Diego Forlán
Flickr / Jimmy Baikovicius

Diego Forlán – Der Wanderarbeiter auf Station in Indien

Er hat eine Karriere in acht Ländern und in den größten Klubs der Welt hinter sich. Doch auch 20 Jahre Leistungssport haben ihm nicht den Elan genommen weiterzuspielen – und das in exotischen Fußball Nationen. Das ist die aufregende Geschichte eines modernen Wanderarbeiters: Diego Forlán.

Diego Forlán Corazzo, heute 37 Jahre alt, begann seine Profikarriere in Argentinien im Alter von 18 Jahren. Er hatte große Fußstapfen zu füllen: sein Vater Pablo Forlán und sein Großvater Juan Carlos Corazzo hatten beide die Copa América mit Uruguay gewonnen.

Fußball war folglich großes Thema in der Familie und Diego zeigte Talent. Doch statt erfolgreich Fußball zu spielen wählte Diego in seiner Jugend zeitweise Tennis als Hauptsportart und betrieb diese erfolgreich. Waren die Fußstapfen vielleicht einfach zu groß? Ein wenig Überzeugungsarbeit und ein Schicksalsschlag in der Familie waren nötig, um dann doch den lukrativeren Fußballsport der Karriere als Tennisprofi vorzuziehen.

Holpriger Karrierebeginn

Doch die Karriere begann holprig. 1995 scheiterte ein erster Versuch in Europa Fuß zu fassen. Er konnte sich beim FC Nancy nicht für einen Vertrag empfehlen. In Argentinien debütierte er schließlich und zog die folgenden vier Jahren mehr und mehr die Aufmerksamkeit europäischer Scoutingabteilungen auf sich. Vergleichsweise spät, verglichen mit den Neymars der heutigen Zeit. Im Jahr 2002 gelang dann endlich der Sprung, und es war kein kleiner. Manchester United profitierte von Zahlungsschwierigkeiten des Premier League Clubs Middlesbrough, die die Transfersumme (11 Mio Euro laut TM.de) nicht in einem Stück aufbringen konnte. Diego Forlán wechselte zu Manchester United.

 Diego Forlán im Trikot von Manchester United

Die Zeit bei Manchester sollte nicht seine glücklichste werden. In zwei Jahren erzielte er in 63 Spielen 10 Toren. Zu wenig für einen Topverein. Die Fans mochten ihn trotzdem, wegen seines Kampfgeistes, der Laufbereitschaft und vor allem wegen zweier Tore, die Liverpool besiegten.

Blütezeit beim FC Villarreal – Wechsel zu Atlético Madrid

 Forlán schaffte seinen Durchbruch beim FC Villarreal

Forláns Blütezeit sollte jedoch erst nach einem Wechsel auf der Iberischen Halbinsel beginnen, bei Villarreal, wo er in den folgenden drei Jahren 54 Tore schoss. In der Saison 2004/05 gelangen ihm schließlich 25 Tore, genug um Torschützenkönig der Primera División zu werden und sich den goldenen Schuh mit Thierry Henry zu teilen. Sein Club qualifizierte sich in diesem Jahr erstmal für die Champions League, Forlán war ein entscheidender Baustein der Mannschaft. Die Leistungen dieser kometenhaften Saison konnte er in den nächsten zwei Jahren allerdings nicht vollends bestätigen, blieb jedoch ein gefährlicher Stürmer.

 Diego Forlán bildete zusammen mit Kun Agüero ein Traumduo bei Atlético Madrid

Im Sommer 2007 verließ Fernando Torres seinen Club Atlético Madrid, zu dem er später zurückkehren sollten. Diego Forlán ersetzte ihn damals im Tausch mit Luis Perera und 21 Mio. Euro – es sollte ein erfolgreicher Tausch werden. Diego Forlán harmonierte gut mit seine Sturmpartner Sergio Agüero und erzielte in seiner Debütsaison 23 Saisontore. In diese Zeit fällt auch sein größter persönlicher Erfolg mit der Nationalmannschaft: 2010 gewann er den Goldenen Ball des Torschützenkönigs der WM in Südafrika, Uruguay wurde Vierter. 2011, nach vier erfolgreichen Jahren bei Atlético zog es Forlán weiter nach Italien zu Inter Mailand.

Doch schon nach einem Jahr war dort Schluss. Rückblickend sagt Forlán: “…some (stations of my career) worked out better than others and I would have rather played more games and scored more goals at Manchester United or Inter Milan, but I look back at my career with pride”.

Diego Forlán wird zum Weltenbummler

Was nach Karriereende klingt, bedeutet seinen Fortgang als Weltenbummler, jedoch in exotischere Fußballnationen als England und Spanien: Forlán unterschrieb einen Vertrag bei Internacional in Brasilien. Es folgten Japan und sein Heimatverein in Uruguay bis Forlán 2025 überraschend bekannt gab nach Indien, zum Mumbai City FC, zu wechseln.

 Der Weltenbummler macht gerade Station in Mumbai

In Indien, einem Land mit 1,25 Milliarden Menschen, ist das Cricket der Sport Nr. 1. Doch 2014 gründete sich eine neue Fußballiga. Die Indian Soccer League (ISL) spielt heute eine 3-monatige Saison mit acht Teams. Hinter der Liga steht IMG, einer der weltweit größten Sportvermarkter und Sportrechtehändler. Das riesige Potenzial, das Fußball in Indien hat, lockt großen Sponsoren (DHL, Samsung, Amazon) und Sportartikelhersteller in die Liga. Forlán hebt dieses Potenzial hervor: “Über eine Milliarde Menschen leben in Indien, das Potenzial ist riesig. Die Ligaorganisatoren wollen die Standards heben, da Indien bisher nicht so gut im Fußball ist.”

Jede Saison verpflichten die Vereine sogenannte Altstars. Seit 2014 spielten frühere Stars wie Nicolas Anelka, Roberto Carlos, Adrian Mutu, Florent Malouda, Helder Postiga und John Arne Riise in der ISL, der Italiener Zambrotta agiert seit 2015 als Teamchef des Dynamos Delhi FC.

In einer Kolumne (http://www.thenational.ae/authors/diego-forlan) beschreibt Forlán seine Zeit in Indien: “If any former professional footballer thinks it is easy to come and play in the Indian Super League, let me tell you from experience that it is not.”

Indien hat seinen Reiz

Die weiten Wege in Indien, das heiße und feuchte Klima genauso wie der enge Spielplan würden Indien zu allem anderen als einem entspannten Karriereausklang machen. Doch trotzdem empfiehlt Forlán den Schritt. Indien sei kulturell unglaublich spannend, seine Familie sei gut angekommen, die Menschen seien hilfsbereit und das Fitnesslevel der Spieler unglaublich hoch. Außerdem hebt Forlán das hohe Niveau der Ligaorganisation und die amerikanische TV Präsentation des Sports hervor.

Die Saison in Indien neigt sich nun dem Ende zu, es steht nur noch die Finalrunde aus. Forlán erzielte bisher in 13 Spielen 5 Tore und sammelte 3 Assists. Doch wie geht es nach der Saison für ihn weiter? Vor der Saison gab Forlán bekannt, dass er nicht vorhabe nach Ende der ISL Saison aufzuhören. Ganz im Gegenteil: Er wolle Legenden wie Ryan Giggs nachfolgen, die erst im Alter von 40 Jahren ihre Karriere beendeten. Wörtlich: “Then, when I finish, I will be as fit as I can be, going into the transfer window for my next move”. Zé Roberto zeigte gerade, dass das möglich ist.

Doch egal welches neue Reiseziel sich der Wanderarbeiter auch aussucht, die großen Fußstapfen seiner Vorfahren hat Diego Forlán längst ausgefüllt. 2011 gewann er mit Uruguay die Copa América, genau wie sein Vater und sein Großvater, 52 Jahre vor ihm.