Coloccini
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Coloccini kritisiert AFA – “Wir sind die Witzfigur des Fußballs”

Fabricio Coloccini hat in einem Interview mit Olé den argentinischen Fußballverband AFA aufs schärfste kritisiert. Korruption und Manipulation prangert er unter anderem an.

Laut Duden ist eine Witzfigur “jemand, der nicht ernst zu nehmen ist, über den sich andere lustig machen”. Diese Definition trifft im Moment bestens auf den argentinischen Fußballverband zu, der sich zum Gespött des Weltfußballs entwickeln zu droht. Wie schon Carlos Tévez, zeigt sich nun auch der 35-jährige Coloccini bei seiner Rückkehr nach Argentinien von den Zuständen des dortigen Fußballs enttäuscht. Nach dem Streit um den Fernsehvertrag mit “Fútbol para todos” scheint die argentinische Liga nun aber zumindest Anfang März weiterzugehen.

Coloccini mit harten Vorwürfen

Fabricio Coloccini ist nach 15 Jahren in Europa zu seinem geliebten Klub San Lorenzo nach Argentinien zurückgekehrt. Ein perfekter Karriereausklang für den Innenverteidiger mit der markanten Haarpracht. Doch in einem Interview mit Olé hat er sich nun enttäuscht und beschämt über den aktuellen Zustand des argentinischen Fußballs gezeigt:

Es ist eine Schande und es ist sehr traurig. Ich glaube, wir denken hier, dass wir wichtiger als die FIFA sind, aber in Wirklichkeit sind wir für sie nur eine Liga unter vielen. Sie lachen schon über uns. Ich habe mit spanischen Freunden und früheren Mitspielern geredet und wir sind für sie das Gespött des Weltfußballs.

Auch bei den Themen “Korruption” und “Manipulation” nahm der ehemalige Spieler von Newcastle United kein Blatt vor den Mund:

Wir wirken wie Komödianten, aber bis die ganze Heuchelei und Korruption vorbei ist, wird es noch sehr kompliziert werden. Sogar für uns Spieler: Du willst ein Match spielen, eine gute Leistung abliefern und gewinnen, aber du weißt nicht, wo die Spiele gewonnen werden, ob auf dem Platz oder am Schreibtisch…

Manipulierte Wahlen und Audios von Boca-Präsident

Im Hinblick auf die Farce bei der Wahl zum Nachfolger des langjährigen AFA-Präsidenten Grondona und auch die kürzlich aufgetauchten Audios von Boca-Präsident Angelici zeigt sich Coloccini bestürzt. Die Abstimmung 2015 um den Grondona-Nachfolger ging 38-38 aus, womit das Endergebnis eine Stimme mehr als die zuvor festgestellte Zahl der wahlberechtigten Delegierten enthielt. Aufgetauchte Videos zeigen wie der Vizepräsident von Talleres de Córdoba, Rodrigo Escribano, wohl zwei Stimmen abgibt und damit die Wahl ungültig machte. Und bei den von TYC Sports veröffentlichten Audios hört man Boca-Präsident Angelici, wie er AFA-Präsident Segura im Januar 2015 bittet, zwei Boca-Spieler nicht zu lange zu sperren, damit sie in einem wichtigen Spiel gegen Vélez Sarsfield auflaufen können. Außerdem versuchte er Druck auf den Schiedsrichter dieser Partie aufzubauen (“Sag ihm, dass er sich so wenig wie möglich irren soll!”). Coloccini im Wortlaut:

Wie kann man denn noch glauben, dass alles mit rechten Dingen zu geht, wenn die Wahl manipuliert wurde, wenn sie dir ins Gesicht lügen, wenn es Videos gibt, wenn man sich die Mitschnitte vom Boca-Präsdienten anhört? Sind wir in Argentinien schon an das schlechte gewöhnt? Ich glaube ja.

Ehrliche und zugleich bestürzende Worte des 35-jährigen Heimkehrers. Man kann nur hoffen, dass endlich Transparenz und Integrität beim argentinischen Fußballverband einkehrt. Wie man es sich auch bei der FIFA nach dem Abgang von Sepp Blatter erhofft hatte – wohl vergebens. Der argentinischen Fußball mit seinen leidenschaftlichen Fans, seinen traditionsreichen Vereinen und seinen vielen Talenten hat so ein Theater eigentlich nicht verdient. Möge der Ball bald wieder rollen und im Mittelpunkt stehen.