Eine WM ohne Argentinien? Was für viele und insbesondere für die stolzen Gauchos unvorstellbar erschien, wäre beinahe bittere Realität geworden. Es war ein langer und steiniger Weg nach Russland, an dessen Ende ein Mann ganz allein für die WM-Qualifikation der Albiceleste sorgte: Lionel Messi. Wir blicken zurück auf die WM-Qualifikation der Argentinier.
40 Sekunden waren gespielt in der Höhe von Quito und Argentinien lag im entscheidenden Spiel gegen Ecuador bereits mit 1:0 zurück. Der bittere Albtraum schien Realität zu werden. Doch eine unglaubliche Vorstellung von Lionel Messi wendete das Blatt zu Gunsten der “Albiceleste”. Man gewann letztendlich dank eines Dreierpacks von “La Pulga” mit 3:1 und darf 2018 nach Russland reisen. Es wäre das erste Mal seit 1970 gewesen, dass sich Argentinien nicht für eine WM qualifiziert hätte. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wir werfen einen Blick zurück.
Messi und dann lange nichts
Zuerst ein paar Fakten: 44 Spieler, drei Trainer, drei Präsidenten. Gerardo Martino, Edgardo Bauza und Jorge Sampaoli hießen die drei Nationaltrainer dieser turbulenten Reise nach Russland. Dabei holte Martino 74% aller Punkte, während Bauza und Sampaoli deutlich schlechter abschnitten (45,8% und 50%). Torhüter Sergio Romero spielte jede Minute, Ángel Di María stand auch bei allen 18 Spielen auf dem Platz. Danach folgen Mascherano und Otamendi (15 Spiele), gefolgt von Lucas Biglia (12) und Lionel Messi (10). Diese zehn Spiele reichten Messi um bester Torschütze seines Teams mit sieben Toren zu sein. Danach kommt erst einmal lange nichts. Di María, Mercado und Lucas Pratto trafen jeweils zweimal.
Argentinien fängt sich nach Stotterstart
Unter Interimspräsident Luis Segura wurde Ex-Barça-Coach Gerardo Martino als Nachfolger von Alejandro Sabella vorgestellt, der nach der Finalniederlage gegen Deutschland 2014 zurückgetreten war. Der Beginn der Qualifikation ließ schon erahnen, was da auf die Argentinier wartet. Man verlor ohne Messi daheim gegen Ecuador und spielte in Paraguay nur Unentschieden.
Einem weiteren Unentschieden gegen Brasilien (1:1) folgten aber drei Siege (1:0 in Kolumbien, 2:1 in Chile und 2:0 gegen Bolivien) und somit eine ordentliche Punkteausbeute von elf Punkten nach sechs Spielen.
Nach der erneuten Finalniederlage bei der Copa América Centenario 2025 und atmosphärischen Störungen innerhalb des Verbandes nahm Martino seinen Hut. Der neue von FIFA und Conmebol eingesetzte Interimspräsident Armando Pérez entschied sich für São-Paulo-Trainer Bauza als Martino-Nachfolger. Argentinien stand zu diesem Zeitpunkt auf dem dritten Tabellenplatz mit elf Punkten und damit nur zwei hinter Uruguay und Ecuador.
Auf und ab unter Bauza
Bauza startete gut mit einem 1:0-Sieg gegen Uruguay, danach folgten jedoch zwei bittere Unentschieden gegen Venezuela und Peru (jeweils 2:2). Es sollte noch schlimmer kommen: Man verlor daheim in Cordoba gegen Paraguay mit 1:0 und wurde vom Erzrivalen Brasilien mit 3:0 abgefertigt. Die Kritik an Bauza nahm zu, aber die Mannschaft zeigte Charakter: man gewann dank Pratto, Di María und Messi mit 3:0 gegen Kolumbien in San Juan.
Man schlug auch Chile mit 1:0 durch ein Tor von Juan Antonio Pizzi. Es schien so, als würde Argentinien und Bauza die Kurve kriegen, doch eine peinliche 0:2-Niederlage in La Paz gegen Bolivien brachte das Fass zum überlaufen und der neue und offiziell gewählte AFA-Präsidentent Tapia setzte Bauza vor die Tür und holte seinen Wunschkandidaten Samapoli.
Unter Sampaoli zittert sich Argentinien zur WM
Doch der Ex-Trainer des FC Sevilla hatte einen sehr holprigen Start mit nur drei mageren Unentschieden gegen Uruguay (0:0), Venezuela (1:1) und Peru (0:0). Gegen Peru half selbst das legendäre “La Bombonera” nicht und die Angst vor einem Verpassen der Endrunde in Russland wurde immer größer. Dann kam das Endspiel in Ecuador. Der Ausgang ist bekannt.
Es könnte der Wendepunkt in der bis dahin unglücklichen Nationalmannschaftskarriere des Lionel Messi gewesen sein. Messi hat in den letzten zwei Jahren an Farbe (und das nicht nur aufgrund seiner Tattoos) und Charakter gewonnen. Durch das Match in Quito scheint er nun auch endlich vollends von den argentinischen Fans akzeptiert und geliebt zu werden. Das einst so distanzierte Verhältnis gehört der Vergangenheit an. Nun fehlt dem argentinischen Superstar nur noch eines, um mit seinem ewigen Schatten Diego Maradona gleichzuziehen: der WM-Titel 2018 in Russland. Nach dieser turbulenten WM-Qualifikation sollte man mit den Argentiniern sicherlich rechnen, wenn der Titel in Russland vergeben wird. Steinig genug war der Weg bis dahin auf jeden Fall.


