Rafael Santos Borré, Gabriel “Gabigol” Barbosa und Marlos Moreno haben Anlaufprobleme in Europa. Was sind die Gründe? Wo ist Besserung in Sicht?
Rafael Santos Borré, Gabriel “Gabigol” Barbossa und Marlos Moreno haben allesamt diesen Sommer den Sprung über den großen Teich nach Europa gewagt. Waren sie in ihren Teams in Kolumbien bzw. Brasilien noch die Topstars, müssen sie sich bei ihren neuen Klubs momentan mit der Rolle des Ergänzungsspielers anfreunden. Die Motoren der drei großen Talente stottern noch. Doch es gibt bei allen drei Hoffnung, dass sie ihre Anlaufschwierigkeiten bald überwinden und der Motor richtig zum Laufen gebracht werden kann. Eine Momentaufnahme über die aktuelle Situation der drei Rohdiamanten bei ihren Klubs:
Santos Borré (FC Villarreal/Atlético Madrid): Sansone als “Problem”
Der FC Villarreal ist eine der positiven Überraschungen der Primera División in diesem Jahr. Bis zum letzten Wochenende war das gelbe U-Boot neben Real Madrid die einzige Mannschaft ohne Niederlage in der laufenden Spielzeit. Mit einem Sieg beim SD Eibar am 10. Spieltag hätte man sich auf den dritten Platz vorschieben können. Bis zu 80. Minute schaute es auch so aus, als könnte dieses Vorhaben gelingen. Doch dann drehte Eibar in den letzten zehn Minuten die Partie und fügte Villarreal die erste Saisonniederlage zu.
Symptomatisch für die Saison von Rafael Santos Borré: Der Kolumbianer wurde beim Stand von 0:1 in der 79. Minute für Nicola Sansone eingewechselt. Kaum stand er auf dem Platz glich Eibar aus und machte in Person von Pedro Leon drei Minuten vor Schluss sogar noch den Siegtreffer. Borré traf keine Schuld an den Gegentreffern. Doch trotzdem wirkt das ganze wie ein Spiegelbild der bisherigen Saison des jungen Stürmers. Unglücklich. Ohne Fortune.
Anfang August verletzte sich Starstürmer Roberto Soldado schwer am Knie (Kreuzbandriss) und wird erst im neuen Jahr auf den Platz zurückkehren. Der FC Villarreal reagierte schnell und lieh Santos Borré von Atlético Madrid aus, der die entstandene Lücke schließen sollte. Doch wer wirklich für Soldado in die Bresche sprang, das war weder der hochveranlagte Alexandre Pato noch Santos Borré, sondern der in München aufgewachsene Deutsch-Italiener Nicola Sansone. Der beim FC Bayern ausgebildete Stürmer ist mittlerweile unabkömmlich für Trainer Fran Escriba und hat in neun Spielen bereits fünf Tore geschossen. Sansone liegt somit auf Platz fünf der Torjägerliste. Immer wenn der Neuzugang von Sassuolo Calcio traf, gewann Villarreal. Hier liegt das Problem von Santos Borré. Zudem hat noch Cedric Bakambu die Nase vorn im Vergleich zum Kolumbianer, der momentan also nur Stürmer Nummer drei ist. Pato fehlt bis auf weiteres wegen einer Mumps-Erkrankung.
Für Santos Borré stehen sieben Einsätze in der Primera División zu Buche, allerdings nur einer von Beginn an. Tore Fehlanzeige. Sein einziges Tor für seinen neuen Arbeitgeber konnte er in der Europa League am 29. September bei Steaua Bukarest erzielen. Eigentlich macht Santos Borré einen fitten und gut integrierten Eindruck. Sein größtes Problem ist im Moment der überraschend starke Sansone und die mangelnde Spielzeit. Trainer Escriba steht ab weiter zu Santos Borré und läßt ihn in der Europa Leauge regelmäßig von Beginn an auflaufen. Wie so oft bei Stürmern, muss bei Borré wohl einfach der berühmte Knoten platzen. Am Donnerstag hat er auf europäischer Ebene gegen Osmanlıspor die nächste Gelegenheit dazu, Sansone in der Rolle des Punktegaranten zu unterstützen oder sogar abzulösen.
Gabigol (Inter Mailand): “Seine Zeit wird kommen”
Gabigol hätte wohl zu fast jedem Klub in Europa gehen können, entschied sich letztendlich aber für Inter Mailand und in die Fußstapfen von Ronaldo (Luís Nazário de Lima) treten zu wollen. Ob er diese Entscheidung schon bereut hat, ist nicht überliefert. Jedoch erweist sich Inter diese Saison wieder als absoluter Chaosklub. Im August trennte man sich mitten in der Vorbereitung von Trainer Roberto Mancini aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Neuverpflichtungen. Nachfolger wurde der Holländer Frank de Boer, der in sechs Jahren bei Ajax Amsterdam viermal die Meisterschaft geholt hat.
Unter großem Tamtam wurde Gabriel Barbosa dann im September vorgestellt. In seinem ersten Spiel wurde er vom Publikum gar mit einem regelrechten Jubelsturm bei seiner Einwechslung empfangen. Sowas gab es eigentlich seit Ronaldo nicht mehr in Mailand. Das Problem nur: die 16 Minuten gegen Bologna am 25. September sollten die einzigen im Dress von Inter Mailand bleiben. Am vergangenen Wochenende berief ihn Trainer Frank de Boer nicht einmal mehr in den Kader gegen Sampdoria Genua. Im selbigen war er zuvor wenigsten noch immer gestanden. Am Donnerstag spielte Gabigol bei einem Freundschaftsspiel gegen Renate mit und konnte sogar ein Tor erzielen. Nun die überraschende Nicht-Nominierung. De Boer hatte Barbosa auch immer wieder als “fantastischen Spieler, um den uns alle anderen Mannschaften beneiden” bezeichnet, um dann jedoch nachzuschieben, dass “er noch Zeit braucht, um sich an den italienischen Fußball zu gewöhnen.”
Der Erwartungsdruck an Gabigol ist immens, das wurde bei seiner Vorstellung offensichtlich. Vielleicht wollte ihn De Boer daher schützen und nicht verheizen. De Boer predigte immer, Gabigols Zeit “werde noch kommen”. Das wird sie wahrscheinlich auch, aber unter einem neuen Trainer. Heute gab Inter Mailand die Trennung von Frank de Boer bekannt. Tabellenplatz 12 und 14 Punkte nach 11 Spielen waren der Inter-Führung zu wenig.
Ob der Holländer Barbosa wirklich nur schützen wollte und der Jungspund taktisch doch noch einigen Nachholbedarf hat, bleibt offen. Die Nichtnominierung für den Kader gegen Sampdoria und der sonstige Dauerbankplatz für Gabriel Barbosa wirken trotzdem unverständlich. Man darf nun gespannt sein, wer der neue Inter-Trainer wird und, ob Gabriel Barbosa – wie auch Ivan Perisic und Jovetic – dann auf mehr Einsatzzeiten kommen wird. Dann kann Gabigol endlich seinem Spitznamen alle Ehre machen.
Marlos Moreno (Deportivo La Coruña/Man City): Immer besser in Fahrt
Marlos Moreno ist von den dreien derjenige, dessen Saison noch am besten verläuft. Bei Deportivo La Coruña, das im Moment auf dem viertletzten Tabellenplatz steht, ist der Druck, die Medienpräsenz und auch die Konkurrenz auch um ein vielfaches geringer als bei Inter Mailand oder dem FC Villarreal. Gute Bedingungen also für den Kolumbianer sich im europäischen Fußball zurecht zu finden. Bis jetzt stehen sechs Einsätze für Moreno in der Statistik, vier von Beginn an. Am gestrigen Montag gegen den FC Valencia sogar der erste über 90 Minuten. Noch wartet Moreno auf seine Torpremiere, scheint aber immer besser in Schuss zu kommen. Gestern hätte er fast seinen ersten Torerfolg bejubeln können, ein Fernschuss verpasste knapp das Ziel und einen Kopfball parierte Valencia-Torwart Diego Alves stark.
“Hier ist der Fußball sehr schnell, sie lassen dich fast nicht denken. In Kolumbien ist es viel langsamer,” so Moreno in seiner Anfangszeit in Spanien. Die Umstellung auf den spanischen Fußball schreitet bei Moreno voran, er wirkt mittlerweile gedankenschneller und passt sich dem Tempo immer besser an. Der Kolumbianer könnte ein wichtiger Faktor bei Super-Depors Kampf um den Klassenerhalt werden. Medienberichten zufolge wird Manchester City ihn nicht vor 2018 aus Coruña abziehen. Zeit genug also für Moreno seine zweifellos vorhandene Klasse noch unter Beweis zu stellen.



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