Messi
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18. Spieltag: Spektakulärer Messi schießt Argentinien zur WM – Chile im Land der Tränen

Die härteste WM-Qualifikation der Welt ist nun auch vorbei. In Südamerika stand der letzte Spieltag auf dem Programm. Argentinien samt Lionel Messi hielt dem Druck stand und gewann mit 3:1 in Ecuador, dreifacher Torschütze war natürlich Argentiniens Nummer 10 und Kapitän. Der Copa America Sieger von 2015 und 2025, Chile, muss dagegen nach dem 0:3 in Brasilien die WM vor dem Fernseher verfolgen. Neben Argentinien schoben sich auch Kolumbien und Peru am Confederations-Cup-Finalist vorbei.

Ecuador – Argentinien 1:3 (1:2) – Messi, Messi, Messi

Der Druck für Argentinien war immens, der Start ins Spiel mehr als bescheiden. Nur 30 Sekunden dauerte es ehe Ecuador in Führung ging: Nach einem Kopfball-Doppelpass sorgte Ibarra für die frühe “La-Tri”-Führung. Doch die Albiceleste reagierte keineswegs geschockt und machte viel Druck auf das Gehäuse von Banguera. Nach ein paar Halbchancen war es schließlich Lionel Messi, der nach feinem Zusammenspiel mit Angel Di Maria zum Ausgleich einschoss (12.) und wildentschlossen den Ball aus dem Netz holte – die Botschaft von “La Pulga” war klar. Nur acht Minuten setzte Messi noch einen drauf und verwandelte nach einem Schnitzer in der ecuadorianischen Abwehr knallhart unter die Latte aus 16 Metern. 2:1.

Der Superstar des FC Barcelona war der überragende Mann auf dem Platz und initiierte immer wieder gefährliche Angriffe. So auch in der 32. Minute, als er Di Maria mit einem feinen Pass einsetzte, der jedoch im eins gegen eins gegen Banguera den kürzeren zog. Somit sollte es mit dem 2:1 in die Kabinen gehen.

Das Spiel wurde nun ruppiger. Einer ließ sich davon nicht aufhalten: Lionel Messi. In der 62. Minute nahm der 30-jährige einen langen Ball mit der Brust an, ging ins Tempodribbling und hob den Ball von der Strafraumgrenze über den machtlosen Banguera ins Tor zum 3:1 – besser kann man es wohl nicht machen. Damit war die Vorentscheidung gefallen. Der für den erneut schwachen Benedetto eingewechselte Icardi vergab kurz vor Schluss noch das mögliche 4:1.

Argentinien ist dank Lionel Messi als drittplatzierter sicher bei der WM 2018 dabei. Eine Chaos-Qualifikation mit drei Trainern nahm damit ein versöhnliches Ende.

Brasilien – Chile 3:0 (0:0) – Chile geht in Brasilien unter

Chile – noch auf Platz drei vor dem letzten Spieltag – war der große Verlierer der gestrigen Spielrunde und fiel auf den sechsten Platz zurück und ist damit nicht bei der WM 2018 dabei.

Ohne den gelbgesperrten Vidal aber mit dem angeschlagenen Aranguiz musste man bei den starken und bereits qualifizierten Brasilianern antreten. In der Palmeiras-Arena sahen die Zuschauer eine ausgeglichenen Begegnung, in der Brasilien das Spiel kontrollierte und Chile wenig Gefahr versprühte.

In der zweiten Halbzeit erhöhte die Seleção das Tempo und ging durch Paulinho in Führung, der einen Fehler von Claudio Bravo ausnutzen konnte. Der ehemalige Barça-Keeper konnte einen tückischen Freistoß von Dani Alves nur abklatschen lassen, direkt vor die Füße Paulinhos (55.). Nur zwei Minuten später setzte Coutinho Neymar mit einem wunderbaren Diagonalball ein, der uneigennützig auf Gabriel Jesús quer legte. Dieser hatte keine Mühe zum 2:0 einzuschieben. Chile versuchte noch einmal alles, hatte aber bis auf eine Kopfballchance von Medel kaum nennenswerte Chancen. In der Nachspielzeit erhöhte Gabriel Jesús gar auf 3:0 – Bravo hatte sein Tor bei einem Eckball verlassen und Man Citys Stürmer hatte keine Mühe ins verwaiste Tor einzuschieben.

Durch den Sieg Argentiniens und das Unentschieden zwischen Peru und Kolumbien fiel Chile letztlich auf den sechsten Platz zurück.

Peru – Kolumbien 1:1 (0:0) – Ospina ist Guerreros Komplize

Perus wichtigstes Qualifikationsspiel seit 1981 brachte alle Grundlagen für einen Thriller mit: Die Kolumbianer, die auf Rang 4 in den Spieltag gingen, und die Peruaner, die auf dem Playoff-Platz starteten, standen sich im Estadio Nacional zu Lima gegenüber, und jeder Treffer in Quito und São Paulo veränderte die Ausgangslage für beide Teams.

Nach dem frühen Doppelschlag von Messi war es daher zunächst Peru, das virtuell ausgeschieden war. Dennoch spielte das Team von Ricardo Gareca eher kontrolliert und ließ sich nicht verunsichern, kam aber auch nicht zu großen Chancen. Kolumbien, das am letzten Spieltag mit einer peinlichen Heimniederlage gegen Paraguay die schon sicher geglaubte Qualifikation noch hergeschenkt hatte, riskierte aber auch nichts – vorbehaltlich eines paraguayischen Kantersieges reichte José Pekermans Team ein Remis auf jeden Fall für den Playoff-Platz. Dementsprechend tauchten Kolumbiens Offensivstars James Rodríguez, Falcao und José Cuadrado weitgehend ab. Ein harmloser abgefälschter Fernschuss von James, den Gallese sicher parierte, war einer der wenigen echten Torschüsse der ersten Halbzeit (13.) – und damit waren die Cafeteros dennoch deutlich gefährlicher als Peru, das permanent lange Bälle auf den einsam kämpfenden Paolo Guerrero schlug. Das 0:0 zur Pause war die einzig logische Konsequenz.

Nach der Pause häuften sich dann die guten Nachrichten für Kolumbien: Erst rückte man nach dem brasilianischen Doppelschlag auf Rang 4 vor, dann traf James, nachdem die peruanische Abwehr einen langen Ball konfus verteidigt hatte. Von Falcao sprang der Ball vor die Füße des Bayern-Stars, der aus zehn Metern mit rechts einnetzte (56.). Ein Tor mitten ins Herz der Peruaner, die damit auf Platz 6 zurückfielen und bis zur 75. Minute keinen wirklichen Schuss aufs Tor brachten – Flores’ Versuch in der ersten Halbzeit war so harmlos gewesen, dass Keeper David Ospina ihn mit den Füßen kontrollieren konnte, die wenigen anderen Abschlüsse waren harmlos am Tor vorbei geflogen. Ironischerweise hätte Ospina dann den ersten Torschuss einfach passieren lassen können: Paolo Guerreros Freistoß aus 23 Metern war eigentlich indirekt, doch der peruanische Kapitän schoss dennoch auf den Kasten. Der Treffer hätte nicht gezählt, hätte Ospina ihn nicht noch mit seiner linken Hand touchiert (76.). Der Ausgleich löste gigantische Jubelstürme im Estadio Nacional aus, die aber auf tönernen Füßen standen. Schon ein chilenischer Anschlusstreffer zum 2:1 hätte Peru bei identischem Torverhältnis aus den Playoff-Rängen geworfen, doch Brasilien tat ihnen sogar noch den Gefallen des 3:0. Da das Spiel in Lima etwas später angepfiffen worden war, wusste Peru um den Endstand und hätte nun sogar noch auf Risiko gehen können, um die Playoffs zu vermeiden, doch das Team entschied sich für ein zweikampfloses Ballgeschiebe, das die direkt qualifizierten Kolumbianer natürlich nicht störte. Nach Abpfiff stürmten auf beiden Seiten die Ersatzspieler jubelnd aufs Feld, doch während Kolumbien die Flüge nach Russland schon buchen darf, muss Peru erst einmal die Spiele gegen Neuseeland überstehen.

Paraguay – Venezuela 0:1 (0:0) – Herrera beendet Paraguays Träume

Die paraguayische Albirroja wusste vor dem Spiel gegen Venezuela, dass ein besonderer Tag für eine Qualifikation nötig sein würde. Immerhin stand man nur auf Platz 7 und musste so mindestens zwei Mannschaften überholen. Allerdings war zumindest der Gegner, der Tabellenletzte Venezuela, der in acht Auswärtsspielen zwei Punkte eingefahren hatte, nominell ein dankbares Opfer.

Paraguay startete druckvoll, doch auch Venezuelas schnelle Gegenangriffe über Josef Martínez und Salomon Rondón wirkten gefährlich. Dann hätte Paraguay in Führung gehen müssen: Nach Cecilio Domínguez’ Hereingabe lenkte erst Faríñez den Ball ab, im Nachsetzen kamen Angel Romero und Anthony Sanabria nicht ans Leder (26.). Es war die beste Chance der ersten Halbzeit, in der Paraguay vor allem auf viele Hereingaben setzte, aber auf eine konzentrierte venezolanische Deckung und den starken Schlussmann Wuilker Faríñez traf.

Nach der Pause merkte man dem eigentlich eher konterstarken Paraguay Probleme mit dem Druck und der Spielgestaltung an. Immer noch waren Flanken das beliebteste Mittel, doch sie führten selten zu großen Chancen – auch nicht, nachdem Altstar Oscar Cardozo eingewechselt wurde (56.). Stattdessen setzte Venezuela immer wieder Nadelstiche, so prüfte etwa Jhon Murillo Paraguays Schlussmann Silva (60.), und Soteldo traf nach starkem Dribbling die Late (83.). Trotz der guten Ergebnisse auf den anderen Plätzen – ein Sieg hätte letztlich für Platz 5 gereicht – stellte sich so bei den Gastgebern langsam Verzweiflung ein. Die wurde nicht kleiner, als Venezuela die Führung gelang: Der zuvor eingewechselte Romulo Otero startete noch in der eigenen Hälfte, ließ zahlreiche Gegenspieler aussteigen, drang bis zur Grundlinie vor und hatte dann das Auge für Jungstar Yangel Herrera im Rückraum. Der erzielte mit einem abgezockten Flachschuss sein erstes Länderspieltor (85.). Paraguay reagierte mit Wucht, doch eine überragende Parade von Faríñez, der einen Kopfball von Gustavo Gómez an die Latte lenkte (88.) zog ihnen endgültig den Zahn. Dann sahen Gómez und sein Gegenspieler Angel für eine hitzige Auseinandersetzung Rot (90.). Trotz acht Minuten Nachspielzeit schafften die Gastgeber die Wende nicht mehr und müssen 2018 vor dem Fernseher sitzen.

Uruguay – Bolivien 4:2 (2:1) – Suárez macht alles klar

Schon vor Anpfiff war klar, dass das Spiel zwischen Uruguay und Bolivien wohl das am wenigsten dramatische des Abends werden würde. Während Bolivien chancenlos ausgeschieden war, hätte Uruguay nur bei einer aberwitzig unwahrscheinlichen Ergebniskombination auf Rang 5 zurückfallen können.

Die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen von Montevideo spiegelten die tabellarische Konstellation durchaus wieder, von Beginn an spielte nur Uruguay, das im verjüngten Mittelfeld mit De Arrascaeta und Bentancour auf Offensive setzte und natürlich auf das Duo Cavani/Suárez bauen konnte. Dennoch war es überraschend Bolivien, das in Führung ging – und selbst nicht wusste, wie: Nach einem Einwurf von links schoss Uruguays Kapitän Diego Godín seinen Abwehrkollegen Gastón Silva an, von dessen Bein prallte der Ball zum 0:1 ins eigene Netz (24.). Uruguay wusste jedoch mit dem Rückschlag umzugehen und drehte das Match noch vor der Pause. Der Unglücksrabe Silva machte dabei sein Eigentor mit zwei Torvorlagen wieder wett: Erst staubte Martin Cáceres nach seinem Schussversuch zum 1:1 ab (39.), dann verlor Boliviens Abwehr Edinson Cavani nach Silvas Flanke aus den Augen. Der Matador ließ sich nicht zweimal bitten und köpfte ein (42.).

Die zweite Halbzeit war ein Spiegelbild der ersten, doch diesmal war es der überragende Luis Suárez, der die Abschlussarbeit übernahm. Der Angreifer, der in Barcelona mäßig in die Saison gestartet war und Gerüchte über eine mögliche Verletzung dementierte, zeigte seine große Klasse mit einem einem Doppelpack (60./76.), bei dem die bolivianische Defensive freundlich-passiv blieb. Besonders Suárez Ballannahme und Drehung vor dem 4:1 waren aber auch wirklich stark. Das Ergebnis hätte richtig deutlich ausfallen können, hätte Uruguay nicht vorne noch Chancen liegen gelassen und hinten für den inexistenten bolivianischen Angriff die Abschlüsse selbst übernommen. So köpfte Godin zum 4:2 ins eigene Tor (78.). Es blieb der Schlusspunkt einer Qualifikation, mit der Uruguay als Zweiter sehr zufrieden sein kann, während Bolivien als Vorletzter wenig Positives mitnimmt und auf Katar 2022 hoffen muss.