Málaga
Twitter / Josep Rodrigo

Absturz ins Ungewisse – Abstiegsangst in Málaga

Nach zehn Jahren in La Liga droht Málaga CF als abgeschlagenem Schlusslicht der Abstieg in die zweite Liga. Auf dem Rasen und hinter den Kulissen herrscht Chaos, der krachende Absturz inklusive banger Zukunftsaussichten sind die logische Folge.

Über 25.000 Fans von Tabellen-Schlusslicht Málaga hatten den Weg ins Estadio La Rosaleda gefunden, es war der beste Besuch der laufenden Saison. Im Heimspiel gegen Atlético Madrid hofften sie auf einen letzten Hoffnungsschimmer im Kampf gegen den Abstieg, ein Lebenszeichen ihrer eigentlich schon mausetoten Mannschaft. Doch nachdem Antoine Griezmann den letztlich entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg der Colchoneros erzielt hatte, hingen die Köpfe der Spieler herunter, das zuvor im Mute der Verzweiflung erwartungsfrohe Stadion verstummte. Mit dem Gegentor schien auch das letzte bisschen Hoffnung verloren. Bezeichnend für die bisherige Saison der Andalusier, dass all das bereits in den ersten 40 Sekunden der Partie vor sich ging, Griezmanns Treffer fiel 39 Sekunden nach dem Anpfiff, doch er reichte, um Málaga den vielleicht entscheidenden Stoß zu versetzen.

Abgeschlagen im Keller

Mit 13 Punkten aus 23 Spielen klingen auch die nackten Zahlen nach klarem Kurs auf Liga zwei, der Rückstand auf das rettende Ufer liegt schon bei sieben Zählern. Gerade einmal 14 Treffer runden die ernüchternde Bilanz ab. Die anfangs löchrige Abwehr ist inzwischen gefestigt, doch angesichts von nur drei eigenen Treffern aus den letzten zehn Spielen schlägt sich dieser Fortschritt nicht in Punkten nieder. Wie gegen Atlético reicht dem Gegner in der Regel ein Treffer, um die drei Punkte gegen Málaga mitzunehmen – bei sämtlichen der fünf letzten Niederlagen stand am Ende ein 0:1 auf der Anzeigetafel. Mal mit dem Gegentor in Minute eins wie am vergangenen Samstag, mal in der 90. wie im Abstiegsduell bei Las Palmas in der Vorwoche. „Ich glaube nicht, dass Atlético besser war als wir, aber uns hat einfach das Glück gefehlt“, analysierte Trainer José González das Spiel vom Samstag trotzig, verschwieg dabei aber, dass seine Mannschaft ausschließlich nach ruhenden Bällen gefährlich wurde. Ohnehin ist die Offensive das große Problem, auch die fünf Winter-Transfers für den vorderen Bereich konnten hier keine sofortige Abhilfe schaffen.

Die chronische Erfolglosigkeit zieht sich durch die gesamte Saison, angefangen mit der Vorbereitung, in der acht von neun Testspielen verloren gingen, gefolgt von den ersten Wochen mit einem Punkt aus den anfänglichen neun Ligaspielen. Von Beginn an fehlte es an adäquatem Ersatz für die schmerzhaften Abgänge von Kapitän Ignacio Camacho, Junioren-Nationalspieler Pablo Fornals sowie Torjäger Sandro Ramírez, der Lebensversicherung im vergangenen Jahr. Besonders im Mittelfeld klafft eine gewaltige Lücke, die Investition in Höhe von acht Millionen Euro für die jungen Argentinier Esteban Rolón (22) und Emanuel Cecchini (20) erwies sich als dramatische Fehlkalkulation. Rolón war zuletzt Ende November im Pokal im Einsatz und spielt derzeit keine Rolle, Cecchini kam gar nur auf drei Einsätze und wurde schon im Winter nach Mexiko verliehen. Deutlich sinnvollere Transfers waren im Sommer zwar von Sportdirektor Francesc Arnau auf den Weg gebracht worden, doch weil Präsident Abdullah Al Thani oft tagelang nicht reagierte, um die Verträge abzusegnen, platzten mehrere Deals. Deutlich präsenter war der Scheich hingegen auf Twitter, wo er seinen Sportdirektor öffentlich anzählte und ihm die Schuld für den Abgang von Fornals gab. Wenig verwunderlich, dass Arnau im Herbst gehen musste und durch Mario Husillos ersetzt wurde, der nun schon zum dritten Mal die sportlichen Geschicke verantwortet.

Málaga kommt nicht zur Ruhe

Seit Jahren ist der Alltag des Klubs von Unruhe und hausgemachten Problemen geprägt. Al Thani selbst, der vor einem Jahr noch Ansätze der Besserung gezeigt hatte, ist nun schon wieder seit Monaten abwesend, hat sich seitdem nicht mehr in der Stadt gezeigt und lässt auch sonst kein großes Interesse am Geschehen des Vereins erkennen. Zu allem Überfluss steht in Zukunft auch noch ein Prozess über die Besitzerschaft Málagas bevor, nachdem Al Thani vor Jahren 49 Prozent seiner Anteile an die Hotelkette BlueBay verkauft hatte, wobei er diesen Umstand bis heute bestreitet. Zuletzt wurde auch der letzte Einspruch des Scheichs abgewiesen, sodass demnächst endgültig über das zukunftsweisende Thema prozessiert wird. Der oftmals bemühte Ausspruch, dem Verein würde ein Abstieg zur Neufindung helfen, kann in diesem Fall getrost vergessen werden. Wenn keine spektakuläre Rettung gelingt, erwartet Málaga im kommenden Jahr eine enorme Herausforderung mit deutlich reduzierten Mitteln und der großen Aufgabe, sich auf der Führungsebene endlich professionell aufzustellen. Al Thani ist diese Mission nicht zuzutrauen, eine weitere Person mit ähnlichen Befugnissen gibt es allerdings nicht. Auch die Strategie von Sportdirektor Husillos, der Málaga bei jeder Gelegenheit kleinredet und argumentiert, auf dem spanischen (Transfer-) Markt nicht mithalten zu können, disqualifiziert sich selbst für die Aufgabe, Aufbruchstimmung im Umfeld zu entwickeln.

Kaum sportlicher Hoffnungsschimmer

Zwar bleiben noch 15 Spiele, um mit einer unverhofften Aufholjagd doch noch für den Klassenerhalt zu sorgen, allerdings wird im Umfeld nicht gerade ein entschlossenes Aufbäumen gegen den drohenden Abstieg vorgelebt. Kapitän Recio wächst die Aufgabe des Leaders über den Kopf, er wirkt im Mittelfeld überfordert, lässt seinen Frust in ständigen Proteste auf dem Rasen heraus und kann die Tränen der Verzweiflung nach Spielschluss oftmals nicht mehr zurückhalten. Ein weiteres Sorgenkind ist Angreifer Adalberto Peñaranda, der im zweiten Jahr seiner Leihe endlich sein großes Potenzial abrufen sollte. Doch der junge Venezolaner blieb erneut hinter den Erwartungen zurück, ist zudem häufig verletzt und fällt nur noch durch Undiszipliniertheiten auf – alleine in der vergangenen Woche erschien er gleich dreimal verspätet zum Training. „Während der Spiele hat man gar kein schlechtes Gefühl, aber am Ende gehen wir mit null Punkten nach Hause, das ist das Schlimmste an der aktuellen Situation“, beschreibt Torhüter Roberto die scheinbar aussichtslose Lage.

Angesichts der Auswärtsschwäche mit gerade einmal vier Zählern müssten die Punkte für den Klassenerhalt eigentlich vor heimischer Kulisse geholt werden, doch das Spiel gegen Atlético ohne eigene Ausbeute war schon einmal ein Vorgeschmack auf die kommenden Wochen. Valencia, Sevilla, Barcelona, Villarreal und Real Madrid lauten die fünf nächsten Gäste in Málaga. Entsprechend scheint es kaum vorstellbar, in dieser Konstellation eine Serie zu starten. Zwar planen einige unerschütterliche Fanklubs noch immer einen Empfang des Mannschaftsbusses vor dem kommenden Heimspiel gegen Valencia am Samstag. Sollte es dort aber ähnlich laufen wie gegen Atlético, dürften selbst bei den letzten Optimisten bald jegliche Hoffnungen erlöschen.