Transferflops
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Die 10 größten südamerikanischen Transferflops in der Bundesliga

Ohne Zweifel bringt der südamerikanische Kontinent in steter Regelmäßigkeit Spieler hervor, die bei europäischen Topvereinen Weltruhm erlangen und ihresgleichen suchen. Sei es Ronaldinho, Lionel Messi, Neymar oder auch der “echte” Ronaldo, seit jeher kommt eine Vielzahl an außergewöhnlichen Fußballern aus Südamerika. Leider ist nicht jeder südamerikanische Export zugleich auch ein Glücksgriff, mindestens ebenso viele Spieler können die hohen Erwartungen, die an sie gestellt werden nur bedingt oder gar nicht erfüllen und werden so zu “Transferflops”. Auch die Bundesligavereine bleiben von solchen Fehleinkäufen nicht verschont. Die 10 größten Transfermissverständnisse haben wir hier für euch zusammengestellt.

1. Breno

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Mit großen Vorschusslorbeeren verpflichtete der Branchenprimus FC Bayern München im Jahre 2007 den brasilianischen Innenverteidiger Breno aus São Paulo, der leider in erster Linie abseits des Platzes für Furore sorgen sollte. Ganze 12 Mio. € ließen sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße die Defensivhoffnung kosten; Rummenigge bezeichnete den damals 18-jährigen Nachwuchsakteur als “Investition in die Zukunft”.

In seinen ersten drei Jahren bei den Bayern kam Breno wettbewerbsübergreifend auf lediglich acht Einsätze, in denen er nicht ansatzweise überzeugen konnte. Nach einem Leihgeschäft mit dem 1. FC Nürnberg kehrte Breno 2011 zu den Bayern zurück und man hoffte, dass Breno nun endlich Gas geben würde. Unglücklicherweise waren es nur die Feuerwehrfahrzeuge, die 2011 Gas gaben, sie wurden zu einem Einsatz im Münchner Nobelvorort Grünwald gerufen, eine Villa stünde in Flammen. Wie sich herausstellte, legte Breno nach Alkoholgenuss und Familienstreitigkeiten Feuer in seinem Anwesen und wurde hierbei selbst leicht verletzt. 2012 verurteilte ihn das Gericht zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Der noch bestehende Vertrag mit dem deutschen Rekordmeister wurde selbstverständlich aufgelöst.

Nach vorzeitiger Haftentlassung kehrte Breno Deutschland den Rücken und spielt heute für Vasco da Gama in seiner brasilianischen Heimat.

2. Marcos Antonio

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Auch circa 170 Kilometer weiter nördlich, in der Frankenmetropole Nürnberg, kennt man sich mit südamerikanischen Fehleinkäufen bestens aus. Im Jahr 2012 verpflichtete der “Club” Marcos Antonio, einen Innenverteidiger mit vermeintlich “internationalem Format”. Und damit lagen die Verantwortlichen um Manager Martin Baader ja auch nicht so falsch, schließlich hatte Marcos Antonio zuvor schon mit Rapid Bukarest europäische Luft schnuppern dürfen.

Sein “internationales Format” konnten die Nürnberg-Anhänger allerdings nie zu Gesicht bekommen, was allerdings nicht heißen soll, dass Marcos Antonio den Franken nicht in bester Erinnerung geblieben ist. Zu skurril war sein Bundesligadebüt. Beim Spiel gegen den VfB Stuttgart war es ausgerechnet der hochgelobte Innenverteidiger, der nach 24 (!!) Sekunden mit einem absolut katastrophalen Rückpass das 0:1 verschuldete. Verunsichert durch seinen frühen Patzer machte Marcos Antonio einen Fehler nach dem anderen und stellte eher eine Gefahr für das eigene Team dar. Dieter Hecking, damals Nürnberg-Trainer, zog bereits nach 16 Spielminuten die Reißleine und nahm Marcos Antonio vom Feld, begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert der eigenen Anhänger.

Diese 16 Minuten sollten zugleich auch die Einzigen im Trikot des 1. FC Nürnberg bleiben. 2014 wurde der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Heute spielt Marcos Antonio in Malaysia beim Erstligisten Johor Darul.

3. Carlos Alberto

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Kaum ein Akteur kam mit derart hohen Erwartungen an die Weser die Carlos Alberto, der designierte Nachfolger des zuvor abgewanderten Spielmachers Diego. Ganze 7,8 Mio. € ließ sich Werder Bremen den damals 22-jährigen Brasilianer kosten, bis heute der zweitteuerste Transfer der Vereinsgeschichte!

Leider gehört Carlos Alberto trotz der hohen Ablösesumme und seines Status als Champions League Sieger (2004 mit dem FC Porto) definitiv zu den Transferflops. Die hohen Erwartungen, die an Carlos Alberto gestellt wurden, konnte der junge Brasilianer nie auch nur ansatzweise erfüllen, nur insgesamt fünf Spiele machte er für Werder in seinem ersten halben Jahr. Dafür fiel er abseits des Platzes durch allerhand Disziplinlosigkeiten wie Trainingsverspätungen und ausschweifende Ausflüge in das Nachtleben der Weser-Metropole auf.

Die Verantwortlichen bei Werder hatten auch alsbald Carlos Albertos Faxen dicke; nach Leihen zu São Paulo und Botafogo wechselte er 2010 ablösefrei zu Vasco da Gama. Der Champions League Sieg 2004 sollte das Karrierehighlight des ohne Zweifel hoch veranlagten Spielmachers bleiben.

4. Kahê

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Auch am Niederrhein bei Borussia Mönchengladbach wollte man im Jahre 2005 auf den “Südamerika-Zug” aufspringen und kaufte für circa 1,2 Mio. € den bulligen Mittelstürmer Kahê von Ponte Preta. Auch heute ist Kahê noch vielen Borussia-Fans bekannt, allerdings leider auch aufgrund ausbleibender Leistungen. In seinem ersten Jahr bei der Borussia konnte sich Kahê keinen festen Platz im Kader der Fohlenelf sichern, der junge Brasilianer hatte andauernd mit Übergewicht zu kämpfen. Man munkelte, dass der Torhunger des Transferflops eher zu tatsächlichem Hunger wurde. Besonders Bienenstich und andere Kuchenspezialitäten hatten es dem wuchtigen Angreifer angetan.

Nach einer radikalen Diät in der Sommerpause wollte Kahê in der Spielzeit 2006/07 so richtig angreifen, und zunächst sah es auch gar nicht schlecht aus. In den ersten fünf Spielen der Saison erzielte Kahê vier Tore. Es schien so, als würde der Mittelstürmer endlich liefern. Die vier Treffer blieben allerdings auch die einzigen Erfolgserlebnisse von Kahê am Niederrhein, sodass das Kapitel Bundesliga des Transferflops ein jähes Ende nahm.

Im August 2007 wechselte Kahê in die Türkei, heute schnürt er für Yeni Amasyaspor seine Stiefel.

5. Federico Insua

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Allerdings war Kahê nicht der einzige südamerikanische Fehleinkauf der Borussia. Im Sommer 2006 präsentierten die “Fohlen” den damaligen Rekordtransfer Federico Insua.

Für den argentinischen Spielmacher überwies Mönchengladbach 4,5 Mio. € an die Boca Juniors, man ging damals laut Präsident Rolf Königs an die Grenzen des finanziell Machbaren. Der 15-malige argentinische Nationalspieler konnte mit den hohen Erwartungen an seine Person allerdings nicht umgehen und somit nicht die kreative Anspielstation im Spiel der Fohlenelf werden. Obwohl Insua in seiner Premierensaison in 32 Ligapartien von Anfang an auf dem Platz stand, gelangen ihn in dieser Zeit nur mickrige zwei Törchen und zwei Vorlagen, definitiv zu wenig für eine derart hohe Ablösesumme.

Nach nur einem Jahr entschloss sich Insua bereits zu einem Wechsel, dem man von Vereinsseite aus keine Steine in den Weg legte, zumal dessen neuer Verein CF América aus Mexiko knapp 4,2 Mio. € an die Borussia überwies. Mittlerweile hat der hochveranlagte Spielmacher nach Stationen in Argentinien, Kolumbien und der Türkei seine Karriere allerdings beendet, ohne jemals über den Status einen Transferflops hinausgekommen zu sein.

6. Michel Bastos

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Als Ersatz für Lewis Holtby, der damals nach einer starken Saison nach England zu den Tottenham Hotspurs wechselte, nahmen die königsblauen Knappen 2013 den Brasilianers Michel Bastos ins Visier. Nachdem die Ablösemodalitäten mit Olympique Lyon geklärt waren, schloss sich der damals 29-jährige Linksaußen dem FC Schalke 04 zunächst auf Leibasis an.

Sportlich gesehen war für Bastos das Kapitel Schalke 04 auch gar nicht so katastrophal. In 14 Partien erzielte der Brasilianer vier Treffer. Nicht gut, aber auch nicht schlecht. Allerdings soll es immer wieder Unstimmigkeiten und Reibereien mit anderen Mitspielern sowie mit Trainer Jens Keller gegeben haben, sodass man bei S04 dem Brasilianer keine Steine in den Weg legte, als er bereits nach sieben Monaten in die arabische Wüste zu Al-Ain wechseln wollte.

Die Transferrechte des Spielers lagen zum damaligen Zeitpunkt weiterhin bei Olympique, Schalke hatte lediglich die Option, bei einem eingegangen Angebot für den Spieler ebenfalls eines abzugeben. Manager Horst Heldt nahm von einer Verpflichtung allerdings Abstand, was angeblich auch dem Willen des Spielers entsprach. Heute spielt Michel Bastos in der höchsten brasilianischen Spielklasse bei Palmeiras.

7. Juan Pablo Sorín

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Im Klub der südamerikanischen Transferflops der Bundesliga stellt auch der HSV einen Vertreter. Im Anschluss an die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland entschied man sich in der Hansestadt, einen echten Weltstar zu verpflichten. Juan Pablo Sorín, Kapitän der Albiceleste, sollte die wacklige Defensive des Bundesligadinos festigen und über die Außen auch offensive Akzente setzen. Nichts davon klappte jedoch.

In der Vorsaison hatte Sorín mit dem FC Villareal überraschend das Halbfinale der Champions League erreicht, in der die Hamburger in der Spielzeit 2006/07 nach dem dritten Platz im Vorjahr ebenfalls teilnahmeberechtigt waren. Die Freude über den Transfer währte allerdings nicht lange. Sorín wurde durch diverse Verletzungen zurückgeworfen, letztlich verpasste der Argentinier mehr Partien als er tatsächlich absolvierte, sodass bereits in der Winterpause Spekulationen über einen Weiterverkauf aufkeimten. Nach zwei enttäuschenden Jahren, in denen Sorín nicht ansatzweise an die Leistungen beim spanischen Erstligisten Villareal anknüpfen konnte, verließ er die Hanseaten wieder in Richtung Brasilien, ohne bleibende Fußspuren im Elbsand hinterlassen zu haben.

8. França

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Ein besonders peinlicher, aber auch tragischer Vertreter der südamerikanischen Transferflops in der Bundesliga ist ohne Zweifel França. Der Mittelfeldspieler sollte als Abräumer vor der Abwehr fungieren, absolvierte in seinen zwei Jahren allerdings kein einziges Spiel für die Hannoveraner, und das aus mehreren Gründen. Doch eines nach dem anderen.

Den Verantwortlichen bei Hannover um Manager Jörg Schmadtke war es in erster Linie wichtig, einen körperlich robusten und hochgewachsenen Mittelfeldspieler zu verpflichten, um die nötige körperliche Komponente in das Spiel von 96 zu bekommen. França erschien auf dem Papier wie geschaffen dafür, sodass man sich im Januar 2013 dazu hinreißen ließ, insgesamt 1,3 Mio. € an Ex-Klub Coritiba FC zu überweisen.

Beim Medizincheck in der niedersächsischen Landeshauptstadt folgte dann jedoch der Schock. Statt 1,91 Meter, wie versprochen, maß der Brasilianer nur 1,81 Meter, ganze zehn Zentimeter weniger! Zuerst fiel der Schwindel dem damaligen Coach Mirko Slomka auf, der selbst 1,87 m groß ist. Beim Gang in die Kabine und dem ersten Aufeinandertreffen bemerkte dieser, dass der brasilianische Neuzugang deutlich kleiner als er selbst war.

Hannover versuchte sogar, die ganze Sache zu vertuschen. In der offiziellen Mitteilung des Vereins bezeichnete Manager Schmadtke den Mittelfeldakeur als “1,90 m und 88 Kilogramm schweren Mittelfeldspieler, der genau in das Anforderungsprofil passt”.

Aufgrund eines Fitnessrückstandes absolvierte França zunächst ein zweiwöchiges Aufbautraining, ehe er erstmals für die “Roten” in einem Testspiel auflief, in dem er sich direkt verletzte. Die Blessur stellte sich zwar zunächst nur als Kniereizung heraus, sodass er bereits nach einwöchiger Zwangspause wieder ins Training zurückkehren konnte. Kurz vor dem anstehenden Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim jedoch ereilte sowohl Spieler als auch Verein die Schocknachricht. Tuberkulose. Ganze vier Monate setzte die schwerwiegende Lungenkrankheit den Brasilianer außer Gefecht, eine schwere Zeit für alle Beteiligten. Im Januar 2014 wurde França in seine Heimat an Palmeiras ausgeliehen. Bereits ein Jahr später, im Januar 2015 folgte dann der endgültige Wechsel zu Figueirense.

9. Fernando Santos

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Ein Transfer des TSV 1860 München, der nicht nur sündhaft teuer war, sondern auch den Rausschmiss des damaligen Chefscouts Stefan Schwarz bedeuten sollte. Fernando Santos. Der 1,91 m große Innenverteidiger schloss sich im Jahr 2003 den “Löwen” an, konnte den Abstieg allerdings nicht verhindern.

Ganze 1,2 Mio. € überwiesen die Giesinger im Winter 2003/04 an Santos Jugendklub Flamengo. Der damalige Coach Falko Götz bezeichnete Fernando Santos als seinen absoluten Wunschspieler, der trotz seines noch jungen Alters eine Führungspersönlichkeit darstelle und dem Verein direkt helfen könne. Weit gefehlt. Der brasilianische Defensivakteur absolvierte zehn Partien für den Münchner Traditionsverein, die nahezu alle an eine Katastrophe grenzten. Haarsträubende Fehler im Spielaufbau, einfachste Abspielfehler, miserables Stellungsspiel sind nur einige der Makel des brasilianischen Transferflops gewesen, sodass die 60er sich bereits nach nur einer Halbserie von Santos trennten. Dieser schloss sich Austria Wien an, konnte allerdings auch dort nicht ansatzweise überzeugen. Nach zwei Jahren in der Heimat bei Flamengo versuchte es Santos 2007 erneut mit der Bundesliga, wieder mit eher überschaubarem Erfolg.

Beim MSV Duisburg kam Santos zwar anfangs regelmäßig zum Einsatz, allerdings zog er sich alsbald einen Jochbeinbruch zu, sodass er den Abstieg der Zebras nicht mehr verhindern konnte. Am Ende der Spielzeit wurde der Vertrag aufgelöst und Fernando Santos kehrte in seine Heimat zurück. Im Jahr 2015 beendete der Innenverteidiger seine Karriere, ohne jemals groß sportlich in Erscheinung getreten zu sein.

10. Julio dos Santos

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Nach dem Abgang von Mittelfeldleader Michael Ballack zum FC Chelsea im Sommer 2005/06 klaffte ein großes Loch im Mittelfeld des Rekordmeisters. Beim deutschen Branchenprimus war man sich sicher, den designierten Nachfolger des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft in Paraguay gefunden zu haben. Julio dos Santos, vielversprechendes Talent des Hauptstadtklubs Cerro Porteno und Paraguays “Fußballer des Jahres”, wechselte für 2,7 Mio. € an die Isar um “El Capitano” zu beerben. Doch weit gefehlt.

Da dos Santos erst ab der Rückrunde spielberechtigt war, sollte sich der 22-jährige Paraguayer an die höheren physischen Anforderungen der höchsten deutschen Spielklasse zunächst im Kraftraum gewöhnen. Fitnesscoach Werner Leuthard schnallte ihm in seiner ersten Trainingseinheit einen 50 kg schweren Traktorreifen an den Rücken. Beim Versuch, diesen zu ziehen, scheiterte dos Santos kläglich, nicht einen Zentimeter konnte er diesen voranbewegen.

Sein Bundesligadebüt gab der Mittelfeldspieler am letzten Spieltag der Saison 2005/06 beim 3:3 Unentschieden gegen Borussia Dortmund. In der darauffolgenden Saison kam dos Santos lediglich auf acht Partien, sodass die Verantwortlichen an der Säbener Straße eine Ausleihe für das Beste hielten, der VfL Wolfsburg stand als Abnehmer parat.

In der niedersächsischen Provinz erhielt dos Santos allerdings auch keine wirkliche Spielpraxis. Einen Tag nach Bekanntgabe des Wechsels brach dos Santos sich das Wadenbein und war somit vorerst außer Gefecht gesetzt.

Nach seine Rückkehr zum Rekordmeister wurde dos Santos erneut verliehen, einmal zu UD Almería in die spanische Primera División und nach Brasilien zu Grêmio Porto Alegre. Da auch diese beiden Stationen von eher mäßigem Erfolg gekrönt waren, verkauften die Bayern das paraguayische Wunderkind 2008 an Atlético Paranaense nach Brasilien. Heute spielt dos Santos bei Sportivo Liqueno in seiner Heimat Paraguay.