Er gilt als eines der Toptalente Argentiniens und hat sich bei Estudiantes de la Plata mittlerweile zu einem unverzichtbaren Baustein entwickelt: Santiago Ascacíbar.
Für den gemeinen Fan von Estudiantes de La Plata war es ein unangenehmer Montagnachmittag. Nicht nur, dass die „Pincharratas“ ihr Heimspiel aufgrund eines Konzerts der Rolling Stones im 50 Kilometer entfernten Mini-Stadion von Sarandí austragen mussten. Auch die äußeren Bedingungen waren alles andere als angenehm. Für einen 8. Februar war es mit knapp 30 Grad gar nicht so warm, doch unglaublich schwül. Der Nieselregen, der kurz vor der Halbzeitpause einsetzte, brachte auch keine Abkühlung. Aber das schlimmste war das Ergebnis, um das sich vor allem für einen Fan von Estudiantes alles dreht. 0:1 gegen Lanús zum Saisonauftakt. Das goldene Tor (86. Minute) erzielte mit Román Martínez ausgerechnet ein Ex-Pincha.
Dass Santiago Ascacíbar an diesem Tag im Jahr 2016 sein Debüt gibt, geht fast unter. Der „Ruso“, dem bei seinem ersten Startelfauftritt noch 20 Tage zu seinem 19. Geburtstag fehlen, spielt eine unauffällige Partie. Neben dem ebenfalls unerfahrenen Julián Marchioni hinterlässt Ascacíbar im defensiven Mittelfeld den besseren Eindruck, zwei Minuten vor dem Pausentee kommt er gegen Pablo Mouche aber deutlich zu spät – die erste Gelbe Karte seiner Karriere.
Ascacíbar spielt sich in die Herzen der Fans
Nicht ein komplettes Jahr ist vergangen und Ascacíbar hat bereits neun Verwarnungen zu Buche stehen. Diese verteilen sich allerdings auf 2666 Spielminuten – 30 Mal stand der 1997 in La Plata geborene Mittelfeldmann im Jahr 2016 in der Startelf, nur einmal wurde er frühzeitig ausgewechselt. Schnell spielte sich „El Ruso“ in die Herzen der Fans und auf die Titelseiten der Sportblätter. Dass es bei Estudiantes vor allem im zweiten Semester gut lief, spielte Ascacíbar natürlich in die Karten, lag aber zu großem Teil an ihm selbst: Mit gerade mal 19 Jahren zog er auf der früher von Juan Sebastián Verón bewohnten Sechserposition die Fäden und wurde vom öffentlichen Fernsehen mehrere Mal zum Spieler des Spiels gewählt.
Ascacíbar überzeugt vor allem im defensiven Bereich. Dass Estudiantes im vergangenen Jahr (vom desaströsen Dezember mal abgesehen) in 26 Ligapartien nur 16 Gegentreffer kassiert hat, liegt unter anderem an der Kompromisslosigkeit des beinharten Abräumers. Seine Schnelligkeit und Passstärke machen ihn aber auch in der Spieleröffnung zu einer gefährlichen Waffe. Manchmal hat man das Gefühl, Ascacíbar befände sich zeitgleich im eigenen und im gegnerischen Strafraum.
Interesse aus Spanien an Ascacíbar
Wer in seinem ersten Profijahr so stark aufspielt, weckt natürlich das Interesse von europäischen Vereinen. Aus Spanien sollen unter anderem Real Sociedad und das von Diego Simeone (führte Estudiantes 2006 zum Meistertitel) trainierte Atlético Madríd angerufen haben. Auch Olympiakos Piräus hat Interesse bekundet. Doch Ascacíbar möchte noch mindestens ein halbes Jahr bei Estudiantes bleiben und mit seinem Herzensklub die Copa Libertadores spielen. Im Sommer 2017 wird der 19-Jährige, der in seiner Freizeit gerne mit seinem Vater angeln geht, den Verein wohl verlassen. Da der Stadionneubau in seine entscheidende Phase geht und der argentinische Fußball allgemein finanziell angeschlagen ist, könnte Estudiantes die Transfererlöse natürlich gut gebrauchen.
In der Tat hat sich Ascacíbar bereits ein anderes Trikot als das von Estudiantes de La Plata übergestreift, es war allerdings das hellblauweiße seiner Nation. Bei den Olympischen Spielen in Rio zeigte „El Ruso“ seine bislang schlechtesten Leistungen, beim unerwarteten Erstrundenaus (gegen Portugal, Honduras und Algerien) zählte er trotzdem noch zu den besten.
Noch in diesem Monat bekommt der Hoffnungsträger von Estudiantes seine nächste Chance. Wenn die argentinische U20 am 19.01. beim WM-Quali-Turnier in Ecuador gegen Peru debütiert, wird Ascacíbar die Mannschaft als Kapitän auf das Feld führen. Wer weiß, ob ihm diese Ehre nicht mal in der Herrenmannschaft der „Albiceleste“ zu Teil wird.


