Centurion

Gewalt gegen Frauen: Bocas Centurion im Fokus

Sportlich gesehen lief es für Mittelfeldspieler Ricardo Centurion von den Boca Juniors dieses Jahr hervorragend. Der 24-jährige konnte mit seinem Team die Meisterschaft gewinnen und avancierte selber zu einem der tragenden Säulen des Boca-Spiels nach dem Abgang von Carlos Tevez im Winter. Die Fans verehren ihn und sehen ihn als die Zukunft des Vereines. Nicht einmal die Anschuldigungen seiner Ex-Freundin Melisa Tozzi, sie misshandelt und geschlagen zu haben, scheinen seinem Image zu schaden.

In einem Land in dem der Fußball häufig im Kontrast zu den alltäglichen sozialen und gesellschaftlichen Problemen steht, ist der Fall Centurion eine traurige Reflexion zu der Einstellung gegenüber häuslicher Gewalt in Argentinien und in ganz Südamerika. Durchschnittlich alle eineinhalb Tage wird eine Frau von Männerhand getötet. Von der Gesellschaft wird das ganze meist runter gespielt und Gerichtsurteile fallen milde aus. Und das, obwohl doch die mittlerweile weltweit wachsende Frauenrechtsbewegung ni una menos in Argentinien gegründet und in den letzten Jahren auch von der Politik mehr Beachtung bekommt. Die Regierung rund um Präsident Mauricio Macri hat endlich auch das Problem erkannt und knapp 2,7 Millionen Euro für den Kampf gegen den Machismus bereitgestellt. Dies allerdings auch nur wegen dem immensen öffentlichen Druck, den in Argentinien vor allem die Bewegung ni una menos auslöst. Vor circa einem Monat kam es aufgrund erneuter Gewalt gegen Frauen zu einer Demonstration, bei der sich die Frauen nackt vor das Regierungsgebäude und ihren Unmut somit offen zur Schau stellten.

Centurion

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Centurion kein unbeschriebenes Blatt bei der Polizei

Sollte Centurion ohne Bestrafung davon kommen, würde das die ohnehin schon erhitzten Gemüter nicht grade beruhigen. Aufgrund der klaren Beweise, in Form von Chatverläufen, denen man entnehmen kann, dass der 24-jährige Melisa Tozzi nicht nur physisch sondern auch psychisch misshandelt hat, darf dieser nun vorerst nicht mehr das Land verlassen. Für eine Haftstrafe reichen diese allerdings nicht aus. Laut Mariano Cúneo Libarona, Centurions Anwalt, wird es soweit auch gar nicht kommen. Es gab keine Gewalt von Seiten seines Mandanten gegen seine damalige Freundin. Bei Tozzi handle es sich lediglich um eine Frau die „nur Geld“ und bekannt werden möchte. Ricardo Centurion ist bei der  Polizei allerdings auch kein unbeschriebenes Blatt. Ganz im Gegenteil gab es schon einige Anzeigen gegen ihn, sowie Bilder die ihn mit Handfeuerwaffen zeigen. Dass an den Gerüchten über die Misshandlungen doch etwas dran sein könnten zeigt auch, dass jetzt die Mutter des Boca-Stars Tozzi bedroht.

Der Club selbst hat sich zu diesem Thema noch nicht geäußert. Trainer Guillermo Barros Schelotto wies in der Vergangenheit immer wieder darauf hin, dass ihn das Privatleben seiner Spieler nichts anginge und sie sich im Training von ihrer besten Seite gezeigt haben. Dabei könnte der Verein, der wahrscheinlich mehr Macht hat, als jeder Politiker im Lande, mit einer Distanzierung und Verurteilung solcher Taten ein Zeichen im Kampf gegen häusliche Gewalt setzen. Keine Reaktion von Seiten der Klubverantwortlichen würde nur noch einmal zeigen, wie wenig beachtet, ja sogar toleriert, solche Taten in der argentinischen Öffentlichkeit werden. Gerade für die jungen Menschen, die sich an Sportlern ein Beispiel nehmen und ihren Lebensstile nachahmen wollen, wäre wichtig, dass gezeigt wird, dass es so eben nicht geht, wichtig.

Ein langer Weg im Kampf gegen Machismus

Ricardo Centurion wäre jedoch nicht der erste in Argentinien der aufgrund seines Status als Fußballers über dem Gesetz stehen würde. Diego Maradonna, der in seinem Heimatland Kultstatus besitzt, hatte zu seiner aktiven Zeit und auch danach den ein oder anderen Skandal der ihm ohne weiteres verziehen wurde.

Sollte an den Anschuldigungen Tozzis was dran sein und Centurion kommt ohne Bestrafung davon, wäre es eine weitere Niederlage im Kampf gegen den Machismus in Argentinien. Es ist ein langer Weg, der in den letzten Jahren durch die Bewegung ni una menos einen starken Schub nach vorne bekommen hat. Fehlen tut aber immer noch reichlich.