Marcelino
Official Facebook / Valencia CF

Nou Valencia und Nou Mestalla

Nach einer katastrophalen letzten Saison steht der FC Valencia dank einem Trainerwechsel und einer Runderneuerung des Kaders ungeschlagen auf dem dritten Platz. Wäre das allein nicht schon genug Grund zur Freude, teilte der Verein vorgestern mit, dass man die Arbeiten am Nou Mestalla endlich wiederaufnehmen möchte. Chefutbol hat einen Blick auf die Veränderungen während des Sommers in der Stadt am Turia geworfen.

Ohne jeden Zweifel trägt der Schlüssel des zurückgekehrten Erfolges den Namen des neuen Trainers: Marcelino García Toral. Dieser kennt La Liga aus dem Effeff und hatte seine erfolgreichste Zeit in Villareal, wo er den ansässigen Verein aus der 2. Liga bis in die Champions-League führte. Das Hauptziel des überall angesehenen Coachs bei Amtsantritt war es die Abwehr dichtzumachen, denn in der Vorsaison kassierten die Ches 65 Gegentore, und spielten erst am 19. Spieltag zum ersten Mal zu Null. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage sowie des weiterhin komplizierten Verhältnisses mit dem singapurischen Klubeigentümer Peter Lim, stand er vor einer Mammutaufgabe. Doch mit harter Hand und viel Geduld auf dem Transfermarkt – einige Spieler stießen erst nach dem 1. Spieltag zum Verein – schaffte es Marcelino, zusammen mit Sportdirektor Mateu Alemany, den Kader nach seinen Vorstellungen umzukrempeln. Alemany ist es überhaupt zu verdanken, dass Marcelino auf der Trainerbank sitzt, da er diesen gegen andere Mitglieder der Vereinsführung, die lieber Quique Setién auf der Bank gesehen hätten, durchsetzte. Damit war der Grundstein für die jetzige Platzierung gelegt, doch in der Sommerpause folgte sowohl auf als auch neben dem Platz noch viel Arbeit. Mit dem Ergebnis, dass der Kader gnadenlos nach dem Geschmack Marcelinos verändert wurde. Denn selbst in Valencia schien man begriffen zu haben, dass der Trainer die Entscheidungsmacht bei Transferfragen haben sollte. Das bedeutete in erster Linie, dass alle Transfers vom Trainer abgesegnet wurden, und nicht von Spielerberater und Lim-Vertrauten Jorge Mendes vor der Tür abgeliefert wurden.

Personalkarussel in Valencia

Bei der Kadergestaltung hatte es neben der Stärkung der löchrigen Abwehr für den 52-jährigen Priorität einen guten Teamgeist herzustellen. Aus diesem Grund schreckte er auch nicht davor zurück Diego Alves (Flamengo), einen der besten Torhüter der Vereinsgeschichte, zu verkaufen. Außerdem wurden Spieler, die früher für viel Geld verpflichtet worden waren, aber in Valencia nie wirklich überzeugten weit unter Marktwert verkauft bzw. verliehen, z.B. Álvaro Negredo (Besiktas), Aymen Abdennour (OM), und Enzo Pérez (River Plate). Insgesamt verließen 16 Spieler die Murciélagos (Fledermäuse), darunter auch die portugiesischen Nationalspieler Nani (Lazio), sowie kurz nach Saisonbeginn unter Tränen Verteidiger João Cancelo (Inter).

Da das Hauptaugenmerk auf der Verstärkung der Defensive lag, wurde trotz der überwiegenden Offensivabgänge zunächst kein Stürmer verpflichtet. Erst als mit Gabriel Paulista (Arsenal, 11 Mio €), Jeison Murillo (Zur Leihe von Inter), und Geoffrey Kondogbia (Zur Leihe mit Kaufoption, Inter), ein neues Defensivgerüst stand, kümmerte man sich um Offensivkräfte. Bis zum Schließen des Transferfensters stießen noch Gonçalo Guedes (Zur Leihe von PSG) und Andreas Pereira (Zur Leihe von ManU) zur Mannschaft, aber kein typischer Mittelstürmer. Als neue Nummer eins wurde Buffon-Ersatz Neto von Juventus Turin losgeeist. Zudem traute es Marcelino den beiden Eigengewächsen Lato und Nacho Vidal zu, die Lücken auf den Außenverteidigerpositionen zu füllen. Lange Zeit war man im Umfeld des FC Valencia nervös, da die Neuzugänge erst so spät unter Dach und Fach gebracht werden konnten. Man hatte befürchtete mit einem unterdurchschnittlichen Kader in die Saison zu gehen, von der Qualität des Trainers war man bei den Fans jedoch überzeugt.

Faktor Marcelino

Marcelino hat sich vor allem durch seine Arbeit beim FC Villareal in Spanien einen guten Namen erworben. Er ist bekannt dafür gerne mit jungen Spielern zu arbeiten, und allgemein Spieler zu verbessern. Er redet viel mit seinen Männern, ist immer für sie ansprechbar, und vermittelt ihnen das Gefühl einen langfristigen Plan zu haben. Während der Saisonvorbereitung, die aufgrund der Abgänge und der nur tröpfchenweise eintreffenden Neuzugänge, teilweise mit einem Rumpfkader vonstattenging, kommentierte ein Spieler: „Es werden noch viele an Bord kommen, denn sie wissen, dass sie dieser Trainer besser macht.“ Auch Kapitän Dani Parejo der eigentlich gehen wollte gab zu verstehen, dass er „nach dem ersten Gespräch mit Marcelino entschied, dass er es sich nicht entgehen lassen konnte mit diesem Trainer zu arbeiten.“ Auch den jungen Carlos Soler hat er nach und nach zu einem ausgezeichneten Flügelspieler umgeschult, der inzwischen schon bei mehreren Topklubs im Blickfeld ist.

Aktuelle Saison

Nach sieben Spieltagen steht Valencia zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder auf dem 3. Tabellenplatz. Vier Siege gegen Málaga, Las Palmas, Real Sociedad und Athletic Bilbao, und drei Unentschieden gegen Real Madrid, Atlético Madrid und Stadtrivale Levante stehen zu Buche. Nach den bisher gezeigten Leistungen können die Fans der Fledermäuse wieder besseren Zeiten entgegenblicken. Ein Platz im europäischen Geschäft scheint auf jeden Fall im Bereich des Möglichen. Die Mannschaft steht hinten kompakt, und lebt vom Teamgeist sowie von der zweifelsfrei vorhandenen individuellen Klasse. Zudem ist Simone Zaza unter Marcelino zum eiskalten Torjäger avanciert, und hat schon sechs Tore in sieben Spielen erzielt. Nachdem er sich öffentlich beleidigt gezeigt hatte, darüber dass er das Derby gegen Levante von der Bank aus begann, nahm ihn sich Marcelino intern zur Brust, ohne sich aber nachtragend zu zeigen. Im nächsten Spiel gegen Málaga stand der Italiener schon wieder in der Startelf, und Zaza zahlte das Vertrauen mit einem 8-Minuten Hattrick zurück. Man sollte annehmen, dass die Stimmungslage rund um das Estadio Mestalla eigentlich nicht besser sein könnte. Doch sie sollte sich vorgestern noch weiter verbessern, da am Nou Mestalla die Arbeiten wiederaufgenommen werden sollen.

Nou Mestalla

Im Vergleich zum BER wusste man in Valencia warum das neue Stadion nicht fertigwurde, es war trotz Lim schlichtweg kein Geld da. Seit 2009 ruhten die Bauarbeiten an dem Stadion, und der Inhaber der Bar „Nuevo Estadio“ hatte bestimmt schon mehrfach über eine Geschäftsaufgabe nachgedacht. Diese Woche kam überraschend die frohe Nachricht: Im Mai 2021 nach dann 14 Jahren Bauzeit soll die Arena eröffnet werden.