Kudelka
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Frank Darío Kudelka – “La solución”

Der ehemalige Trainer von CA Talleres, Darío Kudielka, hat wie erwartet das Traineramt bei Club Universidad de Chile übernommen. Der Erfolgscoach, der den Traditionsverein aus Córdoba von der 3. Liga in die Copa Libertadores zurückführte, wurde vor vier Tagen offiziell bei La U vorgestellt.

Der Wechsel des 57-jährigen Kudelka nach Chile wurde vor vier Tagen bestätigt, und war von allen erwartet worden. Kudelka war am 18. Mai, nach Saisonende, mit Einverständnis von Talleres zurückgetreten, und wird in der chilenischen Hauptstadt die Nachfolge seines Landsmanns Ángel Guillermo Hoyos übernehmen. Offiziell wird der Mann mit tschechoslowakischen Wurzeln das Team ab dem 10. Juni, dem Pokalspiel gegen Deportes La Serena, betreuen.

Von der Federal A bis in die Copa Libertadores

Der Mann, der genauso wie der argentinische National- und Ex-Universidad de Chile-Coach Jorge Sampaoli selber nie Profi war, hat sich spätestens seit er Talleres vor drei Jahren übernahm zu einem ausgezeichneten Trainer mit einem großen Taktikverständnis entwickelt. Sein eigener Profitraum wurde einst vom Einberufungsbescheid zum Wehrdienst zerstört, der nur wenige Tage nach einer Einladung zum Probetraining von Rosario Central B bei ihm im Briefkasten lag. Gezwungenermaßen musste er den Canallas absagen, schwor sich aber selbst eines Tages in einem Stadion zu stehen. Nach dem Wehrdienst studierte Kudelka dann Physiotherpaie und arbeitete viele Jahre als Trainer in unteren Ligen (u.a. Huracán, Santa Fe). Bei seiner Vorstellung bei Talleres versprach der studierte Physiotherapeut, keinen Aufstieg, sondern nur harte Arbeit. Gleichwohl stieg er mit La T in seiner ersten Saison mit nur einer Niederlage (19 Siege, 11 Unentschieden, 1 Niederlage) von der 3. Liga in die Nacional B auf. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Durchmarsch in die Primera División

Sogar noch eindrucksvoller wie der Aufstieg in die 2. Liga, gelang dem Verein aus Córdoba der Aufstieg in die 1. Liga. In jener Saison blieb man bei 14 Siegen und 7 Unentschieden sogar ganz ohne Saisonniederlage, und schrieb damit argentinische 2.Liga-Geschichte, da dies zuvor noch keinem Team gelungen war. In die Vereinsgeschichte ging vor allem das Spiel vom 19. Spieltag gegen All Boys ein, in dem die Rückkehr nach zwölf Jahren Abwesenheit in die 1.Liga klargemacht wurde. Da Verfolger Chacarita gegen Independiente Mendoza schon früh hoch führte, musste die Kudelka-Elf ihr Spiel gewinnen, um vorzeitig aufzusteigen. Allerdings sollte sich dies als schwieriges Unterfangen herausstellen, da Rodrigo Burgos in der 41. Minute die gelb-roten Karte sah, und All Boys in der 82. Minute durch Lessmann mit 1:0 in Führung ging. Aber nur eine Minute später gelang Klusener der Ausgleich, und angetrieben von Kudelka und den Einwechselspielern erzielte Pablo Guiñazú mit einem Traumtor aus 17 Metern in den Winkel in der 95. Minute das umjubelte 2:1 für das in Unterzahl spielende Talleres.

Die Erfolgsstory geht weiter

Die Euphorie nach dem Aufstieg in die Primera División löste im Stadtviertel Jardín (Garten) große Euphorie aus, und die Mitgliederzahl wuchs auf 50.000 an. In der ersten Erstligasaison unter der Regie von Kudelka spielte man eine sehr ausgeglichene Runde, und beendete sie mit 11 Siegen, 9 Unentschieden und 10 Niederlagen auf Platz 15.

In der Saison 2017/18 führte Kudelka Talleres auf den 5. Platz (12 Punkte hinter Meister Boca Juniors, die man sogar 2:1 schlug), und damit nach 13 Jahren zum ersten Mal wieder in die südamerikanische Königsklasse, die Copa Libertadores. Das 2:2 gegen Absteiger Olimpio am 12.5. sollte das letzte Spiel von Talleres mit Kudelka auf der Bank werden, bevor er am 18.5. unter Tränen seinen Rücktritt verkündete. Der Verein und die Fans waren jedoch keinesfalls enttäuscht oder wütend, sondern bedankten sich bei El Profe (Der Lehrer) mit Gesängen und der Verein mit einem emotionalen Video (s. oben).

Respekt erarbeitete sich Kudelka, der inzwischen den Spitznamen „La solución“ (Die Lösung) verpasst bekam, auch für ein Interview vor einem Derby gegen Belgrano. Auf die Frage eines Journalisten ob es um „töten oder sterben“ in dem Spiel gehe, antwortete er, dass es wichtigeres als Fußball gebe, und kritisierte stattdessen die sozialen Missstände im Land.

„Wissen sie wie viele Jungen zwischen 20 und 21 für ihre Familien sorgen müssen? Die kaum genug Essen und kein Haus haben. Und das heute bei diesen schwierigen Zeiten. Es gibt viele soziale Missstände in unserem Land, und niemand hilft ihnen. Man gibt ihnen nicht einmal die Chance zur Schule zu gehen, oder eröffnet ihnen andere Perspektiven.

 

Dabei ist dies dringend nötig, das ist das was eigentlich wichtig ist. Aber sicher kein Fußballspiel, bei dem sie Spaß haben sollen. Sicherlich müssen sie dabei auch schwierige Entscheidungen treffen, da sie die Farben tragen die tausende Talleres-Fans in ihrem Herzen tragen. Trotzdem haben wir immer versucht mit Ruhe, gewissenhafter Arbeit, und Verantwortung diesem Anspruch gerecht zu werden. Und in diesen Rahmen muss es bleiben, zumindest meiner Meinung nach

“Saben cuántos chicos de 20 ó 21 años tienen que mantener a su familia… No tienen para comer, no tienen casa. Hoy, en las condiciones… Y de hace bastante tiempo en las condiciones sociales y demás que tenemos en nuestro país, nadie los ayuda, no se la dan. No les dan educación. No les dan posiblidades…

 

eso es una necesidad, eso es un punto extremo. No un partido de fútbol, en el cual trato de que disfruten y en el cual seguramente (los jugadores) tienen que tomar decisiones muy importantes porque no cabe duda de que están llevando esa bandera que miles de hinchas de Talleres tienen en el corazón. Pero desde la tranquilidad, desde la responsabilidad y desde la exigencia máxima, siempre hemos tratado de darle. No pasa por ese contexto, por lo menos para mí”