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FC Barcelona: Mit neuem Personal zurück auf Europas Thron?

“Wir werden alles dafür tun, um die Champions League zu gewinnen.” Es war eine klare Ansage des neuen Kapitäns des FC Barcelona, Lionel Messi, im Rahmen der offiziellen Saisoneröffnung im Camp Nou, als gegen die Boca Juniors die traditionelle Joan Gamper Trophäe ausgespielt wurde. 3:0 hieß es am Ende standesgemäß, und natürlich knipste auch Messi persönlich.

Der Argentinier und sein Club haben ein schwieriges halbes Jahr hinter sich. Klar, die Liga war früh zugunsten der Blaugrana entschieden, den spanischen Pokal gab es nach einem klaren Sieg im Finale gegen Sevilla obendrein. Aber der Anspruch von Barcelona ist ein anderer. Zum dritten Mal in Folge hat ausgerechnet der große Rivale aus Madrid die Champions League gewonnen, und damit natürlich auch Messis persönlicher Konkurrent um den Titel des besten Spielers der Welt, Cristiano Ronaldo. Dass Barcelona dreimal in Folge am Bildschirm zuschauen musste, wie die Blancos den Königspokal feiern, war schlimm genug. Das blamable Ausscheiden gegen die AS Rom nach einem 4:1 im Hinspiel aber machte die vergangene Saison umso bitterer, trotz des Doubles. Im Frühsommer ging es für die Blaugrana mit einer weiteren bitteren Meldung weiter: Antoine Griezmann, dessen Ausstiegsklausel über 100 Millionen Euro man ziehen wollte, bleibt lieber Atlético treu. Die Entscheidung teilte er in einem kuriosen Video namens “La Decision” mit, das ausgerechnet von Gerard Piques Firma produziert worden war.

Bei der WM gab es für Messi wenig zu lachen. Gegen den späteren Champion Frankreich um Griezmann und Kylian Mbappé, einen weiteren möglichen Nachfolger als Gewinner des Ballon d’Or, war bereits im Achtelfinale Schluss.

Sinnvolle Transfers von Geschäftsführer Abidal

Doch hatte dieser Sommer für Barcelona auch ein paar gute Nachrichten parat: Mit dem Ex-Spieler Eric Abidal als neuem Geschäftsführer Sport scheint der Club vieles richtig gemacht zu haben. Denn mit Rechtsaußen Malcon, der der AS Rom vor der Nase weggeschnappt wurde, dem möglichen Xavi-Nachfolger Arthur, Clement Lenglet als Back-Up für Piqué und Umtiti in der Innenverteidigung und zuletzt Arturo Vidal als Ersatz für den nach einem Jahr nach China zurückgekehrten Paulinho haben die Blaugrana einen in der Breite deutlich stärkeren Kader als in der vergangenen Saison.Womöglich hat Griezmann dem Club mit seiner Absage sogar einen Gefallen getan, denn das Geld, das er gekostet hätte, wurde anderweitig sehr gut genutzt.

Die Abgänge von Lucas Digne, Marlon, Yerry Mina, Andrè Gomes (Leihe) und Paulinho verschlanken den Kader und spülen zudem Geld in die Kassen des hoch verschuldeten Clubs. So richtig schmerzt nur, dass Vereinslegende Iniesta jetzt in Japan die Fußballschuhe schnürt. Der 34-Jährige zeigte dort zuletzt bei zwei Traumtoren seine Klasse. Wer ihn aber beispielsweise im Rückspiel gegen Rom gesehen hat, versteht, wieso der Weltmeister es vorzieht, in Fernost gefeiert zu werden, als in Barcelona langsam aber sicher zum Edelreservisten zu werden. Iniesta hatte kaum mehr Kraft für 60 Minuten auf höchsten Niveau und gegen starke Gegner wurde die fehlende Spritzigkeit immer wieder deutlich.

Hoffnungen liegen auf Coutinho, Dembélé und Rafinha

Dafür gibt es drei weitere Personen, die im Vergleich zum Vorjahr Hoffnung machen: Coutinho, der bei der WM der beste Brasilianer war und nun auch in der Champions League ran darf. Ousmane Dembélé, der nach viel Verletzungspech diesmal von Beginn an richtig durchstarten will, und zuletzt ein gewisser Rafael Alcantara, besser bekannt als Rafinha. Eigentlich stand er schon im Schaufenster mit einem Preisschild um den Hals. Doch der jüngere Bruder von Thiago, der zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen war, war einer der besten Spieler in der Saisonvorbereitung und überzeugte Ernesto Valverde. Dass zudem Cristiano Ronaldo jetzt in Italien auf Torejagd geht und sein Abschied zumindest kurzfristig den ewigen Rivalen schwächt, kommt als gute Nachricht dazu.

Und was ist mit La Masia, werden einige Kritiker einwenden. Nach Iniestas und Mascheranos Abgang wurden mit Piqué und Sergi Roberto zwei waschechte Katalanen zu Co-Kapitänen ernannt, sie komplettieren damit Busquets und Messi. Und mit Riqui Puig und Miranda, die während der USA-Reise positiv auffielen, dürfen sich zwei Nachwuchsspieler berechtigte Hoffnungen auf Kurzeinsätze machen.

Unter dem Strich gehen die Katalanen um Lionel Messi also mit viel Hoffnung in die neue Saison. Ernesto Valverde dürfte nach dem ersten Jahr bei einem absoluten Topclub mehr Wert auf Rotation und Trainingssteuerung legen, um in den entscheidenden Monaten von Februar bis Mai fitte und motivierte Stars zur Verfügung zu haben. Wer aber befürchtet, dass dem großen Ziel Champions League alles geopfert wird: Sowohl Piqué als auch Valverde haben schon darauf hingewiesen, dass Barcelona immer nur dann den Königspokal geholt  hat, wenn auch die Liga gewonnen wurde. Die Katalanen haben also große Ziele. Aber auch gute Voraussetzungen, um diese zu erreichen.