Das Torneo Uruguayo geht in seine entscheidende Phase: Die Clausura ist der letzte von drei Saisonabschnitten. Hier entscheidet sich, wer in die Finals darf und wer absteigen muss. Heute um 20:30 eröffnen vier Spiele die Clausura.
Seit diesem Jahr spielt die uruguayische Liga wieder im Jahreskalender. Daher beginnt die Clausura erstmals seit Jahren wieder im südamerikanischen Winter. Weil in Uruguay keine Begrenzungen an Transfers existieren und viele andere Ligen, die nicht im Kalenderjahr spielen, im Juli und August ihre Kaderplanung vorantreiben, sind die Auswirkungen auf die Kader der uruguayischen Teams enorm. So haben einige Stars schon den Weg ins Ausland angetreten. Defensor verlor etwa seinen Spitzenstürmer Maxi Gómez an den spanischen Klub Celta Vigo, bei Peñarol hockt Kapitän Nahitán Nández (wohl zu Boca) auf gepackten Koffern, und Nacional droht neben dem Abgang von Santiago Romero (zu Rosario) auch noch der von Alfredo Espino und/oder Kevin Ramírez.
So bitter solche Wechsel wenige Monate vor den Finalspielen sind, so sehr brauchen die uruguayischen Klubs das Geld. Selbst Nacional und Peñarol, die beiden Grandes, blieben ihren Spielern zuletzt Gehälter schuldig. El Tanque Sisley bekam mal wieder erst 24 Stunden vor Anpfiff der Saison alle Bürgschaften zusammen, um die Clausura bestreiten zu können. Weil jedoch Schulden keine Punktabzüge mit sich bringen, werden die finanziellen Vabanque-Spiele der Vereine wohl weitergehen. Insbesondere Peñarol hat mit zwei finanziell wagemutigen Transfers von sich reden gemacht: Walter Gargano kehrte aus Mexiko in sein Heimatland zurück, und der ehemalige argentinische Nationalspieler Maxi Rodriguez wechselte von den Newell’s Old Boys nach Los Aromos. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, doch bleiben Apertura-Sieger Defensor, Intermedio-Sieger Nacional und Peñarol die einzigen echten Kandidaten.
Die Titelkandidaten
Defensor hat als einziger Klub durch den Sieg in der Apertura seinen Platz in der Endrunde schon sicher. Gewinnt man auch die Clausura, geht der Titel des Torneo Uruguayo gar ohne Endspiele ins Estadio Luis Franzini. Favorisiert ist der Klub dabei aber nicht. Neben Gómez musste man auch die Leistungsträger Matias Zunino und Gonzalo Bueno abgeben – beide just zum größten Konkurrenten, Nacional. Dem gegenüber stehen mit Santiago Carrera und Cecilio Waterman nur zwei mäßig renommierte Neue. Es wäre eine Überraschung, wenn das Team von Alberto Acevedo mal wieder alle Abgänge intern kompensieren und auch in der Clausura um den Titel mitspielen könnte.
Erwartet wird dies dagegen von Nacional. Die Tricolores gewannen nur das Torneo Intermedio, führen aber mittlerweile die Tabla Anual an. Gewinnt man diese, steht man automatisch im Endspiel um den Titel. Ob der angesprochenen finanziellen Probleme backt man etwas kleinere Brötchen, konnte aber immerhin Zunino und Bueno von Defensor abwerben und hat mit Erick Cabaco einen starken neuen Innenverteidiger bekommen. Der Abgang von Santiago Romero schmerzt sehr, und auch Brian Lozano, Sergio Otálvaro und Rafael García waren meist Stammspieler. Bei entsprechenden Angeboten könnten auch Alfredo Espino, Felipe Carballo und Kevin Ramírez noch abwandern und würden vermutlich nicht mehr ersetzt. Bleiben die drei jedoch, hat Nacional wohl immer noch den besten und ausgeglichensten Kader der Liga, und die Truppe von Martin Lasarte bleibt Favorit.
Unter größtem Druck steht Lasartes Kollege Leo Ramos von Peñarol. Bei den Manyas erwartet man nach den punktemäßig soliden, aber eben nicht mit Titeln gekrönten Torneos Apertura und Intermedio nun eine fehlerfreie Runde. Dabei stand Ramos nach einer schlechten Vorbereitung auf die Clausura – insbesondere beim 0:1 gegen Nacional und einem 0:3 gegen Danubio zeigte man eine erbärmliche Frühform – schon haarscharf vor der Entlassung. Besonders bitter stößt den Fans und Verantwortlichen auf, dass Erzrivale Nacional seit einigen Jahren nicht mehr besiegt werden konnte. Viel hängt bei Peñarol daran, ob Nández nun doch bleibt. Geht der beste Spieler des ersten Halbjahres, ist Peñarol auch nach einem massiven Umbruch nicht der erste Titelkandidat, zu konfus ist die sportliche Zusammenstellung der Mannschaft durch den allmächtigen Präsidenten Damiani. Neben Gargano und Rodriguez wurden mit den Mathias Corujo, dem Ex-Frankfurter Guillermo Varela und Fabricio Formiliano einige weitere renommierte Spieler verpflichtet, doch fraglich ist, ob die Rückkehrer Lolo Estoyanoff und Cristian Palacios sowie der Argentinier Lucas Viatri das Offensivproblem der Carboneros lösen können. Hinzu kommen die Unsicherheit im Tor – Gastón Guruceaga sollte eigentlich verkauft werden – und die notorische Unruhe rund ums Trainingszentrum Los Aromos.
Das Verfolgerfeld
Zahlreiche Klubs mussten einen großen Umbruch hinnehmen, der Voraussagen schwierig macht. Insbesondere die Montevideo Wanderers, in der Apertura noch am nächsten dran am Spitzentrio, verloren mit Cristian Palacios, Santiago Martinez, Gastón Bueno, Matias Santos und Mauricio Gómez extrem wichtige Spieler. Bei den Neuzugängen scheint eher das Prinzip Hoffnung zu regieren, so dass ein Platz in der Copa Libertadores ein sehr großer Erfolg wäre. Weniger dramatisch waren die Abgänge bei Cerro, doch auch die Albicelestes verloren Stammspieler wie Abwehrchef Rodrigo Canosa. Unter den Neuen stechen Agustin Gutierrez und Alejandro Villoldo als potentielle Leistungsträger heraus. Boston River, eine der positiven Überraschungen der bisherigen Saison, konnte den Umbruch dagegen relativ klein halten und verlor in Facundo Rodriguez nur einen Stammspieler. So könnten die Rojiverdes sich mit etwas Glück erneut international qualifizieren. Bei allen anderen Klubs kann man rein von den Transfers nicht wirklich von einer Verbesserung reden. Vermutlich bleibt es dabei, dass das Verfolgerfeld sich in gebührendem Abstand zum Spitzentrio einen Kampf um die verbleibenden internationalen Plätze liefert.
Der Abstiegskampf
Die Verantwortlichen von fünf Klubs dürften im Laufe der Saison einige Sorgenfalten auf der Stirn dazubekommen: River Plate, Juventud, El Tanque, Plaza Colonia und Sud América haben klar schlechtere Punktdurchschnitte als der Rest der Liga und dürften die drei Abstiegsplätze unter sich ausmachen. Nicht nur wegen des besseren Durchschnitts ist River Plate dabei der Klub, der dem Abstiegskampf am schnellsten entrinnen könnte. Die Darseneros haben mit Juan Manuel Olivera und Facundo Peraza zwei gute Stürmer dazugewonnen und ohnehin den wohl besten Kader der fünf. Bei den anderen vier Klubs gab es zwar viel Bewegung auf dem Transfermarkt, aber letztlich wenig Klasse – weder bei den Zu- noch bei den Abgängen. Besonders für Plaza Colonia und Sud América dürfte es so extrem schwer werden, noch die Klasse zu halten.
Der erste Spieltag
Samstag, 19.08.2017, 20:30 MEZ:
Racing Club – Cerro
Boston River – Plaza Colonia
Nacional – Juventud
Fénix – Sud América
Sonntag, 20.08.2017, 20:30 MEZ
El Tanque – Peñarol
Liverpool – River Plate
Montevideo Wanderers – Danubio
Rampla – Defensor