weiteres Duo mehr. Chefutbol.com wirft einen Blick auf das ungleiche Pärchen, welches sich so gut ergänzte.

Pelé und Garrincha waren die besten Fußballer ihrer Zeit, sie dominierten ihre Gegner. Jeder für sich war überragend, gemeinsam waren sie unaufhaltbar. Als sich Pelé bei der WM 1962 verletzte, wuchs Garrincha über sich hinaus und wurde zum Helden seines Landes. Er wurde Torschützenkönig und schaffte es, den besten Fußballer des abgelaufenen Jahrhunderts zu ersetzen. Gewöhnlich steuerte Pelé stets die Tore bei und Garrincha war auf dem Flügel beheimatet. Dort wusste er vor allem durch schnelle Dribblings und blitzartige Richtungswechsel aufzufallen. In seinen 60 Länderspielen für die Selecao, erzielte er 17 Treffer. Pelé traf in 92 Spielen 77 mal ins Netz.

Die Harmonie der Gegensätze

Während Garrinchas Stern nach seiner Karriere schnell wieder verglühte, ist Pelé hingegen noch heute ein gefeierter Volksheld und stets in den Medien präsent. Pelé krönte sich nach der gemeinsamen Zeit in der Selecao bei der WM 1970 noch ein drittes Mal zum Weltmeister. Zu diesem Zeitpunkt war Garrincha nur noch ein Schatten seiner selbst und körperlich am Ende. Zudem verstand es Pelé, im Gegensatz zu seinem kongenialen Partner, sich selbst zu vermarkten und für eine Karriere nach der aktiven Zeit zu sorgen. Garrincha hatte nichts, außer dem Fußball. Er war nach seiner Laufbahn pleite, vereinsamte und lebte zurückgezogen. Was die beiden auf dem Rasen unterschieden hatte, spiegelte sich auch nach den aktiven Karrieren wieder.

Ausgenommen von der Parallele, dass beide ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen entstammen, hatten die zwei Ausnahmekönner wenig gemein. Während der Alkoholkonsum und sexuelle Abenteuer quasi die einzige Kontinuität in der Karriere von Garrincha gewesen sind, war Pelé stets professionell eingestellt und auf dem Rasen sehr ernst. Pelé war es immer wichtig zu gewinnen, er liebte den Wettkampf und suchte die Perfektion. Seinem Angriffspartner hingegen, ging es um den Spaß am Spiel. Garrincha interpretierte den Fußball als Quelle der Freude. Ein Modellathlet war er nie. Sein unbekümmertes auftreten machte ihn dafür zum Publikumsliebling.

Die verhängnisvolle Lebenseinstellung von Garrincha

Garrincha vertrat die Auffassung, dass er keine Anweisung des Trainers braucht. Er kenne seine Aufgabe: Die Gegner zu umkurven und in die gefährliche Zone zu dribbeln. Dabei stellte er nur zu oft seine Kabinettstückchen zur Schau, hielt seine Gegenspieler zum Narren. Die Zuschauer lachten über seine Art Fußball zu spielen – sie lachten darüber, was er mit Ball und Gegenspieler anstellte. Nur wegen ihm strömten die Zuschauer in die Stadien, als erwartete sie ein Zirkusauftritt. Pelé hingegen liebte es, einfach nur Tore zu erzielen und zu gewinnen. Diese Zielstrebigkeit blieb Garrincha stets verwehrt. Nicht nur auf dem Rasen.

So lange beide Ausnahmekönner gemeinsam auf dem Spielfeld standen, verloren sie keine einzige Partie. In 40 Begegnungen gewannen sie Seite an Seite 36 Spiele, während lediglich vier Aufeinandertreffen ausgeglichen endeten. Das Sturmduo steuerte dazu 55 Tore bei. Pelé ist bewusst, dass er ohne seinen Partner kein dreifacher Weltmeister geworden wäre. Zum 35. Todestag erinnerte sich Pelé am 20. Januar 2018 an seinen Kollegen: „Garrincha und ich haben 40-mal zusammen für Brasilien gespielt und niemals verloren. Es ist der Jahrestag seines Todes. Es ist ein Moment in dem wir uns an ihn erinnern sollen.“

Legendenstatus und mythische Aura

Der frühe Tod Garrinchas und seine tragische Geschichte lassen den Spieler von einer mythischen Aura umgeben, die ein brasilianischer Journalist gekonnt umschreibt: „Die Brasilianer setzen Pelé auf ein Podest, sie lieben ihn aber nicht so wie Garrincha. Pelé symbolisiert den Sieger und der andere das Spiel. Brasilien ist kein Land der Gewinner, es ist ein Land der Menschen, die es mögen sich zu amüsieren.“ Die traurige Ironie in der Geschichte: Garrincha war zwar bereits zu Lebzeiten „A Alegria do Povo – Die Freude des Volkes“, selbst hatte er aber ein bedauerliches Leben. Seine Gesundheit setzte ihm ein frühes Karriere- und Lebensende. Er starb einsam und pleite.

Pelé wurde noch später zum größten Fußballer des Jahrhunderts gewählt und ist bis heute der einzige Spieler, welcher dreimal Weltmeister wurde. Nach der Karriere war er in seiner Position als UN-Sonderbotschafter als „Staatsmann des Fußballs“ aktiv. Weiterhin betreibt Pelé seine eigene Sportmarketing-Agentur und begleitet als außerordentlicher Sportminister ein politisches Amt. Garrincha und Pelé, sie werden immer eines der erfolgreichsten Sturmduos der Welt bleiben. So unterschiedlich wie die beiden Charaktere auch waren, harmonierten die beiden auf dem Spielfeld.

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Gnadenloser Vollstrecker, gefeierter Volksheld – Gabriel Batistuta http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/gnadenloser-vollstrecker-gefeierter-volksheld-gabriel-batistuta-715087 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/gnadenloser-vollstrecker-gefeierter-volksheld-gabriel-batistuta-715087#respond Thu, 01 Feb 2018 09:10:25 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=1891 Kaum ein Stürmer in der Geschichte des Weltfußballs war mit solch einer Stärke im Abschluss gesegnet wie der Argentinier Gabriel Omar Batistuta. Egal ob mit seinem wuchtigen Rechtsschuss, mit links oder per Kopf – Batistuta traf meistens, wie er wollte....

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Kaum ein Stürmer in der Geschichte des Weltfußballs war mit solch einer Stärke im Abschluss gesegnet wie der Argentinier Gabriel Omar Batistuta. Egal ob mit seinem wuchtigen Rechtsschuss, mit links oder per Kopf – Batistuta traf meistens, wie er wollte. Ein Porträt eines legendären „Neuners“.

Gabriel Omar Batistuta kam mit etwa 16 Jahren zum Fußball. Dem blonden Angreifer verpassten sie bei den Newell’s Old Boys den Spitznamen „Gringo“. Unter Kulttrainer Marcelo Bielsa lernte Batistuta Ende der Achtziger in der ersten Mannschaft den Profifußball kennen. Dort hielt es ihn jedoch nur eine Saison, denn längst waren die großen Klubs des Landes auf ihn aufmerksam geworden. Nach einer Saison bei River Plate (1989/90) zog es ihn weiter zu den Boca Juniors.

Legendenstatus in Florenz

Seine erfolgreichste Zeit erlebte der Stürmer dann beim AC Florenz, zu dem er 1991 wechselte. Seine Anfangszeit in der Stadt war jedoch alles andere als einfach. Er hatte Probleme bei der Eingewöhnung und geriet mit Mitspielern wie Carlos Dunga und Massimo Orlando aneinander. Mit der Zeit fühlte sich „Batigol“ jedoch immer wohler in Florenz, was sich letztendlich auch in den Statistiken widerspiegelte: In seinen neun Saisons in der Toskana traf er immer mindestens zweistellig, insgesamt erzielte er allein in der Liga 168 Tore in 269 Spielen, bevorzugt mit seinem mächtigen Rechtsschuss. Zu jener Zeit war kein Strafraum der Serie A vor dem Argentinier mit dem wehenden Haar sicher. Mit Florenz gewann Batistuta insgesamt zwei Trophäen: den italienischen Pokal in der Saison 1995/96 sowie den Supercup im Sommer 1996. Die Verehrung der Fiorentina-Fans kannte folgerichtig keine Grenzen. Der Kult um seine Person gipfelte im November 1995, als Fans ihm zu Ehren eine Bronzestatue errichteten und sie vor dem Spiel der Fiorentina gegen Lazio präsentierten. Sie zeigt Batistuta, den Torschützenkönig der Serie A 1995, in typischer Jubelhaltung an der Eckfahne.

 Batistuta holte 1996 den italienischen Pokal mit Florenz

Torjubel als Markenzeichen

Denn mindestens genauso interessant wie seine Tore waren für viele Fans Batistutas Jubeleinlagen nach seinen Treffern. In seiner Anfangszeit in Argentinien bei den Boca Juniors suchte er nach Treffern bei Heimspielen die Fankurve auf und stieg nicht selten auf die Fangzäune, um mit den Fans zu jubeln. In Florenz etablierte er zunächst eine Jubel-Pose, bei der er nach Toren zur Eckfahne lief, die mit einer Hand umschlang und sich dort in Pose brachte. In seiner späteren Zeit in Florenz war er dann vor allem für den „Maschinengewehr-Jubel“ berüchtigt, den er bis zu seiner Zeit bei der Roma beibehielt. Im Jahr 2000 jedoch, als er im Trikot seines neuen Vereins AS Rom gegen den AC Florenz traf, jubelte Batistuta nicht – sondern weinte. Ein Zeichen der Verbundenheit zu seiner großen, alten Liebe Florenz.

Die Weltmeisterschaften – Batistutas Bühne

 Gabriel Batistuta 1994 bei der WM in den USA im Spiel gegen Nigeria (2:1 für Argentinien)

Besonders wohl fühlte sich Batistuta auf internationalem Parkett. Dort traf er nicht nur regelmäßig für Florenz oder die Roma in den internationalen Spielen. In Erinnerung bleibt er vielen Fußballfans weltweit vor allem wegen seiner Auftritte bei den WM-Endrunden 1994, 1998 und 2002. Seine drei Tore gegen Griechenland bei der WM 1994 in den USA machten ihn im Juni 1994 schlagartig auf dem Globus bekannt. Insgesamt erzielte „Batigol“ 10 Tore in 12 Spielen bei Weltmeisterschaften. Der ganz große Wurf blieb ihm im Nationaldress verwehrt. 1994 war im Achtelfinale Endstation, 1998 im Viertelfinale, 2002 sogar in der Vorrunde. Dafür holte er mit der „Albiceleste“ 1991 sowie 1993 den Sieg bei der Copa America und 1992 den Confed Cup.

Abgang in Florenz – Scudetto mit der Roma

 Batistuta im Trikot der Roma mit Vincenzo Montella

Der Sommer 2000 stellte einen Wendepunkt in Batistutas Karriere dar. Er verließ seine große Liebe Florenz und heuerte beim AS Rom an, dem seit langer Zeit erfolglosen Hauptstadtklub. Die Fans des AS klammerten sich wie einen Strohhalm an die Verpflichtung des Weltstars. Schließlich mussten sie gerade erst mitansehen, wie sich Stadtrivale Lazio im Mai 2000 sensationell den Meistertitel schnappte. Die anschließende Saison 2000/01 sollte jedoch zum Triumphzug werden. Der AS Rom gewann unter der Regie von „Feldmarschall“ Fabio Capello den ersten „Scudetto“ seit 1983, wie die Meisterschaft in Italien genannt wird. Mit Francesco Totti und Vincenzo Montella bildete „Batigol“ eine Offensivreihe, von der viele Romanisti noch heute schwärmen. Komplettiert wurde das Meisterteam von Stützen wie Cafú, Emerson, Aldaír, Tommasi oder Walter Samuel. Es sollte Batistutas einziger Meistertitel in Italien bleiben. Was ihm während seiner langen Zeit in Florenz verwehrt blieb, schaffte er schließlich in der Hauptstadt.

Ein Stern verblasst – die Zeit bei Inter und in Katar

Im Januar 2003 holte Inter-Präsident Massimo Moratti den alternden Weltstar, dessen Trefferquote seit dem Titel mit der Roma stetig gesunken war, in die Modemetropole Mailand. Inter tanzte zu jener Zeit noch auf drei Hochzeiten und der Sturm musste angesichts von Verletzungssorgen verstärkt werden. Batistuta war jedoch nur in der Liga spielberechtigt und stand dort in 12 Spielen auf dem Platz, wo es für ihn aber nur zu zwei Toren reichte. Eine ungewöhnlich schlechte Bilanz für „Batigol“, dessen Stern langsam zu verblassen begann. Fast schon folgerichtig war der Wechsel zu Al-Arabi nach Katar, wo er zwischen Sommer 2003 und 2005 die Kickstiefel schnürte. Dort ließ Batistuta seine große Karriere gemächlich ausklingen.

Die Zeit nach dem Fußball

 Batistuta als Fernsehexperte

Nach seiner Spielerkarriere zog sich Batistuta nach Argentinien zurück, wo er die Trainerlizenz erwarb. Im Jahr 2009 sorgte er für Schlagzeilen, als er sich beim Team Loro Piana als Polo-Spieler versuchte. 2010 wurde er Teil des Trainerteams der argentinischen Nationalmannschaft unter Coach Sergio Batista. Ab 2012 war er für kurze Zeit als Sportdirektor bei Colón Santa Fé aktiv. Zuletzt saß er im Dezember 2025 in einem FIFA-Gremium zusammen mit Zvonimir Boban, der Brasilianerin Marta und Vladimir Petkovic. Es ging um die Nominierung für den FIFA Fan-Award.

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Juninho Pernambucano – Der König der Freistöße http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/juninho-pernambucano-konig-278478 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/juninho-pernambucano-konig-278478#respond Tue, 30 Jan 2018 15:48:00 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7668 Heute wird er 43: Juninho Pernambucano, einer, wenn nicht sogar der beste Freistoßschütze aller Zeiten. Wir werfen einen Blick auf seinen schönsten Tore – natürlich alle per Freistoß. Spiele gegen Olympique Lyon zwischen 2001 und 2009 waren immer etwas besonderes....

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Heute wird er 43: Juninho Pernambucano, einer, wenn nicht sogar der beste Freistoßschütze aller Zeiten. Wir werfen einen Blick auf seinen schönsten Tore – natürlich alle per Freistoß.

Spiele gegen Olympique Lyon zwischen 2001 und 2009 waren immer etwas besonderes. Denn was gegen normale Mannschaften ein verschuldeter Elfmeter bedeutete (nämlich zu 95% ein Gegentor) war gegen OL ein Freistoß in Sechzehnernähe, bzw. nicht einmal das war nötig, wenn Juninho Pernambucano zum “faute” antrat. Egal ob 16 oder 35 Meter, die Torhüter waren nicht zu beneiden, wenn der schussgewaltige Brasilianer mit seiner speziellen Technik zur Ausführung antrat. Selbst Oliver Kahn kann ein Lied davon singen. 75 direkte Freistoßtore erzielte Juninho in seiner Karriere, davon allein 44 für Olympique Lyon (344 Spiele, 100 Tore). Viele (Pirlo, Drogba, Bale, David Luiz) versuchten seine Technik zu kopieren, doch keiner kam je an den Künstler aus Recife heran. Dabei hört es sich so einfach an, wenn er selbst über seine Art die Freistöße zu schießen spricht:

“Mein Ziel ist es, den Ball einen Bogen machen zu lassen. Ich mag es, gerade anzulaufen, den Ball wie bei einem Pass mit der Innenseite zu treffen, nur mit mehr Power. Das Zentrum des Balles treffen, Kontakt zum Boden haben und unter die Kugel kommen. Das lässt ihn tückisch fliegen, den Keeper verwirren. Diesen Effekt nennt man ‘Knuckleball’.”

(Juninho bei FourFourTwo)

Anlässlich seines Ehrentages haben wir für euch fünf seiner schönsten Tore herausgesucht:

Olympique Lyon gegen Werder Bremen 2005

Vasco da Gama gegen River Plate 1998

Olympique Lyon gegen FC Barcelona 2009

Olympique Lyon gegen Ajaccio 2006

Olympique Lyon gegen Bayern München 2003

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Geburtstag des großen Eusébio – Idol einer ganzen Nation http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/geburtstag-eusebio-idol-nation-651243 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-spieler/geburtstag-eusebio-idol-nation-651243#respond Wed, 24 Jan 2018 23:00:29 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7559 Ob er nun am 5. oder doch erst am 25. Januar geboren wurde: darüber ranken sich weiterhin Legenden und Mythen. Unbestritten ist jedoch die pure Klasse, die Eusébio da Silva Ferreira auf dem Fußballplatz verkörperte. Anlässlich seines 76. Geburtstags blickt...

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Ob er nun am 5. oder doch erst am 25. Januar geboren wurde: darüber ranken sich weiterhin Legenden und Mythen. Unbestritten ist jedoch die pure Klasse, die Eusébio da Silva Ferreira auf dem Fußballplatz verkörperte. Anlässlich seines 76. Geburtstags blickt Chefutbol zurück auf einen Spieler, der den Fußball in Portugal und der ganzen Welt für immer veränderte – und viel zu früh verstarb.

Spätstarter und Schnellzünder zugleich – Eusébio, in einem der Elendsviertel der heutigen mosambikanischen Hauptstadt Maputo geboren, begann spät mit dem Vereinsfußball. Zwar verbrachte er bereits als Kind jede freie Minute auf der Straße und spielte mit sporadisch hergestellten Bällen aus alten Stoffresten. Seinem ersten Verein schloss er sich in seiner Heimat Portugiesisch-Ostafrika jedoch erst mit 15 Jahren an. In diesem Alter haben die Talente von heute bereits den Großteil ihres Lebens in den Talentakademien der Profiklubs verbracht. Doch während sich heute viele junge Spieler schwer tun und im Männerfußball kaum Tritt fassen können, brauchte Eusébio nicht lange, um zu überzeugen. Unmittelbar nach seinem Vereinseintritt und zahlreichen Toren wurde er bereits in der Herrenmannschaft eingesetzt. Seine Spielweise und sein Torriecher sprachen sich herum, Scouts aus Portugal wurden auf das Juwel aufmerksam – und Eusébio verschlug es schließlich in die Hauptstadt Lissabon zum Traditionsklub Benfica.

Goldene Ära bei Benfica

Keine Frage – Eusébio war ein Glücksfall für Benfica. Zumal es zunächst danach aussah, als wechsele das Talent aus Afrika zum Erzrivalen Sporting Clube de Portugal – doch letztendlich sicherten sich die Roten die Dienste des Ausnahmekönners und ließen den Lissaboner Konkurrenten konsterniert zurück. Mit Benfica errang Eusébio insgesamt elf nationale Meistertitel, stand vier Mal im Finale des Landesmeister-Wettbewerbs (Vorläufer der Champions League), wovon das Team im Jahre 1962 dank zweier entscheidender Eusébio-Tore zum 4:3 und 5:3 das Star-Ensemble von Real Madrid in einem legendären Spiel in die Knie zwang. Den portugiesischen Pokal gewann das Team um Eusébio fünf Mal, sogar den goldenen Schuh als Europas bester Torjäger konnte der Ausnahmespieler in den Jahren 1968 und 1973 erringen. Am Ende stand neben den zahllosen Titeln die unfassbare Bilanz von 317 Toren in 301 Spielen für Benfica.

Eusébio: Seiner Zeit voraus

Antrittsstark, torgefährlich, offensiver Dreh- und Angelpunkt – Eusébio vereinte viele Eigenschaften, die im damaligen Fußball üblicherweise auf mehrere Spieler verteilt waren. Es gab den klassischen Regisseur, den Vollstrecker, den Dribbler auf den Außenbahnen. Eusébio war all das zusammen. Der italienische Sportjournalist Federico Buffa fasste es einmal so zusammen. „Er ist ein moderner Spieler, allerdings nach heutigen Maßstäben, man stelle sich das also nun früher vor. Er ist gleichzeitig ein Zehner und ein Mittelstürmer. Er kommt aus der Tiefe und schießt mit rechts und links gleichermaßen beeindruckend.“ Eusébio prägte wie Pelé den Fußball in den 1960er-Jahren und war spielerisch der damaligen Zeit weit voraus.

Die fantastische WM 1966 in England

Bei der ersten WM-Teilnahme Portugals überragte der damals 23-jährige Eusébio, schoss erst Brasilien um Pelé aus dem Turnier und drehte dann das Spiel gegen Nordkorea im Viertelfinale im Alleingang: aus 0:3 wurde ein triumphales 5:3 mit vier Eusébio-Treffern. Spätestens jetzt war Eusébios Name in aller Munde. Das hervorragende Abschneiden der Portugiesen endete erst im Halbfinale, als die Engländer ihren Heimvorteil nutzen. Der „schwarze Panther“, wie ihn der Journalist Desmond Hackett aufgrund seiner Mischung aus Athletik, Schnelligkeit und Eleganz taufte, traf zwar einmal – doch die Engländer gewannen dank zweir Charlton-Tore. Eusébio jedoch hatte noch nicht genug und traf im Spiel um Platz 3 gegen die Sowjetunion zum 2:1-Sieg. Es war sein neunter Turniertreffer, womit er sich die Torjägerkanone der WM sicherte. Insgesamt erzielte er in seinen 64 Länderspielen stolze 41 Tore.

Bescheidenes Genie

Trotz seiner Genialität war Eusébio kein Spieler, der Star-Allüren pflegte oder schwierig im Umgang war. Als er mit 30 Jahren das Amt des Nationalmannschaftskapitäns übernehmen sollte, war es ihm beinahe peinlich. Erst einige Überredungsversuche brachten ihn dazu, die Binde zu tragen. Sein letztes Spiel für Benfica absolvierte er 1975, mit 33 Jahren. Dann zwang ihn eine Knieverletzung zum Aufhören. Anschließend tingelte er durch Nord- und Mittelamerika und spielte unter anderem für Monterrey in Mexiko, Las Vegas oder New Jersey. Doch die großen Jahre waren vorbei und Eusébio auf dem Platz nie wieder der Alte. Einmal wurde Eusébio nach seinen finanziellen Verhältnissen gefragt, woraufhin er antwortete: „Die Leute in Portugal denken, ich sei reich. Ich lache mich tot.“ Anders als viele europäische Spieler wurde Eusébio besonders in den Anfangsjahren bei Benfica als schwarzer Einwanderer nur spärlich bezahlt. Doch lange vor Figo und Cristiano Ronaldo war Eusébio der erste richtige portugiesische Weltstar. Nach seinem Tod am 5. Januar 2014 in Folge eines Herzstillstands wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Bereits 2011 (Lungenentzündung) und 2012 (Schlaganfall) hatte das Idol gesundheitliche Probleme gehabt.

Was also bleibt noch zu sagen zu einem der Besten aller Zeiten? José Mourinho, der als Trainer in England dort aktiv ist, wo Eusébio der Fußballwelt nachhaltig seinen Stempel aufdrückte, meinte einmal: „Eusébio ist unsterblich.“ Das sehen nicht nur die Fans von Benfica so, die vor jedem Heimspiel ehrfürchtig vor Eusébios Bronzestatue am Estadio da Luz innehalten. Auf der ganzen Welt wird er als einer der Größten des Fußballs in Erinnerung bleiben. In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag!

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