Cristiano Ronaldo ist ohne Zweifel eine der schillerndsten Figuren im Fußballgeschäft. Mit seiner Art, weiß er zu provozieren und zu polarisieren. Jeder Fußballfan hat eine Meinung zu ihm, ob positiver oder auch negativer Natur. Ohne Zweifel ist er aber auch einer der begabtesten Fußballer, die auf dieser Erde gespielt haben. Sein Ehrgeiz treibt ihn immer voran, sein bescheidenes Ziel ist es, der Beste zu sein. Eine „kritische Hommage“ an den Portugiesen.
Seit fast einer Dekade sind Cristiano Ronaldo und Lionel Messi die unausweichlichen Kontrahenten, wenn es um die Wahl des Weltfußballers geht. Bis auf die unglaubliche Anzahl an Toren, welche die beiden Jahr für Jahr erzielen, haben die zwei Ausnahmekönner nicht viel gemein. Cristiano Ronaldo hat nicht gerade einen Sinn für Understatement. Sein maßloses Selbstbewusstsein, welches viele als Arroganz deklarieren würden, ist beinahe schon ein Markenzeichen geworden und spaltet die Fußballwelt in Fans und Kritiker. Eines ist jedoch gewiss, in jedem Falle wird über ihn gesprochen.
„Fans haben gepfiffen, weil ich gut aussehe, reich und ein großartiger Fußballer bin“ (Cristiano Ronaldo nach einem Champions League Spiel in Zagreb 2011)
Tore, Tore, Tore – Ronaldo und sein ewiger Rivale
Der größte Sympathieträger wird Ronaldo kaum mehr werden. Dazu zeigt er doch zu viele Marotten, gerade auch auf dem Spielfeld. Das wird ihm aber egal sein. Kritiker straft er stets Lügen – durch Leistungen auf dem Spielfeld. Meinen manche, er sei am Zenit, legt Ronaldo eine neue Bestmarke auf. Der Beweis: Diese Champions League Saison. Als viele dachten, Ronaldo spiele eine durchschnittliche Spielzeit nach der Fußball-EM, drehte er in den entscheidenden Spielen, ab dem Viertelfinale, so richtig auf. Bayernfans mögen es verzeihen, aber die Münchner bezwang Ronaldo mit fünf Treffern quasi im Alleingang. Es folgten drei Tore gegen den Stadtrivalen im Halbfinale und zwei weitere Male war er im Finale gegen die Alte Dame aus Turin erfolgreich. Am Ende war er wieder der erfolgreichste Torschütze der Königsklasse, vor Dauerrivale Messi. So verzeihen ihm seine Anhänger gerne das divenhafte auftreten und jubeln ihm zu.
„Ich suche die Rekorde nicht, die Rekorde finden mich“ (Cristiano Ronaldo)
Es ist quasi nicht möglich, über die Leistungen Ronaldo´s zu berichten, ohne auch den ewigen Kontrahenten Lionel Messi zu erwähnen. Kaum einen Rekord hat CR7 in seinem Wetteifer gegenüber Lionel Messi nicht brechen können. Die beiden größten Konkurrenten, sei es mit ihren Clubs Real Madrid und dem FC Barcelona, oder individuell, spornen sich erst zu diesen herausragenden Leistungen an, als stünden sie in einer Symbiose zueinander. Und bei der ewigen Frage, wer im Duell der beiden der Gewinner ist, gibt es auch eine ganz klare Antwort: Wir! Diejenigen, die diesen Sport lieben. Ohne solche Rivalitäten und Duelle, würde uns schier der Diskussionsstoff ausgehen. Wer von beiden tatsächlich besser ist, kann ohnehin nicht geklärt werden. Daran ändert auch der Videobeweis der geliebten FIFA nichts. Und befinden wir uns im so sehr gefürchteten Sommerloch, sorgt Ronaldo zumindest für Gesprächsstoff, weil er sich bei seinem Verein gerade nicht so wohl fühlt und Wechselgedanken hegt. Für Unterhaltung ist immer gesorgt.
Der Mensch, hinter der Maschine
Trotz all dieser Erfolge, wirkt der Portugiese leider oft, wie ein großes Kind. Auf dem Platz gestikuliert er wild, wenn er mit seinen Mitspielern oder Entscheidungen des Unparteiischen unzufrieden ist. Seine bemitleidenswerte Mimik lässt nach einem vermeintlichen Foulspiel oft darauf schließen, dass ihm jeden Moment die Tränen kommen könnten, um nur wenige Augenblicke später wie ein aufgeblasener Hirsch seine extrovertierten Jubelposen vor dem Publikum zu zelebrieren. Man muss das nicht mögen, es gehört aber zu Cristiano Ronaldo, wie die Butter auf das Brot. Das gleiche gilt für seinen eigenwilligen Anlauf zum Freistoß in Western-Manier. Dass die perfekt in Szene gesetzten Standards dann doch häufiger im Oberrang des Bernabéu landen, oder manchmal eine „Ein-Mann-Mauer“ bestehend aus Philipp Lahm bereits die Gefahr bannt, ist Nebensache. Vieles ist Show und Cristiano liebt sein Rampenlicht.
Es gibt aber auch noch eine andere Facette des Superstars. Er ist ein absoluter Profi, trainiert hart, ernährt sich gesund und trinkt keinen Schluck Alkohol, weil sein Vater alkoholabhängig war und an Nierenversagen starb. Und dann gibt es noch die Geschichte mit Ronaldos Freund Albert: Die beiden spielten gemeinsam bei ihrem Jugendverein, als Verantwortliche von Sporting Lissabon mitteilten, dass der Spieler mit den meisten Treffern in der Jugendakademie aufgenommen wird. Ronaldo und Albert waren gleichauf, als Albert den Torhüter soeben ausgespielt hatte. Anstatt ins leere Tor zu schieben, spielte Albert quer auf Ronaldo. Cristiano netzte ein und begann seine Karriere als Profisportler. Wenn man Albert fragt, wieso er das tat antwortet er stets, dass Ronaldo eben der Bessere sei. Er hatte Ronaldo den Vorrang überlassen. Albert ist heute arbeitslos. Dennoch geht es ihm gut, er lebt in einer Villa und genießt ein luxuriöses Leben. Ronaldo hat seinen Freund nicht vergessen und ermöglicht ihm diesen Lebensstil. Ronaldo kann auch der Gute sein!
Einfach nur Respekt
Es gibt die verschiedenen Seiten des CR7. Ob man ihn jetzt mag oder nicht, zumindest Respekt muss man dessen sportlichen Leistungen haben, sonst hat man keine Ahnung vom Fußball. Durch den überraschenden Triumpf mit der portugiesischen Nationalmannschaft bei der EM 2025 ist ihm jetzt noch der Coup gelungen, dem ihm viele nicht mehr zugetraut hatten – ein nationaler Titel mit der Landesauswahl. Für ihn ein persönlicher Meilenstein und ein Titel, dem er seinen Rivalen Messi voraus hat. Zudem nutzte er das Finale nach seiner Verletzung, um noch ein verborgenes Talent zu zeigen: Mit seinen wilden Gesten an der Außenlinie stellte er seinen Trainer in den Schatten und sorgte direkt für neue Gerüchte um die Karriere nach der Karriere, nämlich als Coach. Auch das gefiel nicht jedermann, aber es passte zu Ronaldo, seine Fans verehren ihn dafür, seine Kritiker nicht.
„Eure Liebe macht mich stark, euer Hass macht mich unaufhaltbar“ (Cristiano Ronaldo)
Egal welcher Beschäftigung Cristiano nach seiner aktiven Zeit als Fußballer nachgeht, finanzielle Sorgen wird er sich kaum machen müssen. Ob er bei Real bleibt, oder nochmal woanders sein Zelt aufschlägt, ist ebenso irrelevant. Vielleicht plant er auch eine Großfamilie nachdem er erst kürzlich Zwillinge bekommen hat – man kann nur spekulieren. Unzählige Werbeengagements und die perfektionierte Selbstvermarktung haben den stets perfekt gestylten Spieler längst unabhängig von seinem sportlichen Salär gemacht. Schaut man sich sein Fußballspiel so an, möge der ein oder andere Kritiker auch auf die Idee geraten, dass ihm eine Schauspielkarriere à la Hollywood liegen könnte. Dieser versteckte Vorwurf an seiner Art zu spielen ist durchaus berechtigt. Nötig hat er dabei sein voreiliges „Zu-Boden-Gehen“ nicht. Abstellen wird er dieses Verhalten dennoch nicht mehr und irgendwo ist das auch gut so. Danke CR7, dass du den Fußball mit all deinen Facetten bereicherst! Man muss ihn nicht mögen, um über ihn zu sprechen.


