FC Barcelona – chefutbol http://www.chefutbol.com football news from Latin America and elsewhere Fri, 20 Jul 2018 08:07:57 +0000 en-GB hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.1 http://www.chefutbol.com/content/uploads/2025/06/twitter_400x400_v3-75x75.jpg FC Barcelona – chefutbol http://www.chefutbol.com 32 32 Vom Bewunderer zum Nachfolger http://www.chefutbol.com/deutsche-posts/vom-bewunderer-zum-nachfolger http://www.chefutbol.com/deutsche-posts/vom-bewunderer-zum-nachfolger#respond Thu, 19 Jul 2018 15:56:04 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=10576 Der Transfer stand schon lange im Raum, nun wurde der Wechsel vom Brasilianer Arthur zum FC Barcelona offiziell bestätigt. Der Mittelfeldspieler von Grêmio Porto Alegre wechselt für eine Summe von 31 Millionen, die durch Bonuszahlungen noch die 40-Millionen-Marke knacken kann,...

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Der Transfer stand schon lange im Raum, nun wurde der Wechsel vom Brasilianer Arthur zum FC Barcelona offiziell bestätigt. Der Mittelfeldspieler von Grêmio Porto Alegre wechselt für eine Summe von 31 Millionen, die durch Bonuszahlungen noch die 40-Millionen-Marke knacken kann, in die katalanische Hauptstadt. Chefutbol stellt den neuen Brasileiro im Barça-Dress vor.

Rasante Entwicklung 2017 und eine Ausstiegsklausel von 400 Millionen Euro

Ein Brasilianer geht, ein anderer Brasilianer kommt. Paulinho, der erst vergangenes Jahr zum spanischen Meister gewechselt war, trat laut Medienberichten mit seinem Wechselwunsch an die Klubführung heran und hat den Verein mittlerweile wieder in Richtung China verlassen. Im neu aufgestellten Barça-Mittelfeld sah er trotz beachtlicher Leistungen im Vorjahr, seine Einsatzzeiten schwinden. Der Grund dafür: Arthur Henrique Ramos de Oliveira Melo, kurz Arthur.

Der schmächtig wirkende Spieler kommt als gestandener Erstliga-Spieler nach Europa und hat sich nach seinem Durchbruch 2017 bei Grêmio, ins Notizbuch der europäischen Spitzenklubs gespielt. Der FC Barcelona wurde früh als Favorit gehandelt und machte in der Folge das Rennen um Arthur.

Seine rasante Entwicklung begann im Dezember 2025 mit seinem Profidebut im Spiel gegen Botafogo und setzte sich 2017 fort. Arthur wurde Stammspieler, schoss sein erstes Profitor, führte Grêmio zum Sieg in der Copa Libertadores und wurde am Ende des Jahres dafür mit der Auszeichnung Prêmio Craque do Brasileirão (Entdeckung des Jahres) ausgezeichnet. Zudem wurde er erstmals in die Seleção berufen, blieb allerdings (noch) ohne Einsatz.

Durch seinen Wechsel nach Europa macht Arthur den nächsten großen Schritt in seiner Karriere und tritt zugleich in Fußstapfen, die größer nicht sein könnten. Es ist für den FC Barcelona Jahr eins nach Andres Iniesta und schon jetzt wird Arthur als dessen Nachfolger bezeichnet. Sein neuer Verein traut ihm zu sportlich irgendwann die Lücke schließen zu können, die Iniesta durch seinen Wechsel nach Japan hinterlässt. Arthurs Vertrag ist bis 2024 datiert, seine Ausstiegsklausel wurde in mittlerweile normal scheinende Sphären gehoben: 400 Millionen Euro.

Arthur Melo/Facebook

Große Fußstapfen und Ähnlichkeiten

Einen Vergleich mit Iniesta zu ziehen, ist nach dessen erbrachten Leistungen und Erfolgen in den letzten Dekaden zwar fehl am Platz, dennoch sehen viele Experten das zukünftige Mittelfeld der Katalanen durch Arthur bestens aufgestellt. Und nicht nur die optischen Ähnlichkeiten wie das zurückhaltend und höflich wirkende Erscheinungsbild lassen erahnen, weshalb bei Barcelona die Verpflichtung von Arthur nach dem Iniesta-Abschied höchste Priorität besaß. Genau wie Iniesta galt Arthur bei Grêmio in seiner Jugendzeit als Wunderkind mit besonderen Fähigkeiten. Auch er bleibt bei seinem Heimatklub dem er bereits mit 14 beitrat – und der, wie er bei seinem Abschied erklärte, für alles verantwortlich sei, was er in seiner Karriere bislang erreicht habe – stets als großer Stratege in Erinnerung. Er kann das Spiel lesen, erahnt Räume bevor andere es tun und brilliert mit einer Technik, die es ihm erlaubt auch gegen körperliche überlegene Gegenspieler zu glänzen. Er hat in seiner Zeit bei Grêmio nicht mit Toren und unglaublichen Tricks überzeugt, sondern vielmehr in der Rolle als Taktgeber und Vorbereiter. Anders als die spanische Legende, die auch häufiger auf dem linken Flügel zum Einsatz kam, wird sich Arthur vermehrt im Zentrum aufhalten. Er hat gerne den Ball am Fuß und das Spiel vor sich, was ihn im Vergleich zu Iniesta etwas defensiver agieren lässt.

Bei allen Vorschuss-Lorbeeren die den Wechsel begleiten, wird der 20-Jährige zunächst wohl noch Zeit benötigen, sich an die spanische Liga und den europäischen Fußball anzupassen. Je schneller und besser die Integration verläuft, desto eher winkt eine zweite Einladung von Nationaltrainer Tité.
Bei den traditionell heimatverbundenen Barça-Fans in Katalonien dürfte der bescheidene Arthur fraglos gut ankommen. Sein Lieblingsort auf der Welt ist sein Heimatort Goiâna im Bundesstaat Goiás. Sein Fußball-Held niemand geringeres als: Andres Iniesta.

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Telegramm: Spanien und Portugal http://www.chefutbol.com/europa/spanien-portugal-aves-iniesta-torres-392892 http://www.chefutbol.com/europa/spanien-portugal-aves-iniesta-torres-392892#respond Sun, 20 May 2018 22:06:57 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=10244 Neben dem Saisonabschluss von LaLiga, stand an diesem Wochenende das portugiesische Pokalfinale auf der Agenda. Wobei, aufgrund der Verabschiedungen von Andrés Iniesta und Fernando Torres, der historische Pokalsieg von Desportivo Aves leider ein wenig in den Hintergrund gerät.  Madrid: Adiós Fernando “El...

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Neben dem Saisonabschluss von LaLiga, stand an diesem Wochenende das portugiesische Pokalfinale auf der Agenda. Wobei, aufgrund der Verabschiedungen von Andrés Iniesta und Fernando Torres, der historische Pokalsieg von Desportivo Aves leider ein wenig in den Hintergrund gerät. 

Madrid: Adiós Fernando “El Niño” Torres

Nach dem Europa-League Triumph unter der Woche und dem legendär-coolen Auftritt von Co-Trainer Germán „El Mono“ Burgos, galt es für die Anhänger der Colchoneros heute Fernando Torres zu verabschieden. Das Wanda Metropolitano verneigte sich vor dem Kind des Vereins mit einer riesigen Choreographie vor Spielbeginn. Die Gäste-Spieler aus Eibar standen vor Schlusspfiff Spalier für den EL-Sieger, und bleiben sogar nach Schlusspfiff noch zur Ehrung des Stürmers auf dem Feld, und applaudierten.

Der Rahmen war perfekt, und der gefeierte Star bedankte sich mit einem Doppelpack zum Saisonabschluss. Negativ fielen bei dem 2:2 Unentschieden die Pfiffe einiger Atlético-Fans gegen Antoine Griezmann auf, da sich dieser noch nicht bezüglich seiner Zukunft geäußert hat. Erst als Abwehrchef Godín die Fans darum bat, dies zu unterlassen, drehte sich die Stimmung um 180°, und der Fortnite-Fan wurde gefeiert.

Barcelona: Adiós Andrés “El Fantasma” Iniesta

Später am Abend verabschiedete sich in Barcelona ein weiterer spanischer Welt- und Europameister. Die Rede ist von Andrés Iniesta, dem WM-Finaltorschützen von 2014. Der abschließende 1:0 Sieg gegen die Basken aus San Sebastían geriet dabei zur reinen Nebensache. Gràcies Andrés!

Valencia: Mestalla wird doch noch 95

Das älteste Stadion Spaniens, das Estadio Mestalla in Valencia, feierte heute, am letzten Saisonspieltag seinen 95. Geburtstag. Dank dem immer noch nicht fertiggestellten Nou Mestalla, wird das altehrwürdige Stadion 2019 den 100. Geburtstag des Vereins, sowie noch eine weitere Champions-League Saison erleben. Die Ches beendeten die Saison mit 73 Punkten, nur drei weniger als Real, auf Platz 4. Nach dem abschließenden 2:1 Sieg gegen Deportivo La Coruna feierte die Mannschaft mit den Fans die sehr gelungene Saison.

Portugal: Clube Desportivo das Aves gelingt die Sensation

Im portugiesischen Pokalfinale standen sich das skandalgeplagte Sporting Lissabon und der große Außenseiter von Desportivo Aves gegenüber. Der Verein aus dem 8.000-Einwohner Städtchen setzte sich mit 2:1 gegen die Mannschaft von Jorge Jesus durch, und holte den ersten Pokaltitel der Vereinsgeschichte. Alexandre Guedes erzielte für Aves nach 16 Minuten nach einem Konter das 1:0, und auch für das vorentscheidende 2:0 in der 72. Minute war der 24-jährige verantwortlich. Das Tor von Aves hütete der ehemalige Ex-Nationaltorwart Quim, der inzwischen 42 Jahre alt ist. Sporting bäumte sich in der Schlussphase noch einmal auf, kam jedoch durch Montero (86.) nur noch zum Anschlusstreffer. Hätte Bas Dost, der nach der Attacke unter der Woche mit Turban auflief, in der 80. Minute seine 100% Chance genutzt, hätten sich die Hauptstädter eventuell doch noch in die Verlängerung retten können. Durch die unerwartete Finalniederlage zerstörte sich Sporting die Saison komplett. Denn am letzten Wochenende hatte man bereits  die sicher geglaubte Champions-League Teilnahme verspielt . Um das Estádio Alvalade hängt der Haussegen schief, und es darf eine unruhige Sommerpause erwartet werden.

FC Porto: Parabéns Iker Casillas

Im Schatten der Verabschiedung von Gianluigi Buffon bei Juventus Turin geriet der Geburtstag eines anderen großen Torhüters ein wenig in Vergessenheit. Iker Casillas wurde am Wochenende 37., und in diesem Zusammenhang zeigten sich auch einige Real Madrid-Fans in den sozialen Netzwerken reumütig darüber wie unwürdig, im Vergleich zu Buffon, man den verdienten Spieler damals “vom Hof gejagt” hatte.

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FC Barcelona — Das größte Debakel der Vereinsgeschichte? http://www.chefutbol.com/europa/spanien/fc-barcelona-rom-debakel-284759 http://www.chefutbol.com/europa/spanien/fc-barcelona-rom-debakel-284759#respond Thu, 12 Apr 2018 00:23:26 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=9778 Barcelona scheidet im Viertelfinale aus der Champions League aus. Kennt man schon. Aber so schlimm wie diesmal, gegen die AS Rom, war es noch nie. Weil es so unterwartet kam – und so unnötig wie nie zuvor. Vermutlich haben sie...

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Barcelona scheidet im Viertelfinale aus der Champions League aus. Kennt man schon. Aber so schlimm wie diesmal, gegen die AS Rom, war es noch nie. Weil es so unterwartet kam – und so unnötig wie nie zuvor.

Vermutlich haben sie in Barcelona schon Hotels verglichen in Liverpool, München oder Madrid. Haben sich in auf mögliche Halbfinalgegner vorbereitet, schon Material für Videoanalysen zusammengesucht und sich gefragt, ob es eine anstrengende Woche wird, wenn am 21. April das Copa del Rey-Finale ansteht gegen Sevilla und es wenige Tage später im Champions-League-Halbfinale gegen einen großen Gegner geht.

Die gute Nachricht für alle im Katalonien: Darüber muss man sich jetzt keine Sorgen mehr machen. Denn der stolze FC Barcelona, der Club von Lionel Messi, von Iniesta und Piqué, von Luis Suarez und Sergio Busquets, ist raus aus der Champions League. Gescheitert an der Associazione Sportiva Roma, dem Tabellendritten der italienischen Liga, nach einem 4:1 im Hinspiel. Unfassbar, unglaublich, unbeschreiblich.

Ganz Fußball-Europa reibt sich verwundert die Augen. Jürgen Klopp konnte die Nachricht vom Ausscheiden der Blaugrana nach dem eigenen Triumph gegen Manchester City erst gar nicht glauben. Andere, wie die Ex-Realspieler Guti und Alvaro Arbeloa, amüsieren sich köstlich und teilen das in den sozialen Medien auch allen mit, die es interessiert.

Wie aber ist das möglich, dass der Pokalfinalist, der ungeschlagene spanische Tabellenführer und designierte Meister, der Champions-League-Mitfavorit auch bei den Buchmachern so untergeht?

Die größte spanische Sportzeitschrift Marca hat in ihrer Internetausgabe die Fans gefragt. Etwa die Hälfte der Teilnehmer an der Umfrage gibt der Mannschaft die Schuld. Falsch liegen sie nicht. Der Torwart ter Stegen? Noch der beste Mann bei den Gästen, aber beim frühen 1:0 durch Dzeko (6. Spielminute) zu zögerlich. Die Abwehr? Ein Hühnerhaufen. Umtiti, der seit Wochen mit seiner Form kämpft, und auch Piqué waren mit den großen Stürmern Schick und vor allem Dzeko überfordert. Bei jedem hohen Ball in den Strafraum brannte es lichterloh. Auch, weil Semedo und Alba auf ihren Seiten viele Flanken nicht verhinderten und offensiv praktisch nicht zu sehen waren und nicht für Entlastung sorgten. Semedo, der 30-Millionen-Euro-Neuzugang, kam beim entscheidenden 0:3 viel zu spät und war vermutlich der schlechteste Mann auf dem Platz. Im Mittelfeld erreichte ebenfalls niemand Normalform. Der noch vor kurzem verletze Busquets konnte nicht wie gewohnt das Spiel beruhigen oder mit gezielten Pässen aufbauen. Rakitic an seiner Seite ging ebenso im Sturm und Drang der Römer unter wie Sergi Roberto auf rechts und der bemitleidenswerte Andres Iniesta, der gefühlt keinen einzigen Zweikampf gewann.

Selbst Messi wirkte überfordert

Und vorne? Luis Suarez rieb sich wie gewohnt auf, aber bekam kaum gute Zuspiele im oder um den gegnerischen Strafraum. Und Lionel Messi, der am Wochenende mit drei Toren der Matchwinner gegen den spanischen Zwerg Leganes war, wirkte müde und überfordert. Ein großes Wort für den Mann, den viele als besten Spieler der Welt oder sogar der Geschichte betrachten. Fakt ist, dass Messi nun zum dritten Mal in Folge im Viertelfinale aus der Champions League ausscheidet. Ein Tor ist ihm dabei weder gegen Atletico Madrid 2025 noch gegen Juventus 2017 noch gegen Rom 2018 gelungen. Der überragende Mann in La Liga ist in Europa viel zu oft nicht auf der Höhe. War sich die ganze Mannschaft, die vermeintlich in Bestbesetzung in Rom auflief, zu sicher, dass es nicht mehr schief gegen kann nach dem 4:1 im Hinspiel? Spätestens nach dem frühen Rückstand galt diese Ausrede nich mehr.

Auch Ernesto Valverde hat seinen Anteil an der Katastrophe. Der Trainer setzt seit Monaten sehr oft, vielleicht viel zu oft, auf die gleichen 12, 13 Akteure. Spieler aus der zweiten Reihe wie Denis Suarez, Lucas Digne, Paco Alcácer oder der erst im Winter verpflichtete Yerry Mina spielen kaum eine Rolle. Die Stars müssen statt dessen fast immer ran. Dabei ist die Liga im Grunde seit Wochen entschieden, die meisten Trainer hätten längst viel mehr rotiert, gerade gegen kleine Gegner. Vielleicht liegt es an Valverdes Unerfahrenkeit bei absoluten Topclubs, dass er die anstrengenden Wochen im März und April, wenn es in die entscheidende Saisonphase geht, unterschätzt hat.

Aber nicht nur vor dem Spiel gegen Rom, auch während der Partie leistete er sich einen großen Fehler. Was tut ein Trainer, wenn er merkt, dass seine Mannschaft keinen Fuß auf den Boden bekommt? Er reagiert – taktisch oder mit neuem Personal. Was tat Valverde? Viel zu lange nichts. Nicht nach dem frühen Gegentreffer, nicht in der Halbzeit, als es längst nötig gewesen wäre, mindestens einen Spieler aufzuwechseln. Vor allem Iniesta und Semedo hätten sich dafür angeboten, der robuste Paulinho hätte zumindest körperlich dagegen gehalten, wenn es der ganzen Mannschaft schon nicht gelingt, ihr Kurzpassspiel durchzuziehen. Der pfeilschnelle Dembélé wäre zudem eine Option gewesen, gegen die hoch stehenden Römer mit langen Bällen zu agieren. Er kam erst in der 81. Minute – da stand es schon 0:3 aus Sicht der Blaugrana und Rom stellte sich logischerweise hinten rein. Valverde wirkte 90 Minuten lang ratlos statt entschlossen. Diese Niederlage geht auch auf sein Konto.

Xavi wurde vermisst

(Klopp Reaktion bei 7:30)

Auch die Club-Führung muss sich an die eigene Nase fassen. Was spätestens gegen Rom offensichtlich wurde, ist das Fehlen eines Xavi. Den genialen Regisseur konnte seit seinem Weggang 2015 niemand ersetzen. Zwar spielte er in seiner letzten Saison keine so große Rolle mehr, kam auch im Champions-League-Finale gegen Juventus nur von der Bank. Aber ein Zufall ist es nicht, dass Barcelona den Henkelpott seitdem nicht mehr gewonnen hat. Trotz Messi, Suarez, Busquets und all der anderen Stars. Vor dieser Spielzeit sollte Marco Verratti die Lücke füllen. Geklappt hat das nicht. Zudem ist Andres Iniesta, Xavis kongenialer Partner bei etlichen Triumphen, merklich in die Jahre gekommen. Der 33-Jährige ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Ivan Rakitic und Paulinho sind andere Spielertypen, denen die Eleganz, die Übersicht und das perfekte Passspiel eines Xavi fehlt. Die Folge: Barcelona spielt nicht mehr so dominant im Mittelfeld, hat weniger Spielkontrolle. Der Blick auf die Tabelle in La Liga täuscht darüber hinweg, dass diese Mannschaft oft, viel zu oft auf die Tore und Vorlagen ihres Superstars angewiesen ist. Auch Neymar fehlt. Sein kurzfristig im Sommer gekaufter Ersatz, Ousmane Dembélé, scheint (noch) mit den großen Fußstapfen überfordert. In der spanischen Presse gilt er auch angesichts seiner horrenden Ablösesumme von 140 Millionen Euro inklusive Prämien schon als Fehleinkauf. Der im Winter gekaufte Philippe Coutinho darf in der Champions League nicht mitspielen.

Selbst wenn der FC Barcelona erwartungsgemäß mit goßen Abstand und womöglich sogar ohne Niederlage die Liga gewinnt und auch die Copa del Rey holt. Diese Saison is seit Dienstagabend eine der größten Enttäuschungen in der Vereinsgeschichte. Wegen einer bitteren Niederlage, an der jeder seinen Anteil hat.

 

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Marc Cucurella: Ein Außenverteidiger nach Guardiolas Prägung http://www.chefutbol.com/einer-fur-die-zukunft/marc-cucurella-ausenverteidiger-guardiolas-pragung http://www.chefutbol.com/einer-fur-die-zukunft/marc-cucurella-ausenverteidiger-guardiolas-pragung#respond Sun, 04 Feb 2018 12:18:24 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7741 Wenn vor einigen Jahren die Rede von sogenannten “Schlüsselspielern” war, dachte wohl zunächst jeder Fußballbegeisterte an zentrale Mittelfeldspieler wie Ronaldinho, die es stets vermochten, den tödlichen Pass in die Schnittstelle zu spielen oder an den abschlusstarken Mittelstürmer wie Ruud van...

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Wenn vor einigen Jahren die Rede von sogenannten “Schlüsselspielern” war, dachte wohl zunächst jeder Fußballbegeisterte an zentrale Mittelfeldspieler wie Ronaldinho, die es stets vermochten, den tödlichen Pass in die Schnittstelle zu spielen oder an den abschlusstarken Mittelstürmer wie Ruud van Nistelrooy, den man über 80 Minuten kaum sah und der trotzdem aus dem Nichts im Sechzehner auftauchte und zum wichtigen 1:0 Siegtreffer einnetzte. Einen Außenverteidiger hätten wohl damals die Wenigsten unter eben jene Kategorie subsumiert, Roberto Carlos hier vielleicht einmal ausgenommen. Heute nehmen die Außenverteidiger in nahezu allen praktizierten Spielsystemen derartige Schlüsselpositionen ein, dementsprechend schwierig ist es, auf diesen Positionen wirkliche Qualität zu finden. Der FC Barcelona kann sich jedoch mehr als glücklich schätzen. Deren etatmäßiger Linksverteidiger Jordi Alba hat mit 28 Jahren zwar noch einige Saisons auf höchstem Niveau vor sich, der designierte Nachfolger steht aber schon bereit. Die Rede ist von Marc Cucurella. Wir stellen den 18-jährigen Linksverteidiger besser vor. 

Guardiolas Vermächtnis

Mit dem Aufstieg des exzentrischen Katalanen Pep Guardiolas begann im Jahr 2006 auch der Aufstieg der Außenverteidiger. Dass Guardiola den modernen Fußball, wie er sich heute darstellt, mit seinen nahezu unbesiegbaren Blaugrana geprägt und nachhaltig verändert hat, ist hinlänglich bekannt. Der Fokus bei der Spielanalyse lag allerdings oft auf der Position des “falschen Neuners”, die Pep mit Leo Messi selbstredend perfekt besetzt hatte. Unumstößlich für den Erfolg des Systems von Guardiola sind jedoch auch die Außenverteidiger, und das gleich aus mehreren Gründen.

Guardiolas Spielstil basiert darauf, mit viel Ballbesitz den Gegner aus seiner Grundformation zu zwingen und die dadurch entstehenden Räume auszunutzen, unabhängig von der eigenen taktischen Aufstellung. Denn egal, ob Guardiola ein 3-1-4-2 oder ein 4-1-4-1 spielen lässt, die Startformation ist bei Pep letztlich nicht mehr als eben genau das, die Startformation. Meist lässt er die Außenverteidiger “invertiert” auflaufen, das bedeutet letztlich, dass die Außenverteidiger in die Mitte schieben, um zum Einen mehr Passoptionen durch typische Dreieckskonstellation zu kreiieren und es den Außenstürmern wie Sané und Sterling zu ermöglichen, höher in die gegnerische Hälfte zu drücken, ohne dabei jeglichen Fokus auf die Defensivarbeit legen zu müssen. Hinzu kommt, dass hierdurch Überzahlsituationen geschaffen werden und der Gegner seine Flügelstürmer ebenfalls in die Mitte ziehen muss, was zu Lasten der offensiven Möglichkeiten geht. Die genaue Idee dahinter findet ihr verständlich hier noch einmal erklärt.

Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass der Spanier vor der aktuellen Spielzeit für Benjamin Mendy, Kyle Walker und Danilo insgesamt knapp 140 Mio. € auf den Tisch legte. Auch während seiner Zeit beim FC Bayern waren David Alaba und Philipp Lahm bzw. Juan Bernat und Rafinha von übergeordneter Bedeutung für die aufeinanderfolgenden Meistertitel der Münchner.

Allerdings hat nicht jeder Verein das Glück, derartige Spieler in den eigenen Reihen zu haben. Auch gibt es nur eine Handvoll Klubs, die mal eben dreistellige Millionenbeträge für diverse Spieler locker machen können. Eine aktuell noch vergleichsweise günstige Lösung für dieses Dilemma könnte der junge Marc Cucurella sein. Der 18-jährige Katalane, der zunächst beim Lokalrivalen Espanyol Barcelona seine fußballerischen Anfänge machte, befindet sich seit mittlerweile sechs Jahren bei Barca, bei denen er alle Jugendmannschaften durchlief und dort zum Außenverteidiger nach Guardiolas Prägung wurde. Vor seiner Zeit als Chefcoach bei den Katalanen war Guardiola für den Nachwuchs verantwortlich und impfte den Spielern schon bald seine Spielphilosophie ein, Barcelona profitiert heute noch von der Arbeit des spanischen Startrainers, Denis Suarez und Sergi Roberto sind wohl die aktuell prominentesten “La Masia”-Absolventen.

Da man in Barcelona weder mit den Leistungen des Franzosen Lucas Digne zufrieden ist, noch Wunschspieler Lucas Hernández von Atlético Madrid seine Koffer in Richtung Katalonien packte, man aber trotzdem nach einem Backup für den arg strapazierten Jordi Alba sucht, könnte Cucurella die naheliegendste und zugleich beste Lösung für die Blaugrana sein.

Cucurella als kompletter Außenverteidiger

Denn der junge Spanier bringt nahezu alles mit, was es heutzutage braucht, um auf der Bühnen des internationalen Fußballs erfolgreich zu sein. Cucurella zeichnet sich durch ein immenses Tempo und eine hohe Spielintelligenz aus, zusätzlich verfügt er über ein mehr als solides Pass-und Flankenspiel, sodass er es sowohl vermag, als “invertierter” Außenverteidiger im zentralen Mittelfeld den Spielaufbau mitzugestalten, als auch mit überlappenden Läufen über die Außen Überzahlsituationen zu generieren und Bälle hinter die gegnerische Abwehr gefährlich in den Strafraum zu bringen. Nicht umsonst hat der FC Barcelona diesen Sommer erst den Vertrag mit Cucurella, dessen Marktwert auf 2,5 Mio. taxiert wird,  bis 2021 verlängert, die vertraglich fixierte Ausstiegsklausel beläuft sich auf 12 Mio. €. Die Katalanen haben sich jedoch eine einseitige Vertragsoption vorbehalten. Sollte die Entwicklung des jungen Linksverteidigers wie erwartet voranschreiten, könnte Barca den Kontrakt einseitig um weitere zwei Jahre verlängern, die fixierte Ablöse würde sich in diesem Fall auf 30 Mio. € erhöhen.

In dieser Spielzeit kam Cucurella bereits 19 mal für die zweite Mannschaft in LaLiga 2 zum Einsatz, sein Profidebüt für die erste Mannschaft der Katalanen gab er vergangenen Oktober in der Copa del Rey. Beim 3:0 Sieg über Murcia kam Cucurella für Lucas Digne in die Partie. Bei der vergangenen Sommertour durch die USA des 24-maligen spanischen Meisters war Cucurella ebenfalls mit von der Partie.

Bei allem Talent ist selbstredend klar, dass Ernesto Valverde bei Cucurella noch auf keinen “fertigen” Spieler zurückgreifen kann, der in jeder Spielsituation einen kühlen Kopf bewahrt und mit stets richtigen Entscheidungen aufzuwarten weiß. Für junge Spieler ist es unabdingbar, sich auf dem Platz auch auszuprobieren und auch Fehler zu machen. Problematisch ist für Cucurella hierbei allerdings, dass er nicht bei irgendeinem Verein auf dem Platz steht, sondern bei einem der größten Klubs der Welt. Fehlertoleranz ist nun nicht unbedingt eine Tugend, die bei Barcelona zwingend groß geschrieben wird.

So gesehen hat Cucurella zwei Möglichkeiten. Zunächst besteht die Option, weiter auf Einsatzzeiten zu warten und in den Trainingseinheiten einen guten Eindruck zu hinterlassen. Cucurella könnte sich so mehr und mehr in das Team hineinarbeiten, sich von Größen wie Piqué, Alba und Busquets den ein oder anderen Kniff abschauen und so peu a peu zu einem Außenverteidiger mit internationalem Format zu reifen. Die zweite Möglichkeit besteht in einer Leihe. Auch Spieler wie Philipp Lahm mussten einst den Umweg über einen kleineren Verein, in jenem Fall den VfB Stuttgart gehen, bevor er sich beim Branchenprimus FC Bayern durchsetzen könnte. Eine Ausleihe zu einem LaLiga-Verein könnte somit sowohl für Cucurella als auch Barca Sinn ergeben, vorausgesetzt Valverde baut in den verbleibenden Ligaspielen nicht auf den Youngster. Unabhängig davon, wie der FC Barcelona die Situation mit Cucurella handhabt, sollte der Außenverteidiger sein ohne Zweifel vorhandenes Potenzial in naher Zukunft voll ausschöpfen und zu kontinuierlichen Einsätzen kommen, dürfte auch Pep Guardiola im fernen Manchester noch einmal einen wehmütigen Blick zurück an die alte Wirkungsstätte werfen.

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EL Jefecito zieht weiter: Hasta luego, Javier Mascherano http://www.chefutbol.com/europa/spanien/hasta-luego-javier-mascherano-547584 http://www.chefutbol.com/europa/spanien/hasta-luego-javier-mascherano-547584#respond Thu, 25 Jan 2018 15:14:38 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7578 Nach siebeneinhalb Jahren beim FC Barcelona und über zehn Spielzeiten in England und Spanien nimmt einer der ganz großen Spieler Abschied von der europäischen Fußballbühne. Javier “El Jefecito” Mascherano wechselt zu Hebei China Fortune. Bei den Blaugrana hatte er zuletzt...

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Nach siebeneinhalb Jahren beim FC Barcelona und über zehn Spielzeiten in England und Spanien nimmt einer der ganz großen Spieler Abschied von der europäischen Fußballbühne. Javier “El Jefecito” Mascherano wechselt zu Hebei China Fortune. Bei den Blaugrana hatte er zuletzt zu wenig Einsatzzeiten, um sich für den argentinischen WM-Kader zu empfehlen.

Auf der Statistikplattform “WhoScored” heißt es unter Javier Mascheranos Eigenschaften als Spieler “likes to tackle”. Natürlich handelt es sich dabei um eine Standardformulierung, die auf etliche andere Defensivspieler zutrifft. Doch El Jefecito, der kleine Häuptling, wie er wegen seiner nur 1,74 Metern Körpergröße genannt wird, kann regelrecht als Verkörperung dieser Spielweise stehen. Mascherano räumt gerne ab. Das tut er selten unfair, für seine beherzten Grätschen findet er fast immer das richtige Timing und trifft entsprechend auch den Ball. Viele erinnern sich noch an die Schlüsselszene im Halbfinale der WM 2014 in Brasilien, als Arjen Robben in der Nachspielzeit beim Stand von 0:0 in den Strafraum der Argentinier eindrang und zum Torschuss ansetze. Es war El Jefecito, der etwas gegen das Ausscheiden der Albiceleste hatte, sich in den Schuss warf und den Ball zur Ecke abwehrte.

Diese Spezialität dürfen ab jetzt die Fans in China bestaunen. Genauer gesagt in der Hafenstadt Qinhuangdao in der Provinz Hebei. Trainiert wird Hebei China Fortune vom Chilenen Manuel Pellegrini. Zu Mascheranos neuen Mitspielern zählen sein Landsmann Ezequiel Lavezzi, der Ivorer Gervinho und der Brasilianer Hernanes. Das sind gute Kicker, aber mit Lionel Messi, Luis Suarez, Andres Iniesta und Co. nicht zu vergleichen. Wieso also der Wechsel?

Schwieriger Anfang bei Barça für Mascherano

Masche genoss und genießt in Barcelona das allerhöchste Ansehen. Im Sommer 2010 war er aus der Premier League, wo er für West Ham und den FC Liverpool im zentralen Mittelfeld gefightet und das Spiel organisiert hatte, zu den Blaugrana gewechselt. Pep Guardiola hatte mit den Katalanen soeben die zweite Meisterschaft in seiner zweiten Saison gefeiert und daraufhin Yaya Touré, dem das junge Eigengewächs Sergio Busquets im zentral defensiven Mittelfeld den Rang abgelaufen hatte, für 30 Millionen Euro nach England verkauft. Im Gegenzug wechselte Mascherano für 20 Millionen Euro nach Katalonien. Sollte er Busquets’ neuer Konkurrent um den Platz vor der Abwehr werden? Sein erstes halbes Jahr im rotblauen Dress gestaltete sich schwierig. Der Mittelfeldabräumer Mascherano schien nicht so recht zum Spielstil der Blaugrana zu passen. Aber bald stellte sich heraus: Pep hatte eine Idee, wie er die Stärken des Argentiniers einbringen konnte.

Denn El Jefecito fand sich, oft neben Gerard Piqué, zur Überraschung vieler in der Innenverteidigung wieder. Leicht war es nicht und es dauerte eine Weile, ehe sich Mascherano an die Herausforderungen auf der neuen Position gewöhnt hatte. Doch es war einer dieser Schachzüge von Pep Guardiola, die auf dem Papier niemand so richtig verstand, die aber in etlichen Spielen hervorragend funktionierten.

Mascherano als Innenverteidiger

Was Mascherano zugute kam, war die Jobbeschreibung eines Innenverteidigers beim FC Barcelona. Während bei anderen Clubs vor allem das Wegköpfen von Bällen aus dem Strafraum und das Ausschalten von gegnerischen Stürmern gefragt war, mussten Innenverteidiger unter Pep für andere Qualitäten stehen. Bei fast immer mehr als 60 Prozent Ballbesitz und aggressivem Anlaufen der gegnerischen Abwehrreihe durch die Offensivabteilung wartete auf Masche und Co. nur selten die klassische Abwehrarbeit. Viel häufiger ging es darum, dass der Ball wie gewünscht in den Reihen der Blaugrana zirkuliert. Sich für den Mitspieler anbieten, eine saubere Ballannahme, das Auge für den Nebenmann und der entsprechende Pass – ob zum zehn Meter entfernten Innenverteidigerkollegen Gerard Piqué oder auch mal steil in den Lauf eines Lionel Messi.

Das alles gehört längst zum Profil eines modernen Verteidigers, aber bei Barcelona war Mascheranos Handwerkszeug unter Pep und seinen Nachfolgern noch mehr gefragt als irgendwo sonst auf der Welt. Denn die Blaugrana standen oft so hoch, dass jeder Fehlpass und jeder unnötige Ballverlust den Gegner zum kontern einlud. Hier kam ein ums andere Mal der Zweikämpfer Mascherano ins Spiel. Der schnellste war der Argentinier auch als junger Spieler nicht, aber neben einem guten Stellungsspiel zeichnete ihn aus, dass er genau zum richtigen Zeitpunkt zum Ball ging.

Legendäre Grätsche gegen Bendtner

Mascherano selbst erzählte Journalisten einst, es sei wohl das Rückspiel gegen Arsenal im Achtelfinale der Champions League gewesen, das ihm den Weg zum Stammspieler in der Innenverteidigung ebnete. Nicklas Bendtner, damals noch bei den Gunners, war schon einschussbereit vor Victor Valdes, doch der Argentinier grätschte in höchster Not dazwischen. Der Rest ist Geschichte. Barcelona holte den Königspokal und Mascherano war fortan als Innenverteidiger eine feste Größe und erlebte goldene Jahre in Katalonien.

Völlig unumstritten war El Jefecito aber schon in den vergangenen Jahren nicht. Trotz aller Stärken, es gibt einfach komplettere Verteidiger im Spitzenfußball. Immer wieder wurde spekuliert, wann Mascherano ersetzt wird. Einige Jugendspieler konnten sich gegen ihn und Gerard Piqué nicht durchsetzen, einen teuren Neuzugang in der Abwehr holten die Blaugrana lange nicht. Das lag an Mascheranos Qualitäten und seiner vorbildlichen Arbeitsauffassung. Aber, wie man munkelt, etwas auch am Einfluss Lionel Messis, der sich für seinen Landsmann einsetzte. Erst in der vergangenen Saison gelang es dem Neuzugang Samuel Umtiti, den alternden Argentinier nach und nach zu verdrängen. Dennoch kam El Jefecito im dritten Jahr unter Luis Enrique noch auf 25 Ligaspiele, davon 20 von Beginn an, und war auch in der Champions League fast immer gesetzt.

Trainerwechsel zu Valverde läutet Mascheranos Ende ein

Zu Mascheranos Verhängnis wurde der Trainerwechsel im vergangenen Sommer. Unter Ernesto Valverde dominiert der FC Barcelona die spanische Liga nach Belieben, es läuft auch in der Champions League und bis zur Niederlage gegen Espanyol auch im Pokal. Aber Valverdes Barcelona unterscheidet sich in einigen Punkten von jenem von Pep und seinen Nachfolgern. Denn der neue Trainer lässt, auch wegen Neymars Abgang, Dembélés langwieriger Verletzung im Herbst und weil Flügestürmer Gerard Deulofeu zu Beginn der Saison nicht überzeugte, fast immer mit einem 4-4-2 spielen.

Valverde setzt viel mehr auf defensive Stabilität als auf Fore-Checking, Barcelona steht insgesamt tiefer. Gegner bekommen nun etwas mehr Zeit am Ball, der Raum vor der Abwehr wird durch Ivan Rakitic, der neben Busquets oft als zweiter “6er” agiert, verdichtet. Das heißt auch: Teilweise wird der Gegner zu Flanken aus dem Halbfeld eingeladen. Es heißt nun also doch wieder öfter “Ball wegköpfen” für die Abwehrreihe der Katalanen. Der Kauf des kolumbianischen Hünen Yerry Mina, der mit 1,95 Metern Mascherano überragt, ist da nur folgerichtig. Zuletzt, als sich abzeichnete, dass Mascherano den Verein im Winter verlassen wird, bekam er von Valverde noch einige Gelegenheiten, sich zu zeigen und sich gebührend von den Fans zu verabschieden. Er erledigte seine Arbeit so, wie er es immer getan hat, mit der nötigen Konsequenz und Konzentration. Bei seinem letzten Ligaspiel gegen Levante Anfang des Monats konnte Mascherano auch noch einmal sein gutes Auge für den Mitspieler zeigen. Butterweich hob er den Ball vor dem 2:0 in den Lauf von Außenverteidiger Sergi Roberto, dessen Ablage Luis Suarez verwertete. Später lag es nur an Suarez’ schwachem Abschluss, dass Mascherano in dieser Saison für einen weiteren überragenden Pass kein Assist mehr zugeschrieben wird. Beim heutigen Copa-Spiel gegen Espanyol steht er nicht mehr im Kader.

Goldener Karriereherbst

Nun hat El Jefecito die Konsequenzen aus seinen geringeren Einsatzzeiten gezogen. Eine neue Herausforderung im Reich der Mitte wartet. Er kann sich dort den Karriereherbst vergolden – es ist die Rede von umgerechnet rund sieben Millonen Euro pro Jahr und damit mehr, als er in Katalonien verdient haben soll. Und er kann sich für die WM 2018 in Russland in Form bringen. Dort will er beim vermutlich letzten großen Highlight einer langen Karriere nochmal richtig angreifen. Die Champions League hat El Jefecito zweimal gewonnen, dazu jeweils viermal spanische Liga und Copa del Rey, zweimal die Club WM. Er gehörte ab 2010 zum legendären Pep Team, das für viele Fans die beste Vereinsmannschaft aller Zeiten ist. In der vergangenen Saison durfte er über sein erstes und nun auch einziges Pflichtspieltor für Barcelona jubeln – beim 7:1-Kantersieg gegen Osasuna durfte er einen Elfmeter verwandeln.

International hat Javier Mascherano aber noch etwas nachzuholen. Bei der WM 2014 wurde er zweiter Sieger, auch bei der Copa America hatte er im Trikot der Albiceleste kein Glück, viermal ging das Finale verloren. Auch wenn China fußballerisch keine große Herausforderung für den 33-Jährigen sein dürfte, Javier Mascherano wird weiterhin alles geben. “Es wird seltsam sein, in die Kabine zu kommen und dich dort nicht neben mir zu sehen”, hatte Lionel Messi seinem alten Kumpel als Abschiedsworte mit auf den Weg gegeben. Auch “La Pulga” weiß, was er an Mascherano hatte und hat. Und dass er sich im Sommer in Russland wieder auf einen der besten Ballverteiler und Zweikämpfer dieses Jahrzehnts verlassen kann.

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Happy Birthday Pep Guardiola – Cruyffs leidenschaftlichster Schüler wird 47 http://www.chefutbol.com/europa/england-de/happy-birthday-pep-guardiola-878747 http://www.chefutbol.com/europa/england-de/happy-birthday-pep-guardiola-878747#respond Thu, 18 Jan 2018 14:07:27 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7439 Er galt schon als Spieler als verlängerter Arm des damaligen Barcelona-Trainers  Johan Cruyff, der den La Masia-Absolventen förderte, wo er nur konnte. Heute ist Ballbesitz-Guru Josep Guardiola einer der erfolgreichsten Trainer der Welt, an dem sich etliche Kollegen orientieren. Ob...

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Er galt schon als Spieler als verlängerter Arm des damaligen Barcelona-Trainers  Johan Cruyff, der den La Masia-Absolventen förderte, wo er nur konnte. Heute ist Ballbesitz-Guru Josep Guardiola einer der erfolgreichsten Trainer der Welt, an dem sich etliche Kollegen orientieren. Ob er den Erfolg, den er als Trainer in vier Spielzeiten beim FC Barcelona hatte, auch ohne Messi und Co. wiederholen kann, muss Pep aber noch zeigen.

Verhinderte ein unaussprechlicher isländischer Vulkan die erste Verteidigung des Champions-League-Titels, ganze sieben Jahre, bevor es Real Madrid unter Zinedine Zidane fertigbrachte? Nach dem Triple 2009 galten die Blaugrana dank Spielern wie Regisseur Xavi, Andres Iniesta und dem noch jungen Lionel Messi als klarer Favorit auf die Titelverteidigung im Königspokal. Torjäger Samuel Eto’o, im Finale 2009 noch Torschütze gegen Manchester United, hatte man vor der Saison an Inter Mailand abgegeben. Ausgerechnet. Vor dem Halbfinale gegen eben jenes Inter, trainiert von José Mourinho, machte Eyjafjallajökull den Reiseplänen der Katalanen einen Strich durch die Rechnung. Eine Aschewolke machte einen Flug unmöglich, die etwa 1000 Kilometer lange Busreise soll einen halben Tag gedauert haben. Das Ergebnis ist bekannt. 3:1 gewann Inter im Hinspiel, im Rückspiel ermauerten die Lombarden ein 0:1, obwohl sie eine Stunde in Unterzahl agierten. Ein Vulkan spielte womöglich eine Rolle beim Ausscheiden, genau wie Samuel Eto’o. Aber mit Sicherheit auch die Trainer. Der eine wollte spielen, der andere gewinnen.

Mourinhos Triumph war Peps Scheitern. Barcelona hatte in diesem Spiel im Camp Nou 86,4 Prozent Ballbesitz, 93,6 Prozent aller Pässe kamen beim Mitspieler an (Statistiken laut Sky Sports). Zahlen, die Pep entzücken mussten. Aber Barcelona brauchte Tore, keinen Ballbesitz.

Pep sollte die Champions League 2011 erneut gewinnen, insgesamt holte er in vier Spielzeiten als Trainer bei seinem Heimatverein satte 14 Titel. Peps Barcelona gilt vielen als beste Vereinsmannschaft mindestens der letzten Jahrzehnte. Und dennoch muss die Frage erlaubt sein: Wäre noch mehr möglich gewesen mit einem etwas weniger dogmatischen Trainer? Zugegeben, er hatte Lionel Messi als “falsche Neun” zum vielleicht besten Spieler aller Zeiten gemacht und Gegner dank unzähliger Passstaffetten erst müde und dann schwindelig spielen lassen.

Guardiola – Passen um des Passens willen?

Peps Barcelona legte so viel Wert auf Kontrolle, dass zeitweise fast jede Ecke kurz ausgeführt wurde. In seinen besten Momenten war dieses Barcelona eine perfekt abgestimmte Maschine, die Gegner mit Leichtigkeit überrollte. Manchmal aber, wie schon 2010 gegen Inter Mailand und vor allem in der Saison 2011/2012, wirkte Barcelona wie eine Karikatur des Ballbesitz-Fußballs. Passen um des Passens willen, viel Spielkontrolle ist noch nicht genug. Trotz eines enttäuschenden vierten Jahres: Pep galt als Wundertrainer, als er sich nach vier Spielzeiten und 14 Titeln eine einjährige Auszeit in New York gönnte.

Waren seine anschließenden drei Jahre in München ein Erfolg? Der deutsche Abo-Meister hatte Pep nicht geholt, um die Schale zu verteidigen. Man wollte den europäischen Titel. Den holte Jupp Heynckes prompt 2013, aber sein Nachfolger scheiterte dreimal im Halbfinale.

Vom deutschen Serienmeister zum englischen Krösus. Dort legte der Katalane in seiner ersten Saison eine Bauchlandung hin. Ein Jahr ohne Titel? Das war nicht sein Anspruch, und auch nicht der des schwerreichen Vereins. Doch dieses Jahr läuft es. Die Liga hat Pep fast schon in der Tasche. Auch dank des nötigen Kleingelds, dass Pep für Verstärkungen zur Verfügung gestellt bekam. Bei Manchester City kann sich Pep finanziell austoben, er kann Verteidiger zu Stürmerpreisen kaufen und hat das Team, seit er es im Sommer 2025 übernahm, schon ordentlich umgekrempelt – mehr als 450 Millionen Euro flossen seit Sommer 2025 in neue Akteure. Von den 13 Spielern, die am vergangenen Wochenende bei der ersten Saison-Niederlage gegen den FC Liverpool zum Einsatz kamen, holte Pep sieben. Vier weitere kamen im Jahr zuvor. Citys Idenfikationsfiguren sind der Argentinier Sergio Agüero und der Spanier David Silva.

Vielleicht am entscheidendsten für den Erfolg in der Premier League in diesem Jahr: Er hat in Keeper Ederson einen mitspielenden Schlussmann, der nach dem Vorbild des FC Barcelona den gepflegten Pass in den Fuß des Kollegen einem Abschlag ins Nirgendwo vorziehen soll. Claudio Bravo, den Pep im Jahr zuvor von Barelona loseiste, hätte diese Rolle im vergangenen Jahr übernehmen sollen, machte aber überhaupt keine gute Figur und wärmt jetzt die Bank.

Sieg in der Champions League ohne Messi & Co?

Wie bei Bayern soll Pep Man City vor allem den internationalen Erfolg bringen. Geht es nach den Buchmachern, gehen die Sky Blues als Favorit in die K.O.-Spiele der Champions League. Dank eines sündteuren Kaders, der in dieser Saison national wie international gut funktioniert und die meisten Reifeprüfungen mit Bravour bestanden hat. Und dank eines Coaches, der weltweit bewundert wird. Aber mehr denn je zuvor ist Pep unter Druck. Nachdem die Premier League schon so gut wie eingetütet ist, kann er sich in der Rückrunde verstärkt auf die europäische Bühne konzentrieren.

Peps Idee von Fußball ändert sich nicht. Dank vieler Pässe den Gegner laufen lassen, müde spielen, selbst Sicherheit gewinnen. Tore für City fallen häufiger in der zweiten Halbzeit. Keine Niederlage, sei sie gegen den Erzrivalen Mourinho oder seinen deutschen Quälgeist Jürgen Klopp, der City am vergangenen Wochenende die erste Pleite der Saison beibrachte, wird Guardiola am Ballbesitzfußball zweifeln lassen. Dieser Stil, Cruyffs Idee und längst seine eigene, hat ihm große Erfolge als Spieler und Trainer gebracht. Er hat den europäischen Fußball der vergangenen Jahre geprägt wie kaum ein anderer.

Aber nachdem sein Image als Dauergewinner im vergangenen Jahr erste Kratzer erhalten hat, liegt es jetzt am 47-Jährigen, in den kommenden Spielzeiten die Fragen zu beantworten, die sich viele Fußball-Fans mittlerweile stellen: Das legendäre Barcelona – war das Peps Mannschaft? Oder doch eher jene von Xavi, Messi, Iniesta? Kann er sich bei einem zweiten Verein unsterblich machen oder schrumpft er in England vom bewunderten Über-Trainer zu einem (nur noch) sehr guten Coach, der das Glück hat(te), immer die beste oder teuerste Mannschaft betreuen zu dürfen?

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Los Niños del Habana – Die ersten spanischen Fußballspieler in England http://www.chefutbol.com/neben-dem-feld/los-ninos-del-habana-fusball-392827 http://www.chefutbol.com/neben-dem-feld/los-ninos-del-habana-fusball-392827#respond Wed, 17 Jan 2018 15:56:04 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7448 Nach dem verheerenden Bombardement Guernicas durch die deutsche Luftwaffe im Jahr 1937, wuchs im nicht weit entfernten Bilbao die Angst ebenfalls Ziel eines solchen Angriffs zu werden. Aus diesem Grund verließ am 20.5.1937 ein Boot voller Kinder den Hafen der...

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Nach dem verheerenden Bombardement Guernicas durch die deutsche Luftwaffe im Jahr 1937, wuchs im nicht weit entfernten Bilbao die Angst ebenfalls Ziel eines solchen Angriffs zu werden. Aus diesem Grund verließ am 20.5.1937 ein Boot voller Kinder den Hafen der Stadt in Richtung Southampton. Unter ihnen befanden sich die ersten spanischen Fußballer, die einmal in England spielen sollten.

Das Baskenland mit seiner Hauptstadt Bilbao leistete im spanischen Bürgerkrieg, genauso wie Katalonien, lange Widerstand gegen Franco’s Truppen. Doch während dieser Unterstützung von Hitler’s Legion Condor erhielt, bekamen die Anhänger der Republik kaum Hilfe aus dem Ausland, und waren zudem untereinander schlecht organisiert. Das Bombardement Guernicas, das durch Pablo Picasso‘s Gemälde traurige Berühmtheit erlangt hat, stellte einen Wendepunkt des Krieges dar, der sich von da an endgültig zu Franco’s Gunsten entwickelte. Vor allem das bisher unbekannte Ausmaß des deutschen Fliegerangriffs, machte den Menschen in der Region Angst, und brachte sie dazu ihre Kinder ohne Begleitung, Hals über Kopf ins Ausland zu schicken. Insgesamt wurden ca. 30.000 Kinder während dem spanischen Bürgerkrieg ins Ausland evakuiert, davon ca. 4.000 nach England. Dabei hatte man im Königreich zuerst überhaupt keine Kinder aufnehmen wollen, lockerte diese Haltung jedoch nach dem Guernica-Angriff. Mit dem Ergebnis, dass am 20. Mai 1937 die für 400 Personen ausgelegte Habana, mit 4.000 Kindern an Bord in Bilbao mit dem Ziel Southampton auslief, und dabei von zahlreichen baskischen Fischerbooten begleitet wurde, um sie vor U-Boot-Angriffen zu schützen.

Ankunft im Königreich

Das Königreich hatte zwar zugestimmt, dass die Kinder kommen dürften, aber auch deutlich gemacht, dass diese nicht auf Staatskosten versorgt werden würden. Die Organisation die sich der Kinder annahm, war das neugegründete „Basque Children‘s Comittee“, dass es tatsächlich schaffte genügend Spenden für die Versorgung der Kinder zu sammeln. Das Kinderkomitee erbat 1 Penny/Woche als Spende in der Stadt. Die Kinder wussten ursprünglich gar nicht wo sie hinfahren würden. Nach einer Ankunftsuntersuchung wurden sie im ganzen Land verteilt, wobei viele im Raum Southampton blieben, wo sie sehr herzlich aufgenommen wurden. Anfangs waren sie in Zelten untergebracht, und die Kinder sammelten durch Aktivitäten und Aufführungen selbst Spenden. Vermutlich bekamen die Einwohner der englischen Hafenstadt zum ersten Mal in ihrem Leben baskische und andalusische Volkstänze zu sehen. Und natürlich wurde auch Fußball gespielt, und es fielen schnell zwei auf, die „ziemlich brillant waren“. Die Rede ist von Sabino Barinaga und Raimundo Lezama, die beide in die Jugendmannschaft vom FC Southampton kamen. Torwart Lezama wurde sogar von einem Vereinsverantwortlichen, der gleichzeitig RAF-Pilot war, bei sich zu Hause aufgenommen. Einige Zeit später, in der 2. Mannschaft der Saints ragten beide hinaus, Barinaga machte Tore (43 Tore in 12 Spielen), der Lezama hielt das eigene sauber.

Doch das Schicksal nahm mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs eine weitere Wendung, denn jetzt wo in Spanien nicht mehr gekämpft wurde, begann die deutsche Luftwaffe Southampton zu bombardieren; zwischen dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs und dem Ausbruch des 2. Weltkriegs lagen nur vier Monate. Deshalb wurden die meisten Kinder, unter ihnen Barinaga und Lezama, wieder zurück in die spanische Heimat geschickt, in der zwar viele Hunger litten, selbst Brot war rationiert, man jedoch keine Luftangriffe mehr fürchten musste. Ungefähr 400 Kinder wurden nicht zurückgefordert, blieben in England, und mussten sich selbst durchschlagen. Einer von ihnen war Emilio Aldecoa, der einige Jahre später, nach Ende des 2. Weltkriegs, tatsächlich der erste spanische Profispieler in England wurde. Bis es soweit kommen sollte, arbeitete er als Elektriker in Stafford, wo er nebenbei in der Betriebsmannschaft Fußball spielte. Während Aldecoa sich noch gedulden musste, brachten die Heimkehrer ihre Karrieren in Schwung.

Spanien: Raimundo Lezama (1922 – 2007) und Sabino Barinaga (1922 – 1988) 

Trotz der vielen Zerstörungen und der leidenden Bevölkerung wurde in Spanien der Fußballbetrieb relativ schnell wiederaufgenommen, was sich für die beiden ehemaligen Saints als Glücksfall erwies. Lezama absolvierte kurz nach seiner Rückkehr ein Probetraining bei Arenas Club de Guecho/Getxo, welches der Präsident nach zehn Minuten unterbrach, und ihm mitteilte, dass er verpflichtet sei. Jedoch blieb er nicht lange dort, da schon bald Athletic Bilbao auf ihn aufmerksam wurde, und er dorthin wechselte. Bei dem baskischen Traditionsverein legte Lezama eine große Karriere hin, und er gewann sechsmal den Pokal sowie zwei Meisterschaften mit den Leones (Löwen). Außerdem war er der erste Torhüter der in Spanien den Ball aus der Hand abschlug. Dies hatte er in England gelernt, und verblüffte damit die Fans in der Heimat, denn die spanischen Torhüter legten den Ball zum Abstoß immer auf den Boden. Die Fans liebten ihn auch wegen seiner extravaganten, riskanten Spielweise, da er ebenfalls der erste war, der in Manuel Neuer-Manier aus dem Sechzehner herausging. Diese für damals einzigartigen und tollkühnen Aktionen wurden von den Fans nach ihm benannt, und hießen “Lezamadas”.

https://orgulloathleticzale.wordpress.com/2013/05/30/un-poco-de-historia-raimundo-perez-lezama/

Sein ehemaliger Mitspieler Sabin Barinaga sollte eine noch erfolgreichere Karriere hinlegen. Er wurde von Real Madrid nach einem zweitägigen Probetraining mit 60.000 Peseten und 600 Peseten Monatsgehalt zur Unterschrift überredet. Von diesem Gehalt konnte er leicht die ganze Familie ernähren, deren Haus im Bürgerkrieg zerstört worden war. Sein berühmtestes Tor erzielte er beim 3:1 Sieg gegen Belenenses Lissabon, denn es war das erste Tor, dass jemals im Santiago Bernabéu erzielt wurde (14.12.1947). Außerdem gelangen ihm einst in einem Pokalspiel gegen den FC Barcelona vier Tore in nur dreizehn Minuten. Sein Spitzname war „El inglés de Durango“ (der Engländer aus Durango). Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er als Trainer, und coachte unter anderem die Nationalteams von Nigeria und Marokko.

England – Emilio Aldecoa (30.11.1922 – 04.09.1999)

Während des 2. Weltkriegs wurde die englische Liga regionalisiert, da weite Reisen zu gefährlich waren, und es wurde nur noch samstags, und ohne Flutlicht gespielt. Außerdem waren viele Spieler eingezogen worden, sodass die Vereine nach Ersatzspielern suchten. Dieser Umstand eröffnete die Chance für Aldecoa, der zu diesem Zeitpunkt weiter in seiner Betriebsmannschaft (English Electric) spielte, aber eines Tages von den Wolverhampton Wanderers zu einem Probetraining eingeladen wurde, wo er überzeugte und 1943 einen Zweijahresvertrag erhielt. Das erste Spiel des 20-jährigen war gegen Crewe Alexandra, welches ihn zum ersten Spanier machte, der in England professionell Fußball spielte. In seiner ersten Spielzeit erzielte er 11 Tore in 30 Spielen und war Top-Torschütze der Mannschaft. Nach den zwei Jahren wechselte der Spanier berufsbedingt weiter zu Coventry City. Dort spielte mit José Bilbao noch ein weiterer Spanier von der Habana bei Coventry, der es aber nur auf wenige Einsätze brachte. Aldecoa steuerte bei seinem Debüt in der 1. Mannschaft gegen den F.C. Portsmouth gleich einen Treffer zum 3:1 Sieg bei. Als der Spielbetrieb im Mutterland des Fußballs 1947/47 wieder aufgenommen wurde, traten die Sky Blues (die Himmelblauen) in der 2. Liga an. Der Lohn lag zu dieser Zeit noch nicht bei 150.000 Pfund/Woche, sondern zwischen 8 und 10 Pfund pro Woche. Im Sommer, wegen der Pause, sogar nur bei 5-6 Pfund, sodass sich die Spieler Nebenjobs suchen mussten. Nach Coventry verwirklichte sich Aldecoa den Traum, den die meisten baskischen Kinder haben, und er verließ seine Wahlheimat wo die Zuschauer ins Stadion kamen um die Grätschen zu bewundern, und wechselte zu Athletic Bilbao.

http://www.ccfpa.co.uk/content/uploads/2014/05/Coventry-City-1945-46a.jpg

Die damalige Athletic Mannschaft war jedoch so eingespielt und erfolgreich, dass er kaum zum Zuge kam, und deshalb enttäuscht nach Valladolid weiterzog. Mit Valladolid erreichte er das Pokalfinale gegen Atlético, das aber nach Verlängerung verloren ging. Aber er sollte noch genügend Titel sammeln dürfen, denn er wechselte anschließend für 600.000 Peseten zum FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann „el inglés“ (der Engländer) zwei Meisterschaften und drei Pokale. Und in einer Saison traf der schnelle Stürmer mit dem starken linken Fuß in einem Pokalhalbfinale auf Athletic Bilbao, und erzielte zwei Treffer im San Mamés.

Spanische Dokumentation:

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Bem-Vindo Philippe Coutinho oder cartera statt cantera http://www.chefutbol.com/europa/spanien/bem-vindo-philippe-coutinho-456785 http://www.chefutbol.com/europa/spanien/bem-vindo-philippe-coutinho-456785#respond Sun, 07 Jan 2018 19:59:41 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7329 Mit der Verpflichtung von Philippe Coutinho beendet der FC Barcelona eine sechsmonatiges Transfertheaterstück. Für 120 Millionen Euro plus 40 Millionen Euro in Variablen wechselt der Brasilianer von Liverpool zu den Blaugrana. Was bedeutet der Wechsel für den Club, den Spieler...

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Mit der Verpflichtung von Philippe Coutinho beendet der FC Barcelona eine sechsmonatiges Transfertheaterstück. Für 120 Millionen Euro plus 40 Millionen Euro in Variablen wechselt der Brasilianer von Liverpool zu den Blaugrana. Was bedeutet der Wechsel für den Club, den Spieler und Barcelonas Philosophie?

Es war ein komisches halbes Jahr für den FC Barcelona. Statt Marco Verratti, an dem man aggressiv gebaggert hatte, zu verpflichten, ging Superstar Neymar nach Paris. Ein Wechsel von Philippe Coutinho gelang trotz aller Bemühungen bis zum letzten Tag der Sommertransferperiode nicht, statt dessen holte man für viel Geld Ousmane Dembélé, der sich postwendend verletzte. Zudem wurden die Blaugrana im spanischen Supercup von Real Madrid phasenweise vorgeführt und die Fußballwelt lästerte und rätselte über den 40-Millionen-Transfer von Paulinho aus China. Wenige Monate später stehen die Katalanen dank Trainerfuchs Ernesto Valverde, dank Keeper Marc-André ter Stegen in Topform, dank eines genialen Lionel Messi und auch dank Paulinhos Toren deutlich vor der Konkurrenz auf Tabellenplatz Eins in La Liga, sind souverän durch die Champions-League-Gruppenphase marschiert, haben zuletzt das Clásico in Madrid gewonnen und strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Und jetzt hat auch noch der Wunschtransfer im zweiten Versuch geklappt. Coutinho kickt in Zukunft für den FC Barcelona.

Die Verlockung nach Titeln ist groß

Wer könnte dem 25-Jährigen diesen Wechsel verdenken? Der Brasilianer verlässt einen Verein, dessen letzter Meistertitel über 25 Jahre zurückliegt und der auch in Europa in den vergangenen Jahren kaum für Forure gesorgt hat. Und er geht zu einem Club, der aller Voraussicht nach bereits kommenden Sommer mindestens einen großen Titel feiern kann. Der FC Barcelona müsste sich in der Rückrunde regelrecht anstrengen, um nicht spanischer Meister zu werden. In der Champions League ist Coutinho zwar bis Sommer nicht spielberechtigt, weil er in dieser Spielzeit bereits für Liverpool im gleichen Wettbewerb gekickt hat, aber kommendes Jahr wird er sich mit den Blaugrana mehr Chancen auf den Königspokal ausrechnen als mit den Reds, die sich womöglich gar nicht für den Wettbewerb qualifizieren. Zudem lockte den Brasilianer eine der schönsten Städte Europas samt Mittelmeerküste und angenehmeren Temperaturen als an der englischen Westküste. Und bei allem Respekt vor Salah, Mané und Co.: Wer würde nicht gerne in einem Team mit Lionel Messi spielen? Und mit Luis Suarez trifft Coutinho auch einen alten Bekannten wieder. In der Saison 2013/2014, bevor sich der Torjäger nach Barcelona verabschiedete, kickten die beiden zusammen an der Mersey. Statt ein Teil der “Fab Four” von Liverpool zu sein, könnte der Brasilianer nach seinem Wechsel am Dreikönigstag mit seinen neuen Mitspielern nun “MSC” oder vielleicht die “Reyes Magos” (wie die Heiligen Drei Könige in Spanien genannt werden) bilden.

Wo soll Coutinho spielen?

Wo aber wird Coutinho spielen? Denkbar sind etliche Varianten. Der Brasilianer könnte einerseits die Rolle seines im Sommer nach Paris gewechselten Landsmannes Neymar auf Linksaußen übernehmen. Damit würde Barcelona mit Coutinho das bisher in dieser Saison so erfolgreich praktizierte 4-4-2 mit Suarez als echte 9 und Messi als hängende Spitze und Spielmacher in einem aufgeben. “Opfer” dieses Systems wäre einerseits der nach einer monatelangen Verletzung gerade erst wieder fit gewordene Dembélé und andererseits einer der bisher gesetzten Mittelfeldspieler, am ehesten Paulinho.

Logischer ist es allerdings, den Brasilianer als Iniesta-Ersatz zu betrachten. Der 33-Jährige zeigt zwar nach wie vor seine Klasse beim Behaupten und Verteilen von Bällen und ist neben Messi auch für geniale Momente zuständig. Aber Coach Ernsto Valverde nimmt den alternden Superstar mittlerweile sehr häufig schon Anfang der zweiten Halbzeit vom Feld. Für mehr als maximal 60 Minuten Fußball auf höchstem Niveau scheint die Kraft nicht mehr zu reichen. Mit Coutinho kann sich Iniesta in der Rückrunde also noch mehr ausruhen und seine Kräfte beispielsweise für die entscheidenden Champions-League-Spiele sparen, in denen der brasilianische Neuzugang ja gesperrt ist. Offen ist in dem Fall, ob Paulinho für einen fitten Dembélé geopfert wird und Coutinho in einem 4-3-3 den Iniesta-Part übernimmt, oder ob Dembélé häufiger als Edeljoker zum Einsatz kommt und es beim 4-4-2 bleibt.

Wird Paulinho geopfert?

Dieses System könnte auch beibehalten werden, wenn Coutinho den Part von Paulinho übernimmt. Dieser hatte in den vergangenen Monaten eine schwer zu definierende Freirolle im Mittelfeld inne. Ohne klar festgelegte Position besetzte er das Zentrum des Platzes, sorgte dort für Überzahlsituationen und stieß bei Ballbesitz häufig in die Spitze vor, wo er neben Suarez zum zweiten Abnehmer von Messis Zuspielen wurde und wo ihm nicht ohne Grund sechs Ligatore gelangen. Coutinho könnte die Rolle des Zehners in einer Mittelfeldraute klassischer ausfüllen als sein Landsmann. Für diese Position scheint er geschaffen zu sein. Er hat die Technik, das Auge für den Mitspieler, den Antritt und ist zudem torgefährlich. In der Rolle als “10” könnte er auch mit Messi immer wieder die Plätze tauschen, wenn der Argentinier sich fallen lässt.

Deutlich wird: Mit Philippe Coutinho vervielfältigen sich die Optionen für Trainer Ernesto Valverde. Er wird darüber nicht undankbar sein, aber es kann auch Gefahren birgen, mitten in der Saison wegen eines Spielers die bisher so erfolgreiche taktische Ausrichtung zu ändern. Zudem ist möglich, dass der Wechsel nicht allen Akteuren bei Barcelona schmeckt. Es gab bereits in der Vorrunde etliche Spieler, die sich mehr Einsatzzeiten erhofft hätten, von Gerard Deulofeu über Denis Suarez, Aleix Vidal, Paco Alcácer und André Gomes bis hin zu dem lange verletzten Rafinha und dem Talent Carles Aleñá. Noch vor ein paar Jahren wurde in Katalonien gespottet, man sei mit der cantera erfolgreicher als der große Rivale in Madrid mit der cartera. Nachwuchsarbeit statt Brieftasche zücken hieß die Prämisse in Barcelona. 2009 und 2011 etwa standen jeweils sieben Spieler aus der eigenen Jugend im Champions-League-Finale in der Startelf.

Kaum mehr Nachschub aus La Masia

Doch diese Zeiten sind vorbei. Zuletzt hat nur Sergi Roberto den Sprung aus La Masia in die erste Elf geschafft – diese Saison hat er sich etwas überraschend als Rechtsverteidiger gegen den teuren Neuzugang Nelson Semedo behaupten können auch wenn der 25-Jährige lieber im Mittelfeld spielt. Der 20-jährige Aleñá, der als großes Spielmacher-Talent gilt, aber bisher nur in der Copa zum Einsatz kam, könnte angesichts der großen Konkurrenz im Sommer aus Barcelona flüchten. Und er wird nicht der einzige sein. Deulofeu ist bei seinem Trainer in Ungnade gefallen und wird kaum eine weitere Saison auf der Bank oder gar auf der Tribüne sitzen wollen. Auch Denis Suarez könnte seinen Abgang vorbereiten, weil er trotz guter Anlagen keine Chance sieht, Stammspieler zu werden.

Und was macht Barcelona mit den Einnahmen? Womöglich kommt im Sommer der dritte Spieler, der die 100-Millionen-Schallmauer knackt. Seit Dezember soll sich Barcelona mit Antoine Griezmann über einen Wechsel nach dieser Saison geeinigt haben. Die feste Ablösesumme liegt dann bei 100 Millionen Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber durch einige Transfererlöse wohl zu stemmen. Dann ist der Club, der so gerne darauf verwies, dass er lieber ausbildet als sündteure Superstars zu kaufen, zu einer katalanischen Version der Galácticos mutiert. Und für die Talente wird es noch schwieriger, den Weg von Messi, Xavi oder Iniesta zu gehen.

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“Somos todo Chape”-Ein Jahr nach der Tragödie http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/somos-todo-chape-670543 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/somos-todo-chape-670543#respond Wed, 20 Dec 2017 16:13:57 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7138 Am 28. November 2025 machte sich das brasilianische Team Chapecoense auf, um im kolumbianischen Medellín gegen Atlético Nacional das Erste von zwei Copa Sudamericana-Finals zu bestreiten. Was dann geschah, ist eine tragische Geschichte. Das Flugzeug stürzte ab, nur sechs Insassen...

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Am 28. November 2025 machte sich das brasilianische Team Chapecoense auf, um im kolumbianischen Medellín gegen Atlético Nacional das Erste von zwei Copa Sudamericana-Finals zu bestreiten. Was dann geschah, ist eine tragische Geschichte. Das Flugzeug stürzte ab, nur sechs Insassen überlebten die Katastrophe. Ein Jahr später ziehen wir Bilanz: Wie geht es den Hinterbliebenen und Überlebenden? Wer hat Schuld am Tod von 71 Menschen und wie steht “Chape” heute da? Chefutbol blickt zurück auf das furchtbare Unglück und dessen Folgen.

Die Überlebenden

An Bord des Fluges LaMia 2933 nach Medellín befanden sich an diesem Tag insgesamt 77 Menschen, nur sechs überlebten den Absturz der Maschine kurz vor der kolumbianischen Metropole. Neben zwei Crewmitgliedern, der Stewardess Ximena Suarez und dem Bordmechaniker Erwin Tumiri, der bolivianischen Airline überlebte der brasilianische Journalist Rafael Henzel, Mittelfeldspieler Alan Ruschel, Goalkeeper Jackson Follmann und Abwehrspieler Helio Zampier, genannt Neto.

Henzel flog gemeinsam mit der Mannschaft zum Endspiel der Sudamericana, da “Chape”, der Provinzklub aus dem Süden Brasiliens, noch nie zuvor in seiner 43-jährigen Geschichte das Endspiel des prestigeträchtigen Turniers erreicht hatte. Als Chapecoense gut neun Monate später im sagenumwobenen Camp Nou gegen den großen FC Barcelona eine Art Benefinzspiel bestritt, kommentierte Henzel die Partie für den brasilianischen Sender “RadioOeste” live aus Barcelona. Und er hatte es dem fünfmaligen Weltfußballer Lionel Messi, der an diesem Tag ebenfalls auf dem Platz stand, zu verdanken, dass er die Partie überhaupt kommentieren konnte.

Einige Wochen zuvor flog die argentinische Nationalmannschaft mit “La Pulga” an Bord mit eben jenem Flugzeug von Belo Horizonte nach Buenos Aires, Henzels Kollege Renan Agnolin wollte um jeden Preis auf dem selben Platz sitzen wie der argentinische Weltstar zuvor. Dessen Platz war allerdings Henzel zugewiesen, er tauschte mit Agnolin, der beim Absturz ums Leben kam. “Agnolin hat mein Leben gerettet”, sagte Henzel später in einer brasilianischen Talkshow. Seitdem hat er in seiner Twitter-Bio zwei Geburtstage angegeben. Einmal den 25. August 1973 und 29.November 2025. Der Tag, an dem er sein Leben erneut erhielt.

Von den drei überlebenden Spielern Chapecoenses konnte nur Alan Ruschel die Partie gegen die “Blaugrana” wirklich bestreiten. Auch er tauschte vor dem Abflug mit einem Kollegen den Sitzplatz, nur so und durch riesiges Glück konnte er lebend aus den Trümmern geborgen werden. Am Schlimmsten sei für ihn die Tatsache, dass er seine Teamkollegen nie wieder sehen würde, gab er nach der Partie sichtlich bewegt zu Protokoll. Privat hat Ruschel sein Glück gefunden. Im Februar 2017 fand die Hochzeit zwischen ihm und seiner Freundin Marina statt.

Goalkeeper Follmann führte mit Neto zwar den Anstoß aus, allerdings musste ihm der rechte Unterschenkel amputiert werden, sodass er seine Karriere als Profifußballer leider Gottes beenden musste. Aber seinen Willen hat er nicht verloren. Aktuell arbeitet Follmann als eine Art Zeugwart im Klubheim von “Chape”, das Training führt er jedoch weiterhin fort.

Sein Traum ist es, eines Tages für das brasilianische Paralympics-Team zu spielen. Desweiteren bietet Follmann Gespräche zum Thema “Bewältigung traumatischer Erlebnisse” an, um so nicht nur das tragische Unglück, dass ihm widerfuhr zu verarbeiten, sondern zugleich anderen Menschen in ähnlichen Situationen zur Seite zu stehen. Die für Dezember 2025 geplante Hochzeit mit seiner Freundin Andrea hat auch er mittlerweile nachgeholt.

Innenverteidiger Neto ist von allen Überlebenden am Schlimmsten versehrt. Nach diversen Knie- und Rückenoperationen trainiert er weiter für sein Comeback, mittlerweile im Kreise der Mannschaft. Im September brachte Neto seine eigene Biographie heraus, die den Titel “Ich glaube an morgen” trägt. Darin schildert er unter Anderem, dass er in der Nacht vor dem Absturz einen Albtraum hatte, der die Tragödie sozusagen prognostizierte.

Für Ximena Suarez begann mit dem Absturz ebenfalls eine Leidenszeit. Die Stewardess ist bis zum heutigen Tag auf Physiotherapie angewiesen, aufgrund einer Verschiebung der Nasenscheidewand durch den Aufprall wäre eine Nasenoperation eigentlich dringend von Nöten. Die finanziellen Mittel dafür fehlen leider. Auch Ximena verarbeitete das tragische Erlebnis in einem Buch, das ihren größten Traum als Titel trägt. “Mein Traum ist es, wieder fliegen zu können”.

Bordmechaniker Tumiri hat sich dahingegen völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der 25-Jährige hat ein Studium begonnen, das Flugzeug kommt für ihn als Transportmittel nicht mehr in Frage.

Die Hinterbliebenen

Für die Hinterbliebenen des Flugzeugunglücks hat die Leidenszeit ebenfalls noch kein Ende gefunden. Zusätzlich zum Verlust geliebter Menschen warten die Angehörigen noch heute auf Entschädigungszahlungen. Um ihre Interessen besser vertreten und durchsetzen zu können, wurde AFAV-C gegründet, die Vereinigung der Familien der Opfer des Chapecoense-Flugs. Einige Familien gingen sogar soweit, den ehemaligen brasilianischen Fußballstar Romario, der nach seiner Karriere nun eine Position als Senator inne hat, um Unterstützung zu bitten.

Grund hierfür ist, dass die Verfahren hinsichtlich der Entschädigungszahlungen und der Strafbarkeit aus diversen Gründen immer weiter verschleppt werden. Vom Verein selbst haben die Hinterbliebenen zwar eine einmalige Ersthilfe erhalten, laut Opfer-Anwalt Fabiano Emery stehen den Angehörigen insgesamt aber gut 400 Mio. $ zu. Die bolivianische Versicherungsfirma “Bisa” weigert sich bislang, den entsprechenden Betrag zu entrichten. Deren Angebot beläuft sich derzeit auf 200.000 $ Zug-um Zug gegen Abtretung jeglicher Ansprüche, die möglicherweise gegen die Airline bestehen und einen Verzicht auf strafrechtliche Verfolgung der Fluglinie “LaMia”.

Dieses Angebot wurde von der AFAV-C abgelehnt.

Die Schuldfrage

Die Frage, die allen Angehörigen wohl immer noch schlaflose Nächte bereitet, ist die Frage, wer nun Schuld am Tod der 71 Menschen hat. Problem ist, dass die komplexe Ausgangslage, die insgesamt drei Länder, nämlich Bolivien, Brasilien und Kolumbien involviert, dazu beiträgt, die tatsächliche und rechtliche Aufarbeitung des Sachverhaltes weiter zu verschleppen und zu verschleiern. Die Opfer sind brasilianische Staatsangehörige, die Airline hat ihren Sitz in Bolivien, der Unfallort befindet sich nahe der kolumbianischen Stadt Medellín.

Fakt ist: Der Absturz des Flugzeugs erfolgte angesichts der Tatsache, dass der Kerosinfüllstand der Maschine für den Flug von Chapeco nach Medellín schlicht zu niedrig war. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um eine weltweit gängige Praxis, da im Falle von Notlandungen Kerosin abgelassen werden muss und die Airlines somit aus Kostengründen mit der geringstmöglichen Spritmenge kalkulieren. Grob fahrlässig, leider jedoch Usus.

Die bolivianische Regierung machte im Zuge der Ermittlungen kurzerhand “LaMia” Besitzer Miguel Quiroga verantwortlich. Eben jener Miguel Quiroga befand sich allerdings ebenfalls als Pilot an Bord der Maschine und hat den Absturz leider nicht überlebt. Sein Geschäftspartner Marco Rocha ist nicht auffindbar. Die Ermittlungen der brasilianischen Staatsanwaltschaft erlauben allerdings andere Schlüsse und zeigen auf, wie komplex sich der gesamte Sachverhalt darstellt.

Angeblich war Quiroga zum Zeitpunkt des Absturzes nicht Eigner von “LaMia”, sondern die Venezolanerin Loredana Albacete. Angeblich hat Albacete, nebenbeibemerkt Tochter des mächtigen venezolanischen Politikers Ricardo Albacete, den Gewinn des Fluges über ein Konto in Hongkong erhalten.

Auch ein Jahr nach der Katastrophe sind somit immernoch nicht alle Umstände geklärt, was es allen Beteiligten zusätzlich erschwert, mit dem Unglück auch psychisch abzuschließen.

Der Verein – Wo steht “Chape” heute?

Sportlich gesehen erholte sich “Chape” auch dank weltweiter Anteilnahme und Solidarität recht zügig. Als Chapecoense vom einen auf den anderen Tag quasi ohne erste Mannschaft da stand, liehen zahlreiche Clubs ihre Reservisten an “Chape” aus, mehr als 10.000 neue Mitglieder hat der Verein seitdem gewonnen. Mit insgesamt 23 Neuzugängen konnte Chapecoense im Mai diesen Jahres die Bundesland-Meisterschaft gewinnen, zeitweise führte man sogar die brasilianische Serie A als an. Allerdings schied “Chape” schon früh in der Copa Libertadores aus, insgesamt zwei Trainer verschlissen die Brasilianer und man musste bis zum Schluss auf den Klassenerhalt hoffen, der letztlich allerdings gelang.

Mitleid habe das Team auf dem Platz schnell keines mehr erfahren, gab Alan Ruschel zu verstehen. “Am Anfang hat es viel Mitgefühl gegeben. Es wurde viel gesprochen über das, was passiert ist. Aber jetzt ist schon ein Jahr seit der Tragödie vorbei und wir mussten die Routine eines normalen Teams aufnehmen. Die Freude in der Kabine wiederzufinden, davon lebt eine Fußballmannschaft.” gab der Außenstürmer zu verstehen.

Im August dann durfte die gesamte Mannschaft nach Rom in den Vatikan reisen, Papst Franziskus hatte zur Audienz geladen, um sein Mitgefühl auszudrücken.

Am Jahrestag der Tragödie hat der Klub bewusst auf eine große Zeremonie verzichtet. Das Stadion, die Arena Conda, wurde allerdings für Gebete und Anteilnahme geöffnet, tausende kamen um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch Atlético Nacional hielt am Jahrestag eine Gedenkveranstaltung in Medellín ab.

Chapecoense und den designierten Gegner aus Medellín im Finale der Copa Sudamericana 2025 verbindet seit dem Unglück eine tiefe Freundschaft. Ohne zu zögern überließen die Kolumbianer “Chape” den Titel, auch um dem brasilianischen Klub die Siegprämie zuteil werden zu lassen. Der Absturzberg, “Cerro Gordo”, was soviel wie “fetter Hügel” bedeutet wurde in “Cerro Chapecoense” umbenannt.

Die Bürger der Metropole Medellín bildeten sogar eine Bürgervereinigung, um die persönlichen Gegenstände, die teils unbefugt vom Unfallort zum Zwecke der Hehlerei entwendet wurden, wie bspw. Armbanduhren, den Hinterbliebenden zukommen zu lassen – im Mai fanden fast 200 persönliche Dinge zurück zu den Angehörigen. Medellíns Bürgermeister, Federico Gutiérrez, skizzierte die Situation kurz und prägnant: “Aus einer großen Traurigkeit und Tragödie erwächst die Möglichkeit zu einer großen Freundschaft”.

Das Flugzeugunglück wird, wie beispielsweise auch bei Manchester United, für immer einen festen Bestandteil der Vereinshistorie ausmachen. Allerdings hat man sich ein neues Motto gegeben. “Pra sempre Chape”, für immer “Chape”. Denn, wie auch Chapecoense in einer Pressemitteilung in treffender Weise konstatierte, ist die größte Errungenschaft des Vereins die Tatsache, dass er nach so vielen Verlusten weiterlebt.

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60 Jahre Camp Nou http://www.chefutbol.com/europa/spanien/60-jahre-camp-nou http://www.chefutbol.com/europa/spanien/60-jahre-camp-nou#comments Sun, 24 Sep 2017 19:24:18 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=6068 Das Camp Nou ist mehr als einfach nur ein Ort, an dem Fußball gespielt wird. Es ist seit sechs Dekaden ein Treffpunkt für Weltstars des Fußballs, ein Sammelplatz für politische Demonstrationen, eine Art kirchlicher Zufluchtsort für so viele Katalanen und...

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Das Camp Nou ist mehr als einfach nur ein Ort, an dem Fußball gespielt wird. Es ist seit sechs Dekaden ein Treffpunkt für Weltstars des Fußballs, ein Sammelplatz für politische Demonstrationen, eine Art kirchlicher Zufluchtsort für so viele Katalanen und nebenbei das größte Vereins-Fußballstadion der Welt. Der Bau wurde vor 60 Jahren abgeschlossen. Die kolossale Schüssel ist in die Jahre gekommen, es soll aber noch lange nicht ihr Ende sein.

„Neues Feld“, soviel bedeutet das katalanische „Camp Nou“ in der deutschen Übersetzung. Neu ist das zum jetzigen Zeitpunkt eher marode Stadion allerdings nicht mehr. Dennoch ist es jedem Fußballfan unseres Kontinents ein Begriff. Für Fußballliebhaber ist es eine Gedenkstätte, in der so viele Feiertage dieser wunderbaren Sportart zelebriert wurden. Und das nicht erst seitdem Lionel Messi seine Solos auf den Rasen zaubert. Die größten Stars unseres Planeten jagten dem runden Leder vor phasenweise über 100.000 Zuschauern hinterher. Trotz dieser Größe liegt die aktuelle Wartezeit auf eine Dauerkarte bei über 40 Jahren. Das Camp Nou und der FC Barcelona sind zu einer Einheit verschmolzen und nun feiern sie gemeinsam den Jahrestag des Ortes, an dem die Katalanen so viele Erfolge bejubeln durften.

Estadi del FC Barcelona

Nach der dreijährigen Bauphase hatte das Stadion 1957 zunächst den Namen „Estadi del FC Barcelona“ erhalten. Von Beginn an wurde der Fußballtempel allerdings im Volksmund als „Camp Nou“ tituliert. Den meisten Menschen ist allerdings nicht bewusst, dass der Name des Stadions erst zur Saison 2000/2001 tatsächlich auch offiziell in „Camp Nou“ geändert wurde. Bei einer schriftlichen Abstimmung zu dieser Thematik hatten sich bei knapp 30.000 abgegebener Mitgliederstimmen 68% dazu ausgesprochen, dem Stadion seinen heutigen Namen zu geben. Es wurde damals errichtet, weil die vorangehende Spielstätte Namens „Les Corts“ mit seiner Kapazität von 60.000 Zuschauern bereits zu klein gewesen ist. Der Bau war ein gewagter Schritt in eine verheißungsvolle Zukunft des Clubs.

Als Ursache für die hohe Auslastung der Spielstätte in Barcelona werden die beiden spanischen Meistertitel aus den Jahren 1948 und 1949 sowie die Verpflichtung des ungarischen Starspielers Laszlo Kubala angeführt. Der FC Barcelona war bereits damals ein Aushängeschild Kataloniens und die Menschen strömten in das Stadion, um ihre Mannschaft zu bejubeln. Immer wieder wurde aber auch das weite Rund als Plattform für politische Proteste gegen das Franco-Regime oder für die Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen genutzt. Das Camp Nou war nicht einfach nur ein Stadion, es wurde zu einem Ort der freien Meinungsäußerung, einer politischen Bewegung. Das ist es bis heute geblieben.

Frischzellenkur für die „alte Dame“ verzögert sich

Als die riesige Schüssel 1957 erbaut wurde, fanden 93.000 Zuschauer Platz. So sollte es aber nicht bleiben. Zur WM in Spanien wurde das ohnehin schon riesige Bauwerk abermals aufgestockt. Nun konnten 120.000 Zuschauer den Mannschaften auf dem Rasen zusehen, teilweise aus schwindelerregenden Höhen. Diese Menschenmasse bekommt man heutzutage aufgrund der Sicherheitsbestimmungen nicht mehr in das weite Rund. Nach diversen Auflagen sind es heute noch 99.787 Zuschauer. So soll es aber, wenn es nach dem Präsidium der Katalanen geht, nicht mehr lange bleiben. Wie eine rüstige alte Dame ist das Camp Nou in die Jahre gekommen. Höchste Zeit für Schönheitskorrekturen.

Bereits Im Jahr 2007 wurden Pläne zu einer Rundumerneuerung präsentiert. Die Mittelknappheit, welche seit längerer Zeit beim FC Barcelona vorherrscht brachte allerdings die Bemühungen zum stagnieren. Priorität wurde zunächst auf die Halle gelegt, dem anliegenden Palau Blaugrana. Dort spielen unter anderem die erfolgreichen Basketballer, Handballer sowie die Futsal-Mannschaft des FC Barcelona. Eine Erneuerung war dringend nötig, um vor allem der Basketballmannschaft die Lizenz für das Pendant der Fußball-Championsleague gewährleisten zu können. Die Sporthalle ist, wie das Camp Nou, in die Jahre gekommen und soll demnächst gänzlich mit einem 100 Mio. €-Projekt neu errichtet werden.

Camp Nou –  mehr als nur ein Stadion

Der Palau Blaugrana ist nicht die einzige Sportstätte im näheren Umfeld des Camp Nou. Das Gelände rund um das Stadion ist ein Sportkomplex. Im Mini Estadi sind die Jugendmannschaften des FC Barcelona beherbergt. Im Camp Nou selbst befindet sich das Vereinsmuseum, welches mit Führungen, der sogenannten „Camp Nou Experience“ besichtigt werden kann. Die Führung bietet nicht nur einen Blick auf die große Trophäensammlung und die Kabinen des FC Barcelona, sondern man passiert auch die kleine Kapelle im Spielertunnel. In Katalonien sind Glauben und Fußball eng verknüpft, für manch Fan der FC Barcelona gar eine eigene Religion – das Camp Nou kommt entsprechend einer Kirche gleich.

Und dann findet man noch den Geist des FC Barcelona: Dem Sportstättenkomplex vorgelagert befindet sich in einem kleinen eingezäunten Gelände eine ganz unscheinbare Bauernhütte. Jene Hütte prägte die Vereinsgeschichte des FC Barcelona und ist Sinnbild für die Erfolge des Clubs. Die Sprache ist von „La Masia“. Das Bauwerk, welches einer Steinbaracke zu ähneln scheint, stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und war von 1979 bis 2011 die Jugendakademie des FC Barcelona. Viele Stars, die heute als Profifußballer ihr Geld verdienen, gingen durch diese Akademie. Messi, Xavi, Iniesta, Piqué oder Busquets sind nur ein paar Beispiele. Als Initiator dieser Anstalt gilt übrigens der im letzten Jahr verstorbene Holländer Johan Cruyff. Getreu dem Vereinsmotto „Mehr als ein Club“, ist das Camp Nou auch mehr als ein Stadion.

Schauplatz des bayerischen Championsleague-Dramas

Wie es sich für ein Stadion des Kalibers Camp Nou gehört, war es bereits Schauplatz vieler großer Spiele. Vor 110.000 Zuschauern konnte der FC Barcelona 1982 den Europapokal der Pokalsieger gegen Standard Lüttich erringen. Unparteiischer der Begegnung war die deutsche Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler. Im selben Jahr fand auch das Eröffnungsspiel der WM zwischen Belgien und Argentinien statt (1:0). Ebenso war das Camp Nou Austragungsort des Halbfinales dieser WM-Endrunde. Italien bezwang damals Polen mit 2:0. 1989 fand das Finale des Europapokals der Landesmeister in Barcelona statt. Beim 4:0 des AC Mailand gegen Steaua Bukarest waren je zweimal Marco van Basten und Ruud Gullit erfolgreich. Drei Jahre später setzten sich die Spanier im Finale der Heimolympiade 1992 mit 3:2 gegen die Mannschaft aus Polen durch.

Negativ erinnern sich die Bayern-Fans an das Championsleague-Finale der Saison 1999 zurück. Die Partie war an Drama und Spannung kaum zu übertreffen, wenngleich mit unglücklichem Ausgang für die Münchner. Viele können sich noch erinnern, als sich der FC Bayern München und Manchester United um David Beckham in Barcelona gegenüberstanden. In der sechsten Spielminute gingen die Münchner durch den Freistoßtreffer von Mario Basler in Führung und die Bayern sahen lange als der sichere Sieger aus, bis dann die Nachspielzeit anbrach. Binnen zwei Minuten stellten Teddy Sheringham (90+1) und Ole Gunnar Solskjaer (90+3) das Spiel auf den Kopf und sicherten United den begehrten Henkelpott. Ähnlich spektakulär verlief die „Remontada“ des FC Barcelona gegen Paris St. Germain in der abgelaufenen Chapionsleague-Saison. Nach der 0:4 Hinspielniederlage konnte der FC Barcelona mit drei Treffern in der Schlussphase durch ein 6:1 noch in letzter Minute in die nächste Runde einziehen.

Die Zukunft des Camp Nou

Die Pläne, welche 2007 vorgestellt und anschließend eingestellt wurden, scheinen jetzt wieder aufgegriffen zu werden. Bis 2022 sollen nun noch 400 Mio. € anstatt der ursprünglich veranschlagten 600 Mio. € in das Stadion fließen – und diese Investition ist auch dringend nötig. So riesig und anmutend dieser Bau auch wirkt, so wenig Attraktivität strahlt der Betonklotz für viele Besucher aus. Der Komfort für die Zuschauer im Stadion ist absolut ausbaufähig, aktuell lediglich die Haupttribüne überdacht. Ein Club wie der FC Barcelona braucht auch ein Stadion in Topzustand, ein Stadion, welches dem Club würdig ist. Das Camp Nou ist es einmal gewesen und soll es auch wieder werden.

Wirft man einen Blick auf die Pläne, darf man sich als objektiver Liebhaber des Fußballs auf eine Bühne freuen, die den Stars des FC Barcelona gerecht wird. Die Kapazität soll wieder über die magische 100.000 Zuschauer-Marke steigen und der Innenraum wird komplett überdacht sein. Glasfassaden und Lichtspiele machen auch das Äußere des Stadions zu einem zeitlosen Hingucker. Das Camp Nou soll wieder zu dem Prestigebau werden, was es einst war. Moderne VIP-Boxen ein vergrößerter Medienbereich und die Aufstockung des Vereinsmuseums machen aus dem Bau wieder mehr als ein Stadion, getreu dem Motto „Mehr als ein Club“. Und mit den zusätzlichen Kapazitäten verkürzt sich vermutlich auch wieder die Wartezeit für den ein oder anderen Dauerkartenanwärter.

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