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Lautaro Martínez und Icardi – Inters neuer Traumsturm braucht noch Zeit

Sein Transfer sorgte für Aufsehen: Lautaro Martínez gilt als einer der vielversprechendsten Südamerika-Importe seit langer Zeit. Seit diesen Sommer steht er dem Profikader von Inter Mailand zur Verfügung. Trotz Inters Niederlage im ersten Saison-Spiel zeigte der quirlige Angreifer gleich, mit was man bei ihm rechnen darf. Davon könnte auch Inters Torschützenkönig Mauro Icardi langfristig profitieren

Kleiner Mann mit großen Vorschusslorbeeren – Batistuta bremst Euphorie

Das Aufsehen, welches den Wechsel von Lautaro Martínez zu Inter Mailand begleitete, war groß. In Europa und Südmaerika beglückwünschte man die „Nerazzurri“, die unter anderem Borussia Dortmund ausstachen, zum Transfer. Manuel Fernandez, ehemaliger Jugendtrainer von Lautaro Martínez bei Racing Club di Avellaneda, erinnert sich: „Er kam mit 17 zu Racing, was seltsam war. In Argentinien spielen die stärksten Spieler normalerweise von klein auf bei den großen Klubs. Er kam spät, zwei Jahre danach war er bereits Stammspieler der ersten Mannschaft und jetzt ist er in Europa.“ Und glaubt man Fernandez, so hat Lautaro eine große Zukunft vor sich: „Er kann im Angriff alle Positionen spielen. Über außen geht er ins Dribbling und im Strafraum hat er diesen Torinstinkt. Als Zehner kann er die Bälle verteilen. Er erinnert sehr an Kun Aguero. Ich habe keine Zweifel, dass er sein Niveau erreichen kann“, so Fernandez gegenüber der Gazzetta dello Sport. Eine argentinische Stürmerlegende jedoch tritt zunächst auf die Euphoriebremse und bemüht einen ungewöhnlichen Vergleich: „Lautaro ist wie ein neues Auto. Er ist sehr stark, aber um zu sehen, ob er den Erwartungen standhält, muss man die ersten zwei- bis dreitausend Kilometer abwarten, so Gabriel Batistuta. Und „Batigol“ muss es wissen, schließlich hatte er selbst die Serie A jahrelang mitgeprägt und bei der Fiorentina, der Roma und Inter regelmäßig getroffen.

Neue taktische Möglichkeiten für Inter dank Martínez

Ursprünglich war Lautaro Martínez (Spitzname: El Toro, der Stier) in Inters Kaderplanungen wohl als Back-Up für Mauro Icardi gedacht. Zum einen, um dem „Capocannoniere“ der Saison 2017/18 in der neuen Saison mit Dreifachbelastung die nötigen Ruhepausen zu verschaffen. Zum anderen, um ihn langsam für seine Rolle als Icardi-Nachfolger aufzubauen, sollte dieser irgendwann doch noch den Weg zu Real Madrid finden. Die „Blancos“ gelten seit Langem als hochinteressiert an Icardi. In der Vorbereitung zeigte sich Lautaro Martínez jedoch bereits spiel- und laufstark und bestens ins Teamgefüge integriert. Der Höhepunkt hierbei: Lautaros Traumtor per Volleyabnahme im Testspiel bei Atlético Madrid (Inter siegte mit 1:0).

Trainer Luciano Spalletti blieb so praktisch nichts anderes übrig, Martínez mit einem Startelfeinsatz beim ersten Ligaspiel zu belohnen. Erst recht, da Radja Nainggolan, Königstransfer der Mailänder und ursprünglich auf der Zehnerposition eingeplant, in Sassuolo verletzungsbedingt fehlte .Wie schon in der Vorbereitung agierte Lautaro im ersten Ligaspiel nominell als eine Art „Neuneinhalb“ hinter Icardi.

Sand im Getriebe beim ersten gemeinsamen Liga-Auftritt

Bei Sassuolo, Inters Angstgegner (6 Niederlagen aus den bisherigen 10 Aufeinandertreffen), harmonierten Lautaro und Icardi noch nicht wie erwartet. Zwar rochierte insbesondere der Neuzugang zu Beginn viel und bildete zeitweise mit Icardi einen klassichen Doppelsturm. Doch in den entscheidenden Situationen gelang das Zusammenspiel nicht, die Sassuolo-Defensive hatte unterm Strich wenig Schwierigkeiten, ein Heilmittel gegen die argentinische Angriffswucht zu finden. Lediglich Icardi kam zweimal aussichtsreich zum Abschluss, verzog aber in der ersten Hälfte knapp und setzte eine scharfe Perisic-Flanke aus nächster Distanz über den Querbalken. Lautaro Martínez blieb ohne nennenswerten Abschluss, spielte unterm Strich aber dennoch nicht enttäuschend, sondern vielmehr glücklos. Sein Potential zeigte der kleine Argentinier aber mehr als nur einmal in Form explosiver Antritte und exzellenter Ballbehandlung – trotz widriger Platzverhältnisse in Sassuolo.

Fokus auf die Champions League

Nach dem verpatzten Debüt in der Meisterschaft sehnen die Interisti nun der Auslosung der Champions League-Gruppenphase am 30. August herbei – Inters letzter Auftritt in der Königsklasse liegt über sechs Jahre zurück. Mit dem argentinischen Sturmpaar Icardi-Martínez ist für Inter dort Einiges machbar – vorausgesetzt, die beiden Gauchos finden in den kommenden Wochen besser zusammen als beim Auftakt in Sassuolo.