Icardi

Inters Mauro Icardi und der Traum von der Albiceleste

Rein statistisch muss sich Inter-Stürmer Mauro Icardi vor niemanden in Europas Top-Ligen verstecken. Der Argentinier hat in der laufenden Saison bereits 29 Scorer-Punkte zu Buche stehen, nur Lionel Messi (30) und Luis Súarez (30) vom FC Barcelona haben mehr vorzuweisen. Erst am Wochenende erzielte Icardi beim 7:1 Kantersieg gegen Atalanta Bergamo einen Hattrick.

Doch treffsicher war der 24-Jährige schon immer. Die aktuelle Saison ist für Icardi die dritte in Folge, in der er mindestens 15 Tore erzielte. Das gelang bei Inter zuletzt Zlatan Ibrahimovic und Christian Vieri. Für seine ersten 62 Treffer in Schwarz-Blau benötigte der Argentinier 111 Spiele, Landsmann und Triple-Held Diego Milito brauchte für diese Marke 17 Partien mehr. Mittlerweile steht Icardi bei 74 Toren für Inter und es gut möglich, dass er in dieser Saison zum zweiten Mal in seiner Karriere Torschützenkönig der Serie A wird.

Icardi als “Persona non grata” in der Albiceleste?

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen ist der Argentinier derzeit kein Nationalspieler. In der “Albiceleste” herrscht freilich eine Konkurrenz, wie in wohl keiner anderen Landesauswahl. Angreifer wie Lionel Messi, Sergio Agüero oder Gonzalo Higuaín gehören zu den besten ihrer Zunft und sind seit Jahren etablierte Größen. Zuletzt nominierte Argentinien-Trainer Edgardo Bauza aber immer wieder den in die Jahre gekommenen Ezequiel Lavezzi, der seine Karriere mittlerweile für ein feines Salär in China ausklingen lässt, sowie mit Lucas Pratto vom FC São Paulo einen Stürmer, der noch nirgends wirklich auf sich aufmerksam machen konnte. “Icardi spielt nur eine Rolle, wenn sich Pratto mal verletzt”, stellte Bauza nach Kritik an seinen Nominierungen unlängst klar.

Viele argentinische Fußballfans vermuten hinter Bauzas Nominierungen einen Komplott. Ausgangspunkt ist stets Icardis Liebesleben. Der 24-Jährige ist seit 2014 mit Ex-Model Wanda Nara verheiratet und hat mit ihr zwei Töchter. Das Problem dabei: Er spannte sie einst seinem Kumpel Maxi López aus. Der ist ehemaliger Nationalspieler Argentiniens und eng mit Führungspersönlichkeiten wie Lionel Messi oder Javier Mascherano befreundet. Die beiden sollen innerhalb der Nationalmannschaft großen Einfluss haben und bei Bauza und seinen Vorgängern ein Veto gegen eine Icardi-Nominierung für die “Albiceleste” eingelegt haben.

Auch Maradona spielt den Moralapostel

Auch Argentiniens Fußballlegende Diego Maradona schießt quasi im Wochentakt Giftpfeile in Richtung Icardi. „Wenn sich Bauza mit Icardi trifft, ist er ein Verräter wie er”, sagte Maradona gegenüber ESPN, als der Nationaltrainer am Trainingsgelände von Inter Mailand zu Besuch war. Und er legte noch einen drauf: “Lasst Icardi der siebte Stürmer sein, nicht der vierte. Bevor ich Icardi nominierte, fiele meine Wahl auf Bazan Vera (43 Jahre alter Ex-Profi, Anm. d. Autors.)”, ließ der Ex-Nationaltrainer gegenüber einem lokalen Radiosender verlauten. Dass gerade Maradona, bereits durch zahlreise Drogenexzesse und zuletzt durch Prügel-Vorwürfe gegen seine Freundin aufgefallen, den Moralapostel gibt, passt in der Sache gut ins Bild.

Icardi ist auch ein Spieler, der öffentlich schon polarisierte. So schoss er in seiner zu Beginn der Saison veröffentlichten Biographie gegen die Inter-Ultras und löste innerhalb Italiens eine große Kontroverse aus. Der Streit zwischen Spieler und Fans ist aber beigelegt, seither wirkt Icardi sportlich umso fokussierter. Als Kapitän scheint er sich auch charakterlich weiterentwickelt zu haben und entwickelt sich auf dem Platz mehr und mehr zum Führungsspieler. Der 24-Jährige geht voran, ackert jedes Spiel bis zum Umfallen und genießt bei Inter innerhalb der Mannschaft höchsten Respekt. Öffentliche Kritik an den Nominierungen Bauzas äußerte er nie. Icardi ist kein Junge mehr, er ist zum Mann gereift.

Nur einmal durfte der Argentinier für sein Heimatland auflaufen, es waren sieben Spielminuten in einem WM-Quali-Spiel gegen Uruguay im Jahr 2013. “Ich kann nicht mehr machen, als auf dem Platz Leistung zu bringen und darauf zu hoffen, dass es anerkannt wird”, sagte Icardi kürzlich und fügte hinzu: “Ich bin jederzeit bereit, für mein Heimatland zu spielen, denn das war schon immer mein Traum.” Ein Traum, der sich vielleicht erst bei einem Generationswechsel innerhalb der “Albiceleste” realisieren lassen wird.