Am Sonntagabend um 22:05 Uhr ist es wieder soweit: River Plate empfängt den ewigen Erzrivalen Boca Juniors zum 200. Superclásico. Die Vorzeichen stehen jedoch alles andere als gut für “Los Millonarios”.
Am Dienstagnacht ist vielen Boca-Juniors-Fans wohl ein Stein vom Herzen gefallen, als der verhasste Rivale aus Nuñez dramatisch aus der Copa Libertadores ausgeschieden ist. Ein weiterer Copa-Libertadores-Sieg der Mannen Gallardos hätte den vierten insgesamt für River Plate bedeutet, die sich damit an die Boca Juniors angenähert hätten, die bei sechs Titeln stehen.
Während es bei River in der heimischen Liga hakt (wohl auch, weil man den Fokus auf die Libertadores gelegt hatte) und man nur 12 Punkte in sieben Spielen sammeln konnte, läuft es bei den Boca Juniors wie geschmiert. Mit der Idealausbeute von 21 Punkten stehen die “Xeneizes” einsam an der Tabellenspitze und haben bereits sechs Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten San Lorenzo. Während bei River Plate nach dem Copa-Aus Wunden lecken angesagt ist, haben die Boca Juniors das Momentum ganz klar auf ihrer Seite und gehen als Favorit in den Superclásico. Einerseits ein undankbarer Zeitpunkt für die Gallardo-Truppe genau jetzt auf den Erzrivalen zu treffen, andererseits bietet sich Scocco und Co. damit auch die Möglichkeit zur schnellen Wiedergutmachung.
Duell der Torjäger zwischen Benedetto und Scocco
Es wird auch ein Duell der Torjäger sein. Scocco kam erst im Juli von den Newell’s Old Boys und konnte sofort überzeugen. Vor allem seine Sternstunde im Rückspiel gegen Jorge Wilstermann, als der 32-jährige sage und schreibe fünfmal einnetzen konnte, wird so schnell keiner mehr vergessen. In der Liga steht er bei drei Saisontoren, beim Halbfinalaus gegen Lanús traf er zum achten Mal in der diesjährigen Copa Libertadores (und das in nur fünf Spielen).
Sein Gegenüber Darío Benedetto darf sich erst ab nächstem Jahr in der Copa Libertadores beweisen, durfte sich aber trotzdem international beweisen. Er wurde von Argentiniens Nationaltrainer José Sampaoli nämlich für die entscheidenden Spiele der Eliminatorias nominiert und sogar Mauro Icardi vorgezogen, machte dabei jedoch keine glückliche Figur. In der heimischen Liga läuft es bei Benedetto dafür aber umso besser. In sieben Spielen konnte er bereits achtmal treffen, zuletzt am Wochenende mit einem Doppelpack gegen Belgrano. Seine Abschlussstärke ist beeindruckend und dürfte wohl bald zahlungskräftige Klubs aus Europa auf den Plan rufen. Beide Teams sind auf ihre Toptorjäger angewiesen. Man darf gespannt sein, ob einer von beiden am Sonntag zum Derbyhelden avancieren wird.
Abgang von Driussi und Alario schmerzt – Gallardos Zukunft unsicher
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Trotz Scocco sind die Ursachen für Rivers Formverlust vor allem eng mit dem Verlust des Sturmduos Sebastian Driussi und Lucas Alario verbunden, welcher das Team nachhaltig beeinflusste. Seitdem fehlt es an spielerischer Leichtigkeit und dem Selbstverständnis vor dem Tor, obwohl Scoccos Ausbeute bislang stattlich ausfiel. Aber nicht nur offensiv, sondern auch defensiv lief man zuletzt den eigenen Ansprüchen hinterher – Pinola konnte seit seiner Verpflichtung nicht an die überzeugenden Leistungen bei Rosario Central anknüpfen, selbst der unumstrittene Jonathan Maidana agierte zuletzt unsicher und das vielversprechende Abwehrtalent Martínez Quarta muss eine monatelange Dopingsperre absitzen.
Unklar bleibt weiterhin die Zukunft von Marcelo Gallardo, der nach dem bitteren Ausscheiden in der Copa Libertadores keine Diskussionen um seine Zukunft aufkommen ließ. Dass der überaus erfolgreiche Zyklus des 41-Jährigen bald ein Ende finden könnte und der Startrainer bald seine Zelte in Europa aufschlägt, ist bei den ‘Millonarios’ ein offenes Geheimnis. Vorerst möchte er jedoch den Fokus auf den Superclásico legen, der eine ideale Möglichkeit bietet den aufkeimenden Abwärtstrend abzuwenden und das Titelrennen wieder offener zu gestalten.
Superclásico als erster Härtetest für die Boca Juniors
Ganz anders sieht derzeit die Sachlage bei Boca aus, die noch ungeschlagen von der Tabellenspitze grüßen. Trainer Guillermo Barros Schelotto kann mit Ausnahme des verletzten Fernando Gago, aus dem Vollen schöpfen und wird im Vergleich zur Vorwoche die gleiche Startelf auf’s Feld schicken. Für die ‘Xeneizes’ bedeutet das Aufeinandertreffen mit dem Erzfeind, der erste wirkliche Härtetest, nachdem man im bisherigen Saisonverlauf nur auf Teams aus den unteren Tabellenregionen traf (Mit Ausnahme von Lanús, die Partie fiel jedoch wortwörtlich ins Wasser).



