Racing
El Gráfico n° 2592 (Commons Wikimedia)

Racing Club: El Equipo de José (1965-1967)

“Y ya lo ve, y ya lo ve, es el equipo de José” hallte es damals durch das El Cilindro, dem Stadion von Racing Club aus Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires. Damit war die Mannschaft des Trainers Juan José Pizzuti gemeint, der Racing zu der ersten argentinischen Mannschaft formte, die den Weltpokal gewinnen konnte.

Wenn der Name eines Trainers in einem Fangesang vorkommt muss sich etwas Außergewöhnliches dahinter verbergen, so war es auch bei dem Racing von José. Er verpasste der Mannschaft einen Spielstil, der heute als Vorläufer des holländischen totalen Fußballs beschrieben wird, und sich damit vom damaligen, rustikal-defensiv geprägten Fußball abhob. Da die Spielweise nicht nur besonders attraktiv, sondern auch noch erfolgreich war, sangen die Fans voller Stolz auf das Spiel ihres Teams „Seht nur her, seht nur her, es ist die Mannschaft von José“.

1965 Pizzuti übernimmt auf letzter Position

José Pizzuti, der als Spieler mit Racing 1958 und 1961 Meister wurde, übernahm La Academia in einer sehr schwierigen Situation. Man stand auf dem letzten Platz und konnte die Gehälter der Spieler nicht bezahlen. An seinem Antrittstag sagte er nur nüchtern, dass er keine Wunder vollbringen könnte, aber versprechen würde hart zu arbeiten. Nach Aufforderung des neuen Trainers bezahlte der Verein dann seine Schulden bei den Spielern, teilweise mit Münzen, und José nahm die Arbeit auf. Und wie, mit ihm verlor man nur noch ein Spiel bis zum Saisonende, was ein Vorgeschmack darauf war, was im nächsten Jahr folgen sollte.

1966 Meisterschaft mit Punkterekord – Die (fast) Unbesiegbaren

Den 15 ungeschlagenen Spielen aus der Vorsaison konnte man noch einmal 14 hinzufügen, sodass man vom Start weg die Liga dominierte, und den Titel zwölf Spieltage vor Saisonende schon sicher hatte. Racing stellte einen Punkterekord (61) auf, sowie den besten Angriff (70 Tore) und die beste Abwehr (24 Gegentore). Der Serie von 39 Spielen ohne Niederlage – die erst 1999 von Boca übertroffen wurde – setzte River Plate ein Ende. Es blieb jedoch die einzige Saisonniederlage. Trotz der ersten Niederlage nach langer Zeit war man nicht übermäßig wütend, stattdessen lud das Racing-Team den Gegner, trotz aller Rivalität, als Anerkennung für dessen Leistung zum Grillen ein.

Während dieser Spielzeit impfte Pizutti seiner Mannschaft seinen offensiven und schön anzusehenden, totalen Fußball ein. Ihn muss man sich wohl als eine Mischung aus Alex Ferguson und Felix Magath vorstellen. Er war ein harter Hund und ein Disziplinfanatiker. Der Spieler Roberto Perfumo sagte, „er grüßte uns nicht, er kläffte uns an, und er heuerte Privatdetektive an um die Spieler zu überwachen“. Zudem soll er während einem Spiel dem Teamarzt zugerufen haben ein paar Mal gegen die Nieren des Spielers zu treten, damit er wieder laufen könne. Die Mannschaft war körperlich topfit, da sie eine der Ersten war, die auch zweimal am Tag trainierte, und entschied viele Spiele in der 2. Halbzeit. Die gute Fitness war unausweichlich für die Spielweise, die durch das konstant hohe Pressing und die vielen Positionswechsel, sehr laufintensiv war. Der von José indoktrinierte Wille erledigte dann den Rest: „Er schickte uns nicht auf den Platz um zu sehen was möglich war, er schickte uns raus um zu gewinnen“.

Copa Libertadores 1967 und der Geist von Medellín

Als Meister hatte man sich für die Copa Libertadores qualifiziert, ein Wettbewerb der früher in erster Linie Reisestrapazen und rustikale Spiele bedeutete. Aus der heimische Liga war man zwar schon Härte gewöhnt, doch in den internationalen Spielen wurde noch deutlich mehr ausgeteilt. Um dort erfolgreich zu sein benötigte man in erster Linie ein gutes paar Eier. Der Racing-Spieler Perfumo sagte über die Begegnungen: „Die Spiele dauerten drei Minuten. Der Rest waren Tritte, Proteste und Schubsereien“. Bis zum Finale musste Racing insgesamt 17 dieser Abnutzungskämpfe bestreiten.

Im Verlauf der Gruppenphase kam es auf dem Rückflug von dem Spiel in Medellín, das man 2:0 gewann, zu einem dramatischen Ereignis. Als die Mannschaft am Flughafen in Medellín Fotos am Denkmal des berühmten Tango-Sängers und Racing-Mitglieds, Carlos Gardel, machte – der 1935 am Flughafen in Medellín, beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge starb – konnte sich noch keiner vorstellen, was noch kommen sollte. Da der Linienflug ausfiel, wurde die Delegation auf zwei kleine Propellermaschinen mit je 30 Plätzen aufgeteilt, und während dem Flug über die Anden kam es fast zur Katastrophe. Eine Maschine flog durch ein Luftloch und befand sich 20 Sekunden im freien Fall, bis sich das Flugzeug wieder stabilisierte. Diese Phänomene sind nichts Ungewöhnliches in dieser Region, doch auch der Pilot sagte hinterher, dass dies ein besonders großes Luftloch war. Vor allem bei kleinen Maschinen besteht bei solchen Stürzen die Gefahr, dass die Tragflächen abbrechen. Doch die Gruppe kam mit dem Schrecken davon. Als man wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bestellte Pizzuti im Flughafenrestaurant Whisky für alle und schwor die Truppe darauf ein, dass man, nachdem man diese Hölle überstanden hatte, auch die Copa Libertadores und den Weltpokal holen würde.

Das Halbfinale bestand aus zwei Gruppen mit je vier Teams. Racing beendete seine Gruppe punktgleich mit Universitario de Lima an der Spitze, und beide mussten noch ein Entscheidungsspiel um die Finalteilnahme spielen, das Racing gewann. Auch im Finale gegen Nacional de Montevideo musste ein Entscheidungsspiel her, nachdem die vorherigen zwei Finalspiele auf eigenen Plätzen jeweils 0:0 ausgingen. Im 20. Spiel des Wettbewerbs in Santiago de Chile – das alles, nur kein Spiel war – schlug Racing dann die Uruguayer, durch Tore von Cardozo und Raffo, mit 2:1 und setzte sich die südamerikanische Krone auf.

5. November 1967 – Weltpokalsieger in der „Schlacht von Montevideo“

Im Finale des Weltpokals traf Racing auf Celtic Glasgow, die den Europapokal der Landesmeister im Finale gegen Inter Mailand gewonnen hatten. Das man sich damals noch in einer anderen Fußballepoche befand und der Weltpokal zur Hälfte ein großes Abenteuer war, verdeutlichen sowohl eine Aussage von Pizzuti, nach der er nicht einmal die Trikotfarben von Celtic kannte und die Tatsache, dass die ganze Celtic-Mannschaft aus einem 25 Meilen Radius um Glasgow herum stammte. Das Hinspiel vor über 100.000 Zuschauern im Hampden Park ging mit 1:0 an die Schotten. Billy McNeill erzielte nach einer Ecke das Tor des Tages.

Das Rückspiel vor 90.000 Zuschauern im Cilindro gewann Racing nach Rückstand mit 2:1. Dabei wurde der Celtic-Torwart Simpson vor dem Anpfiff von einem Wurfgeschoss getroffen und konnte nicht auflaufen. Die Schotten kritisierten hinterher die feindliche Atmosphäre auf den Rängen, „man wollte Blut sehen“, die dreckige Spielweise Racings, und den schwachen Schiedsrichter. Nach dem Spiel wurde ihr Mannschaftsbus bedrängt und ein Spieler soll gerufen haben, „um Himmels Willen, gebt ihnen doch den Titel“.

Da es noch keine Auswärtstorregel gab, musste also wieder ein Entscheidungsspiel her. Am 5. November 1967, drei Tage nach dem Spiel im Cilindro, holte Racing in der sogenannten „Schlacht von Montevideo“ als erste argentinische Mannschaft den Weltpokal. Schlacht deshalb, da Celtic das Spiel mit acht Spielern beendete und Racing mit neun. Das geschichtsträchtige 1:0 Siegtor erzielte „El Chango“ Cárdenas mit einem schönen Distanzschuss. Doch mit Fußball hatte das Geschehen auf dem Platz nicht viel zu tun, in der offiziellen Statistik werde 51 Fouls geführt, doch in Wirklichkeit waren es viel mehr. Der paraguayische Schiedsrichter hatte das Spiel zu keiner Zeit unter Kontrolle. Die L’Équipe beschrieb das Geschehen auf dem Platz als „trauriges, erbärmliches Spektakel“, und notierte, dass „die Argentinier mit den Feindseligkeiten begonnen hatten, aber Celtic jede Möglichkeit genutzt hatte, um sich zu revanchieren“.

Während jeder Celtic-Spieler zu Hause wegen schlechten Benehmen 250 Pfund Strafe (bei 30 Pfund Wochenlohn) zahlen mussten, erhielten alle Racing Spieler 2000 Pfund sowie ein neues Auto, wurden im ganzen Land bejubelt und gingen als Equipo de José in die Geschichte ein.

Racing-Aufstellung im Finale:

Augustín Cejas – Roberto “El Mariscal“ Perfumo, João Cardoso, Oscar Martín, Alfio “Coco” Basile – Nelson “El Buche” Chabay, Norberto “Toro” Raffo, Juan Carlos Rulli – Juan “El Chango” Cárdenas, José “Yaya” Rodríguez