La Doce
Wikimedia / Pablo Dodda

Argentinien – Boca Juniors: Stadionverbote für die Anführer der „La Doce“

Ein Teil der Tribüne der Bombonera, wo sich normalerweise die Fangruppe „La Doce“ versammelt um die Spiele von La Boca zu verfolgen, blieb während dem Spiel gegen Arsenal de Sarandí leer. Grund hierfür waren die Stadionverbote, die gegen die beiden Anführer Rafael di Zeo, Mauro Martín sowie zehn weitere Mitglieder verhängt wurden. Die Grundlage dafür war ein neuer Gesetzeserlass zur Gewaltprävention im Fußball.

Posted by La 12 La Mejor Hinchada de la Historia on Sonntag, 30. April 2017

Kurzzusammenfassung des Gesetzes

„Der Tod von Emanuel Balbo muss ein Vorher und ein Nachher haben“, waren die Worte des Direktors der Dirección Nacional de Seguridad en Espectáculos Futbolísticos (Nationale Behörde für die Sicherheit bei Fußballspielen), denen nun anscheinend Taten folgen. Ursache war jedoch nicht der Tod Balbo’s. Viel mehr handelt es sich dabei um eine Anpassung an internationale Sicherheitsstandards, mit neuen Vorgaben an die Vereine, wie z.B.: Keine Fahnen/Spruchbänder die größer als 1,5m x 1m sind, Verbot von beleidigenden Plakaten, und Personalisierung des Ticketverkaufs. Zusätzlich kann die oben genannte Behörde mit dem neuen Gesetz folgende Personen mit einem landesweiten Stadionverbot – zwischen 6 und 24 Monaten – belegen:

  1. Personen, die wegen einem begangenen Delikt verurteilt wurden, oder vor Gericht standen (auch wenn sie in Revision gingen), das im Umfeld eines Fußballspiels begangen wurde.
  2. Personen, die bereits wegen vorsätzlicher Delikte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurden.
  3. Personen, die wegen einer Ordnungswidrigkeit im Umfeld  eines Fußballspiels (davor, während, danach) verurteilt wurden.
  4. Personen, die bei Spielen gewalttätig gegen Personen oder Sachen geworden sind, oder verbotene Bereiche betreten haben, oder den normalen Ablauf der Veranstaltung gestört haben.

Bei den Punkten c) und d) sind sogar bis zu fünf Jahre Stadionverbot möglich.

Fall „La Doce“

Gegen die zwölf Mitglieder der „La Doce“ wurden allesamt Stadionverbote à 24 Monate ausgesprochen. Die offizielle Begründung lautete „aus präventiven Gründen und allgemeinem Sicherheitsinteresse“. Doch der Fall steht in Verbindung mit einem Ereignis aus dem letzten Jahr, dem Fall Oetinger. Den Männern wird vorgeworfen im letzten Jahr einem anderen Mitglied der Gruppe, Maximiliano Germán Oetinger, – der wegen Entführung gesucht wurde – zur Flucht vor der Polizei verholfen zu haben. Damals gewann der Fall an Sprengkraft, da der Chef der Bundespolizei von Buenos Aires, Guillermo Calviño, der Mittäterschaft beschuldigt wurde. Diese Vorwürfe äußerte damals der Leiter der NGO Salvemos Al Fútbol (Retten wir den Fußball; http://salvemosalfutbol.org/) Mariano Bergés. Der erschütternde Vorwurf lautete, dass der Polizeipräsident Oetinger vor dem bevorstehenden Zugriff der Polizei informiert haben soll, und einen Befehl gegeben haben soll, der ihm die Flucht ermöglichte.

Der Anwalt von Di Zeo kündigte bereits an in Revision gehen zu wollen. Zudem fühlen sich die Fans von Boca ungerecht behandelt, da das neue Gesetz bisher nur bei ihrem Verein angewendet worden ist.