Mit Allan de Souza steht ein verheißungsvolles Talent in den Startlöchern. Der Brasilianer ist beim FC Liverpool unter Vertrag und hatte vermutlich schon die „You´ll never walk alone“-Gesänge der legendären Anfield Road im Ohr. Der deutsche Übungsleiter, Jürgen Klopp, gilt bereits als Fan des Talents. Allan darf jedoch nicht eingesetzt werden. Chefutbol wirft einen Blick auf den Spieler und die Gründe für seine aktuelle Odysee.
„When I saw him in training I said oh my God, why can´t we keep him? Then I learned about FA rules.”
(Jürgen Klopp, Trainer FC Liverpool)
Der charismatische Trainer Jürgen Klopp ist bekannt für seine öffentlichen Auftritte. Stets findet er die richtigen Worte und amüsiert die Journalisten. Selbst, wenn ihm etwas missfällt, bringt er es auf seine ganz eigene sympathische Weise rüber. Dafür lieben ihn die Medien. Im jüngsten Fall, um den Spieler Allan de Souza, verbirgt sich hinter seinem Schmunzeln auch eine gewisse Kritik gegenüber diversen Transferregelungen der FA. Ein junges Talent, von dem Klopp begeistert ist, darf nicht eingesetzt werden. Der Deutsche ist „not amused“.
Ein Wnadervogel, der keiner sein möchte
Allan de Souza unterzeichnete seinen Vertrag beim großen FC Liverpool bereits im Jahr 2015. Der Club ist in jüngerer Vergangenheit zu einer beliebten Anlaufstation für begabte Brasilianer geworden. Roberto Firmino und Phillipe Coutinho konnten unter Klopp bereits Fuß fassen. Der 20-jährige de Souza will es ihnen nachmachen. Zunächst muss er sich jedoch gedulden. Nach seiner Unterschrift an der Anfield Road wurde er vorerst nach Finnland verliehen, um dort die nötige Spielpraxis zu erhalten. Statt dem großen FC Liverpool wurde SJK Seinäjoki sein Arbeitgeber. Nach seiner Rückkehr hatte Allan keine Spielberechtigung der FA erhalten, da Nicht-EU-Ausländer diese nur bekommen, wenn sie aktuelle Nationalspieler eines Landes der Top 75 Nationen der Weltrangliste sind.
Nach seiner ersten Leihe in die finnische Liga, in der er mit seinem Team gar Meister wurde, folgte ein weiterer Transfer nach Belgien. Diesmal hieß sein neuer Club VV St. Truiden. Dort verweilte er ein halbes Jahr, ehe er im Sommer zum dritten Mal nach Liverpool kam. Von dort aus wurde der damals 19-jährige erneut verliehen. Dieses Mal führte der Weg nach Deutschland, zur Hertha in die Hauptstadt. Das Leihgeschäft wurde bereits als Meisterstück von Klopp gefeiert. Hinter dem Transfer stand die Idee, einen alternativen Weg zum Erhalt der Arbeitspapiere für die Premier League zu finden. Die Dinge liefen jedoch etwas anders als erwartet.
Der Durchbruch in Berlin bleibt aus
Das Talent des jungen Mannes aus Porto Alegre wurde nie bezweifelt. Er besticht durch gute Antizipation der Ereignisse auf dem Spielfeld. Als zentraler Mittelfeldspieler ist er in der Lage, das Geschehen zu dirigieren. Auch der Kampf um den Ball und die dazugehörigen Grätschen zeichnen ihn und seine Spielweise aus. Ebenso spielt er hervorragende lange Pässe und ist für das Umschaltspiel und die Spielverlagerung eine wichtige Figur. Ein Manko bleibt jedoch – ein gerade 20 jähriger Neuzugang ist oft nicht die erste Wahl für die zentrale Position einer Topmannschaft. Allan hat sich nicht etabliert beim Hauptstadtclub.
Die Hertha spielt über die ganze Saison hinweg um die vorderen fünf Tabellenplätze mit. Das übersteigt die Erwartungen an die Mannschaft deutlich. Es verwundert kaum , dass Pál Dárdai häufig seinen erfahrenen Spielern den Vorzug gegenüber Allan gegeben hat. Nachdem er anfangs häufig nicht im Aufgebot der „Alten Dame“ zu finden war, hat er jedoch die letzten beiden Begegnungen gegen Mainz und gegen die Wölfe über die volle Distanz gespielt. Gegen Wolfsburg sprach man sogar von seinem bisher besten Spiel im europäischen Fußball. Insgesamt kommt der junge Brasilianer auf elf Einsätze und 540 Spielminuten in dieser Bundesligasaison.
FA durchkreuzt Klopps pläne
Und genau diese überschaubaren Einsatzzeiten, die Allan de Souza in Berlin bekommen hat, machen nun einen Strich durch die Rechnung von Jürgen Klopp. Mit ausreichend Spielzeit in einer der sechs besten Ligen Europas – zu denen die Bundesliga gehört – hätte man einen Weg für die Arbeitserlaubnis in England gefunden, auch wenn Allan noch kein Nationalspieler ist. Um eine Spielgenehmigung für die Premier League erhalten zu können, hätte Allan jedoch mindestens 30% der maximal möglichen Zeit auf dem Feld stehen müssen. Rein Hypothetisch sind bei den restlichen Partien lediglich noch 21% möglich. Klopp darf seinen Schützling also nach wie vor nicht an die Merseyside holen. Allan bleibt in der Warteschleife und ist das Opfer der Regularien.
Die FA koppelt die Bedingungen für die Arbeitserlaubnis an ein komplexes Punktesystem. Die Statuten besagen, dass der Nicht-EU-Ausländer in einer entsprechenden Anzahl an Spielen für seine Landesauswahl zum Einsatz kommt oder eine vorgegebene Menge an Punkten einheimst. Die benötigten Punkte wurden in der Bundesliga jedoch nicht erreicht. An internationalen Wettbewerben hat die Hertha in dieser Saison nicht teilgenommen. Es bleibt nur noch eine Option für Jürgen Klopp und dem FC Liverpool: Durch die Zahlung eines exorbitant hohen Gehaltes kann Allan weitere Punkte erhalten und vielleicht doch „schon“ im Sommer dieses Jahres die „You´ll never walk alone“-Chöre der Anfield Road hören. Ist das nicht der Fall, werden wir Allan de Souza womöglich wieder bei einem anderen Club sehen – und seine Odysee durch Europa geht weiter.


