Driussi
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Sebastián Driussi – Wie Phoenix aus der Asche

Als der Club Atlético River Plate zum Start der Saison 2025/2017 zur Vorbereitung ansetzte, war der 21-jährige Sebastián Driussi nur absoluten Kennern der argentinischen Szene ein Begriff. Während das kongeniale Duo um Lucas Alario und Rodrigo Mora über Jahre hinweg landesweit für Furore sorgte, blieb für den gebürtigen Hauptstädter dahinter nur die Zuschauerrolle. Doch die abgelaufene Saison sollte ihm zum Durchbruch verhelfen, und schließlich in einen kostspieligen Transfer zum russischen Topklub Zenit Sankt Petersburg münden.

Erste Ausrufezeichen

Driussis Talent blieb nicht lange unentdeckt. Bereits mit neun Jahren wurde er Teil der Jugendakademie von River Plate, und mit elf überwies der Verein seinen Eltern 40.000 Dollar, um ihn langfristig zu binden. Für internationales Aufsehen sorgte Driussi erstmals bei der U-17 WM, als er gegen Uruguay phänomenal per Fallrückzieher traf. Jene Szene soll schon zum damaligen Zeitpunkt etliche Scouts auf den Plan gerufen haben. Doch “La Joya” (deutsch: das Juwel) behielt kühlen Kopf und entschied sich für einen Verbleib mit der Aussicht sich zeitnah bei den Profis durchzubeißen.

Stagnation statt Fortschritt

Die Anfangszeit im argentinischen Oberhaus verlief zunächst schleppend. Zwar kam Driussi zu Beginn der Spielzeit 2014/2015 noch regelmäßig auf Einsatzzeiten, hinterließ aber auf dem linken Flügel keinen bleibenden Eindruck. Die Fachpresse kritisierte ihn damals als zu egoistisch, zu verspielt und unterstellte ihm zudem erhebliche Schwächen in der Entscheidungsfindung, sodass er 2015/2025 mehrheitlich ein Reservistendasein fristete. Obwohl die “Millonarios ” in jenem Jahr sensationnell die Copa Libertadores gewannen, trug Driussi dazu nur einen geringen Anteil bei. In der darauffolgenden Transferperiode stand deshalb eine Leihe zu Vélez Sársfield im Raum, diese scheiterte jedoch in letzter Sekunde am Veto des Spielers, der nach wie vor vom Wunsch besessen war, sich im südamerikanischen Starensemble neben Lucas Alario und Gonzalo Martinez durchzusetzen.

Wendepunkt im Fall Driussi

Zur Vorbereitung  der abgelaufenen Saison ging sein Trainer Marcel Gallardo das Risiko ein, Driussi ab sofort im Sturmzentrum neben Alario aufzubieten, wo er den Vorzug vor Rodrigo Mora erhielt, der aufgrund diverser Verletzungen kontinuierlich abgebaut hatte. Mit Erfolg. Driussi kam die neue Rolle weitaus mehr entgegen. Allerdings agierte er im System von ”El Muñeco” (auf deutsch “die Puppe”, angelehnt an Gallardos schmächtiges Erscheinungsbild) nicht als klassischer Neuner, sondern interpretierte seine Rolle eher hängend mit großem Aktionsradius hinter dem wuchtigen Alario. Innerhalb kürzester Zeit avancierte der kleingewachsene Stürmer zu einem absoluten Leistungsträger. Selbst in der für River insgesamt wenig zufriedenstellenden Hinrunde kristallisierte er sich oftmals als Matchwinner heraus. Besonders in Erinnerung bleibt dabei seine individuelle Meisterleistung gegen Defensa y Justicia am vierten Spieltag, bei der er quasi im Alleingang seiner Mannschaft mit zwei Toren zum Punktgewinn verhalf. Driussi besticht vor allem durch sein Antizipationsvermögen und seine Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Am ehesten könnte man ihn deshalb mit Landsmann Sergio Agüero vergleichen. Seine Bilanz fällt herausragend aus: 17 Tore in 28 Spielen machten ihn zu einem der begehrtesten Spieler auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Den Zuschlag erhielt schlussendlich Zenit Sankt Petersburg, die sich bereit erklärten die festgeschriebene Ablöse in Höhe von 15 Millionen Euro zu zahlen.

Ausblick auf die Zukunft

Bei Zenit Sankt Petersburg, denen trotz großzügiger Investitionen nennenswerte Erfolge auf internationalen Parkett in den letzten Jahren verwehrt blieben, ist man vom argentinischen Neuzugang überzeugt. Der Verein ließ sich noch unlängst eine Ausstiegsklausel in Höhe von 80 Millionen in den Vertrag schreiben. Neben einer satten Lohnerhöhung bietet sich jetzt für Driussi die Möglichkeit sich in der Champions League auf der Weltbühne zu präsentieren, um so auch in den Fokus von Nationaltrainer Jorge Sampaoli zu gelangen.

In der “Albiceleste” sehen die Experten in Driussi das Potenzial, die Größen Higuain und Agüero in naher Zukunft abzulösen und Sinnbild einer neuen aufsteigenden Generation zu werden, die den WM-Titel 2018 in Russland anpeilt. Trotz Lob und Euphorie über seinen raketenhaften Aufstieg mehren sich auch immer häufiger kritische Stimmen in Argentinien. Der Großteil der Anhänger von River Plate zweifelt an der Attraktivität der russischen Liga, desweiteren hält sich die Anzahl südamerikanischer Talente, die in Russland tatsächlich ihre Karriere vorantreiben konnten, in überschaubaren Grenzen. Es bleibt also abzuwarten inwieweit Driussi sich in der als “Venedig des Nordens” verklärten Stadt an der Mündung der im Winter oft monatelang zugefrorenen Newa zurecht finden wird. Die Unterschiede zu seiner quirligen Heimatmetropole am Rio de la Plata könnten kaum größer sein.