Legendäre Mannschaften – chefutbol http://www.chefutbol.com football news from Latin America and elsewhere Sat, 27 Apr 2019 10:11:09 +0000 en-GB hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.1.1 http://www.chefutbol.com/content/uploads/2025/06/twitter_400x400_v3-75x75.jpg Legendäre Mannschaften – chefutbol http://www.chefutbol.com 32 32 Huracán von Menotti 1973 – „Sieg des romantischen Fußballs“ http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/huracan-1973-menotti-houseman-383928 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/huracan-1973-menotti-houseman-383928#respond Mon, 31 Dec 2018 15:19:53 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=11394 Im Jahr 1973 holte C.A. Huracán seinen ersten und bis heute einzigen Meistertitel im argentinischen Profifußball. Angeleitet von dem 34-jährigen Trainernovizen César Luis Menotti verzauberte die Elf um René „El Loco“ Houseman den Stadtteil Parque Patricios und das ganze Land....

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Im Jahr 1973 holte C.A. Huracán seinen ersten und bis heute einzigen Meistertitel im argentinischen Profifußball. Angeleitet von dem 34-jährigen Trainernovizen César Luis Menotti verzauberte die Elf um René „El Loco“ Houseman den Stadtteil Parque Patricios und das ganze Land.

Der Verein, der in einem der authentischsten Stadtteile von Buenos Aires, Parque Patricios, direkt neben Boedo dem Stadtteil von San Lorenzo, zu Hause ist und der neben seiner vielen Bolzplätze auch für seinen Tango berühmt ist, hatte bis dato nur vier Amateurmeisterschaften aus den 1920er Jahren auf der Habenseite.

Doch am 2. Mai 1971 legte der Vereinspräsident Luis Seijo den Grundstein für das was folgen sollte und dies obwohl er seinen Wunschkandidat Osvaldo Zubeldía nicht überzeugen konnte El Globo zu übernehmen. Denn nach dessen Absage fuhr er nach Rosario um einem damals 34-jährigen César El Flaco (der Dürre) Luis Menotti, der damals Co-Trainer bei den Newell‘s Old Boys war und sonst keine weitere Trainererfahrung hatte, den Trainerposten bei Huracán anzubieten. Der junge Mann zögerte nicht lange und ergriff die sich ihm bietende Chance. Menotti hatte sich in das Brasilien der WM 1970 um Pelé verliebt und begann in der Saison 1972 die Mannschaft nach seinen Vorstellungen umzubauen und seine Spielphilosophie – der heute als Menottismo bekannt ist – zu indoktrinieren, der heute neben dem Bilardismo (zurückgehend auf Carlos Bilardo) zu den beiden großen argentinischen Spielstilen gehört und mit denen man sicherlich so manche Philosophievorlesung an der Universität einleiten kann. Für die Fußballliebhaber aus dem Land des Río de la Plata gibt es ein vor und nach Menotti. Sehr verkürzt gesagt fördert der Menottismo das ästhetische Spiel, wohingegen beim Bilardismo dem Sieg alles untergeordnet ist und dieser Zweck die Mittel heiligt.

Bei Huracán fand El Flaco mit Omar Larrosa, Carlos El Inglés Babington (später u.a. Wattenscheid 09), Miguel Brindisi, Alfio Coco Basile und Roque Avallay die Spieler vor, die ein Jahr später auch zu den Korsettstangen der Meistermannschaft gehören sollten. Im Torneo Nacional 1972 (13. Oktober – 17. Dezember) zeigte man schon gute Ansätze, wurde 3., schlug Boca einmal mit 5:1 und gewann das Derby gegen den späteren Meister San Lorenzo mit 3:0, verfehlte aber den Einzug in die KO-Phase. Allerdings merkte man rund um den Parque Patricios, dass bald mehr möglich war als der gewöhnliche Platz im grauen Tabellenmittelfeld. Vor dem großen Wurf im nächsten Jahr stieß noch ein Mann vom Drittligisten Defensores de Belgrano zu Huracán, der zum Gesicht des Titels wurde und von dem viele sagen, dass er vor der Entdeckung Maradonas der beste argentinische Spieler der Geschichte war: René El Loco (der Verrückte) Orlando Houseman. Weitere wichtige Neuzugänge waren die Verteidiger Jorge Carrascosa und Alberto Fanesi.

Das Campeonato Metropolitano von 1973 (2. März– 30. September 1973) war eine der beiden Saisons, die damals im Kalenderjahr in Argentinien gespielt wurden, und bestand aus Hin- und Rückrunde à 16 Spielen (17 Vereine).

1. Runde Metropolitano (2.3. – 24.6.1973) – Ganaba, gustaba, goleaba

Die Standardaufstellung von Menotti’s Huracán in der Meistersaison lautete wie folgt: Héctor Roganti, Nelson Chabay, Daniel Buglione, Alfio Basile, Jorge Carrascosa, Miguel Brindisi, Francisco Russo, Carlos Babington, René Houseman, Roque Avallay und Omar Larrosa. In der Hinrunde der Saison legte die Mannschaft den Grundstein für die Meisterschaft. Sie holte elf Siege, spielte vier Mal unentschieden und verlor nur ein einziges Mal. Doch vor allem die Art und Weise, wie die Elf von Menotti spielte und die bis heute vielen in Erinnerung ist, blieb hängen. Sie gewann (ganaba), gefiel (gustaba) und schoss darüber hinaus noch viele Tore (goleaba). Bereits am 1. Spieltag wurden die Argentinos Juniors mit 6:1 aus dem eigenen, emblematischen Estadio Tomás A. Ducó gefegt und auch bei den nächsten beiden Heimspielen ließ man Atlanta (5:2) und Racing Club (5:0) nicht den Hauch einer Chance. Aus den ersten sechs Spielen holte man sechs Siege, begeisterte das eigene und teilweise sogar das gegnerische Publikum, und sendete ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Beim 5:0 Auswärtssieg am 11. Spieltag im Estadio Gigante de Arroyito gegen ein starkes Rosario Central um Aldo Poy erhoben sich sogar die Heimfans und spendeten den Spielern von Huracán Applaus für ihre berauschende Leistung, wobei ein anderer Teil den Huracán-Bus abbrannte. Der Trainer Victorio Spinetto von den Argentinos Juniors klopfte einmal 2:0 hinten liegend bereits in der Halbzeitpause bei Huracán an und gratulierte der Elf zu dem schönen Spiel. Selbst ins eigene Stadion sollen sich angeblich ab und zu Fans anderer Vereine begeben haben, um das spektakuläre Spiel von El Globo und El Loco zu sehen, bei denen die Hauptaufgabe aller Spieler, die nicht in der 4er-Abwehrkette um Coco Basile standen, darin bestand, kreativ zu sein und Tore zu machen. Der Journalist Raúl Fernández bezeichnete das Huracán von 1973 als den damaligen FC Barcelona – wenn auch ein bisschen langsamer, entsprechend dem damaligen Tempo –, der mit Houseman seinen eigenen Messi hatte, der offensiv presste und der mit Ballbesitz das Spiel kontrollieren wollte. Menottis Spielidee beinhaltete nur wenige Grundregeln und Taktik war für ihn nur ein Hilfsinstrument, das er den Spielern an die Hand gab und keines, um sie einzuengen, weshalb sich seine Spieler persönlich auf dem Platz entfalten konnten und dies auch taten.

Metropolitano (2. März– 30. September 1973) – Geschwächt zum Titel

In der Rückrunde der Saison war die Bilanz nicht mehr ganz so gut wie in der Hinrunde, was jedoch daran lag, dass Huracán teilweise bis zu sechs Spielern für die Nationalmannschaft abstellen musste, die sich für die WM 1974 qualifizieren wollte. Schlussendlich standen nach 16 Spielen neun Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche. Trotz einer 2:1 Heimniederlage gegen Gimnasia y Esgrima La Plata stand Huracán zwei Spieltage vor Saisonende, am 16. September, vor Vizemeister Boca Juniors, als Meister fest. Zu den Schlüsseln des Erfolges gehören zweifelsfrei die Verpflichtung von Menotti als Trainer, der Argentinien fünf Jahre später auch zum ersten WM-Titel führen sollte und der zu Recht als einer der größten argentinischen Trainer und zugleich als großer Motivator gilt. Dazu gesellte sich die spielerische Klasse, vor allem in der Offensive, um Omar Larrosa (Toptorschütze des Teams mit 15 Toren), den begnadeten Dribbler Babington, den außergewöhnlichen Houseman, der machte was er wollte, ohne zu wissen wie, und Avallay, die alle heiß darauf waren Tore zu machen. Doch ohne die Defensive um Basile, Keeper Roganti, und Dauerläufer und Kapitän Miguel Brindisi im zentralen Mittelfeld, die sowohl hart verteidigen konnten als auch schön hinten rausspielen konnten, wäre der Triumph nicht möglich gewesen. Zudem herrschte ein guter Teamgeist in der Kabine und Menotti musste die Spieler mehrfach persönlich nach Hause schicken, als diese noch Extraschichten nach dem regulären Training einlegten. Zum Training gesellte sich auch manchmal der berühmte argentinische Boxer Oscar “Ringo” (weil er dem Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr ähnlich gesehen haben soll) Bonavena – der auch gegen Muhamed Ali kämpfte -, der ebenfalls Vereinsmitglied von Huracán war und von dem gesagt wird, dass er gerne Fußballer geworden wäre.

(René Houseman und Alfonso Roma bei der Ehrenrunde)

Huracán: Der Meister dem wir alle applaudieren solllten!

Der bekannte Fußballexperte- und Autor Roberto Fontanarrosa aus Rosario beschrieb die Huracán-Elf wie folgt und fasst gut zusammen, was sie so besonders machte: “Huracán Meister. Dieses Ereignis war mehr als die bloße Summe von positiven Ergebnissen. Hinter dem Meister des Metropolitano von 1973 stand eine besondere fußballerische Haltung: Diejenige, ohne Gemeinheiten zu spielen, sich aufzuopfern, immer daran zu denken Tore zu schießen und den Fußball zu genießen. Wir freuen uns vor allem über die Art und Weise wie Huracán den Titel holte und welches Vorbild sie hinterließen. Eine Haltung, die die 45 Jahre, die Huracán auf seinen Titel warten musste, überdauert: Diejenige mit Freude zu spielen.”

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¡Newell’s, carajo! – Das “Ñubel” von Marcelo Bielsa 1990-1992 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/newells-marcelo-bielsa-283903 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/newells-marcelo-bielsa-283903#respond Wed, 21 Feb 2018 15:51:58 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7974 Ganze drei Jahre war Marcelo “El Loco“ Bielsa Trainer von den Newell’s Old Boys, doch diese Zeit reichte ihm, um unsterblich zu werden. Auch wenn ihm der Titel in der Copa Libertadores versagt blieb, trug sich die heutige Trainerlegende mit...

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Ganze drei Jahre war Marcelo “El Loco“ Bielsa Trainer von den Newell’s Old Boys, doch diese Zeit reichte ihm, um unsterblich zu werden. Auch wenn ihm der Titel in der Copa Libertadores versagt blieb, trug sich die heutige Trainerlegende mit den Leprosos in die Annalen des argentinischen Fußballs ein.

Es ist schwer über dieses Newell’s zu sprechen ohne nicht ausschließlich über El Loco“ (der Verrückte) Bielsa zu sprechen, jedoch waren wohl wenige Meisterschaften so eng mit dem Namen eines Trainers verbunden wie diese. Doch weshalb wurde das Stadion des Vereins später auf seinen Namen umbenannt, und nicht auf den von José Piojo“ Yudica, der mit Newell’s ebenfalls Meister wurde und im Finale der Copa Libertadores stand? Was war die Geschichte hinter dieser Mannschaft?

El esfuerzo no se negocia – Der Einsatz ist nicht verhandelbar

Der junge Marcelo Bielsa übernahm im Alter von 33 Jahren, noch bevor er seinen Spitznamen verpasst bekam, die erste Mannschaft der Newell’s Old Boys im Juli 1990. Vorausgegangen war eine stark durchwachsene Saison von Erfolgstrainer Yudica. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bielsa sich bereits erste Sporen als Jugendtrainer des Vereins verdient, weshalb der Jugendleiter von Newell’s, und sein erster Mentor , Jorge Griffa, ihn gegenüber großen Vorbehalten als neuen Trainer durchsetzte. Vor allem da Bielsa als Spieler keine große Karriere hingelegt hatte, war wurde er von dem Großteil der Fans argwöhnisch angesehen, bzw. war ihnen gar kein Begriff. Jorge Griffa war es auch der Bielsa überzeugte, auf die Talente Fernando El Negro“ Gamboa (20) und Mauricio El Poche“ Pochettino (18) in der Innenverteidigung zu vertrauen.

Griffa hatte Bielsa schon als Spieler kennengelernt und seine Anfangsjahre als Trainer begleitet. Er beschrieb ihn als belesenen Mann mit gutem Charakter, der gut erzogen war, und der eine eiserne Sturheit besaß um seine Ziele zu erreichen; zudem als schüchtern und eloquent. Auch sah er in ihm einen Mann der sehr akribisch auf dem Trainingsplatz arbeitete, der Lösungen suchte und fand, dessen großes Temperament aber noch ab und an gezügelt werden musste.

„Man kann schlecht, normal oder gut spielen, aber den Einsatz kann man nicht trainieren, er kommt von einem selbst, und er ist nicht verhandelbar.“ (Bielsa)

Viele werden zustimmen, wenn man sagt, dass Bielsa seiner Zeit voraus war. Er ließ damals bereits ein totales Pressing spielen, in dem die drei Stürmer schon in der gegnerischen Hälfte dessen Spielaufbau störten. Auswärts ließ er spielen wie zuhause, und er wollte so viel Ballbesitz wie möglich haben. Trotz seines jungen Alters und seiner Unerfahrenheit behandelte er alle Spieler gleich, und forderte von allen dasselbe ein.

Newell’s – Die Mannschaft

Die Mannschaft war eine Mischung aus Spielern die frisch aus der eigenen Jugend hochkamen, wie u.a. Pochettino oder Saldaña, und erfahrenen Spielern wie Gerardo El Tata“ Martino und Norberto El Gringo“ Scoponi, die bereits 1987/88 Meister geworden waren. Um sich die jungen Talente zu sichern, schloss Newell’s damals schon Kooperationsverträge mit kleineren Vereinen ab, von denen alle Seiten profitieren sollten, anstatt darauf zu warten, dass die Spieler selbst zum Verein kamen. Nur so war es möglich mit den Vereinen aus Buenos Aires mitzuhalten, denn damals wie heute waren Meister die nicht aus der Hauptstadt kamen eine Seltenheit. Bielsa selbst fuhr mit seinem Citroën durch das ganze Land um junge Talente zu finden die er formen konnte. 1992 waren von den 25 Spielern die im Kader des Finals der Copa Libertadores standen 23 im Verein ausgebildet worden.

Meisterschaft 1990/91

Die Liga bestand 1990 aus 20 Mannschaften, und jeder spielte einmal gegen jeden. Die ersten sieben Spiele unter Bielsa‘s Führung verliefen durchwachsen, Siege und Niederlagen wechselten sich ab, und es war nicht abzusehen, was unter seiner Regie noch kommen sollte. Die Initialzündung war der 4:3 Sieg am 8. Spieltag im Clásico rosarino, auswärts bei Rosario Central, wo man zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder gewinnen konnte. Anschließend folgten drei 1:1 Unentschieden, ehe man aus den nächsten sieben Spielen sechs Siege bei nur einem Gegentor holte, darunter ein 1:0 Sieg gegen die Boca Juniors und ein 2:0 gegen Estudiantes de la Plata. Dank dieser Serie ging man mit einem Punkt Vorsprung vor River Plate in den letzten Spieltag, an dem Newells gegen San Lorenzo im Stadion von Ferro Carril Oeste antreten musste, und die Millonarios bei Vélez Sarsfield.

¡Newell’s, carajo!

Newell’s erreichte an jenem heißen 22. Dezember nach Rückstand allerdings nur ein 1:1 (Tor: Ruffini) gegen die Cuervos, und musste darauf hoffen, dass River nicht bei Vélez gewann, wo es vor Beginn der Schlussphase ebenfalls 1:1 stand. Für Dramatik sorgte der Fakt, dass das River-Spiel acht Minuten nach dem Newell’s-Spiel angepfiffen wurde, und die Newell’s-Spieler die nervenaufreibenden, endlosen acht Minuten auf dem Spielfeld im Radio anhören mussten. Doch „El Pato“ Fillol im Tor von Vélez, der während dem Spiel bereits einen Elfmeter gehalten hatte, war für River nicht noch einmal zu überwinden, und Gareca erzielte nach einem Konter sogar noch das 2:1 für Vélez. Newell’s war damit Sieger des Torneo Apertura (11 Siege, 6 Remis, 2 Neiderlagen; Torverhältnis: 30:13), was jedoch noch nicht den Gewinn der Meisterschaft bedeutete, denn dies war die letzte Saison des argentinischen Fußballs in dem der Meister in einem Duell aus den Siegern zwischen dem Torneo Apertura (20.8.–22.12.1990) und Torneo Clausura (22.2.–30.6.1991) ermittelt wurde. Das Torneo Clausura wurde im Frühjahr 1991 ausgespielt, und der Sieger war niemand geringeres als Boca Juniors um Gabriel Batistuta, die ihrer zehnjährigen Titeldürre endlich ein Ende setzen wollten. Im Gegensatz dazu legte Newell’s eine relativ durchschnittliche Runde hin, die auf dem 8. Platz beendet wurde (6S, 8U, 5N).

Meister gegen Boca in La Bombonera

Das Finale um die Meisterschaft fand zeitgleich mit der Copa América in Chile statt, und von beiden Vereinen weilten jeweils zwei Profis bei der Nationalmannschaft (Newell’s: Gamboa, Franco; Boca: Batistuta, Latorre). Jedoch verpflichtete der Hauptstadtklub dank Ausnahmegenehmigung des Verbandes extra für das Finale zwei Spieler nach (Luis Gaúcho“ Tofoni und Vieja Reinoso), während Newell’s dem eigenen Kader vertraute. Das Hinspiel, im Gigante de Arroyito von Rosario Central, gewannen die Männer von Bielsa, durch ein Elfmetertor von Eduardo Toto“ Berizzo. Im Rückspiel nur drei Tage später in La Bombonera hielt diese Führung im strömenden Regen auf katastrophalem Platz bis acht Minuten vor Spielende, ehe in der 82. Minute Boca-Neuzugang Reinoso per sattem Linksschuss zum Ausgleich in der Serie traf. Insgesamt hatte das Schauspiel auf dem Feld wenig mit Fußball zu tun, wie Newell’s Keeper Norberto “El Gringo“ Scoponi feststellte.

„Ich sah mir das Spiel danach noch zweimal an und fragte mich, was haben wir da eigentlich gespielt? Es sah wie Tennis aus, der Ball flog von der einen Seite auf die Andere, man grätschte, man kämpfte, man geriet aneinander. Gespielt wurde wenig.“ (Scoponi)

Das 1:0 war gleichzeitig auch der Endstand und so ging es ins Elfmeterschießen, in dem eben jener Scoponi zum Helden avancierte – und der davor dem Fitnesstrainer gestand noch nie in seinem Leben einen Elfmeter gehalten zu haben -, als er die Versuche von Graciani und Rodríguez parierte. Eduardo Berizzo erzählte im Nachgang, dass sie am Tag vor dem Spiel Elfmeter auf dem Sportgelände der Universität geübt hatten, und nicht etwa geheim, sondern vor 5.000 Studenten, und zwar ziemlich genauso wie sie sie im Finale schossen. Newell’s schaffte es somit als erster Verein Meister im Stadion von Boca zu werden, und qualifizierte sich gleichzeitig für die Copa Libertadores.

Copa Libertadores 1992

An der Copa Libertadores 1992 (18.2.–17.6.) nahmen 21 Mannschaften Teil, deren zwei aus jedem Land (ohne Zentralamerika) plus dem Titelverteidiger Colo-Colo aus Chile. Diese wurden in vier Gruppen à vier Mannschaften und eine mit fünf Teams eingeteilt. Dabei trafen in jeder Gruppe die Vertreter zweier Ländern aufeinander. Newell’s war in der Argentinien/Chile-Gruppe zusammen mit San Lorenzo, Universidad Católica, Coquimbo Unido und Titelverteidiger Colo-Colo (die eigentlich für das Achtelfinale gesetzt waren, aber aus finanziellen Gründen die Gruppenphase spielen wollten). Für die Mannschaft aus Rosario begann die Runde mit einer alptraumhaften 0:6 Heimklatsche gegen San Lorenzo, welche aber die einzige Niederlage bleiben sollte, sodass man sogar als Gruppenerster weiterkam. Im Achtelfinale setzte man sich gegen Defensor Sporting aus Uruguay mit 1:1 und 1:0 durch, ehe man im Viertelfinale wieder auf San Lorenzo traf. Im Hinspiel revanchierte sich die Bielsa-Elf für die derbe Niederlage aus der Gruppenphase, und gewann glatt mit 4:0. Nach einem 1:1 im Rückspiel stand man im Halbfinale.

Dort wartete der kolumbianische Verein América de Cali, und in beiden Duellen stand es nach Schlusspfiff jeweils 1:1, sodass der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt werden musste. Jenes sollte denkwürdig werden, denn erst der 26. Elfmeter brachte die Entscheidung. 11:10 n.E. hieß es am Ende für Newell’s, und in Cali avancierte abermals Keeper Scoponi zum Helden, der zwei Versuche parierte und selbst verwandelte.

La Lepra bot sich also vier Jahre nach der Niederlage gegen Nacional Montevideo wieder die Möglichkeit sich erstmals die kontinentale Krone aufzusetzen. Im Finale wartete der FC São Paulo angeführt von Raí, dem kleinen Bruder Sócrates. Das Hinspiel in Rosario gewann Newell‘s durch ein Elfmetertor von Berizzo mit 1:0, musste sich aber im Rückspiel vor 105.185 Zuschauern im Estadio Morumbí mit dem selben Ergebnis geschlagen geben; ebenfalls durch ein Elfmetertor von Raí aus der 82. Minute. Demnach musste erneut das Elfmeterschießen entscheiden, aber diesmal war das Glück nicht mehr auf der Seite von Newell’s, Berizzo, Mendoza und Gamboa versagten die Nerven, und São Paulo gewann mit 3:2 n.E. Trotz der großen Enttäuschung zeigte die Mannschaft im Nachgang großen Charakter, und tröstete sich mit dem Meistertitel.

Torneo Clausura 1992

Über das Torneo Apertura 1991 (10.9. – 22.12.), legt man am besten den Mantel des Schweigens, denn diese Saison beendeten die rojinegros auf dem drittletzten 18. Platz. Dagegen lief die Newell’s-Maschine im Torneo Clausura (21.2.-5.7.) wie geschmiert, das parallel zur Copa Libertadores lief, und man konnte schon am vorletzten Spieltag die Meisterschaft feiern (11S, 7U, 1N). Höhepunkte der Runde war der 1:0 Sieg im Derby gegen Central am 3. Spieltag, bei der bei Newell‘s neun Spieler aus der 2. Mannschaft in der Startelf standen, da man nur 27 Stunden später in Chile gegen Universidad Católica antreten musste. Zudem ging der 5:0 Auswärtssieg am 12. Spieltag bei River Plate in die Geschichtsbücher ein, da der Schiedsrichter Castrilli vier Spieler der Millonarios, inklusive Trainer Passarella des Feldes/Bank verwies. Es war der vierte Meistertitel in der Geschichte des Vereins, und endlich war man gleichauf mit Stadtrivale Central. Nur wenig später verkündete Marcelo Bielsa seinen Rücktritt, und im Jahr 2009 wurde das Stadion von Newell’s, der El Coloso del Parque zu seinen Ehren in Estadio Marcelo Bielsa umbenannt.

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“Somos todo Chape”-Ein Jahr nach der Tragödie http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/somos-todo-chape-670543 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/somos-todo-chape-670543#respond Wed, 20 Dec 2017 16:13:57 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=7138 Am 28. November 2025 machte sich das brasilianische Team Chapecoense auf, um im kolumbianischen Medellín gegen Atlético Nacional das Erste von zwei Copa Sudamericana-Finals zu bestreiten. Was dann geschah, ist eine tragische Geschichte. Das Flugzeug stürzte ab, nur sechs Insassen...

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Am 28. November 2025 machte sich das brasilianische Team Chapecoense auf, um im kolumbianischen Medellín gegen Atlético Nacional das Erste von zwei Copa Sudamericana-Finals zu bestreiten. Was dann geschah, ist eine tragische Geschichte. Das Flugzeug stürzte ab, nur sechs Insassen überlebten die Katastrophe. Ein Jahr später ziehen wir Bilanz: Wie geht es den Hinterbliebenen und Überlebenden? Wer hat Schuld am Tod von 71 Menschen und wie steht “Chape” heute da? Chefutbol blickt zurück auf das furchtbare Unglück und dessen Folgen.

Die Überlebenden

An Bord des Fluges LaMia 2933 nach Medellín befanden sich an diesem Tag insgesamt 77 Menschen, nur sechs überlebten den Absturz der Maschine kurz vor der kolumbianischen Metropole. Neben zwei Crewmitgliedern, der Stewardess Ximena Suarez und dem Bordmechaniker Erwin Tumiri, der bolivianischen Airline überlebte der brasilianische Journalist Rafael Henzel, Mittelfeldspieler Alan Ruschel, Goalkeeper Jackson Follmann und Abwehrspieler Helio Zampier, genannt Neto.

Henzel flog gemeinsam mit der Mannschaft zum Endspiel der Sudamericana, da “Chape”, der Provinzklub aus dem Süden Brasiliens, noch nie zuvor in seiner 43-jährigen Geschichte das Endspiel des prestigeträchtigen Turniers erreicht hatte. Als Chapecoense gut neun Monate später im sagenumwobenen Camp Nou gegen den großen FC Barcelona eine Art Benefinzspiel bestritt, kommentierte Henzel die Partie für den brasilianischen Sender “RadioOeste” live aus Barcelona. Und er hatte es dem fünfmaligen Weltfußballer Lionel Messi, der an diesem Tag ebenfalls auf dem Platz stand, zu verdanken, dass er die Partie überhaupt kommentieren konnte.

Einige Wochen zuvor flog die argentinische Nationalmannschaft mit “La Pulga” an Bord mit eben jenem Flugzeug von Belo Horizonte nach Buenos Aires, Henzels Kollege Renan Agnolin wollte um jeden Preis auf dem selben Platz sitzen wie der argentinische Weltstar zuvor. Dessen Platz war allerdings Henzel zugewiesen, er tauschte mit Agnolin, der beim Absturz ums Leben kam. “Agnolin hat mein Leben gerettet”, sagte Henzel später in einer brasilianischen Talkshow. Seitdem hat er in seiner Twitter-Bio zwei Geburtstage angegeben. Einmal den 25. August 1973 und 29.November 2025. Der Tag, an dem er sein Leben erneut erhielt.

Von den drei überlebenden Spielern Chapecoenses konnte nur Alan Ruschel die Partie gegen die “Blaugrana” wirklich bestreiten. Auch er tauschte vor dem Abflug mit einem Kollegen den Sitzplatz, nur so und durch riesiges Glück konnte er lebend aus den Trümmern geborgen werden. Am Schlimmsten sei für ihn die Tatsache, dass er seine Teamkollegen nie wieder sehen würde, gab er nach der Partie sichtlich bewegt zu Protokoll. Privat hat Ruschel sein Glück gefunden. Im Februar 2017 fand die Hochzeit zwischen ihm und seiner Freundin Marina statt.

Goalkeeper Follmann führte mit Neto zwar den Anstoß aus, allerdings musste ihm der rechte Unterschenkel amputiert werden, sodass er seine Karriere als Profifußballer leider Gottes beenden musste. Aber seinen Willen hat er nicht verloren. Aktuell arbeitet Follmann als eine Art Zeugwart im Klubheim von “Chape”, das Training führt er jedoch weiterhin fort.

Sein Traum ist es, eines Tages für das brasilianische Paralympics-Team zu spielen. Desweiteren bietet Follmann Gespräche zum Thema “Bewältigung traumatischer Erlebnisse” an, um so nicht nur das tragische Unglück, dass ihm widerfuhr zu verarbeiten, sondern zugleich anderen Menschen in ähnlichen Situationen zur Seite zu stehen. Die für Dezember 2025 geplante Hochzeit mit seiner Freundin Andrea hat auch er mittlerweile nachgeholt.

Innenverteidiger Neto ist von allen Überlebenden am Schlimmsten versehrt. Nach diversen Knie- und Rückenoperationen trainiert er weiter für sein Comeback, mittlerweile im Kreise der Mannschaft. Im September brachte Neto seine eigene Biographie heraus, die den Titel “Ich glaube an morgen” trägt. Darin schildert er unter Anderem, dass er in der Nacht vor dem Absturz einen Albtraum hatte, der die Tragödie sozusagen prognostizierte.

Für Ximena Suarez begann mit dem Absturz ebenfalls eine Leidenszeit. Die Stewardess ist bis zum heutigen Tag auf Physiotherapie angewiesen, aufgrund einer Verschiebung der Nasenscheidewand durch den Aufprall wäre eine Nasenoperation eigentlich dringend von Nöten. Die finanziellen Mittel dafür fehlen leider. Auch Ximena verarbeitete das tragische Erlebnis in einem Buch, das ihren größten Traum als Titel trägt. “Mein Traum ist es, wieder fliegen zu können”.

Bordmechaniker Tumiri hat sich dahingegen völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der 25-Jährige hat ein Studium begonnen, das Flugzeug kommt für ihn als Transportmittel nicht mehr in Frage.

Die Hinterbliebenen

Für die Hinterbliebenen des Flugzeugunglücks hat die Leidenszeit ebenfalls noch kein Ende gefunden. Zusätzlich zum Verlust geliebter Menschen warten die Angehörigen noch heute auf Entschädigungszahlungen. Um ihre Interessen besser vertreten und durchsetzen zu können, wurde AFAV-C gegründet, die Vereinigung der Familien der Opfer des Chapecoense-Flugs. Einige Familien gingen sogar soweit, den ehemaligen brasilianischen Fußballstar Romario, der nach seiner Karriere nun eine Position als Senator inne hat, um Unterstützung zu bitten.

Grund hierfür ist, dass die Verfahren hinsichtlich der Entschädigungszahlungen und der Strafbarkeit aus diversen Gründen immer weiter verschleppt werden. Vom Verein selbst haben die Hinterbliebenen zwar eine einmalige Ersthilfe erhalten, laut Opfer-Anwalt Fabiano Emery stehen den Angehörigen insgesamt aber gut 400 Mio. $ zu. Die bolivianische Versicherungsfirma “Bisa” weigert sich bislang, den entsprechenden Betrag zu entrichten. Deren Angebot beläuft sich derzeit auf 200.000 $ Zug-um Zug gegen Abtretung jeglicher Ansprüche, die möglicherweise gegen die Airline bestehen und einen Verzicht auf strafrechtliche Verfolgung der Fluglinie “LaMia”.

Dieses Angebot wurde von der AFAV-C abgelehnt.

Die Schuldfrage

Die Frage, die allen Angehörigen wohl immer noch schlaflose Nächte bereitet, ist die Frage, wer nun Schuld am Tod der 71 Menschen hat. Problem ist, dass die komplexe Ausgangslage, die insgesamt drei Länder, nämlich Bolivien, Brasilien und Kolumbien involviert, dazu beiträgt, die tatsächliche und rechtliche Aufarbeitung des Sachverhaltes weiter zu verschleppen und zu verschleiern. Die Opfer sind brasilianische Staatsangehörige, die Airline hat ihren Sitz in Bolivien, der Unfallort befindet sich nahe der kolumbianischen Stadt Medellín.

Fakt ist: Der Absturz des Flugzeugs erfolgte angesichts der Tatsache, dass der Kerosinfüllstand der Maschine für den Flug von Chapeco nach Medellín schlicht zu niedrig war. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um eine weltweit gängige Praxis, da im Falle von Notlandungen Kerosin abgelassen werden muss und die Airlines somit aus Kostengründen mit der geringstmöglichen Spritmenge kalkulieren. Grob fahrlässig, leider jedoch Usus.

Die bolivianische Regierung machte im Zuge der Ermittlungen kurzerhand “LaMia” Besitzer Miguel Quiroga verantwortlich. Eben jener Miguel Quiroga befand sich allerdings ebenfalls als Pilot an Bord der Maschine und hat den Absturz leider nicht überlebt. Sein Geschäftspartner Marco Rocha ist nicht auffindbar. Die Ermittlungen der brasilianischen Staatsanwaltschaft erlauben allerdings andere Schlüsse und zeigen auf, wie komplex sich der gesamte Sachverhalt darstellt.

Angeblich war Quiroga zum Zeitpunkt des Absturzes nicht Eigner von “LaMia”, sondern die Venezolanerin Loredana Albacete. Angeblich hat Albacete, nebenbeibemerkt Tochter des mächtigen venezolanischen Politikers Ricardo Albacete, den Gewinn des Fluges über ein Konto in Hongkong erhalten.

Auch ein Jahr nach der Katastrophe sind somit immernoch nicht alle Umstände geklärt, was es allen Beteiligten zusätzlich erschwert, mit dem Unglück auch psychisch abzuschließen.

Der Verein – Wo steht “Chape” heute?

Sportlich gesehen erholte sich “Chape” auch dank weltweiter Anteilnahme und Solidarität recht zügig. Als Chapecoense vom einen auf den anderen Tag quasi ohne erste Mannschaft da stand, liehen zahlreiche Clubs ihre Reservisten an “Chape” aus, mehr als 10.000 neue Mitglieder hat der Verein seitdem gewonnen. Mit insgesamt 23 Neuzugängen konnte Chapecoense im Mai diesen Jahres die Bundesland-Meisterschaft gewinnen, zeitweise führte man sogar die brasilianische Serie A als an. Allerdings schied “Chape” schon früh in der Copa Libertadores aus, insgesamt zwei Trainer verschlissen die Brasilianer und man musste bis zum Schluss auf den Klassenerhalt hoffen, der letztlich allerdings gelang.

Mitleid habe das Team auf dem Platz schnell keines mehr erfahren, gab Alan Ruschel zu verstehen. “Am Anfang hat es viel Mitgefühl gegeben. Es wurde viel gesprochen über das, was passiert ist. Aber jetzt ist schon ein Jahr seit der Tragödie vorbei und wir mussten die Routine eines normalen Teams aufnehmen. Die Freude in der Kabine wiederzufinden, davon lebt eine Fußballmannschaft.” gab der Außenstürmer zu verstehen.

Im August dann durfte die gesamte Mannschaft nach Rom in den Vatikan reisen, Papst Franziskus hatte zur Audienz geladen, um sein Mitgefühl auszudrücken.

Am Jahrestag der Tragödie hat der Klub bewusst auf eine große Zeremonie verzichtet. Das Stadion, die Arena Conda, wurde allerdings für Gebete und Anteilnahme geöffnet, tausende kamen um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch Atlético Nacional hielt am Jahrestag eine Gedenkveranstaltung in Medellín ab.

Chapecoense und den designierten Gegner aus Medellín im Finale der Copa Sudamericana 2025 verbindet seit dem Unglück eine tiefe Freundschaft. Ohne zu zögern überließen die Kolumbianer “Chape” den Titel, auch um dem brasilianischen Klub die Siegprämie zuteil werden zu lassen. Der Absturzberg, “Cerro Gordo”, was soviel wie “fetter Hügel” bedeutet wurde in “Cerro Chapecoense” umbenannt.

Die Bürger der Metropole Medellín bildeten sogar eine Bürgervereinigung, um die persönlichen Gegenstände, die teils unbefugt vom Unfallort zum Zwecke der Hehlerei entwendet wurden, wie bspw. Armbanduhren, den Hinterbliebenden zukommen zu lassen – im Mai fanden fast 200 persönliche Dinge zurück zu den Angehörigen. Medellíns Bürgermeister, Federico Gutiérrez, skizzierte die Situation kurz und prägnant: “Aus einer großen Traurigkeit und Tragödie erwächst die Möglichkeit zu einer großen Freundschaft”.

Das Flugzeugunglück wird, wie beispielsweise auch bei Manchester United, für immer einen festen Bestandteil der Vereinshistorie ausmachen. Allerdings hat man sich ein neues Motto gegeben. “Pra sempre Chape”, für immer “Chape”. Denn, wie auch Chapecoense in einer Pressemitteilung in treffender Weise konstatierte, ist die größte Errungenschaft des Vereins die Tatsache, dass er nach so vielen Verlusten weiterlebt.

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Vélez Sarsfield de Bianchi – Aus dem Schatten der Großen http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/velez-sarsfield-bianchi-938373 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/velez-sarsfield-bianchi-938373#respond Sat, 02 Sep 2017 14:15:07 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=5796 Der Gewinn der erst zweiten Meisterschaft im Jahr 1993 stellte für Vélez Sarsfield den Startschuss für die erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte dar. Maßgeblichen Anteil am Erwachen aus dem Dornröschenschlaf hatte dabei Vereinslegende Carlos Bianchi. Der Verein wurde 1910 gegründet und...

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Der Gewinn der erst zweiten Meisterschaft im Jahr 1993 stellte für Vélez Sarsfield den Startschuss für die erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte dar. Maßgeblichen Anteil am Erwachen aus dem Dornröschenschlaf hatte dabei Vereinslegende Carlos Bianchi.

Der Verein wurde 1910 gegründet und liegt im Stadtteil Liniers im Osten von Buenos Aires. Bis zum Beginn der erfolgreichen Ära Bianchi in den 1990ern, hatte der Verein nur eine Meisterschaft auf dem Konto, die aus dem Jahr 1968 stammte. Bei dieser Meisterschaft war der junge und unbekannte Carlos Bianchi noch als Spieler im Kader, und stand erst am Anfang seiner großen Karriere. Heute ist er immer noch derjenige argentinische Spieler mit den meisten Toren in Erstligaspielen: In 546 Spielen gelangen ihm 385 Tore, davon 206 in Argentinien und 179 in Frankreich. Ein gewisser Lionel Messi wird ihn jedoch vermutlich in den kommenden Jahren ablösen.

Rückkehr des verlorenen Sohnes

Nach einigen durchwachsenen Jahren ohne Titel als Trainer in Frankreich (Stade Reims, OGC Nizza, PSG), kehrte Bianchi in das Stadtviertel zurück in dem er aufwuchs, und sollte seinen Herzensverein in bisher unbekannte Sphären führen. Er war immer noch ein Kind des Vereins, als ob er nie weggewesen wäre. Aber durch seine vielen Jahre in Frankreich kannte er den argentinischen Fußball praktisch nicht mehr, und er sprach ab und zu versehentlich französisch.

Clausura 1993 – Sieger: Vélez

Trotzdem ging der Trainerstern von Bianchi bei Vélez bereits im ersten Jahr auf. Die damalige Liga dauerte vom 7. August 1992 bis zum 12. Juni 1993 und bestand aus zwei Meisterschaften (Apertura und Clausura), deren Sieger sich jeweils für die Copa Libertadores qualifizierten. Die Apertura gewannen in diesem Jahr die Boca Juniors, doch die Clausura ging an den Verein aus dem Ostteil der Stadt. Mit einer Bilanz von 10 Siegen, 7 Unentschieden und 2 Niederlagen holte El Fortín nach 25 Jahren wieder den Titel. Der langersehnte Titel wurde mit einem 1:1 Unentschieden gegen Estudiantes de la Plata perfekt gemacht; die paraguayische Torhüterlegende José Chilavert hatte dabei einmal mehr den Treffer für Sarsfield erzielt. Die Meisterschaft kam überraschend, denn die Mannschaft war mit mehr Abgängen als Neuzugängen in die Saison gestartet. Anschließend wurde der Kader mit Talenten aus der Jugend aufgefüllt, wie z.B. José “Turu“ Flores und Omar “Turco“ Asad. Die jungen Wilden zeigten jedoch schnell, dass sie zu größerem fähig sind.

Bianchi: „Fußball ist einfach!“

Bianchi galt zu diesem Zeitpunkt noch nicht als außergewöhnlicher Trainer, hatte aber trotzdem einen Außenseiter zum Titel geführt. Was zeichnete ihn also aus? Am charakteristischsten für Bianchi waren seine Hingabe, sein Fleiß, und sein respektvolles Auftreten. In den Worten Chilaverts: „Er ist ein anständiger Mann, ein Kavalier, und ein exzellenter Trainer, und deshalb meine persönliche Nummer 1.“ Mit diesen Attributen, und seiner vorgelebten Vereinsidentifikation, konnte er dasselbe umgekehrt auch glaubhaft von seinen Spielern einfordern.

Zudem war Bianchi von der Einfachheit des Fußballs überzeugt, und die kurzen Erklärungen die er seinen Männern gab, hielt er so simpel wie möglich, denn nach seinem Credo waren sie damit umso leichter umzusetzen. In seinen Kabinenansprachen appellierte er regelmäßig an den Stolz seiner Spieler, und machte ihnen klar, dass sie das ganze Viertel repräsentieren würden. Des Weiteren schaffte es Bianchi sowohl das Selbstvertrauen der Spieler, als auch das Vertrauen in ihn maximal zu steigern. Sein ehemaliger Spieler Christian Bassedas beschrieb das Verhältnis so: „Wenn er uns gesagt hätte wir sollten von der Tribüne springen und uns würde nichts passieren, wären wir ohne nach unten zu schauen gesprungen.“ Auf dieser Basis sollte Vélez Sarsfield dann erreichen, was vermutlich niemand für möglich gehalten hätte.

Copa Libertadores 1994 – Sieger Vélez

Nach dem Gewinn der Clausura im Vorjahr, hatte man sich für die Copa Libertadores qualifiziert. Der Wettbewerb bestand in der Auflage von 1994 aus einer ersten Gruppenphase (5 Gruppen), in der jeweils zwei Teams aus zwei Ländern aufeinandertrafen. Vélez war dabei in der schweren Argentinien/Brasilien-Gruppe, mit Cruzeiro, Palmeiras und den Boca Juniors. Jedoch schied nur der Gruppenletzte aus, und die restlichen Teams kamen ins Achtelfinale. Nichtsdestotrotz setzten die Männer von Bianchi mit dem Gruppensieg ein Ausrufezeichen. Im Achtelfinale traf man auf den Gruppendritten Defensor Sporting aus Montevideo. Mit den Uruguayern hatte man jedoch mehr Probleme als gedacht, und musste nach einem 1:1 im Hinspiel, und einem 0:0 zu Hause nach 120 Minuten ins Elfmeterschießen. Doch wer einen José Chilavert im Tor hat, hat die halbe Miete. Er hielt zwei Elfmeter, verwandelte selbstverständlich seinen eigenen, und somit gewann man mit 4:3 n.E. Das Viertelfinale konnte man weniger nervenaufreibend gestalten, und man setzte sich nach einem 0:0 im Hinspiel vor eigenem Publikum mit 2:0 gegen den venezolanischen Verein Minervén durch. Torschützen waren die oben erwähnten Flores und Asad.

Im Halbfinale traf man auf den kolumbianischen Vertreter Atlético Junior, und gleichzeitig auf eine weitere Legende des südamerikanischen Fußballs: Carlos “El Pibe“ Valderrama. Das Spiel in Barranquilla endete mit 2:1 für die Gastgeber, und genauso stand es auch im heimischen Estadio José Amalfitani nach 120 Minuten, sodass wieder das Elfmeterschießen entscheiden musste. Chilavert avancierte – mal wieder – zum Helden, als er den 5. Elfmeter von Héctor Méndez halten musste, um im Spiel zu bleiben, und ihn auch hielt. Danach verwandelte Basualdo für Vélez und Chilavert hielt auch noch den 6. Elfmeter, sodass man mit 5:4 n.E. ins Finale einzog.

Im Finale traf man auf den Sieger des Wettbewerbs der letzten beiden Jahre São Paulo mit Cafú, und wie sollte es anders sein, musste wieder das Elfmeterschießen entscheiden. Zweimal 1:0 hieß es nach regulärer Spielzeit. Im Elfmeterschießen lief es eigentlich wie immer: Chilavert verwandelte wie immer als 2. Schütze, und hielt den Versuch von Palhinha. Da seine restlichen Teamkollegen alle verwandelten, setzte man sich zum ersten Mal die Krone des südamerikanischen Vereinsfußballs auf, und durfte um den Weltpokal spielen.

Weltpokal 1994 – Sieger: Vélez

In Tokio traf man am 1. Dezember 1994 auf den AC Mailand, das auf dem Papier als klarer Favorit in das Spiel ging. Die Abwehrreihe Tassotti, Baresi, Costacurta und Maldini lässt mit Sicherheit jeden Catenaccio-Fan erschaudern und an alte, bessere Zeiten zurückerinnern. Doch genau mit dieser Unterlegenheit motivierte Bianchi seine Mannschaft, und redete ihnen ein, dass die Milan-Spieler überheblich und respektlos wären, und nicht einmal die Namen ihrer Gegenspieler wussten. Außerdem wurde Milan-Trainer Fabio Capello noch um 2 Uhr nachts im Hardrock Café gesehen; eine beispiellose Respektlosigkeit. Mit dieser Motivation übersprangen die Männer von Bianchi auch das letzte Hindernis, und gewannen zur Abwechslung aus dem Spiel heraus mit 2:0. Von dem Doppelschlag der Argentinier in der 50. (Trotta) und 57. Spielminute (Asad) konnten sich die Italiener nicht mehr erholen, und Vélez war am Ziel der Träume angelangt. Seitdem hat Vélez seine Titelsammlung deutlich vergrößert, und gehört jede Saison zumindest zum Dunstkreis der Titelanwärter.

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Club Ferro Carril Oeste – Das goldene Zeitalter http://www.chefutbol.com/uncategorised-de/club-ferro-carril-oeste-049837 http://www.chefutbol.com/uncategorised-de/club-ferro-carril-oeste-049837#respond Wed, 16 Aug 2017 17:42:37 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=5605 Ferro Carril Oeste mag außerhalb Argentiniens ein relativ unbeschriebenes Blatt sein, ist jedoch im Lande selbst eine Institution. Der Vereinssitz liegt im Herzen von Buenos Aires und beherbergt noch zahlreiche weitere Abteilungen. Im Fußball war die erfolgreichste Zeit des aktuellen...

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Ferro Carril Oeste mag außerhalb Argentiniens ein relativ unbeschriebenes Blatt sein, ist jedoch im Lande selbst eine Institution. Der Vereinssitz liegt im Herzen von Buenos Aires und beherbergt noch zahlreiche weitere Abteilungen. Im Fußball war die erfolgreichste Zeit des aktuellen Zweitligaklubs in den 1980er Jahren, in denen man zwei Meisterschaften gewinnen konnte.

Ferro als Institution

Der Verein zählt ungefähr 45.000 Mitglieder und 17 Sparten mit weiteren Unterabteilungen. Dabei trainieren bei dem Klub aus dem Stadtteil Caballito seit jeher viele Fans anderer Vereine, da man so zentral in der Stadt gelegen ist. Die Fußballabteilung ist unüberraschenderweise immer noch die Wichtigste, doch rein sportlich gesehen haben ihr aktuell andere Sparten den Rang abgelaufen. Viele Sportler und Sportlerinnen anderer Disziplinen, die für Argentinien an Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen teilnehmen, werden heute von dem Eisenbahnerverein gestellt. Neben der sportlichen Ausbildung ist Ferro im Land auch für die Förderung eines vorbildlichen Charakters bekannt. Ser de Ferro (von Ferro sein) steht auch heute noch für Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Disziplin und Korrektheit. Zudem herrschte und herrscht im Verein ein großartiger Zusammenhalt zwischen den einzelnen Abteilungen. Die glorreichste Zeit der Fußballabteilung war bereits vor über 30 Jahren, und laut Journalisten eine einzigartige Leistung.

1981 Doppelte Vizemeisterschaft

Die Leistung der Locomotora del Oeste ist deshalb so hoch anzurechnen, da sie ihre Titel in einer Zeit holte, in der ebenfalls alle anderen bekannten großen Klubs stark waren. Auch wenn die beiden Vizemeisterschaften im Jahr 1981 ein Fingerzeig an die Konkurrenz waren, hatten danach immer noch die wenigsten Leute den Verein auf ihrer Rechnung für die Meisterschaft. In den 80er Jahren wurden in Argentinien zwei Saisons pro Kalenderjahr ausgetragen. Die erste Saison hieß Torneo Metropolitano (Ligaformat), und dauerte von Februar bis August, und die zweite Spielzeit mit dem Namen Torneo Nacional (Liga + KO-Format) fing im September an und endete im Dezember. Im Jahr 1981 wurde man im Metropolitano Vizemeister, mit einem Punkt hinter den Boca Juniors, bei denen damals gerade Maradona spielte. Außerdem stellte man die beste Defensive mit nur 20 Gegentoren in 34 Spielen.

(Boca gegen Ferro 1981. Die sog. Lawine auf der Tribüne der Bombonera, nach einem Tor von Perotti)

Im anschließenden Torneo Nacional blieb der Truppe von Trainer Carlos Griguol wieder nur der undankbare zweite Platz, diesmal hinter River Plate, gegen die man sowohl im Hinspiel als auch im Rückspiel mit 1:0 verlor. In diesem Jahr stellte Oeste-Torhüter Carlos Barisio einen Rekord auf, der bis heute noch nicht gebrochen wurde. Er blieb insgesamt 1075 Minuten (11 Spiele und 65 Minuten) ohne Gegentreffer

1982 Früchte der Arbeit

Trotz der beiden emotional schwer verdaulichen zweiten Plätzen aus dem Vorjahr zeigte sich Ferro unerschrocken und holte 1982 den langersehnten Titel im Finale gegen Quilmes. Einen verdienteren Sieger hätte es schwerlich geben können, denn Ferro wurde ungeschlagen mit 16 Siegen und 6 Unentschieden, und einem Torverhältnis von 50:13 Meister. Außerdem wurde Miguel Ángel Juárez mit 22 Treffern Torschützenkönig. Mit dem ersten Titel der Vereinsgeschichte setzte man sich an den Tisch der großen Klubs, und Coach Griguol sagte nach dem Finalsieg:

„Dies ist das Ergebnis eines ernsten und verantwortungsvollen Planes. Nachdem das Nacional 1981 zu Ende war, dachte ich mir, dass wir 82 wieder um den Titel kämpfen würden, und ich habe mich nicht getäuscht. Wenn wir genauso weiterarbeiten, den Kader zusammenhalten können, und die selbe Hingabe zeigen, dann konnten wir nichts anderes als uns verbessern.“

Griguol war zweifelsfrei der Schlüssel zum Erfolg für Ferro Carril Oeste. Wie so viele Trainer die mit kleineren Vereinen erfolgreich im Zirkus der großen mitspielen, hatte er seine Ecken und Kanten; doch wer vermisst diese heutzutage nicht. Er war ein Disziplinfanatiker und ein großartiger Taktiker mit einem perfekten Spielverständnis. „Er erzählte dir unter der Woche wie es am Wochenende ablaufen würde, und so war es dann auch“, erinnerte sich Stürmer Alberto “Beto“ Márico. Er bereitete seine Mannschaft ausgezeichnet vor, und ließ sie so oft es ging zweimal am Tag trainieren. Ansonsten sprach er aber sehr wenig mit seinen Spielern, und diejenigen die nicht mit ihm zurechtkamen, wurden nicht glücklich unter ihm. Das Markenzeichen seiner Mannschaft waren frühe Tore, und die permanent offensiv spielenden Außenverteidiger, was zu einer Vorstufe des Pressings führte.

Im nächsten Jahr (1983) musste Ferro ein wenig Federn lassen, und man erreichte im Torneo Nacional nur das Achtelfinale, wo man gegen den späteren Meister Estudiantes de la Plata ausschied. Im Metropolitano landete man hinter Independiente und San Lorenzo auf dem dritten Platz.

1984 – 2. Meisterschaft

1984 konnte Ferro Carril den zweiten Meistertitel in seiner Geschichte gewinnen. Die Eisenbahner gewannen das Torneo Nacional in jenem Jahr durch zwei Finalsiege gegen River Plate, und revanchierten sich damit für die Finalniederlage von 1981. Dabei sorgte Ferro mit dem 3:0 Hinspielsieg im Estadio Monumental für einen Paukenschlag. Das Rückspiel vor eigenem Publikum im Estadio Arquitecto Ricardo Etcheverry gewann man mit 1:0, und machte den Titelgewinn perfekt. In der Presse war der erneute Sieg von Ferro mit Argwohn betrachtet worden, denn sie lieferten außer sportlichem Erfolg der aus harter Arbeit resultierte keine Schlagzeilen. Die Mannschaft spielte angeblich nicht attraktiv genug, und erzielte nicht so viele Tore wie andere. Aber gemäß der Phrase wurde sie mit einer sehr stabilen Abwehr Meister. Darüber hinaus spielten sie für argentinische Verhältnisse sehr fair, ohne zu provozieren, sowie ohne die sogenannte „picardía argentina bien estúpida“ (argentinische, dumme Hinterlistigkeit). Auch außerhalb des Platzes fiel man nicht auf, Ferro lieferte weder Skandale, noch gab es spektakuläre Spielerwechsel. Fast alle Spieler kamen aus der eigenen Jugendabteilung.

Eine weitere Stärke dieser Meistermannschaften war die zu Beginn beschriebene Institution Ferro Carril Oeste. Alle Spieler die dort waren, waren nicht wegen des Geldes dort, sondern weil sie sich wohl fühlten. Es existierte ein freundschaftliches Miteinander mit den ebenso erfolgreichen Sportlern/innen der anderen Disziplinen – im Volleyball und Basketball hat Ferro über 20 Meisterschaften – und man schaute sich gegenseitig bei den Spielen zu. Insgesamt der Traum eines jeden Trainers: Der Star war die Mannschaft, inklusive Teamgeist, und arbeits- und lernwilligen Spielern.

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Sampaolis Universidad de Chile (2011-2012): Blaues Ballett 2.0 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/sampaoli-u-de-chile-513141 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/sampaoli-u-de-chile-513141#respond Sun, 11 Jun 2017 22:10:05 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=4539 Unsere Sektion “legendäre Mannschaften” setzt sich zumeist mit Teams auseinander, die schon vor langer Zeit aktiv waren und oft eine gewisse mythische Verklärung erreicht haben. Eine solche Legende könnte auch Jorge Sampaolis U de Chile werden. Sie war 2011/12 an...

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Unsere Sektion “legendäre Mannschaften” setzt sich zumeist mit Teams auseinander, die schon vor langer Zeit aktiv waren und oft eine gewisse mythische Verklärung erreicht haben. Eine solche Legende könnte auch Jorge Sampaolis U de Chile werden. Sie war 2011/12 an guten Tagen das vielleicht beste südamerikanische Team des 21. Jahrhunderts, war 33 Spiele ungeschlagen und holte den ersten internationalen Titel und das erste Tricampeonato der Vereinsgeschichte. Selbst Ronaldinho bekam die Überlegenheit der Chilenen schmerzlich zu spüren.

Als die Fans von Flamengo am 20. Oktober 2011 in das Estadio Joao Havelange kamen, waren sie zuversichtlich. Zwar hatte das Team in der Liga zuletzt so seine Probleme gehabt, doch international konnte man etwas reißen, da war man sich sicher. Der Achtelfinalgegner, die Universidad de Chile, konnte eigentlich nur Staffage sein. Hatte man etwa nicht das beste Team der Copa Sudamericana, mit dem früheren Real-Coach Vanderlei Luxemburgo, mit dem Spielmacher Thiago Neves, und vor allem: Mit Ronaldinho, dem Weltstar, der 31-jährig den Weg in seine Heimat gefunden hatte? Nun, sie sollten das beste Team Südamerikas zu sehen bekommen.

“La Maquinita” führt Flamengo vor

In jener Nacht in Rio de Janeiro siegte die Universidad de Chile mit 4:0, doch sie bezwang ihren Gegner nicht, sie führte ihn vor. Ronaldinho stand 90 Minuten auf dem Platz, aber er, der große Dinho, war nur Sparringspartner. Die U, La Maquinita, brachte ein Tempo ins Spiel, mit dem alle Brasilianer vollkommen überfordert waren. Charles Aranguiz, Marcelo Diaz und Gustavo Lorenzetti kombinierten im Mittelfeld nach Belieben, aber in höchster Geschwindigkeit, und schickten die pfeilschnellen Angreifer Francisco Castro und Eduardo Vargas immer wieder in die Tiefe. Die Außenbahnspieler Matias Rodriguez und Eugenio Mena, gelernte Verteidiger, agierten wie Flügelstürmer, und auch die Dreierkette ging höchste Risiken. Das 1:0 erzielte José Rojas, der Abwehrchef, der sich einfach die Freiheit genommen hatte, sich im Angriff mit einzuschalten, und aus dem Rückraum einschoss. Doch wann immer der Ball verloren ging, hatten die Gastgeber sofort zwei, drei, vier Chilenen auf den Füßen stehen. Entnervt sah der Brasilianer Airton schon nach 27 Minuten für ein böses Foulspiel rot. Da hätte es schon 2:0 stehen müssen, doch der Schiedsrichter erkannte ein Tor von Vargas zu Unrecht nicht an. Doch der spätere Hoffenheimer ließ sich nicht beirren und traf noch vor der Pause doppelt: Erst vollendete er eine schöne Kombination per Direktabnahme, dann ließ er mit einer Einzelaktion die komplette Flamengo-Abwehr wie hüftsteife Rentner aussehen und schloss mit einem dreisten Lupfer ab.

Das 3:0 zur Pause spiegelte das Kräfteverhältnis vollkommen wieder, und wer weiß, wie hoch der Sieg geworden wäre, hätte Referee Saul Laverni nicht einen gebrauchten Tag erwischt gehabt: Erst schickte er Stürmer Francisco Castro zu Unrecht vom Platz, dann erkannte er bei einem Elfmeter von Rodriguez nicht, dass der Ball die Torlinie überschritten hatte. So traf nur noch Lorenzetti, mit einem herrlichen Linksschuss nach einem perfekten Konter über Vargas und Mena. Ronaldinho hatten da längst alle Zuschauer vergessen, zu spektakulär waren das Zusammenspiel und die Klasse der chilenischen Gäste. Ein größeres Ausrufezeichen als dieser Sieg war kaum denkbar, und plötzlich schaute ganz Südamerika auf diese Mannschaft, die in der heimischen Liga bereits für Furore gesorgt hatte. Unter Trainer Sampaoli, der im Dezember 2010 das Amt übernommen hatte, war die U de Chile auf dem Weg zu einer der besten chilenischen Vereinsmannschaften aller Zeiten.

Dabei waren die Vorzeichen vor Sampaolis Amtsübernahme gar nicht so gut, nur einen Titel hatte La U seit 2004 gewonnen, obwohl in Chile halbjährige Kurzturniere gespielt werden und also reichlich Gelegenheit dazu bestanden hätte. Auch der Kader war nicht besonders prominent besetzt. Youngstern wie Charles Aranguiz, Eduardo Vargas oder Francisco Castro sah man zwar ihr großes Talent an, doch fehlte es weitgehend an etablierten Führungskräften. Von den Spielern, die Flamengo in Rio de Janeiro demütigen sollten, hatte so kein einziger dem WM-Kader der chilenischen Nationalmannschaft angehört. Diese hatte dennoch einen großen Einfluss auf La U: Jorge Sampaoli gehört der in Südamerika sehr einflussreichen Bielsa-Schule an. In Anlehnung an Marcelo Bielsas Nationalmannschaft spielte auch die „neue“ U  enorm riskant, aggressiv und taktisch flexibel, häufig im 3-4-3-System. Im ersten halben Jahr waren allerdings zwar erste Anzeichen des erfolgreichen und offensiv ausgerichteten Sampaoli-Fußballs schon zu sehen, so etwa, als O’Higgins im Halbfinale der heimischen Liga mit 7:1 vernichtet wurde, doch eigentlich wirkte der traditionelle Rivale Universidad Católica stärker, auf den man im Finale traf. Im Hinspiel verlor man zunächst mit 0:2, wendete das Blatt aber dank eines spektakulären 4:1-Rückspielsiegs noch und konnte den ersten Titel der Ära Sampaoli feiern.

33 Spiele ungeschlagen

Dieses 4:1 sollte das erste Spiel einer unfassbaren Serie werden: Vom 12. Juni bis zum 22. Dezember 2011 verlor La U kein Spiel mehr, blieb 33 Spiele in Folge ungeschlagen*. In diese Zeit fiel auch der Titel, der Sampaolis U unsterblich machen sollte: Die Copa Sudamericana, der erste internationale Titel in der glorreichen Geschichte von Azul Azul. Die Mannschaft, die vor Turnierbeginn höchstens als Außenseiter gegolten hatte, pflügte nach dem 4:0 bei Flamengo regelrecht durch den Wettbewerb, schlug den Mengao auch im Rückspiel mit 1:0, schaltete Arsenal de Sarandi im Viertelfinale ohne jede Probleme aus (2:1, 3:0), holte dann ein 1:1 bei Vasco da Gama und schlug die Brasilianer daheim vor begeisterten Fans mit 2:0. Finalgegner war nun LDU Quito, ein zumindest auswärts gefürchteter Gegner ob der Höhe von Quito und dem Fanatismus der Fans. Doch diese U hielt nichts und niemand auf. Mit kühlem Kopf und höchstem taktischen Geschick (Jorge Sampaoli hatte eine ungewöhnlich defensive Mannschaft aufgeboten) kontrollierte man die Ecuadorianer  weitgehend und setzte genau den einen Nadelstich, den es brauchte: Steilpass von Marcelo Díaz, Eduardo Vargas geht allen davon, umspielt den Keeper und schießt ein. Dieses 1:0 brachten die Azules über die Zeit.

Im Rückspiel im Estadio Nacional zu Santiago, in einer traumhaften Nacht mit dem besten, was der südamerikanische Fußball zu bieten hat – eine unfassbare Stimmung und extrem emotionale Spiele -, ließ sich das Team von Sampaoli den Titel dann nicht mehr nehmen, mehr noch, sie siegten nach hervorragendem Spiel mit 3:0. Schon nach 160 Sekunden brachte Eduardo Vargas La U in Führung und sorgte für völlige Extase auf den Rängen. Das sollte sich während das Spiels auch nicht mehr ändern, schon bald war allen Anwesenden klar, dass diese U nichts mehr anbrennen lassen würde. Zu gut war der Fußball, den sie zeigte, von der sicheren Defensive bis zum brandgefährlichen Sturmtrio mit den schnellen Vargas und Castro und dem abgezockten Canales. Gustavo Lorenzetti, der Spielmacher, war es, der in der 79. Minute mit seinem Abstauber den Deckel draufmachte. Doch zumindest Eduardo Vargas, vielleicht individuell der herausragendste der Blauen, hatte noch nicht genug. Kurz vor Schluss erhielt er einen Pass von Lorenzetti knapp vor dem Mittelkreis, lief ein paar Meter, zog dann gegen drei Gegenspieler plötzlich das Tempo an, den Ball am Fuß wie festgeklebt, überspielte alle drei, kam in den Strafraum und überlupfte den bedauernswerten ecuadorianischen Schlussmann. Es war Vargas‘ elftes Tor im zwölften Spiel jener Copa Sudamericana, bei drei Torvorlagen (der zweitbeste Schütze hatte sieben Treffer).  Ein Golazo als Sahnehäubchen für eine unglaubliche Copa Sudamericana für Vargas und seine U. In zwölf Spielen hatte Sampaolis Team zehn Siege eingefahren, mit einem vollkommen unfassbaren Torverhältnis von 21:2.

Nur zwei Wochen nach dem Triumph in der Copa Sudamericana gewann La U auch die heimische Liga erneut, diesmal mit einem 3:0 im Finale gegen Cobreloa. Es war Sampaolis dritter Titel in nur einem Jahr mit der in den Jahren zuvor nicht gerade erfolgsverwöhnten Universidad de Chile. Auch 2012 ging der wilde Ritt weiter, das Team von Sampaoli siegte im Torneo Apertura und holte damit zum ersten Mal in der nicht titelarmen Geschichte des Vereins drei nationale Titel in Folge, das sogenannte Tricampeonato. Auf internationalem Parkett schaffte man es in der Copa Libertadores bis ins Halbfinale, musste sich dort allerdings den Boca Juniors geschlagen geben. In jene Zeit fallen einige der erinnerungswürdigsten Spiele der Geschichte der U, darunter ein unglaubliches 6:0 über Deportivo Quito, nachdem man das Hinspiel mit 1:4 verloren hatte (in einer lesenswerten taktischen Analyse zur Saison 2012 wird dieses Spiel bei spielverlagerung.de behandelt), und zwei Schützenfeste über den ärgsten aller Rivalen und immer noch erfolgreichsten Klubs Chiles, Colo-Colo. Binnen nicht einmal zwei Monaten wurden die Albos mit 5:0 und 4:0 vorgeführt. Erinnerungen an den alten Spitznamen Ballet Azul kamen auf – blaues Ballett hatte man in den 1960er Jahren die damals technisch sehr beschlagene U de Chile getauft. An guten Tagen stand Sampaolis U dieser legendären Mannschaft in nichts nach, eher im Gegenteil.

Erst in der darauffolgenden Clausura 2012 ließ Sampaolis Erfolg nach, im Viertelfinale der heimischen Liga wurde man von Unión Española deutlich geschlagen, in der Copa Libertadores setzte es ein 0:2 und ein 0:5 gegen Sao Paulo. So war es für alle Seiten vertretbar, dass Sampaoli am Saisonende das Feld räumte und die chilenische Nationalmannschaft übernahm. Auch mit dieser sollte der Argentinier eine extrem erfolgreiche Zeit haben. Dabei setzte er auf ähnliche Taktiken und Mechanismen wie bei der Universidad de Chile und baute einige seiner alten Schützlinge ein. In jener Mannschaft, die im Elfmeterschießen gegen Argentinien 2015 den ersten großen Titel für ihr Land holten, standen Eduardo Vargas, Marcelo Díaz und Charles Aranguiz. Auch Eugenio Mena und der Kapitän der U, José Rojas, sowie das Talent Angelo Henriquez kamen zu einigen Einsätzen in dieser Copa América. Und so ist die Erinnerung an Jorge Sampaoli und seine Jungs von der U de Chile für jeden Chilenen positiv, doch ganz besonders natürlich für die Anhänger der Azules. Immerhin hatte er aus dem Nichts die 2011 wohl beste Mannschaft Südamerikas geformt und der Universidad de Chile ihren ersten internationalen Titel überhaupt beschert.

* Der Autor dieser Zeilen war beim dritten der 33 Spiele im Stadion, einem trotz 60-minütiger Überzahl grauenhaften 1:0 über die Uruguayer von Fénix, und darf allerdings anmerken: Nicht alles war immer Gold, was glänzte.

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Estudiantes de la Plata von Osvaldo Zubeldía (1968) http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/estudiantes-plata-1968-645398 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/estudiantes-plata-1968-645398#comments Thu, 18 May 2017 09:06:06 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=3959 Seitdem der argentinische Fußball 1931 professionalisiert wurde, machten bis 1967 die fünf großen Vereine Racing Club, Independiente, Boca Juniors, River Plate und San Lorenzo den Titel unter sich aus. Erst nach 36 Jahren, 1967, gelang es den Estudiantes de la...

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Seitdem der argentinische Fußball 1931 professionalisiert wurde, machten bis 1967 die fünf großen Vereine Racing Club, Independiente, Boca Juniors, River Plate und San Lorenzo den Titel unter sich aus. Erst nach 36 Jahren, 1967, gelang es den Estudiantes de la Plata die Phalanx zu durchbrechen und eine neue Ära einzuleiten.

Eine der beeindruckendsten und erfolgreichsten Mannschaften des argentinischen Fußballs, die in einem Artikel allein nicht beschrieben werden kann, hatte ihren Ursprung am 15.1.1965. An diesem Tag wurde Osvaldo Zubeldía als neuer Trainer der Estudiantes de la Plata vorgestellt. Nach zwei Saisons, in denen man im oberen Mittelfeld landete, gelang 1967 der große Wurf und man konnte als erste Mannschaft die Vorherrschaft der fünf Großen durchbrechen. Neben dem Titel gewann man zusätzlich noch Sympathien im ganzen Land, da man ohne Stars, ohne vermeintliche Bevorteilung der Schiedsrichter, und ohne viel Geld, Meister geworden war. Doch ab 1968 sollten noch viel größere Taten folgen.

Der Trainer – Osvaldo Zubeldía

Estudiantes

By Unknown – http://ozubeldia.blogspot.com/2008/06/el-camino-de-un-triunfador.html (Wikimedia Commons)

Osvaldo Zubeldía leitete eine neue Ära im argentinischen Fußball ein. Als Spieler unspektakulär, machte er als Trainer den Unterscheid aus. Er war seiner Zeit weit voraus, und gemessen an seiner Leistung wird ihm viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Zubeldía der nicht umsonst den Spitznamen „El Zorro/Der Fuchs“ verpasst bekam, ist sowohl durch seine Innovationen als auch seine unorthodoxen Trainingsmethoden in Erinnerung geblieben. Die Kernelemente seiner Philosophie sind aber, ganz nach traditioneller Magath-Manier, harte Arbeit und Einsatzwille. Laut dem Fuchs konnte „Schönheit auch Leiden sein“.

Außerdem scheute er nicht davor zurück an der Grenze, oder jenseits des Erlaubten spielen zu lassen. Sein Dogma war, dass man als kleiner Verein alle Mittel ausreizen musste, welche die vorherrschenden Klubs nicht akzeptierten. Estudiantes wurde zudem auch das „verflixte Ding des bürgerlichen Fußballs“ (el hecho maldito del fútbol burgués) getauft, in Anlehnung an den Peronismus, der von der herrschenden bürgerlichen Gesellschaft als ungewolltes Übel angesehen wurde, da er den Status Quo durchbrechen wollte.

Das Training

Zu den traditionellen Tugenden führte Zubeldía die Videoanalyse ein, und fing an Standardsituationen, Taktiken (Abseitsfalle) sowie bestimmte Spielzüge einzustudieren. Auch für die Spieler waren die Methoden komplett neu, „das erste Mal, dass der Trainer auch arbeitete und nicht nur einen Ball hinwarf“. Oscar Malbernat sagte im Vergleich zum Verein „wurde in der Nationalmannschaft improvisiert“.

Zubeldía baute die Mannschaft zusammen mit Hilfe von Jugendtrainer Miguel Ignomiriello hauptsächlich aus Jugendspielern und Neuzugängen von kleineren Vereinen auf. Der Verein wurde gut geführt, die Spieler fühlten sich wohl, und es entstand ein starkes Kollektiv.

Wie bereits erwähnt, stand harte Arbeit über allem, und als Zubeldía eines Tages nicht zufrieden war mit dem Einsatz seiner Spieler, ließ er sie am nächsten Tag um vier Uhr in der Früh antreten. Dann lud er sie in einen Bus und fuhr zum Bahnhof. Dort angekommen befahl er seinen Männern einfach die Leute zu beobachten, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Er tat dies „um zu zeigen wie gut es ihnen geht, denn sie würden für das bezahlt was sie am meisten liebten, Fußball spielen“.

Copa Libertadores 1968

Für die 9. Auflage der Copa Libertadores qualifizierte man sich als ungeschlagener Vizemeister des Torneo Nacional (9S, 6U). Zur Meisterschaft reichte es jedoch nicht, da Independiente eine noch bessere Bilanz vorweisen konnte (12S, 2U, 1N). Trotzdem wurde die Serie der 15 ungeschlagenen Spiele in der nächsten Auflage des Torneo Nacional noch bis auf 27 ausgebaut, was bis heute Vereinsrekord ist.

Die Copa Libertadores bestand aus einer ersten Gruppenphase (5 Gruppen), in der jeweils zwei Teams aus zwei Ländern aufeinandertrafen. Estudiantes war dabei mit Independiente in der Argentinien/Kolumbien-Gruppe. Es qualifizierten sich jeweils die beiden Gruppenersten für die Halbfinal-Gruppenphase. Dort traf man abermals auf Independiente, sowie auf Universitario de Deportes aus Lima. Nach einer Auftaktniederlage bei den Peruanern konnte man die restlichen drei Spiele gewinnen und sich für das Halbfinale qualifizieren, in dem man mit Racing Club (Titelverteidiger) schon wieder auf eine argentinische Mannschaft traf.

Nach einer 0:2 Niederlage im Hinspiel, konnte man das Rückspiel mit 3:0 gewinnen. Jedoch musste ein Entscheidungsspiel gespielt werden, da die Tordifferenz erst nach dem dritten Spiel zum Siegkriterium wurde. Das Entscheidungsspiel endete 1:1 Unentschieden, dank eines Fallrückziehertores von Verón, womit man im Finale gegen den brasilianische Meister Palmeiras stand.

War die alte Tordifferenz-Regelung im Halbfinale noch zum Nachteil der Pinchas, so profitierten sie im Finale davon. Nach einem 2:1 Heimsieg und einer 3:1 Auswärtsniederlage, kam es zum Entscheidungsspiel in Montevideo. Im Estadio Centenario, vor tausenden eigenen Fans, die per Fähre die Mündung des Río de la Plata überquerten, holte man sich mit einer bärenstarken Leistung, durch ein 2:0, durch Tore von Felipe Ribaudo und Juan Verón den Pokal.

Neben dem Titel sollte vor allem das Tor von Juan Ramón “La bruja” Verón im Hinspiel in Erinnerung bleiben. Er schoss sieben Minuten vor Abpfiff, nach einem Solo über den halben Platz, bei dem er einen Spieler mehr ausdribbelte als Maradona in seinem berühmten Solo gegen England, das Ausgleichstor. Nur zwei Minuten später drehte Eduardo „Bocha“ Flores das Spiel dann zu Gunsten von Estudiantes.

Weltpokal gegen Manchester United

Im Weltpokal traf man auf Manchester United, das den Europapokal der Landesmeister durch ein 4:1 gegen Benfica Lissabon gewann. Zu dieser Zeit schnürten Weltklassespieler wie Denis Law, Bobby Charlton und George Best die Schuhe für die Engländer; insgesamt sieben Weltmeister von 1966.

Nachdem die vorherige Auflage des Weltpokals, zwischen Racing Club und Celtic Glasgow, in eine Feldschlacht ausgeartet war, befürchtete man dasselbe für dieses Spiel. Zusätzliches Feuer wurde vor dem Spiel durch den Benfica-Trainer Otto Glória gegossen, der den United-Mittelfeldspieler Nobby Stiles als „Attentäter“ bezeichnete. Zudem war noch die WM 1966 präsent, als der England-Coach die Argentinier nach dem Spiel als „Tiere“ bezeichnete.

Hinspiel – 1:0

Das Spiel in Argentinien wurde in der Bombonera ausgetragen, und die Estudiantes-Spieler gingen von Anfang an grenzwertig zu Werke. Vor allem Nobby Stiles wurde hart bearbeitet, sowohl fair als auch unfair, sodass dieser in der 79. Minute endgültig die Nerven verlor, zurückschlug, und die rote Karte sah. In Sachen hartes Spiel stach Carlos Bilardo heraus, über den Sir Matt Busby nach dem Spiel sagte „wenn man den Ball in seiner Nähe hatte, war man in Lebensgefahr“. Und George Best äußerte „es war furchterregend. Wir fuhren dahin und die waren nicht wirklich daran interessiert Fußball zu spielen, sondern um zu treten“. Doch nebenbei wurde auch Fußball gespielt, und Marcos Conigliaro erzielte in der 27. Minute per Kopf das Tor des Tages. Nach dem Spiel jubelten die United-Spieler, dass man nur mit 1:0 verloren hatten, und sie waren für das Rückspiel positiv gestimmt.

Rückspiel – 1:1

In das Rückspiel startete United mit Vollgas und suchte das frühe Tor, um das Hinspiel auszugleichen. Sie erarbeiteten sich auch von Beginn an gute Chancen, doch Alberto Poletti hielt mehrmals herausragend, und nahm seinen Mannschaftskameraden damit die Unsicherheit. Zudem brachte „La bruja“ Old Trafford schon in der 7. Minute mit seinem Kopfballtreffer zum Schweigen. Im Anschluss stemmten sich die Red Devils weiter gegen die Niederlage, doch Poletti wuchs an diesem Tag über sich hinaus und hielt stark gegen Charlton und Law. Kurz vor der Halbzeit hätte jedoch Estudiantes das Spiel fast vorentschieden, doch Conigliaro’s Schuss ging nur an die Latte.

In der 2. Halbzeit kesselte United die Pinchas weiter ein, kam aber erst in der 90. Minute durch Willie Morgan zum Ausgleich. Und dann hätte es schon 1968 fast ein „Barcelona-Finale“ gegeben, denn in der Nachspielzeit erzielte Brian Kidd mit der letzten Aktion den vermeintlichen Siegtreffer, der ein Entscheidungsspiel bedeutet hätte. Allerdings zählte der Treffer nicht, da der Jugoslawische Schiedsrichter wenige Sekunden zuvor bereits abgepfiffen hatte, und Estudiantes schon aufgehört hatte zu spielen.

Sieg als Initialzündung

Noch heute findet man im Vereinsmuseum von Manchester United eine kleine Tafel mit Sprüchen von Zubeldía, die er seinem Team mitgab. Der berühmteste von diesen ist “zu Ruhm kommt man nicht auf einem Rosenweg”. Besser kann man vermutlich auch ihn selbst nicht beschreiben. So kontrovers wie die Spielweise seines Teams auch diskutiert wurde, und so überhart sie manchmal spielten, war die Leistung einmalig. Und zweifelsfrei war der Erfolg das Ergebnis harter Arbeit, auf deren Basis die Pinchas noch mehr Geschichte schreiben sollten.

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Argentinien 1973 – La selección Fantasma http://www.chefutbol.com/lateinamerika/argentinien/argentinien-1973-seleccion-fantasma-488856 http://www.chefutbol.com/lateinamerika/argentinien/argentinien-1973-seleccion-fantasma-488856#comments Sat, 13 May 2017 10:38:57 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=3807 Um sich für die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland zu qualifizieren, musste Argentinien seine 3er-Qualifikationsgruppe mit Bolivien und Paraguay gewinnen. Da man nichts dem Zufall überlassen wollte, und um in La Paz auf über 3600m Höhe zu bestehen, schickte man einen Teil...

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Um sich für die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland zu qualifizieren, musste Argentinien seine 3er-Qualifikationsgruppe mit Bolivien und Paraguay gewinnen. Da man nichts dem Zufall überlassen wollte, und um in La Paz auf über 3600m Höhe zu bestehen, schickte man einen Teil der Nationalmannschaft für über 30 Tage in ein Höhentrainingslager, wo sie fast in Vergessenheit gerät.

Ausgangslage

Da sich Argentinien nicht für die Weltmeisterschaft 1970 qualifizieren konnte, hätte eine erneute Nicht-Qualifikation für die WM 1974 die eigene Bewerbung für die Ausrichtung des Turniers 1978 gefährdet. Zudem hatte sich mit Brasilien bereits der große Rivale als Ersatz-Gastgeber in Stellung gebracht. Um sich für die Auflage in der Bundesrepublik zu qualifizieren, musste die Albiceleste ihre Gruppe mit Bolivien und Paraguay gewinnen.

Nachdem man die Qualifikation für die Endrunde von 1970 unter anderem durch eine 3:1-Niederlage in Bolivien verpasste, und zu diesem Zeitpunkt seit 20 Jahren nicht mehr auf solcher Höhe gewinnen konnte, fasste der Verband einen einmaligen Entschluss. Ausgehend von der Initiative des Co-Trainers Miguel Ignomirielo, schickte man ihn und eine B-Nationalmannschaft für über einen Monat in ein Höhentrainingslager nach Tilcara, im Nordwesten des Landes (Provinz Jujuy). Dort sollte man sich akklimatisieren, um den Höhenvorteil der Bolivianer in La Paz auszugleichen. Das B-Team sollte also das Auswärtsspiel in der Höhe Boliviens bestreiten, während das A-Team für die drei Spiele auf Meeresniveau eingeplant war; also für beide Heimspiele in Buenos Aires und das Auswärtsspiel gegen Paraguay in Asunción.

Der Plan: 45 Tage, 15 Spiele, 14 Siege, 1 Unentschieden, 4000m Höhe und ein paar Dollar

Dies sind die Zahlen einer einmaligen Höchstleistung, hinter denen sich aber noch viel mehr Geschichten verbergen. Bis auf Aldo Pedro Poy waren alle Spieler, die sich auf dieses Abenteuer begaben, noch junge und relativ unbekannte Spieler. Anders war dies auch nicht möglich, da diese besondere Vorbereitung während der regulären Saison stattfand, und die Topvereine ihre Stars niemals über einen Monat abgestellt hätten. Einige von ihnen sollten später noch Legenden und Weltmeister werden, wie Ubaldo „Pato“ Fillol, Ricardo „El Bocha“ Bochini oder Mario „El Matador“ Kempes, andere dagegen nie wieder das Trikot der Nationalmannschaft tragen.

1. Etappe: Tilcara 2465m

Am 19. August 1973 flog jenes Team erst bis Salvador de Jujuy, um dann mit dem Bus weiter nach Tilcara zu fahren. Tilcara ist ein Dorf mit ca. 5600 Einwohnern, das auf 2465m liegt. Ursprünglich wollte man in La Quiaca (3442m) Quartier aufschlagen, aber das einzige Hotel dort wurde zu dieser Zeit renoviert.

In der selben Zeit machte die A-Nationalmannschaft eine Spanienreise, während der man u.a. gegen Atlético Madrid und den FC Málaga spielte. Die Kontraste zwischen den beiden Mannschaftsteilen hätten wohl größer kaum sein können. Während es sich die Spanienreisenden mit Trainer Enríque Omar Sívori und einigen Verbandsfunktionären wohl bei Serrano-Schinken und Wein gut gehen ließen, gerieten ihre Mannschaftskameraden in Vergessenheit. Ironischerweise glaubte man der Truppe in den Bergen manchmal nicht, dass sie auch Nationalspieler waren, und man entgegnete ihnen, dass die echte Nationalmannschaft in Spanien sei. Nachdem dem Journalisten José María Otero beim Verband niemand Auskunft über das B-Team geben konnte, taufte er es „Equipo Fantasma“ (Geistermannschaft).

Katastrophale Organisation

Die Bedingungen in Tilcara waren erbärmlich. Die Ausrüstung erreichte die Männer erst drei Tage vor Abflug auf persönlichen Druck von Ignomirielo, der das Team trainierte. Und keiner der Funktionäre hatte Lust auf die Reise in die Provinz. Der Verband kontaktierte sieben Männer, die alle eine Ausrede parat hatten, sodass am Ende ein Freund Ignomirielo‘s das Team begleitete. Immerhin erreichte man so, dass die Wut auf den Verband die Spieler zusammenschweißte.

Vor allem Mario „El Matador“ Kempes ließ kein gutes Haar an den Bedingungen vor Ort und an der AFA, es war ein „Dreckshotel“ und das wenige essen, das es gab, war sehr schlecht. „Das Püree, das es gab konnte man an die Decke werfen und es blieb dort kleben, vom Fleisch gar nicht zu sprechen, das war hart wie Stein“. Nicht einmal ein Telefon gab es, um mit dem Verband oder den Familien zu kommunizieren, und irgendwann kam kein Geld mehr, um die Unterkunft zu bezahlen. Drastischer formulierte es Verteidiger Rubén „Hueso“ Glaría, er beschrieb es als „Gulag“, und Reinaldo “Mostaza” Merlo reiste nach wenigen Tagen wieder ab, da er mit den Bedingungen nicht zurechtkam.

„Die AFA hat uns vergessen, und uns ging es wirklich schlecht. Wir hatten nicht einmal was zu essen. Zwei Freundschaftsspiele waren angesetzt, aber am Ende spielten wir sieben, um Geld zu verdienen. Damit kauften wir die Sachen im Supermarkt und einer von uns bereitete das Essen zu. Ich kam mit acht Kilo weniger zurück.“ (Kempes)

2. Etappe: Peru

Nach der Grundlagenarbeit in Argentinien, reiste man weiter nach Cuzco (3416m). Dort spielte man unter anderem ein Testspiel gegen den lokalen CS Cienciano, das man mit 1:0 gewann. Doch anstatt der ausgemachten 5000 Peso Prämie, bezahlten die Peruaner nur 3500, da es sich nicht um die “echte” Nationalmannschaft handelte. Zu allem Überfluss wurde am Spieltag in Peru zum Generalstreik aufgerufen, sodass alle Köche des Hotels ihre Arbeit verließen. Doch als die Spieler selbst auf den Markt gingen, um Essen zu kaufen, lag das ganze Fleisch am Boden und war so verdreckt, dass allen der Hunger verging.

Danach fuhr man nach Arequipa (2335m) hinunter, um gegen den aktuellen Meister FBC Melgar zu spielen, den man ebenfalls 1:0 schlug. Die Anreise war jedoch eher etwas für Backpacker als für Fußballspieler. Allgemein glichen die Fahrten eher einer Tortur, und man verbrachte nicht selten fünf Stunden auf einer Holzbank in einem Bus oder Zug, der sie durch die Anden fuhr. In Arequipa herrschte dann wenigstens ein angenehmeres Klima, und diesmal wurden auch die vereinbarten 5000 Pesos Prämie bezahlt.

Wie bereits beschrieben, war die Truppe um Ignomirielo für den Rest des Landes in Vergessenheit geraten, und die AFA zu dieser Zeit ein unorganisierter Haufen. Als das Team in Arequipa stand, rief ein Funktionär Ignomirielo an und gab ihm zu verstehen, dass er nicht noch mehr Spiele gegen Geld austragen dürfe. Worauf dieser antwortete, dass wenn sie nicht spielen würden, sie nichts zu essen hätten. Daraufhin sagte der Funktionär, dass er ein Flugzeug mit allem Nötigen schicken würde. Und Ignomirielo erwiderte spöttisch, „Sie konnten uns bisher nicht einmal einen Schinken schicken, und jetzt wollen sie uns ein Flugzeug schicken?” Es wurde munter weitergespielt.

3. Etappe: Bolivien

Als man in La Paz eintraf, arrangierte man ein Spiel gegen Independiente Unificada aus Potosí (3900m) im südlichen Zentralbolivien. Von dem Spiel bekam die örtliche Fiat-Zentrale Wind und wollte mit den Argentiniern gegen Volkswagen Werbung machen, das im Land gerade die erste Niederlassung eröffnet hatte. Sie baten die Argentinier, dass sie mit Autos nach Potosí fuhren. Man einigte sich und so legte man die gut 500km in fünf Fiats zurück, deren Vergaser man abklemmte, damit sie in der Höhe nicht kaputtgingen.

Im Spiel lag man zur Halbzeit mit 1:0 zurück und Ignomirielo machte seinen Spielern klar, dass sie das Spiel auf keinen Fall verlieren durften, da dies sonst überall in den Zeitungen stehen würde, und sie vor dem A-Trainer Sívori schlecht aussehen würden. Die Spieler begannen die 2. Halbzeit dementsprechend nervös, und zu allem Überfluss wurden noch zwei Spieler wegen Beleidigungen vom Platz gestellt, da sie sich provozieren ließen. Trotzdem wurde das Spiel noch 3:1 gewonnen. Doch die einheimischen Gemüter waren so erhitzt, dass sie die Fiats mit Steinen bewarfen, und stark demolierten. Die Fiat-Verantwortlichen schäumten natürlich vor Wut, und bezahlten natürlich weniger als ausgemacht.

Das Spiel

Am 23. September war es dann so weit, und das entscheidende Spiel im Estadio Hernando Siles in La Paz stand an. Der Trainer der A-Mannschaft Sívori stieß am Abend vor dem Spiel zur Mannschaft. Zur Überraschung nominierte er, entgegen der Abmachung, auch noch fünf Spieler aus der anderen Mannschaft. Diese hatte bereits Vorarbeit geleistet und das Heimspiel gegen Bolivien gewonnen, und in Paraguay Unentschieden gespielt. Trotzdem fühlten sich die Spieler verraten, nach allem was sie durchgemacht hatten. Sportlich hingegen waren die Wechsel nachvollziehbar.

Im Spiel erzielte passenderweise Oscar „El Fantasma/Das Gespenst“ Fornari in der 18. Minute das 1:0, das bis zum Ende eisern verteidigt wurde. Mit dem Sieg stand man mit einem Bein bereits in Deutschland, jedoch nahm auch diesen heroischen Sieg in Argentinien zunächst nicht jeder sofort war, denn am selben Tag wurde Juan Domingo Perón zum dritten Mal zum Präsident gewählt. Die Nicht-Beachtung verfolgte sie bis zum Ende. Eine Woche später wurde dann mit einem 3:1 Sieg gegen Paraguay die Qualifikation perfekt gemacht.

Abschließende Betrachtung

Ob das Trainingslager tatsächlich der ausschlaggebende Grund für den wichtigen Sieg war, kann nicht zu 100% gesagt werden. Denn Fakt ist auch, dass Bolivien eine relativ schwache Mannschaft hatte, und auch Paraguay, ohne besonderes Trainingslager, in La Paz gewann. Auf alle Fälle fühlte sich die Mannschaft aber gut vorbereitet und Rubén „Hueso“ Glaría drückte dies so aus, „wir haben von 2000m bis auf 4200m gespielt, doch wir hatten so viele Probleme, dass die Höhe die geringste war“. Zudem fügte er hinzu, dass “am Ende alle gute Geschäftsleute geworden waren, da man beim Aushandeln der Antrittsprämien für die Spiele immer im Hinterkopf haben mussten, wie viel für das Hotel und das Essen benötigt wurde.”

Eigentlich hat die FIFA das Austragen von Qualifikationsspielen auf über 3000m verboten, jedoch erhielt La Paz eine Ausnahmegenehmigung. Und in schöner Regelmäßigkeit gelingt den Bolivianern ein überraschender Sieg gegen höher eingeschätzte Teams.

Mil gracias a Federico Vazza, director del documental “La selección Fantasma” para hacernos posible verlo desde Alemania. / Tausend Dank an Federico Vazza, Regisseur der Dokumentation “La selección Fantasma”, der es uns ermöglichte die Dokumentation in Deutschland zu sehen.

https://twitter.com/fedevazza

https://twitter.com/selecfantasma

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Independiente de Pastoriza 1983-1984 – Rey de Copas http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/independiente-pastoriza-19831984 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/independiente-pastoriza-19831984#comments Thu, 27 Apr 2017 15:13:46 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=3568 José Pastoriza war es, der den Club Atlético Independiente zuletzt zum Titel der weltweit besten Vereinsmannschaft führte. Zweifelsfrei hatte er eine der stärksten Mannschaften Südamerikas zur Verfügung die es je gab, doch er machte aus ihr die Mannschaft die im...

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José Pastoriza war es, der den Club Atlético Independiente zuletzt zum Titel der weltweit besten Vereinsmannschaft führte. Zweifelsfrei hatte er eine der stärksten Mannschaften Südamerikas zur Verfügung die es je gab, doch er machte aus ihr die Mannschaft die im Moment der Krönung eine der größten Mannschaften in der Geschichte des FC Liverpool schlug.

Im Argentinien von 1983 wurden zwei Saisons pro Kalenderjahr ausgetragen. Die erste Saison hieß Campeonato Nacional (Meister: Estudiantes de la Plata) und ging von März bis Juni. Die zweite Spielzeit mit dem Namen Torneo Metropolitano fing im Juni an und endete im Dezember. José Pastoriza übernahm den Club Atlético Independiente vor dem 3. Spieltag des Metropolitano und holte an seinem Debüt ein 2:2 gegen Boca Juniors. Seine Aufgabe war es die Estudiantes de la Plata, die in den beiden Saisons zuvor Meister geworden waren, wieder von der Spitze zu verdrängen. “Pato“ (dt. Ente, da er „schlank war und sein Hintern abstand“) Pastoriza hatte bereits als Spieler viermal mit Independiente die Meisterschaft gewonnen und kam zusätzlich mit der Empfehlung von drei nationalen Titeln als Trainer. Er galt als umgänglicher Trainer, der jedoch den Einsatz und die Leidenschaft, die er als Trainer vorlebte, auch von seiner Mannschaft einforderte. Er pflegte eine gute Beziehung zu jedem Spieler und ließ grundsätzlich offensiv spielen.

Sein Vorgänger Nito Veiga hatte keine schlechte Arbeit geleistet, und war Vizemeister geworden. Jedoch hatte er das Pech, dass Estudiantes zu dieser Zeit auch eine außergewöhnliche Mannschaft hatte. Doch Pastoriza machte scheinbar den Unterschied aus, und er machte aus derselben Mannschaft eine Siegermannschaft. So gewann Independiente das Metropolitano mit einem Punkt Vorsprung vor San Lorenzo. Dabei wurde die Meisterschaft erst am letzten Spieltag festgezurrt, durch ein 2:0 gegen den Nachbarn Racing Club (beiden Stadien liegen nur 400m auseinander), die durch die Niederlage sogar abstiegen. Dies versüßte den Sieg noch zusätzlich.

Ein großer Trainer trifft auf eine große Mannschaft

Pastoriza übernahm eine Mannschaft mit hervorragenden Einzelspielern, aus der vor allem die lebende Vereinslegende Ricardo “El Bocha“ Bochini herausstach. Ein Mann für dessen Beschreibung vermutlich die Superlative fehlen und der einen eigenen Artikel verdient hätte. Um seine Klasse zu beschreiben, reicht es aber wahrscheinlich zu erwähnen, dass er das große Idol von Diego Maradona ist, der ihm in betrunkenem Zustand auch schon mal eine Liebeserklärung per Sprachnachricht schickte. Kann es überhaupt ein größeres Lob geben? Zudem ist Bochini die Personifikation des Vereins. Er spielte 19 Jahre und 638 Spiele für Independiente, und die Straße des Stadions trägt heute seinen Namen. Er war das Gehirn der Mannschaft, zog die Fäden im Mittelfeld, und spielte herausragende Pässe. Er antizipierte die Pässe, bevor seine Mitspieler überhaupt daran dachten, dass der Ball in ihre Richtung kommen könnte. Zudem war er fast nie verletzt, da er, bevor der Gegner zum Foul ansetzen konnte den Ball schon wieder abgespielt hatte. Zusammen mit Marangoni, Giusti und Burruchaga (die beiden letzten wurden 1986 Weltmeister im Finale gegen Deutschland) bildete er die „fabelhaften Vier“ – angelehnt an die Beatles – und ein kongeniales Mittelfeld, das wie ein Uhrwerk funktionierte.

Weitere wichtige Spieler dieses Teams waren der verlässliche uruguayische Torhüter Carlos Goyén, der in seiner Jugend noch Basketball gespielt hatte, und vor allem im Finale des Weltpokals einen Sahnetag erwischte. Sowie Enzo „Vikingo“ Trossero, der gemeinsam mit seinem Verteidigerkollegen Hugo Villaverde von der argentinischen Sportzeitung El Gráfico zum besten Verteidiger in der Vereinsgeschichte gekürt wurde. Außerdem war er für einen Verteidiger außergewöhnlich torgefährlich, und erzielte in 534 Spielen 89 Tore. Seinen Spitznamen erhielt er sowohl für seine kämpferische Spielweise als auch für sein Aussehen.

Rekordsieger Independiente – 7. Sieg bei der Copa Libertadores

Die Copa Libertadores bestand in der Auflage von 1984 aus einer ersten Gruppenphase (5 Gruppen), in der jeweils zwei Teams aus zwei Ländern aufeinandertrafen. Independiente war dabei in der Argentinien/Paraguay-Gruppe. Es qualifizierte sich jeweils nur der Sieger für die Halbfinal-Gruppenphase (2 Gruppen à 3 Teams). Zu den fünf Gruppenersten gesellte sich mit Grêmio Porto Alegre noch der Titelverteidiger aus dem letzten Jahr. Auch im Halbfinale qualifizierten sich wieder nur die Gruppensieger für das Finale, das in Hin-und Rückspiel ausgetragen wurde.

Das prägende Spiel, das jede Mannschaft durchlebt, die am Ende einen großen Wettbewerb gewinnt, in dem Charakter und Nervenstärke gefragt sind, war für Independiente das Spiel gegen Club Olimpia aus Paraguay. Die Teams lagen auf den ersten beiden Plätzen ihrer Gruppe, doch nur der Gruppensieger kam weiter. Den Paraguayern genügte aber schon ein Unentschieden. Es entwickelte sich eine typische Begegnung der Copa Libertadores, die traditionell mehr Kampf als Spiel waren, in der die Paraguayer bis sechzehn Minuten vor Abpfiff noch mit 2:1 führten. Doch dann erhielten los Rojos einen Strafstoß, den Burruchaga sicher verwandelte, und in der 89. Minute erzielte Bufarini das entscheidende Tor zum Weiterkommen.

Im Finale traf man auf den Vorjahressieger Grêmio. Im Hinspiel gewannen die Männer von Pastoriza mit 1:0, wobei man viele Chancen ausließ und deutlich höher hätte gewinnen müssen. Das Tor des Tages erzielte Burruchaga nach einem Pass von Bochini. Viele bezeichneten das Match als das Beste einer argentinischen Mannschaft in Brasilien, und die Lokalpresse schrieb vom „perfekten Spiel“ und lobte die gezeigte Leidenschaft der Gäste. Die vielen ausgelassenen Chancen ließen das Rückspiel zu einer Zitterpartie werden, rächten sich aber schlussendlich nicht mehr. Das Spiel endete 0:0, und Independiente machte seinem zweiten Spitznamen Rey de Copas alle Ehre, denn es war bereits der 7. Sieg bei der Copa Libertadores, was bis heute den Rekord darstellt.

Weltpokal – Reds vs. Rojos

Zwei Jahre nach dem Krieg um die Falkland Inseln/Islas Malvinas standen sich nicht Independiente und der FC Liverpool gegenüber, sondern Argentinien und England, und die ganze Palette der Kriegsrhetorik- und Symbolik flammte noch einmal auf. Der FC Liverpool hatte sich durch den Finalsieg gegen den AS Rom (4:2 i.E) im Europapokal der Landesmeister für den Weltpokal qualifiziert. Argentinien wollte nach der schmachvollen Niederlage im Krieg um die Falklands/Malvinas Rache nehmen. Unter den Spielern Independientes löste der geschichtliche Hintergrund unterschiedliche Emotionen aus. Der Mittelfeldspieler Jorge “El Burru“ Burruchaga erzählte, dass er nicht das „Gefühl verspürte Gerechtigkeit herstellen zu müssen“, und dass er die Spieler des LFC als sehr freundlich kennenlernte. Die Engländer kamen vor dem Spiel in die Kabine von Independiente und begrüßten den Gegner. Die Kapitäne Kenny Dalglish und Trossero tauschten sogar die Trikots nach dem Spiel. Im Gegensatz zu Burruchaga war es für Trainer Pastoriza mehr als ein Spiel und für seinen Teamkollege Enzo Trossero war es als ob er „sein Land gegen eine erneute Invasion verteidigen müsste“. Independiente war vor dem Spiel in Topform und auch Bochini war von einer Verletzungspause zurückgekehrt, sodass man mit folgender Aufstellung in das Spiel ging: Goyén – Clausen, Villaverde (Monzón), Trossero, Enrique – Burruchaga, Giusti, Marangoni, Bochini – Percudani, Barberón.

Das goldene Tor im Olympiastadion von Tokio erzielte der 19-jährige José Percudani per Lupfer in der 6. Spielminute. Dem vorausgegangen war ein schöner Pass von Marangoni. Von da an übernahmen die Reds das Kommando, und die Rojos verlagerten sich aufs Kontern. Die eigene Abwehr stand bombenfest und man ließ so gut wie keine Chance der Engländer zu. Die wenigen, die sich die Engländer herausspielten machte Goyén im Tor zunichte. Es war ein Spiel mit wenig Nickligkeiten, und der brasilianische Schiedsrichter hatte das Geschehen gut im Griff. Auf Liverpooler Seite meinte man dennoch, dass man zwei Elfmeter hätte bekommen müssen, wohingegen die Argentinier mit einigen Abseitsentscheidungen der Assistenten haderten. Nach dem Abpfiff sagte der Liverpool Manager Joe Fagan, dass „Independiente ein defensiv-taktisch gutes Team war und dass man keinen Weg hindurch finden konnte“, und dass „man zwar unzufrieden mit dem Ergebnis war, er aber nicht mit der Leistung“. Pastoriza wurde durch den Sieg zum ersten Mann, der als Spieler und Trainer mit demselben Verein den Weltpokal holte.

Weder Liverpool noch Independiente konnten seitdem wieder den Weltpokal gewinnen. Und vor allem für Independiente markiert der Titel von 1984 das Ende der Vorherrschaft in Südamerika. Kurze Zeit später verließen viele der besten Spieler den Verein Richtung Europa. National spielte man weiter eine bedeutende Rolle, doch die Mannschaft von 1984 war die letzte Große, auf die man heute sehnsüchtig zurückblickt.

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Racing Club: El Equipo de José (1965-1967) http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/racing-club-equipo-jose-579183 http://www.chefutbol.com/fur-die-ewigkeit/legendare-mannschaften/racing-club-equipo-jose-579183#comments Tue, 18 Apr 2017 15:50:15 +0000 http://www.chefutbol.com/?p=3419 “Y ya lo ve, y ya lo ve, es el equipo de José” hallte es damals durch das El Cilindro, dem Stadion von Racing Club aus Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires. Damit war die Mannschaft des Trainers Juan José Pizzuti...

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“Y ya lo ve, y ya lo ve, es el equipo de José” hallte es damals durch das El Cilindro, dem Stadion von Racing Club aus Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires. Damit war die Mannschaft des Trainers Juan José Pizzuti gemeint, der Racing zu der ersten argentinischen Mannschaft formte, die den Weltpokal gewinnen konnte.

Wenn der Name eines Trainers in einem Fangesang vorkommt muss sich etwas Außergewöhnliches dahinter verbergen, so war es auch bei dem Racing von José. Er verpasste der Mannschaft einen Spielstil, der heute als Vorläufer des holländischen totalen Fußballs beschrieben wird, und sich damit vom damaligen, rustikal-defensiv geprägten Fußball abhob. Da die Spielweise nicht nur besonders attraktiv, sondern auch noch erfolgreich war, sangen die Fans voller Stolz auf das Spiel ihres Teams „Seht nur her, seht nur her, es ist die Mannschaft von José“.

1965 Pizzuti übernimmt auf letzter Position

José Pizzuti, der als Spieler mit Racing 1958 und 1961 Meister wurde, übernahm La Academia in einer sehr schwierigen Situation. Man stand auf dem letzten Platz und konnte die Gehälter der Spieler nicht bezahlen. An seinem Antrittstag sagte er nur nüchtern, dass er keine Wunder vollbringen könnte, aber versprechen würde hart zu arbeiten. Nach Aufforderung des neuen Trainers bezahlte der Verein dann seine Schulden bei den Spielern, teilweise mit Münzen, und José nahm die Arbeit auf. Und wie, mit ihm verlor man nur noch ein Spiel bis zum Saisonende, was ein Vorgeschmack darauf war, was im nächsten Jahr folgen sollte.

1966 Meisterschaft mit Punkterekord – Die (fast) Unbesiegbaren

Den 15 ungeschlagenen Spielen aus der Vorsaison konnte man noch einmal 14 hinzufügen, sodass man vom Start weg die Liga dominierte, und den Titel zwölf Spieltage vor Saisonende schon sicher hatte. Racing stellte einen Punkterekord (61) auf, sowie den besten Angriff (70 Tore) und die beste Abwehr (24 Gegentore). Der Serie von 39 Spielen ohne Niederlage – die erst 1999 von Boca übertroffen wurde – setzte River Plate ein Ende. Es blieb jedoch die einzige Saisonniederlage. Trotz der ersten Niederlage nach langer Zeit war man nicht übermäßig wütend, stattdessen lud das Racing-Team den Gegner, trotz aller Rivalität, als Anerkennung für dessen Leistung zum Grillen ein.

Während dieser Spielzeit impfte Pizutti seiner Mannschaft seinen offensiven und schön anzusehenden, totalen Fußball ein. Ihn muss man sich wohl als eine Mischung aus Alex Ferguson und Felix Magath vorstellen. Er war ein harter Hund und ein Disziplinfanatiker. Der Spieler Roberto Perfumo sagte, „er grüßte uns nicht, er kläffte uns an, und er heuerte Privatdetektive an um die Spieler zu überwachen“. Zudem soll er während einem Spiel dem Teamarzt zugerufen haben ein paar Mal gegen die Nieren des Spielers zu treten, damit er wieder laufen könne. Die Mannschaft war körperlich topfit, da sie eine der Ersten war, die auch zweimal am Tag trainierte, und entschied viele Spiele in der 2. Halbzeit. Die gute Fitness war unausweichlich für die Spielweise, die durch das konstant hohe Pressing und die vielen Positionswechsel, sehr laufintensiv war. Der von José indoktrinierte Wille erledigte dann den Rest: „Er schickte uns nicht auf den Platz um zu sehen was möglich war, er schickte uns raus um zu gewinnen“.

Copa Libertadores 1967 und der Geist von Medellín

Als Meister hatte man sich für die Copa Libertadores qualifiziert, ein Wettbewerb der früher in erster Linie Reisestrapazen und rustikale Spiele bedeutete. Aus der heimische Liga war man zwar schon Härte gewöhnt, doch in den internationalen Spielen wurde noch deutlich mehr ausgeteilt. Um dort erfolgreich zu sein benötigte man in erster Linie ein gutes paar Eier. Der Racing-Spieler Perfumo sagte über die Begegnungen: „Die Spiele dauerten drei Minuten. Der Rest waren Tritte, Proteste und Schubsereien“. Bis zum Finale musste Racing insgesamt 17 dieser Abnutzungskämpfe bestreiten.

Im Verlauf der Gruppenphase kam es auf dem Rückflug von dem Spiel in Medellín, das man 2:0 gewann, zu einem dramatischen Ereignis. Als die Mannschaft am Flughafen in Medellín Fotos am Denkmal des berühmten Tango-Sängers und Racing-Mitglieds, Carlos Gardel, machte – der 1935 am Flughafen in Medellín, beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge starb – konnte sich noch keiner vorstellen, was noch kommen sollte. Da der Linienflug ausfiel, wurde die Delegation auf zwei kleine Propellermaschinen mit je 30 Plätzen aufgeteilt, und während dem Flug über die Anden kam es fast zur Katastrophe. Eine Maschine flog durch ein Luftloch und befand sich 20 Sekunden im freien Fall, bis sich das Flugzeug wieder stabilisierte. Diese Phänomene sind nichts Ungewöhnliches in dieser Region, doch auch der Pilot sagte hinterher, dass dies ein besonders großes Luftloch war. Vor allem bei kleinen Maschinen besteht bei solchen Stürzen die Gefahr, dass die Tragflächen abbrechen. Doch die Gruppe kam mit dem Schrecken davon. Als man wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bestellte Pizzuti im Flughafenrestaurant Whisky für alle und schwor die Truppe darauf ein, dass man, nachdem man diese Hölle überstanden hatte, auch die Copa Libertadores und den Weltpokal holen würde.

Das Halbfinale bestand aus zwei Gruppen mit je vier Teams. Racing beendete seine Gruppe punktgleich mit Universitario de Lima an der Spitze, und beide mussten noch ein Entscheidungsspiel um die Finalteilnahme spielen, das Racing gewann. Auch im Finale gegen Nacional de Montevideo musste ein Entscheidungsspiel her, nachdem die vorherigen zwei Finalspiele auf eigenen Plätzen jeweils 0:0 ausgingen. Im 20. Spiel des Wettbewerbs in Santiago de Chile – das alles, nur kein Spiel war – schlug Racing dann die Uruguayer, durch Tore von Cardozo und Raffo, mit 2:1 und setzte sich die südamerikanische Krone auf.

5. November 1967 – Weltpokalsieger in der „Schlacht von Montevideo“

Im Finale des Weltpokals traf Racing auf Celtic Glasgow, die den Europapokal der Landesmeister im Finale gegen Inter Mailand gewonnen hatten. Das man sich damals noch in einer anderen Fußballepoche befand und der Weltpokal zur Hälfte ein großes Abenteuer war, verdeutlichen sowohl eine Aussage von Pizzuti, nach der er nicht einmal die Trikotfarben von Celtic kannte und die Tatsache, dass die ganze Celtic-Mannschaft aus einem 25 Meilen Radius um Glasgow herum stammte. Das Hinspiel vor über 100.000 Zuschauern im Hampden Park ging mit 1:0 an die Schotten. Billy McNeill erzielte nach einer Ecke das Tor des Tages.

Das Rückspiel vor 90.000 Zuschauern im Cilindro gewann Racing nach Rückstand mit 2:1. Dabei wurde der Celtic-Torwart Simpson vor dem Anpfiff von einem Wurfgeschoss getroffen und konnte nicht auflaufen. Die Schotten kritisierten hinterher die feindliche Atmosphäre auf den Rängen, „man wollte Blut sehen“, die dreckige Spielweise Racings, und den schwachen Schiedsrichter. Nach dem Spiel wurde ihr Mannschaftsbus bedrängt und ein Spieler soll gerufen haben, „um Himmels Willen, gebt ihnen doch den Titel“.

Da es noch keine Auswärtstorregel gab, musste also wieder ein Entscheidungsspiel her. Am 5. November 1967, drei Tage nach dem Spiel im Cilindro, holte Racing in der sogenannten „Schlacht von Montevideo“ als erste argentinische Mannschaft den Weltpokal. Schlacht deshalb, da Celtic das Spiel mit acht Spielern beendete und Racing mit neun. Das geschichtsträchtige 1:0 Siegtor erzielte „El Chango“ Cárdenas mit einem schönen Distanzschuss. Doch mit Fußball hatte das Geschehen auf dem Platz nicht viel zu tun, in der offiziellen Statistik werde 51 Fouls geführt, doch in Wirklichkeit waren es viel mehr. Der paraguayische Schiedsrichter hatte das Spiel zu keiner Zeit unter Kontrolle. Die L’Équipe beschrieb das Geschehen auf dem Platz als „trauriges, erbärmliches Spektakel“, und notierte, dass „die Argentinier mit den Feindseligkeiten begonnen hatten, aber Celtic jede Möglichkeit genutzt hatte, um sich zu revanchieren“.

Während jeder Celtic-Spieler zu Hause wegen schlechten Benehmen 250 Pfund Strafe (bei 30 Pfund Wochenlohn) zahlen mussten, erhielten alle Racing Spieler 2000 Pfund sowie ein neues Auto, wurden im ganzen Land bejubelt und gingen als Equipo de José in die Geschichte ein.

Racing-Aufstellung im Finale:

Augustín Cejas – Roberto “El Mariscal“ Perfumo, João Cardoso, Oscar Martín, Alfio “Coco” Basile – Nelson “El Buche” Chabay, Norberto “Toro” Raffo, Juan Carlos Rulli – Juan “El Chango” Cárdenas, José “Yaya” Rodríguez

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