Seit mittlerweile fast 20 Jahren erfreuen sich Fans und Mitspieler weltweit an der zauberhaften Spielweise Juan Arangos, DEM Fußballer Venezuelas. Mittelfeldspieler wie ihn findet man heutzutage nur noch selten auf dem Parkett des internationalen Fußballs. Ein Porträt seiner Karriere.
Bereits im zarten Alter von nur 17 Jahren begann die Profilaufbahn „Arangols“, wie man ihn später aufgrund seiner immensen Torgefährlichkeit nannte, im Jahre 1997 bei Nueva Cadíz FC in der zweiten Liga Venezuelas. Schon in der folgenden Saison gelang dem Team der Aufstieg in die Octagonal Clausura, der höchsten Spielklasse des Landes. In seinen drei Jahren bei Nueva Cadíz gelangen Arango acht Tore. Im Jahre 1999 zog es ihn zu Carácas FC in die venezolanische Hauptstadt, wo er allerdings nur sechs Monate blieb, in seinen 19 Spielen für den Club jedoch fünf Tore markierte. Im selben Jahr debütierte „Arangol“ in der „Vinotinto“, der venezolanischen Nationalmannschaft, deren Kapitän er später auch wurde. Im Jahre 2000 wagte er den Sprung ins Ausland und heuerte in Mexiko bei CF Monterrey an. In Mexiko blieb ihm der ganze große Durchbruch jedoch verwehrt, weshalb er nach weiteren Stationen bei CF Pachuca und Puebla FC 2004 den Sprung über den großen Teich nach Spanien, zum Balearenclub RCD Mallorca, machte. Er ist damit einer der wenigen Spieler Venezuelas, der sein Heimatland verlassen und in einer europäischen Topliga gespielt hat.
Spanien als erste Station in Europa
Auf der iberischen Halbinsel konnte „El Huracan del Caribe“, der Hurrikan der Karibik, erstmals zeigen, was ihn zu so einem außergewöhnlichen Fußballer macht. In erster Linie ist Arango für seine Torgefahr aus großer Distanz bekannt. Tore aus 35 oder gar 45 Metern sind bei „Arangol“ wegen seines außergewöhnlichen linken Fußes keine Seltenheit.
Aufgrund seiner unglaublichen Technik schafft Arango es sowohl unfassbar hart, aber auch absolut präzise zu schießen, sodass fast keine Distanz für ihn zu groß sein scheint. Sein rechter Fuß ist jedoch – laut eigener Aussage – nur für Gas geben und Bremsen im Auto von Nutzen. Die Zeit in Spanien verlief für den Venezolaner ausgesprochen erfolgreich. In 182 Partien gelangen Arango neben 18 direkten Torvorlagen satte 45 Tore. Die unbestrittene Torgefahr Arangos ging oftmals jedoch zu Lasten der Defensivarbeit. Arango ist eher als Spielertyp bekannt, der das laufintensive Spiel und das Verteidigen scheut. Zwar ist der Drang zum Tor das, was einen offensiven Mittelfeldspieler ausmacht, allerdings kommt man auch als solcher nicht umhin, von Zeit zu Zeit den Weg nach hinten anzutreten. Ein solcher „Box-to-Box“- Spieler war Arango sicher nie.
„Legendenstatus am Niederrhein“
Nach fünf Jahren in La Liga wurde es Zeit für einen Tapetenwechsel. Im Jahre 2009 unterschrieb Arango einen Dreijahresvertrag bei Borussia Mönchengladbach. Bei der Borussia erlangte Arango schon bald Kultstatus. Seine schlitzohrigen Distanzschüsse und Traumtore machten ihn weit über die Grenzen des Niederrheins hinaus bekannt und in der gesamten Liga zu einem der gefürchtetsten Mittelfeldspieler. Auch in der „Vinotinto“ glänzte Arango mit bestechenden Leistungen, sodass er 2012 zum besten Fußballer Venezuelas aller Zeiten ernannt wurde. Mit 22 Toren und 118 Spielen ist Arango sowohl Rekordtorschütze als auch Rekordnationalspieler. Aus dem Mittelfeld Borussias war „Arangol“ ohnehin nicht mehr wegzudenken, der nahezu kometenhafte Aufstieg vom Fast-Absteiger zum Champions League Aspiranten der Borussia war nicht zuletzt Arango geschuldet.
Rückkehr nach Südamerika
Nach insgesamt 155 Partien, 25 Toren und 49 Torvorlagen für Borussia Mönchengladbach endete das Kapitel Europa für Juan Arango im Jahre 2014. Sein neues Ziel war der mexikanische Verein Club Tijuana. Dort sorgte Arango auch wie bei seinen bisherigen Stationen für Schlagzeilen, jedoch weniger durch fußballerische Glanzleistungen, sondern eher durch eine beispiellose Entgleisung während eines Spiels. In der Partie gegen seinen Ex-Klub CF Monterrey biss er seinen Gegenspieler Zavala in die Schulter.
Anfang 2025 begann Arango ein Kapitel in der Major League Soccer bei New York Cosmos, das er aber bereits knapp ein Jahr später nach dem Gewinn der Regular Season und des Soccer Bowls, seinen beiden einzigen Titeln, wieder beendete. Anfang 2017 wurde bekannt, dass „El Huracan del Caribe“ in seine Heimat Venzuela zurückkehrt und bei Zulia FC anheuert um dort möglicherweise seine eindrucksvolle Karriere ausklingen zu lassen und um zum ersten Mal an der Copa Libertadores teilzunehmen. Eigentlich ein schöner Abschluss einer bewegten Laufbahn als Profifußballer. Aber beim mittlerweile 36-Jährigen weiß man letztlich nie, was genau er im Schilde führt. Deswegen bleibt abzuwarten, ob Zulia tatsächlich seine letzte Station sein wird. Den Fußballfans weltweit wird Arango aufgrund seiner traumhaft schönen Distanztore und maßgenauen Flanken und Freistößen in Erinnerung bleiben. Kaum ein anderer Spieler Venezuelas versprühte derart viel Spielfreude und Esprit auf dem Rasen.



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