Valencia
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Valencia CF: Von “¡Peter te amamos!” zu “¡Peter vete ya!” – Mestalla fragt sich wie es weitergeht

Als der singapurische Geschäftsmann Peter Lim den FC Valencia im Mai 2014 übernahm, wähnte sich der Valencianismo zurück auf der großen Bühne. Doch keine drei Jahre später scheint der Traum schon wieder geplatzt zu sein. Eine Kurzchronik.

Der Verkaufsprozess – Aufgrund von über 300 Millionen Euro Schulden bei der spanischen Bank Bankia, forderte diese, im Jahr 2014, den Komplettverkauf des Vereins um die Schulden zu reduzieren. Aus demselben Motiv waren zuvor bereits die Aushängeschilder David Villa, David Silva, Juan Mata, etc. verkauft worden, jedoch reichten diese Einnahmen nicht aus. Im Zuge dessen sollte der Verein an die Bankia-nahe spanische Tochterfirma des amerikanischen Fonds TPG (Texas Pacific Group) veräußert werden. Ein Investor mit zweifelhaftem Ruf, der vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden, Franz Müntefering, als „Heuschrecken“ betitelt wurde, als dieser einen deutschen Hersteller von Badarmaturen übernahm.

Der damalige, sehr beliebte Präsident des FC Valencia, Amadeo Salvo, wehrte sich jedoch gegen dieses Vorhaben. Stattdessen schrieb der Verein den Verkauf öffentlich aus, woraufhin verschiedene Angebote eingingen. Die Angebote, die zur engeren Auswahl standen, waren die Folgenden:

  • Der oben beschriebene amerikanische Fond mit dem Namen Cerberus Capital Management.
  • Das russische Konsortium Zolotaya Zvezda, hinter dem ein Magnat gestanden haben soll, das vom damaligen Präsidenten des Regierungsbezirkes Valencia, Alfonso Rus, unterstützt wurde. Rus wurde 2025 wegen Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfen verhaftet, befindet sich momentan nach einer Kautionszahlung von zwei Millionen Euro auf freiem Fuß.
  • Die chinesische Dalian Wanda Group, die jetzt mit 20% an Atlético Madrid beteiligt ist.
  • Das Angebot des singapurischen Unternehmers, und Milliardärs, Peter Lim.

¡Peter te amamos!

Der Verkaufsprozess mündete in eine Schlammschlacht, die in Fanforen als valencianisches Game of Thrones beschrieben wurde, und von der einige involvierte Persönlichkeiten heute die Justiz beschäftigen. Schlussendlich wurde das Angebot von Peter Lim, das auch von PWC-Wirtschaftsprüfern als das Beste bewertet wurde, mit 22 von 22 Stimmen angenommen. Lim hatte unter anderem versprochen das Nou Mestalla bis 2019 fertig zu stellen, Geld in die Mannschaft zu investieren, den angesehenen Präsidenten Salvo im Amt zu lassen, sowie mit Juan Antonio Pizzi als Trainer, und Valencia-Legende, Francisco Rufete, als sportlichem Leiter weiterzuarbeiten.

Die Entlassung Pizzis – Ein Vorgeschmack?

Kurz nach dem Verkauf fand ein Treffen zwischen Präsident Salvo, Neubesitzer Lim, Layhoon Chan (eine Vertraute Lim’s), und dem Spielervermittler und Lim-Freund, Jorge Mendes statt. Während dieser Runde brachte Lim zum Ausdruck, dass er doch nicht Pizzi als Trainer haben wollte, sondern stattdessen den Portugiesen Nuno Espírito Santo, der bis dahin als Trainer noch relativ unbekannt war. Bekannt war aber, dass Espírito Santo ein sehr guter Freund Mendes‘ war, der während dessen aktiven Spielerkarriere schon sein Berater gewesen war. In einem vor Kurzem gegebenen Interview erzählte Salvo wie ihm an jenem Abend die Pistole auf die Brust gesetzt wurde. Lim soll gedroht haben, ohne Espírito Santo als Trainer, das Kaufangebot im letzten Moment zurückzuziehen. Da die anderen Angebote zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Tisch lagen, hätte dies den Bankrott des Vereins bedeutet.

Saison 2014/15 – Champions League

Die kontroverse Entlassung Pizzis wurde durch sehr gute sportliche Ergebnisse in den Hintergrund gedrängt. Der FC Valencia beendete die Runde mit starken 77 Punkten auf dem vierten Platz. Vor allem die beiden neu verpflichteten Abwehrspieler, Shkodran Mustafi (8 Mio.€ Ablöse) und Nicolás Otamendi (12 Mio.€), entpuppten sich als Toptransfers und bildeten eines der besten Innenverteidigerduos der Liga. Beide Transfers waren noch vor dem Verkauf von Francisco Rufete und Roberto Ayala eingefädelt worden.

 Damals noch Seite an Seite: Lim und Salvo im Jahr 2014

Euphorisiert von der optimal verlaufenen ersten Saison, war man im Lager Lim vermutlich zu sehr von den eigenen Fähigkeiten überzeugt, und davon, auf erfahrene Angestellte verzichten zu können. Präsident Salvo trat freiwillig zurück, nachdem ihm klargemacht worden war, dass man mit Layhoon Chan als Präsidentin plante, und er den Verein nur noch bei sozialen Veranstaltungen repräsentieren sollte. Chan, entließ anschließend die Urgesteine Ayala und Rufete. Die Transfers wurden von nun an vornehmlich von Jorge Mendes abgewickelt, der auch zahlreiche seiner eigenen Spieler, wie z.B. Abdennour, Garay oder Mangala, nach Valencia lotste.

Saison 2015/16 – Espírito Santo, Voro, Neville, Ayestarán

Nach ausbleibenden Ergebnissen in Liga und Champions-League musste Espírito Santo gehen. Nach einem Spiel mit Co-Trainer Voro auf der Bank, wurde Gary Neville als neuer Trainer vorgestellt. Lim und Neville kannten sich bereits aus früheren Tagen, in denen Neville und andere ehemalige United-Größen (Giggs, Butt, Scholes) Manchester United Fußball-Cafés in Asien bewarben. Zudem stieg der Milliardär auch bei dem englischen Viertligisten Salford City mit ein, den die Fergie-Jungs gekauft hatten. Doch der Engländer, fast ohne Trainererfahrung, und ohne Spanischkenntnisse, konnte die Wende nicht herbeiführen. Nach nur vier Monaten wurde er wieder entlassen. Unter seiner Regie fielen die Ches vom 8. auf den 14. Platz zurück, schieden in der Copa del Rey – 7:0 Hinspielniederlage beim FC Barcelona – und in der Europa League aus. Neville war nicht der alleinige Grund für den Absturz, doch insgesamt betrachtet war er der falsche Mann am falschen Ort zur falschen Zeit. Für das Saisonende übernahm dann der Baske Pako Ayestarán, der immerhin den Klassenerhalt sicherte.

Saison 2025/17 – Ayestarán, Voro, Prandelli, Voro

Vor der aktuellen Saison wurden André Gomes, Paco Alcácer und Shokdran Mustafi für zusammen über 100 Mio.€ verkauft, um fehlende Europapokaleinnahmen zu kompensieren. Trotz dieser hohen Einnahmen wurde relativ wenig Geld reinvestiert, und man ging mit einem vergleichsweise mittelmäßigen Kader in die Saison.

Pako Ayestarán wurde entlassen, nachdem die ersten vier Spiele verloren gingen, und Co-Trainer Voro übernahm wieder interimsweise. Am 1. Oktober wurde Cesare Prandelli als neuer Trainer vorgestellt, mit dem große Hoffnung auf einen neuen Aufschwung verbunden war. Doch schon am 30. Dezember kündigte Prandelli auf Grund von nicht eingehaltener Absprachen der Vereinsführung. Acht Tage später kündigte auch noch der Rufete-Nachfolger García Pitarch, nach nicht einmal einem Jahr im Amt. Der ewige Voro sprang wieder ein und hat es zumindest geschafft, die Blanquinegres aus dem unmittelbaren Abstiegskampf herauszuführen.

¡Peter vete ya! – Enttäuschung auf allen Ebenen in Valencia

Vom heutigen Zeitpunkt aus betrachtet, kann gesagt werden, dass man in der ersten erfolgreichen Saison vor allem von den existierenden, funktionierenden Strukturen im Verein, der guten Transferplanung, sowie der Aufbruchsstimmung im Umfeld, profitierte. Durch die schlechten sportlichen Ergebnisse setzte sich jedoch eine kontinuierliche Abwärtsspirale auf allen Ebenen in Gang, gepaart mit einem Vertrauensverlust in Lim.

Der Kader ist nach den Abgängen von zahlreichen Stamm- und Führungsspielern ausgeblutet, und genügt höchsten Ansprüchen nicht. Die ständigen Trainerwechsel haben ihr Übriges zu der schlechten sportlichen Lage beigetragen.

Im Verein wurden verdiente Mitarbeiter entlassen, und durch Lim getreue Mitarbeiter ersetzt, die mit Fußball wenig am Hut haben. Ex-Präsident Salvo prangerte an, dass der Fußballstab immer weiter ausgedünnt wurde, und dafür der Marketing- und Finanzbereich immer weiter vergrößert wurden, und man sich nicht im Klaren sei, dass das zu verkaufende Produkt der Fußball ist. Außerdem, dass Lim selten direkt mit den Menschen kommuniziert, und nur auf seine Berater vertraut.

Auch das Verhältnis zwischen Lim und den Fans ist inzwischen am Tiefpunkt angekommen. Nicht eingehaltene Versprechen, der Umgang mit Rufete und Ayala, und Spielerverkäufe statt Investitionen haben den Anhang desillusioniert. Das Tischtuch wurde endgültig zerschnitten als man vor der aktuellen Saison, die Curva Nord, in der die Ultras stehen, für Fans über 30 Jahre sperrte. Dies führte zu einem monatelangen Stimmungsboykott bei Heimspielen, bis die Vereinsführung diese Maßnahme zurücknahm.

Mestalla fragt sich wie es weitergeht

Sportlich steht man schlechter da als vor der Ära Lim. Der Geldhahn wird momentan von Lim zugehalten, sodass man gefühlt auch finanziell nicht besser dasteht. Und für die Fans ist Lim zur Persona non grata geworden. Wie sich die Situation weiterentwickeln wird, weiß niemand, doch zumindest auf Voro ist Verlass.