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Zwischenbilanz Brasileirão 2017: Corinthians überragt alles

Während die europäischen Top-Ligen in den Startlöchern stehen oder teilweise bereits die ersten Spieltage ausgetragen haben, ist es in Brasilien Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. 20 von 38 Spieltagen der Saison 2017 sind gespielt und wir von Chefutbol blicken auf die erste Hälfte der Saison 2017 im Land des Rekordweltmeisters zurück. Die größte Überraschung ist ohne jeden Zweifel der unangefochtene Tabellenführer Corinthians. Mit großem Vorsprung führt das Team aus São Paulo die Tabelle an und distanzierte die eigentlichen Favoriten. Die vor der Saison hoch gehandelten Top-Teams Atlético Mineiro, Flamengo sowie Palmeiras blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Doch nicht nur Corinthians bestimmte die Schlagzeilen in Brasilien, sondern auch andere Mannschaften, Spieler oder Vorkommnisse sorgten für Gesprächsstoff. Wir fassen nochmals zusammen.

Spitzenreiter und Rekordjäger Corinthians

Jô

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Corinthians spielte die beste Hinrunde in der Geschichte der Serie A. Mit 47 Punkten aus 19 Spielen, ohne Niederlage, stellte die Mannschaft von Trainer Fábio Carille einen Fabel-Rekord auf. Zudem ist das Team aus São Paulo wettbewerbsübergreifend seit 34 Spielen unbesiegt und hat den historischen Vereinsrekord aus dem Jahr 1957 ins Auge gefasst. Damals waren es 37 Spiele ohne Niederlage. Zu Beginn des Jahres noch als vierte Kraft in São Paulo belächelt gewann man zunächst souverän die Staatsmeisterschaft und setzte diese Serie nun in der Brasileirão fort. Wo eigentlich mit Titelverteidiger Palmeiras, Flamengo oder Atlético Mineiro gerechnet wurde, steht nun die Elf um Spielführer Jô. Der ehemalige Nationalspieler spielt die Saison seines Lebens und führt die Torjägerliste mit 11 Treffern an. In der Offensive steuerten zudem Rodriguinho sowie Jâdson wichtige Tore bei. In der Defensive dirigiert Balbuena die Abwehr und die Doppelsechs mit Gabriel und Maycon kontrolliert das Spiel. Weitere Stützen sind die zuletzt von Nationaltrainer Tite nominierten Cássio, der bislang nur 9 mal hinter sich greifen musste sowie der ehemalige Wolfsburger Fagner. Neben diesem funktionierenden Gebilde war sicherlich auch die längere Erholungszeit aufgrund der verpassten Teilnahme an der Copa Libertadores ein Vorteil gegenüber den direkten Konkurrenten.

Hinter den Erwartungen – Atlético Mineiro, Flamengo und Palmeiras

Vor der Saison als Titelfavoriten gehandelt, liegen die Mannschaften aus den Fußballhochburgen Belo Horizonte, Rio de Janeiro sowie São Paulo weit hinter den Erwartungen zurück. Titelverteidiger Palmeiras verstärkte sich mit namenhaften Topspielern, von denen einzig Alejandro Guerra überzeugen konnte. Königstransfer Borja findet unter Trainer Cuca kaum noch Berücksichtigung und der Vertrag mit dem ehemaligen Topspieler Felipe Melo wurde erst kürzlich aufgelöst. Zumindest zeigte die Formkurve zuletzt nach oben und es gelang der Sprung auf Tabellenplatz 4, der die Teilnahme an der Copa Libertadores garantiert. Ganz anders ist die Situation bei Flamengo zu bewerten. Nachdem Diego, Guerrero und Co. lange auf Tuchfühlung zu Spitzenreiter Corinthians lag, sorgte eine Serie von 4 Spielen ohne Sieg für ein Abrutschen auf Tabellenplatz 7. Einzig ein Sieg im nationalen Pokal oder in der zweitklassigen Copa Sul-Americana könnte eine verkorkste Saison noch retten. Dem dritten Favoriten im Bunde gelang bislang am wenigsten. Das Team um Robinho und Altmeister Fred agiert viel zu unkonstant und hat insbesondere mit einer eklatanten Heimschwäche zu kämpfen. Auf Position 11 liegen sie nur 4 Punkte von der Abstiegszone entfernt.

Überraschungsteam Sport Recife

facebook / Sport Club do Recife

In der letzten Saison auf Position 14 knapp dem Abstieg entronnen, liegt das Team aus dem Norden Brasilien aktuell völlig überraschend auf Position 5 in der Tabelle. Ein Name der in Verbindung mit diesem Erfolg genannt werden muss ist Trainerlegende Vanderlei Luxemburgo. Seit dem 4 Spieltag ist er in Recife auf der Kommandobrücke und führte die Mannschaft kontinuierlich nach oben. Mit André (9 Saisontore) sowie Diego Souza (6 Saisontore) verfügt er zudem über das gefährlichste Sturmduo der Liga. Insbesondere Diego Souza macht sich noch große Hoffnungen auf die WM-Teilnahme im nächsten Jahr und unterstreicht seine Ambitionen bislang mit guten Leistungen. Es bleibt abzuwarten inwieweit Sport Recife die gezeigten Leistungen in der Rückrunde bestätigen kann. Die Qualifikation für die Copa Libertadores wäre natürlich ein riesen Erfolg und ein weiterer Meilenstein in der Karriere von Trainerfuchs Vanderlei Luxemburgo.

Spannung im Tabellenkeller

Im Tabellenkeller tummeln sich die üblichen Verdächtigen. Außer Atlético Goianiense, das bereits 7 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer vorzuweisen hat, kann sich noch jede Mannschaft berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen. Zwischen dem Tabellen-18 Avaí und dem Tabellen-12 Coritiba liegen gerade einmal 4 Punkte. Überraschungsgast ist das Traditionsteams des FC São Paulo, das sich vor der Saison unter anderem mit dem argentinischen Nationalstürmer Lucas Pratto namenhaft verstärkt hat, doch bislang nicht in Fahrt kommen konnte. Es wäre der erste Abstieg für das Team aus São Paulo, das seit Gründung der Serie A dabei ist. Die anderen Mannschaften konnte man so erwarten. Eine Entscheidung wird sicher erst am letzten Spieltag fallen. Womöglich gelingt den vor der Saison als Abstiegskandidaten Nummer 1 abgestempelten Teams aus Florianópolis (Avaí) oder Salvador (Vitoria und Bahia) eine Überraschung und einer der etablierten Vereine wie Ponte Preta, Coritiba oder sogar der FC São Paulo muss den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Es macht zumindest den Anschein als würde der Abstiegskampf mehr Spannung als das Titelrennen versprechen.

Schattenseiten des Fußballs

ultras-tifo.net

Am 12. Spieltag kam es im Rahmen des Derbys zwischen Vasco da Gama und Flamengo zu schweren Ausschreitungen. Nach der Niederlage versuchten Fans der Heimmannschaft das Feld zu stürmen und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es wurden Rauchbomben gezündet, Gegenstände auf das Feld geworfen und zahlreiche Menschen mussten verletzt abtransportiert werden. Da der Ausgang des Spielfelds durch die Fans versperrt war, musste das Team Flamengos lange Zeit auf dem Feld verharren und war dem Pfefferspray schonungslos ausgesetzt. Um das Stadion herum spielten sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Ein Fan kam durch eine Kugel in den Hals ums Leben. Es war der traurige Höhepunkt eines schwarzen Samstags für den Fußball in Rio de Janeiro und leider kein Einzelfall in Brasilien. Immer wieder missbrauchen gewaltbereite Hooligans die Bühne des Fußballs für ihre Zwecke. Vom brasilianischen Fußballverband erhielt Vasco da Gama eine 6-Spiele Sperre für das eigene Stadion und auch die Stadt sperrte das São Januário vorübergehend bis zum Ende des Jahres. Die Verhandlungen über eine Verkürzung der Sperre laufen.

Keine Kontinuität in Brasilien

Was haben die Mannschaften von Avaí, Ponte Preta, Vasco da Gama, Fluminense, Cruzeiro, Botafogo, Grêmio sowie Corinthians gemeinsam? Bei all diesen acht Mannschaften saß am 1. Spieltag der selbe Trainer wie am 20. Spieltag auf der Trainerbank. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass von 20 Mannschaften in der ersten brasilianischen Liga bereits 12 Teams im Laufe der Saison ihren Trainer ausgetauscht haben. Kontinuität sieht anders aus. Die erste Trainerentlassung gab es bereits nach dem zweiten Spieltag. Ney Franco wurde bei Sport Recife durch die Trainerlegende Vanderlei Luxemburgo ersetzt. Auffällig ist auch, dass die Vereine ohne Trainerentlassung in allen Tabellenregionen vertreten sind. Es sind die Topteams Corinthians oder Grêmio aber auch die sich im Abstiegskampf befindlichen Avaí oder Ponte Preta. Den Verantwortlichen reicht meist eine kleine Negativserie um zu reagieren und den Trainer auszutauschen.

Der erste deutsche Spieler

coritiba.com.br

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Es hat lange gedauert bis endlich ein deutscher Spieler den Weg nach Brasilien gefunden hat. Doch in diesem Sommer war es soweit. Alexander Baumjohann, der unter anderem bereits für den FC Bayern München und Schalke 04 auflief, unterschrieb einen Vertrag bis zum Jahresende beim FC Coritiba. Nach guten Saisonstart befindet sich das Team des 30-jährigen aktuell auf Position 12 in der Tabelle und kämpft gegen den Abstieg. Nachdem der Spielmacher erst am 11. Spieltag verpflichtet wurde, musste man von einer kleinen Eingewöhnungszeit ausgehen. Zumindest die Sprachbarriere dürfte keine Probleme dargestellt habe. Da seine Frau Brasilianerin ist, beherrscht er die Sprache fließend. Zu Beginn noch ohne Berücksichtigung für den Kader, wurde er zuletzt regelmäßig berufen. Doch der Deutsche wartet weiterhin auf seinen ersten Einsatz in der brasilianischen Serie A.