Trofeo Ramón de Carranza
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Trofeo Ramón de Carranza – Die Trophäe aller Trophäen

Seit 1955 wird in der spanischen Hafenstadt Cádiz die Trofeo Ramón de Carranza ausgetragen. Ein historisches und prestigeträchtiges Turnier, bei dem sich früher Weltstars die Klinke in die Hand gaben. Die einzigen deutschen Teilnehmer waren einst Eintracht Frankfurt und der FC Bayern München.

Das Turnier, das genauso wie das Stadion nach dem ehemaligen Bürgermeister benannt ist, findet dieses Wochenende zum 63. Mal statt. Der Fußball hat sich seit der Erstauflage im Jahr 1955 auf und neben dem Feld verändert, und die glorreichste Ära des Turniers liegt zweifelsfrei in der Vergangenheit. In Zeiten der hemmungslosen Kommerzialisierung tragen die Topvereine ihre Show- bzw. Vorbereitungsspiele lieber in Asien oder in den USA aus, auch wenn der sportliche Wert angesichts der verstärkten B-Mannschaften oft fragwürdig erscheint. Zumindest die sportliche Sinnhaftigkeit ist bei der Trofeo Carranza erhalten geblieben. Das Turnier findet eine Woche vor Saisonbeginn von La Liga statt, und wird von den teilnehmenden spanischen Teams als Generalprobe angesehen.

(Offizieller Empfang der Teilnehmer im Rathaus)

Aufgrund der erwähnten finanziell deutlich attraktiveren Asien- und Amerikareisen der Topvereine ist das Turnier im Süden Andalusiens mittlerweile überwiegend zu einer rein spanischen Veranstaltung verkommen. Die Teilnehmer dieses Jahres sind: Cádiz CF, FC Málaga, FC Villareal, und UD Las Palmas. Neben der Konkurrenz durch die Marketingreisen hatte die Finanzkrise vor einigen Jahren dazu geführt, dass verstärkt einheimische Vereine teilnahmen. Durch die wenigen Wechsel im Teilnehmerfeld, hat das Turnier bei den Gaditanos (Bezeichnung der Einwohner von Cádiz) ein wenig an Attraktivität eingebüßt. Deutlich schlimmer ist dagegen, dass die Stadt dieses Jahr zum ersten Mal das nächtliche Abschlussgrillen am Strand verbot, dass für viele Einwohner fast so wichtig ist wie das Turnier selbst.

1. Elfmeterschießen der Geschichte

Im Jahr 1962, bei der 8. Auflage des Turniers, wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein Spiel per Elfmeterschießen entschieden. Die beteiligten Mannschaften waren der FC Barcelona und Real Saragossa. Im Unterschied zu heute, trat erst Saragossa fünf Elfmeter hintereinander, und danach schossen die Katalanen fünfmal. Barca gewann mit 5:4 n.E.; nach 90 Minuten hatte es 3:3 gestanden. Als Erfinder des Elfmeterschießens gilt der Journalist Rafael Ballesterer aus Cádiz. Die FIFA führte es erst in den 1970ern ein, bis dahin entschied noch der Münzwurf.

Direkt nach den Finals der europäischen Wettbewerbe nach Cádiz!

So lautete früher die Marschroute der Vereine, und selbst für Vereine wie Real Madrid oder den F.C. Barcelona war es Ehrensache an der Trofeo Carranza teilzunehmen. Im Jahr 1958 reiste Real Madrid als Sieger des Europapokals der Landesmeister, inklusive den Legenden Alfredo di Stéfano und Francisco Gento an, und nahm die Trophäe gleich mit nach Hause. Auch in den folgenden beiden Jahren kamen die Madrilenen als amtierender europäischer Champion, und gewannen erneut das Turnier in Cádiz. Dabei war die Auflage von 1960 das Turnier mit dem wahrscheinlich besten Teilnehmerfeld in der Geschichte: Real Madrid (Europapokalsieger der Landesmeister), Stade Reims (Finalgegner von Real 1959), Eintracht Frankfurt (Finalgegner 1960), und Athletic Bilbao. Die Frankfurter verloren jedoch im Halbfinale gegen die Basken mit 2:1, und im Spiel um Platz 3 gegen die Franzosen mit 4:1.

Allgemein waren die 1960er Jahre mit Sicherheit die glanzvollste Zeit der Trofeo Carranza. Zudem bekamen die Gaditanos von 1963-65 Benfica Lissabon, mit Vereinslegende Eusébio zu Gesicht (einmal davon als frisch gebackener Europapokalsieger), das sich einmal in die Siegerliste eintragen konnten. Die Königlichen kamen 1964 als Finalist und 1966 als Sieger wieder an die Costa de la Luz. Zudem komplettierten mit dem FC Barcelona, dem FC Valencia und Real Saragossa jeweils Sieger oder Finalisten des Messestädte-Pokals die illustren Runden.

Wie im Jahr 1960 gab es 1973 im Estadio Ramón de Carranza die Neuauflage des Finals des Europapokals der Landesmeister – zwischen Ajax Amsterdam und Juventus Turin – zu bestaunen, aber überraschenderweise nur als Spiel um Platz 3. 1979 reiste der FC Barcelona als Gewinner des Europapokals der Pokalsieger an, wurde in Cádiz aber nur Dritter. Außerdem nahmen oftmals bekannte Vereine aus Südamerika Teil (Peñarol, River Plate, Grêmio, Palmeiras, Corinthians, etc.), sodass man die Trofeo Carranza fast als einen Vorläufer der Klub-Weltmeisterschaft bezeichnen könnte. Bayern München war 1972 bei der 18. Auflage dabei, wurde aber ebenso wie die Frankfurter Eintracht letzter; hinter Athletic Bilbao, Benfica Lissabon und Botafogo aus Brasilien.

In den Neunzigern stachen unter den Teilnehmern Real Saragossa (1995) und Lazio Rom (1999) – beide Europokalsieger der Pokalsieger – hervor. Die Römer traten damals unter anderem mit Nedved, Verón und Mihajlovic an, verloren im Finale aber gegen Betis Sevilla. Im neuen Jahrtausend, gaben sich noch die spanischen Uefa-Pokal/Europa League Sieger Valencia CF, Atlético Madrid und FC Sevilla die Ehre. Auch wenn das Turnier nicht mehr mit den ganz großen Namen aufwarten kann, ist es in Cádiz und Spanien eine Institution, die von ihrer Vergangenheit weiter getragen wird.