Der argentinische Fußballverband (AFA) hat die Strafe für Pereira nach den Vorfällen im „Clásico de la Plata“ zwischen Gimnasia und Estudiantens ausgesprochen. Juan Sebástian Verón fordert ein Umdenken in der Gesellschaft.
Der argentinische Fußball gibt im Moment ein beschämendes Bild ab. Erst die Vorkommnisse im „Superclásico“ zwischen River Plate und Boca Juniors, danach die Massenschlägerei im „Clásico de la Plata“. Der argentinische Fußballverband hat nun die Strafen für die Spieler ausgesprochen.
Pereira wird erst im April für den FC Getafe spielen können
Besonders bitter ist die Strafe für Álvaro Pereira, der für acht Spiele gesperrt wurde. Der uruguayische Linksverteidiger ist nämlich am letzten Tag der Transferperiode auf Leihbasis zum FC Getafe nach Spanien gewechselt. Blöd nur, dass die Sperre wettbewerbsübergreifend und auf der ganzen Welt gibt. Damit wird Pereira seinem neuen Team erstmals am 3. April beim Auswärtsspiel gegen Rayo Vallecano zur Verfügung stehen. Das ist sowohl für den Spieler als auch für den Verein ein harter Schlag. Getafe hat im Moment mit Roberto Lago nur einen Linksverteidiger im Kader. Und der ist darüberhinaus auch noch verletzt.
Insgesamt wurden drei Spieler für acht Spiele gesperrt
Insgesamt wurden 15 an der Massenschlägerei Beteiligte bestraft. Neben Pereira wurde noch Torwart Mariano Andújar auf Seiten von Estudiantes und Nicolás Mazzola von Gimnasia für auch jeweils acht Spiele aus dem Verkehr gezogen. Die Strafen für die weiteren Spieler variieren zwischen einem und fünf Spielen. Die genaue Auflistung liefert der argentinische Fußballverband auf seiner Homepage.
„Im Fußball geht es hier um Leben und Tod“
Juan Sebastián Verón, Präsident von Estudiantes de la Plata, hat sein Team unabhängig von der Strafe des argentinischen Fußballverbandes bereits mit einer Geldstrafe und sozialer Arbeit abgestraft. La Brujita (auf deutsche: Das Hexchen), wie Veróns Spitzname ist, ist in Argentinien eine Legende und spielte in Europa für die Creme de la creme der Fußballklubs wie Manchester United, Chelsea und Inter Mailand und kündigt drastische Maßnahmen an: „Hier ist verlieren verboten. Es scheint so, als ob es im Fußball um Leben und Tod geht, und das macht die Leute verrückt. Das ist nicht die sogenannte argentinische Leidenschaft, das ist etwas anderes, etwas irrationales, was nicht gut ist. Wir sagen es jeden Tag zu den Spielern und wir werden auch drastische Mittel ergreifen. Sie wissen, dass, das, was sie getan haben, nicht in Ordnung ist.“
Mangelnde Bildung als Ursache für die Gewalt im Land und beim Fußball
Das ganze scheint auch ein gesellschaftliches Problem zu sein. Im argentinische Fußball gibt es viel Gewalt, genauso wie in vielen Problemvierteln in den großen Städten, aus denen auch viele der Spieler kommen. Eine der ersten Maßnahmen war es, dass Auswärtsfans mittlerweile von den Spielen ausgeschlossen wurden. Damit hat sich der argentinische Fußball aus Sicherheitszwecken seiner atemberaubenden Atmosphäre in den Stadien beraubt. Das allgemeine Bildungsniveau im Land muss erhöht werden, genauso wie die Spieler sich ihrer Vorbildfunktion im klaren sein müssen, wie auch Verón erklärt: „In Argentinien gibt es eine hohe Gewaltbereitschaft. Die Bildung ist elementar wichtig. Wenn die jungen Kinder hier bei uns in den Klub kommen, versuchen sie auf den richtigen Weg zu bringen. Deshalb habe ich auch den Spielern gesagt, dass sie Vorbilder sind und aufpassen müssen, was sie tun, weil ihnen viele Kinder zuschauen. Was am Sonntag passiert ist, hilft uns überhaupt nicht. Es scheint so, als ob das wichtigste das Gewinnen ist, aber so ist es nicht, gewinnen ist nicht alles. Wir müssen hier den Druck rausnehmen!“
Den Barras Bravas soll die Macht genommen werden
Die neue argentinische Regierung unter dem Ex-Präsidenten der Boca Juniors, Mauricio Macri, hat bereits Pläne, um die Gewalt einzudämmen, die den argentinischen Fußball in diesen Tagen bestimmt. Das Ziel ist es hier in die Normalität zurückzukehren und, dass die Auswärtsfans wieder in die Stadien dürfen. Ein Regierungssprecher erklärt den Plan: „Die Sicherheitskosten für die Fußballspiele wird ab jetzt die Regierung zahlen und damit auch entscheiden, wer ins Stadion darf und wer nicht. Für die Vereine ist es schwierig, den Barras Bravas den Eintritt ins Stadion zu verbieten, weil diese viel Macht haben und Druck ausüben. Jetzt übernimmt die Polizei die Einlasskontrolle. So können sich die Klubs von den Barra Bravas unabhängig machen.“ Den Barras Bravas die Macht zu nehmen könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, um den argentinischen Fußball wieder in besser, friedlichere Zeiten zu führen.
