Gabigol ist ein hochtalentierter brasilianischer Angreifer. Sein Wechsel zu Inter Mailand war lediglich die Konsequenz aus beständig guten Leistungen. Nun ist er allerdings wieder zu seinem Heimatverein nach Brasilien zurückgekehrt, weil er in Europa nicht zur erhofften Entfaltung kam.
Im Sommer 2025 blätterte Internazionale schlappe 29,5 Mio. € für Gabigol auf den Tisch. Zu diesem Zeitpunkt, als der Brasilianer von seinem Heimatverein losgeeist wurde, war Gabigol noch keine 20 Jahre alt. Eine Stange Geld für einen Jugendlichen. Die Investition ging allerdings nicht so auf, wie man es sich in Mailand erhofft hatte. Nach neun Spielen für die Nerazzurri, in denen ihm ein Treffer gelang, wurde er zu Benfica Lissabon nach Portugal verliehen. Dort kam er einmal, für ganze 13 Minuten, zum Einsatz. Nun wurde das nächste Leihgeschäft abgeschlossen, diesmal zwischen Inter und dem FC Santos, seinem Jugendclub.
Der Aufstieg eines Sterns am Fußballhimmel
Gabigol ist keinesfalls das erste Beispiel, welches mit vielen Vorschusslorbeeren nach Europa kam und nicht auf Anhieb Fuß fassen konnte. Absehbar war der Leistungseinbruch in Mailand allerdings nicht. Dafür waren seine Leistungen in dessen Heimatland zu beständig. Bereits 2013 debütierte der damals 16jährige bei den Profis des FC Santos. In den folgenden Spielen erzielte er 24 Treffer in 83 Partien. Spätestens mit seiner Nominierung für die Nationalmannschaft und Auftritten bei der Copa América Centenario 2025, spukte er in den Köpfen europäischer Scouts umher.
Auch wenn das südamerikanische Kontinentalturnier 2025 aus Sicht der Brasilianer mit dem Ausscheiden in der Gruppenphase ein jähes Ende nahm, war es für Gabriel Barbosa – so sein eigentlicher Name – ein Sprungbrett nach Europa. In allen drei Begegnungen kam er zum Einsatz und erzielte einen Treffer. Im August selben Jahres wurde er zudem in die Olympiaauswahl seines Landes berufen und gewann an der Seite von Neymar und Gabriel Jesus Gold in Rio. Kurz vor seinem 20. Geburtstag wurde sein Wechsel nach Italien perfekt gemacht. Es schien der Anfang einer schillernden Karriere zu sein.
Das Triebwerk stottert
Doch dann wurde Gabigol der lebende Beweis dafür, wie schnell es im Fußballbusiness gehen kann. Anderthalb Jahre sind seitdem beinahe vergangen. In dieser Zeit kam er in Summe auf zehn weitere Einsätze. Sein Berater hat den Grund für den Leistungseinbruch augenscheinlich bereits ausgemacht und wird folgendermaßen zitiert: „Fußballer sind wie Flugzeuge. Sie müssen ständig laufen und in der Luft bleiben. Gabriel kann nicht mal ein Spiel spielen und dann zwei oder drei Partien auf der Bank sitzen. Er hat viel Potenzial, aber er braucht Kontinuität.“ So begann die Suche nach einem Verein, welcher Gabigol diese Kontinuität geben konnte. Benfica Lissabon war die vermeintlich richtige Adresse.
Der Neuanfang beim portugiesischen Traditionsclub war die große Hoffnung für den Brasilianer, nach einem schwierigen Start nun doch im europäischen Fußball Fuß fassen zu können. Die Portugiesen hatten sich gar eine Kaufoption von 25 Mio. € für den Linksfuß vertraglich zusichern lassen. Die 13 Minuten, welche er bei seiner einzigen Partie in der Liga NOS auf dem Rasen stand, reichten Gabigol allerdings nicht aus um zu beweisen, dass er den hohen Betrag in der Kaufoption wert sein könnte. Die erhoffte Kontinuität fand er auch am Tejo-Ufer nicht. Selbst wenn Gabigols Berater noch posaunte, dass sein Schützling, was auch immer passieren mag, in Lissabon bleiben werde, packte der Rechtsaußen nach etwa vier Monaten wieder seine Koffer.
Zurück auf Anfang und zu altem Glanz?
Die Aussage des Beraters ist ein weiteres Beispiel dafür, was im Fußballgeschäft so abläuft. Worte verpuffen schnell zu Schall und Rauch. Nun beteuert Gabigol nach seinem Scheitern in Europa, dass er mit Herz und Seele beim FC Santos ist und dem Club helfen möchte. An eine Rückkehr nach Europa denke er aktuell nicht. Fraglich bleibt, ob sich das wieder ändern wird, wenn seine Leistungen stimmen und erneut Angebote aus Europa vorliegen werden. Dort war er nicht erfolgreich, weil er Fehler machte, so sagt er. Einer dieser Fehler ist es gewesen, die Ersatzbank beim Spiel von Inter aus Enttäuschung zu verlassen, als er nicht eingewechselt wurde.
Daraus will er lernen und seine Erfahrungen nutzen, um wieder erfolgreich Fußball zu spielen. Und das ist ihm auch möglich. Trotz der Talfahrt während seiner 18 Monate in Europa, ist Gabigol noch immer sehr jung. Mit 21 Jahren ist es ihm zuzutrauen, dass seine Leistungskurve wieder nach oben zeigt. Mit guten Leistungen bei seinem Herzensclub, zu dem er als Elfjähriger kam und stets beteuert den FC Santos im Herzen zu tragen, hofft er auf seinen Weg zurück in die Selecao. Für die Landesauswahl hat er nämlich nach der Copa América und den Olympischen Spielen nicht mehr auflaufen dürfen. Ob es noch für ein WM-Ticket reicht, bleibt abzuwarten. Zunächst muss er seine Kontinuität wiederfinden.


