Valenciana
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Ein Fußballtag in der Comunidad Valenciana

Chefutbol trieb sich letztes Wochenende nicht nur in Mexiko rum, sondern auch in Spanien, genauer gesagt in der Provinz Valencia. Vorgestern bot sich dort die perfekte Gelegenheit zwei Derbys an einem Tag zu sehen. Um 12 Uhr mittags gab es die Viertligapartie Villareal C gegen C.D. Castellón, und um 20:45 das Derby zwischen dem FC Valencia und UD Levante.

Bei angenehmen 20° Celsius machte ich mich mit der S-Bahn auf von Valencia nach Villareal (dt. königliches Dorf; wenn auch wenig davon zu sehen ist) um das Spiel zwischen der Drittvertretung des Erstligisten gegen die erste Mannschaft des ehemaligen Erstligisten C.D. Castellón zu verfolgen. Beide Orte liegen ca. 20 Km auseinander und vor ca. 30 Jahren waren die Vorzeichen noch genau umgekehrt, damals war Castellón noch erstklassig und Villareal dümpelte in der Drittklassigkeit vor sich hin.

Previa

Um 10:30 kam ich in Villareal an, wo mich Miguel von @CD_CastellonDE schon erwartete. Andere Fans waren nicht zu sehen, und die beiden Beamten der Policía Local schienen sich auch nicht weiter für uns zu interessieren. Nach fünfminütiger Fahrt durch die Stadt (50.000 Einwohner) bogen wir links ab, und kurz vor Ortsende, als man schon fast dachte hier kommt nichts mehr, sahen wir eine größere Gruppe Castellón-Fans (ca. 150) vor einer Kneipe auf der Straße stehen. Wir stellten das Auto ab, gesellten uns zu der Gruppe und drängten logischerweise auch in die wohnzimmergroße Kneipe (1 lange bar und 1 langer Tisch mit ca. 10 Stühlen), um eine Dose San Miguel zu ergattern. Nach ca. 15 Minuten hatten wir dies auch geschafft. Der ältere Wirt, hatte oder wollte nicht realisieren, dass er nur die nächsten 90 Minuten – bis Spielbeginn – Zeit hatte um seinen Jahresumsatz zu verdoppeln. Gemächlich bediente er einen nach dem anderen, egal ob Cubata (Longdrink) oder Bier, und machte trotz der vielen wartenden und durstigen Fans keine Anstalten schneller als sonst zu arbeiten. Schlussendlich schafften wir aber sogar noch ein zweites Bier zu kaufen, und dies auf dem 500m-Marsch zum Mini-Estadi auf dem Sportgelände des FC Villareal zu trinken.

Villareal C – CD Castellón

Es waren ca. 1000 Fans der albinegres anwesend, die einen Sieg und einen vorübergehenden Sprung auf Platz 1 sehen wollten. Von Castellón-Seite war vorgeschlagen worden im Keramik-Stadion (ehemals Madrigal) zu spielen, doch anscheinend wollte Villareal den Rasen für die 1.Mannschaft schonen, sodass wir nicht in den Genuss des dortigen Käfig-Gästeblocks kamen. Von Castellón waren beide Ultra-Gruppierungen anwesend (im eigenen Stadion hinter jedem Tor eine) – die eine politisch eher links, die andere eher rechts – die auch an diesem Tag getrennt voneinander standen. Für Stimmung sorgten beide mehr oder weniger abwechselnd, doch es kam auch zu einem erhitzten Wortgefecht zwischen beiden Gruppierungen. Die Anfangsphase war durch Abtasten geprägt, und spielerisch auf überschaubarem Viertliga-Niveau. Doch in der 27. Minute ging die Heimmannschaft nach dem ersten schönen Spielzug des gesamten Spiels durch Außenverteidiger Andrei in Führung, und die Anti-Aldeano-Gesänge (Anti-Dorfverein-Gesänge) aus dem schwarz-weißen Fanlager verstummten kurzzeitig ein wenig. Aber dank eines Doppelpacks in der 36. Minute durch Mittelstürmer Cubillas (alias Cubigol), und in der 44. Minute durch den wendigen Außenspieler Serras, schienen die Kräfteverhältnisse wieder zurechtgerückt.

In der zweiten Halbzeit kontrollierte Castellón das Geschehen weitgehend, verpasste es aber das vorentscheidende 3:1 zu erzielen. Mit Beginn der Schlussphase wurde das Spiel zunehmend ruppiger und vor allem Serras, der Torschütze zum 2:1 wurde mehrfach hart gefoult. Folgerichtig spielte Villareal ab der 80. Minute zu zehnt, da Lozano mit gelb-rot vom Platz musste. Doch wer jetzt an einen ruhigen Spielausklang dachte wurde eines Besseren belehrt. Kurz vor Spielende musste Castellón-Keeper Zagalá nach einem brutalen Kung-Fu-Tritt ins Gesicht verletzt vom Platz, für den der Gegenspieler unverständlicherweise keine rote Karte sah. Stürmer Cristian – man nennt die Spieler noch beim Vornamen in der Tercera División – ging daraufhin ins Tor, da schon alle Wechsel ausgeschöpft waren. Es ging also mit 10 gegen 10 weiter, und es kam wie es kommen musste; Villareal erzielte mit dem ersten Torschuss der 2. Hälfte in der 95. Minute durch Nikola noch den Ausgleich. Im Anschluss an das Spiel verließen die Fans der albinegres schnell den Ortes des Geschehens um wahrscheinlich noch pünktlich zur Siesta nach Hause zu kommen.

Zwischen den Spielen

Wir selbst blieben noch in der Stadt aßen ein wohlverdientes Bocadillo (1:1-Übersetzung ist wohl „Sandwich“, doch wer schon einmal in Spanien war, der weiß, dass es viel mehr ist) und schauten das Nachmittagsspiel zwischen dem FC Barcelona und dem FC Getafe an. Am Nebentisch saßen ein paar „typisch“ spanische Rentner, die das Spiel bei einer Cubata (Whiskey-Cola in ihrem Fall) verfolgten. Dann hieß es Abschied nehmen von Villareal, und meinem gastfreundlichen Begleiter – Danke für alles Miguel, und bis zum nächsten Mal -, und mit dem Zug zurück nach Valencia zu fahren. Da ich knapp dran war, verpasste ich den Empfang des Mannschaftsbusses, und meine persönliche Previa bestand aus einer Bierdose vom Chino (Tante-Emma-Laden in Spanien, die oft von Asiaten geführt werden). Dabei war schwer zu sagen wer glücklicher über den Kauf war: Das ca. zehnjährige Mädchen bei dem ich das Bier bezahlte, und welches mir ein freudenstrahlendes „Gr(l)acias“ hinterherwarf, oder ich über den Tropfen auf die heiße Leber, in Form einer Dose Amstel.

FC Valencia – UD Levante

Der FC Valencia wollte nach vier Niederlagen in Folge (2x Liga vs. Real und Atlético, 2x Pokal vs. Barca), wieder in die Siegesspur zurückfinden, und für Levante geht es im Abstiegskampf sowieso um jeden Punkt. Die erste Viertelstunde verging relativ ereignislos, wobei das saubere Passspiel beider Mannschaften bei 2/3 der Mannschaften aus der Bundesliga zum Anschauungsunterricht dienen würde. In der 17. Minute ging der FC Valencia durch Santi Mina nach einer Ecke in Führung. Doch nur eine Zeigerumdrehung später, während die Anhänger der Ches noch jubelten, glich der Stadtrivale durch Postigo ebenfalls nach einer Ecke aus. Danach flachte das Spiel ein wenig ab, ehe Santi Mina kurz vor dem Pausenpfiff fast noch auf 2:1 erhöht hätte, jedoch nur die Latte traf.

Während der Halbzeitpause schienen beide Teams wohl an dem Joint mitgezogen zu haben, mit dem mich ein Fan einige Reihen unter mir einräucherte – nichts Außergewöhnliches in spanischen Stadien -, denn die ersten fünfzehn Minuten des zweiten Durchgangs waren durch Fehlpässe und zunehmende Fouls gekennzeichnet. Die Unzufriedenheit mit der Leistung der eigenen Mannschaft zeigte sich bei meinem Hintermann in der Tonart wie er die gelben Karten für Levante forderte. Wandte er sich zuerst mit einem entspannten „tarjetita chaval“ (Junge, wie wär’s mit nem Kärtchen) an den Schiedsrichter, so war es fünf Minuten später schon ein ungehalteneres „tarjeta cabrón“ (Karte, du Penner). Im Anschluss konnte sich der FC Valencia jedoch beim Unparteiischen bedanken, als dieser einen regulären Treffer von Levante aberkannte, und im direkten Gegenzug Vietto das 2:1 erzielte. Außerdem pfiff der Referee kurz vor Schluss noch einen sehr schmeichelhaften Elfmeter an Simone Zaza, der meine Nebenleute allesamt zum Lachen brachte, der aber natürlich trotzdem gerechtfertigt war, da man in den letzten Partien stark benachteiligt worden war („eso no ha sido penalti, pero con todo que nos han robado en los últimos partidos“). Parejo verwandelte sicher und kurz darauf war dann Schluss. Die Leute strömten nach Hause, denn Valencia war müde nach den Fußballfestspielen.